Gestern abend, kurz vor Schlafengehen, brachte mir ein Wachtposten
noch einen langen Brief von Tom. Aber anstatt der erwarteten Nachricht
seiner baldigen Rückkehr lese ich, daß die Expedition sich wohl
über vier Wochen ausdehnen wird. Sie waren bereits dicht an Quawas
Lager heran, und nun suchen sie möglichst auf seine weiteren Spuren
zu kommen. Das sind für mich recht böse Aussichten, denn nun ist der
glückliche Wahn gründlich zerstört, daß dies unsere letzte längere
Trennung gewesen sei. Tom schreibt, der Gouverneur sei sehr erfreut
über die gute Disziplin der Wahehe, über das Nachrichtenwesen und die
gute Laune, die trotz des zwölfstündigen Marsches in der schwierigen
Gebirgsgegend bei den Leuten herrscht. Der Gouverneur wird sich
dann von Tom trennen, um noch weiter die Bodenverhältnisse auf ihre
Ansiedelungsfähigkeit zu untersuchen. Soweit bis jetzt zu übersehen
ist, eignet sich das Land ganz hervorragend zur Besiedelung, und Oberst
Liebert will die Kolonisation nach Kräften beschleunigen.
Heute beehrte mich der Sultan von Mahenga, mein alter Freund Kiwanga
aus Perondo, mit seinem Besuch. Zu dieser Antrittsvisite hatte er sich
800 Leute aus Perondo mitgenommen, eine Vorsichtsmaßregel, die ich ihm
eigentlich nicht verdenken kann; der schlaue Fuchs Quawa hatte ihm
nämlich durch einen Msassagira-Boten sagen lassen, er solle sofort
mit seinen Leuten sich Quawa anschließen, der Sakkarani (nämlich
Tom) wolle ihn hängen lassen. Kiwanga hatte jedoch Vertrauen zu Toms
früherer Zusage, er lieferte den Quawa-Boten an Leutnant Kuhlmann
aus und machte sich auf den Weg zu uns; so ganz sicher schien er
aber seiner Sache nicht zu sein, wenigstens mußte ich ihm immer und
immer wieder versichern, daß Tom ihn nicht zu dem Zwecke herbestellt
habe, um ihn hier aufzuknüpfen, und es gelang mir auch, sein Zutrauen
vollständig zu festigen. Er bemühte sich dann noch eifrigst, mir den
Hof zu machen; daß er dabei meinen Mann bis in den Himmel hinein lobte
und pries, hielt er für das geeignetste Mittel, seiner Huldigung
besonderen Nachdruck zu geben. Als Freund Kiwanga sich endlich empfahl,
kam Pater Alfons zum Abendbrot, mit dem ich dann noch ein gemütliches
Plauderstündchen hielt.