27. Juli 1897.

Gestern abend, kurz vor Schlafengehen, brachte mir ein Wachtposten

noch einen langen Brief von Tom. Aber anstatt der erwarteten Nachricht

seiner baldigen Rückkehr lese ich, daß die Expedition sich wohl

über vier Wochen ausdehnen wird. Sie waren bereits dicht an Quawas

Lager heran, und nun suchen sie möglichst auf seine weiteren Spuren

zu kommen. Das sind für mich recht böse Aussichten, denn nun ist der

glückliche Wahn gründlich zerstört, daß dies unsere letzte längere

Trennung gewesen sei. Tom schreibt, der Gouverneur sei sehr erfreut

über die gute Disziplin der Wahehe, über das Nachrichtenwesen und die

gute Laune, die trotz des zwölfstündigen Marsches in der schwierigen

Gebirgsgegend bei den Leuten herrscht. Der Gouverneur wird sich

dann von Tom trennen, um noch weiter die Bodenverhältnisse auf ihre

Ansiedelungsfähigkeit zu untersuchen. Soweit bis jetzt zu übersehen

ist, eignet sich das Land ganz hervorragend zur Besiedelung, und Oberst

Liebert will die Kolonisation nach Kräften beschleunigen.

Heute beehrte mich der Sultan von Mahenga, mein alter Freund Kiwanga

aus Perondo, mit seinem Besuch. Zu dieser Antrittsvisite hatte er sich

800 Leute aus Perondo mitgenommen, eine Vorsichtsmaßregel, die ich ihm

eigentlich nicht verdenken kann; der schlaue Fuchs Quawa hatte ihm

nämlich durch einen Msassagira-Boten sagen lassen, er solle sofort

mit seinen Leuten sich Quawa anschließen, der Sakkarani (nämlich

Tom) wolle ihn hängen lassen. Kiwanga hatte jedoch Vertrauen zu Toms

früherer Zusage, er lieferte den Quawa-Boten an Leutnant Kuhlmann

aus und machte sich auf den Weg zu uns; so ganz sicher schien er

aber seiner Sache nicht zu sein, wenigstens mußte ich ihm immer und

immer wieder versichern, daß Tom ihn nicht zu dem Zwecke herbestellt

habe, um ihn hier aufzuknüpfen, und es gelang mir auch, sein Zutrauen

vollständig zu festigen. Er bemühte sich dann noch eifrigst, mir den

Hof zu machen; daß er dabei meinen Mann bis in den Himmel hinein lobte

und pries, hielt er für das geeignetste Mittel, seiner Huldigung

besonderen Nachdruck zu geben. Als Freund Kiwanga sich endlich empfahl,

kam Pater Alfons zum Abendbrot, mit dem ich dann noch ein gemütliches

Plauderstündchen hielt.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 80 / 132 题