Pater Alfons kam heute zum Frühstück. Dann machte ich einige
photographische Aufnahmen von Kiwangas Leuten. Ihn selbst
photographierte ich vor seinem Zelt, mit seinem Tisch, Stuhl, Flasche,
Glas und Teller; auf seine europäische Zelteinrichtung ist er nämlich
sehr stolz. Beim Griechen hatte er sich soeben einen eleganten Anzug
und neue Schuhe gekauft, da ihm seine Safari-Garderobe für die Station
nicht mehr ansehnlich genug erschien. Als ich mein Bad genommen und die
verordneten Umschläge gewissenhaft erledigt hatte, ließ ich mir von
Kiwanga und seinen 800 Kriegern ihre _ngoma_ (das Wort bedeutet sowohl
„Trommel“ und „Musik“ wie auch „Tanz“) vorführen, zuerst den Kriegstanz
der Mafiti, dann den der Wahehe. Kiwanga ist reiner Mhehe, sein und
Quawas Vater waren rechte Vettern, deren Feindschaft auch auf die Söhne
forterbte.
Es war ein interessantes Schauspiel, die 800 wilden Kerle in der ganzen
Eigenart ihrer heimischen Kampfweise diese Kriegsspiele, denn auf die
Darstellung eines Angriffes läuft die ganze Sache hinaus, vor mir
manövrieren zu sehen. Ich muß gestehen, daß es mir doch eine gewisse
Verlegenheit bereitete, vor dieser ganzen Menschenmenge als die _Bibi
mkubwa_, die „große Frau“, gefeiert zu werden, besonders da Kiwanga an
der Spitze seiner Leute mir seine Huldigung erwies. Der Sultan führte
die ganze Sache selbst und tanzte und sprang mit einer Gewandtheit
und einem feierlichen Ernst, der in den europäischen Kleidern etwas
unsagbar Komisches hatte. Erst als die neuen Schuhe, die auf derartige
Kriegsstrapazen nicht geeicht waren, ihm an den Füßen zerplatzten, und
seine Leute von dem tollen Rennen und Brüllen erschöpft waren, ließ
er mich durch den Effendi um die Erlaubnis bitten, das Kriegsspiel
beenden zu dürfen. Ich ging nun zu ihm und bedankte mich für das schöne
Schauspiel, worauf er mit seiner Kriegerschar sehr befriedigt abzog.
Daß die ganze Stadt sowie unsere Askaris mit Weibern und Kindern als
Zuschauer versammelt waren, versteht sich von selbst, eine „große
Parade“ wirkt immer und überall „aufs Zivil“.
Als besonders komischen Zwischenfall muß ich noch die Heldentat meiner
beiden Hunde Schnapsel und Pombe erwähnen. Mit wütendem Gebell fuhren
sie einem der Mafiti, der ihnen etwas zu nahe gekommen war, in die
Beine und verfolgten ihn unter dem Gelächter der Zuschauer weit über
den Plan. Es gelang mir nur schwer, ihren kriegerischen Sinn wieder
soweit zu dämpfen, daß sie von der Verfolgung abließen, dann setzten
sie sich aber mitten auf den Platz, gleichsam als die Angriffsobjekte
des ganzen Manövers, und beobachteten mit mißtrauischem Ohrenspitzen
jede Bewegung ihrer Feinde, entschlossen, nur der Übermacht zu weichen.
Abends kam Kiwanga, um Abschied zu nehmen; er wird morgen in aller
Frühe abmarschieren, um sich mit seinen Leuten Tom anzuschließen. Er
bat mich, ihm einen Brief an meinen Mann mitzugeben, was ich denn auch
tat. Der schwarze Bundesbruder hat mir doch viel Zerstreuung geboten,
und das hat mir gerade in diesen Tagen recht wohl getan, es blieb mir
nur wenig Zeit, meinen trüben Gedanken nachhängen zu können. Besonders
erbaulich war nun freilich nicht alles, womit mein Gastfreund mich
zu unterhalten suchte; so schilderte er mir recht anschaulich, daß
sein Bruder Sagamaganga zehn von seinen jungen Weibern aufgehängt und
sich dann selbst vergiftet hat. Beweggrund auch hier: _Cherchez la
femme._ Ich habe diesen Sagamaganga, der einer der mächtigsten
Sultane zwischen Mahenga und Schabruma war, zusammen mit seinem Bruder
Kiwanga auf einer Photographie, er war ein auffallend stattlicher,
hübscher Neger.