28. Juli 1897.

Pater Alfons kam heute zum Frühstück. Dann machte ich einige

photographische Aufnahmen von Kiwangas Leuten. Ihn selbst

photographierte ich vor seinem Zelt, mit seinem Tisch, Stuhl, Flasche,

Glas und Teller; auf seine europäische Zelteinrichtung ist er nämlich

sehr stolz. Beim Griechen hatte er sich soeben einen eleganten Anzug

und neue Schuhe gekauft, da ihm seine Safari-Garderobe für die Station

nicht mehr ansehnlich genug erschien. Als ich mein Bad genommen und die

verordneten Umschläge gewissenhaft erledigt hatte, ließ ich mir von

Kiwanga und seinen 800 Kriegern ihre _ngoma_ (das Wort bedeutet sowohl

„Trommel“ und „Musik“ wie auch „Tanz“) vorführen, zuerst den Kriegstanz

der Mafiti, dann den der Wahehe. Kiwanga ist reiner Mhehe, sein und

Quawas Vater waren rechte Vettern, deren Feindschaft auch auf die Söhne

forterbte.

Es war ein interessantes Schauspiel, die 800 wilden Kerle in der ganzen

Eigenart ihrer heimischen Kampfweise diese Kriegsspiele, denn auf die

Darstellung eines Angriffes läuft die ganze Sache hinaus, vor mir

manövrieren zu sehen. Ich muß gestehen, daß es mir doch eine gewisse

Verlegenheit bereitete, vor dieser ganzen Menschenmenge als die _Bibi

mkubwa_, die „große Frau“, gefeiert zu werden, besonders da Kiwanga an

der Spitze seiner Leute mir seine Huldigung erwies. Der Sultan führte

die ganze Sache selbst und tanzte und sprang mit einer Gewandtheit

und einem feierlichen Ernst, der in den europäischen Kleidern etwas

unsagbar Komisches hatte. Erst als die neuen Schuhe, die auf derartige

Kriegsstrapazen nicht geeicht waren, ihm an den Füßen zerplatzten, und

seine Leute von dem tollen Rennen und Brüllen erschöpft waren, ließ

er mich durch den Effendi um die Erlaubnis bitten, das Kriegsspiel

beenden zu dürfen. Ich ging nun zu ihm und bedankte mich für das schöne

Schauspiel, worauf er mit seiner Kriegerschar sehr befriedigt abzog.

Daß die ganze Stadt sowie unsere Askaris mit Weibern und Kindern als

Zuschauer versammelt waren, versteht sich von selbst, eine „große

Parade“ wirkt immer und überall „aufs Zivil“.

Als besonders komischen Zwischenfall muß ich noch die Heldentat meiner

beiden Hunde Schnapsel und Pombe erwähnen. Mit wütendem Gebell fuhren

sie einem der Mafiti, der ihnen etwas zu nahe gekommen war, in die

Beine und verfolgten ihn unter dem Gelächter der Zuschauer weit über

den Plan. Es gelang mir nur schwer, ihren kriegerischen Sinn wieder

soweit zu dämpfen, daß sie von der Verfolgung abließen, dann setzten

sie sich aber mitten auf den Platz, gleichsam als die Angriffsobjekte

des ganzen Manövers, und beobachteten mit mißtrauischem Ohrenspitzen

jede Bewegung ihrer Feinde, entschlossen, nur der Übermacht zu weichen.

Abends kam Kiwanga, um Abschied zu nehmen; er wird morgen in aller

Frühe abmarschieren, um sich mit seinen Leuten Tom anzuschließen. Er

bat mich, ihm einen Brief an meinen Mann mitzugeben, was ich denn auch

tat. Der schwarze Bundesbruder hat mir doch viel Zerstreuung geboten,

und das hat mir gerade in diesen Tagen recht wohl getan, es blieb mir

nur wenig Zeit, meinen trüben Gedanken nachhängen zu können. Besonders

erbaulich war nun freilich nicht alles, womit mein Gastfreund mich

zu unterhalten suchte; so schilderte er mir recht anschaulich, daß

sein Bruder Sagamaganga zehn von seinen jungen Weibern aufgehängt und

sich dann selbst vergiftet hat. Beweggrund auch hier: _Cherchez la

femme._ Ich habe diesen Sagamaganga, der einer der mächtigsten

Sultane zwischen Mahenga und Schabruma war, zusammen mit seinem Bruder

Kiwanga auf einer Photographie, er war ein auffallend stattlicher,

hübscher Neger.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 81 / 132 题