Heute sah ich mich nach meinen kleinen Schützlingen um, zwei kleine
Askarikinder, denen die Mutter gestorben und deren Vater auf einer
Expedition geblieben ist. Das eine Kind ist erst ein halbes Jahr alt
und bekommt jetzt von meiner Kuhmilch, das andere ist schon zwei Jahre
alt; sehr niedliche Kleine sind es, leider haben sie Angst vor mir.
Von dort ging ich zum Griechen, um Petroleum zu kaufen, er wird aber
erst in sechs Wochen welches erhalten; hoffentlich reicht mein Vorrat
noch so lange. Dann ging ich zur Bibi (Frau) Effendi, um mich für Eier
und ein seidenes Taschentuch zu bedanken; letzteres wollte ich nicht
annehmen und schickte es zurück, aber sie schickte es abermals wieder,
und um sie nicht zu beleidigen, behielt ich’s, werde ihr wohl eine Uhr
dafür zurückgeben, aber erst nach ein paar Tagen, denn sonst nimmt sie
es übel.
Wenn ich doch wenigstens ganz gesund wäre. Alle Tische für die Küche
müssen auch erst gemacht werden, denn die ich bis jetzt in der
Strohhütte hatte, sind in dem Boden festgemacht und beim Herausnehmen
sind sie entzweigegangen; es waren allerdings nur Kistendeckel. Nun
soll ich mich wieder schonen und Salzbäder nehmen, aber wann? In
Kürze kommt der Gouverneur, und in solcher Zeit geht alles drunter
und drüber. Dann bin ich Köchin, Dienerin und Hausfrau, d. h. ich
repräsentiere deutsche Küche, Keller, Speisesaal und Salon hier alles
in höchsteigener Person, so gut das eben hier, fern jeder Kultur, unter
den schwarzen Menschenkindern sich tun läßt.