12. Januar 1898.

Mein Leberleiden macht sich wieder fühlbar; ich suche ihm mit

Karlsbader Salz beizukommen. Der Frühspaziergang, der zu dieser Kur

gehört, wird zur Inspizierung der Station benutzt, da ich meinen Mann

auf seinem Rundgang begleite.

Die Moschee ist beinahe fertig, es fehlen nur noch die Türen. Zum

Beginn des Ramassan soll sie den Arabern übergeben werden. Schon

jetzt bitten sie Tom, er möge die heilige Stätte nur noch unbeschuht

betreten. Das Fundament für das Hospital ist gelegt; bis jetzt diente

eine geräumige, von einem schönen schattigen Baum überschattete Hütte

als solches; auch eine geräumige Schauri-Hütte ist bereits in Angriff

genommen, halbkreisförmig mit einer nischenartigen Ausbuchtung für

den Tisch des Schauri-Leiters, der von da aus sämtliche Anwesende gut

übersehen kann. Sobald die Moschee fertig ist, geht es an den Bau einer

Markthalle.

Auf der Station wimmelt es von Wahehe, die gleich Tom auf sichere

Meldungen warten, um die Quawa-Jagd wieder aufzunehmen. Es ist wirklich

viel von den Leuten, trotz der Erntezeit hier wochenlang untätig

zu liegen, während auf ihren Schambas die Feldfrüchte der Ernte

entgegenreifen. Ihre Anhänglichkeit an Tom hält stand; _Dr._ Stierling

sagte noch gestern: wer weiß, wie sich die Wahehe nach Toms Abgang

stellen würden; sie haben sich ihm persönlich unterworfen, und es liegt

nahe genug, daß sie seinem Nachfolger auf der Station sich nicht so

botmäßig zeigen werden. _Dr._ Stierling sieht wohl zu schwarz, immerhin

bereitet Tom die Wahehe jetzt schon darauf vor, daß er demnächst die

Station verlassen werde.

Am 23. ging Leutnant Orthmann nach Idunda ab.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 92 / 132 题