2. Juni 1897.

Heute sah ich mich nach meinen kleinen Schützlingen um, zwei kleine

Askarikinder, denen die Mutter gestorben und deren Vater auf einer

Expedition geblieben ist. Das eine Kind ist erst ein halbes Jahr alt

und bekommt jetzt von meiner Kuhmilch, das andere ist schon zwei Jahre

alt; sehr niedliche Kleine sind es, leider haben sie Angst vor mir.

Von dort ging ich zum Griechen, um Petroleum zu kaufen, er wird aber

erst in sechs Wochen welches erhalten; hoffentlich reicht mein Vorrat

noch so lange. Dann ging ich zur Bibi (Frau) Effendi, um mich für Eier

und ein seidenes Taschentuch zu bedanken; letzteres wollte ich nicht

annehmen und schickte es zurück, aber sie schickte es abermals wieder,

und um sie nicht zu beleidigen, behielt ich’s, werde ihr wohl eine Uhr

dafür zurückgeben, aber erst nach ein paar Tagen, denn sonst nimmt sie

es übel.

Wenn ich doch wenigstens ganz gesund wäre. Alle Tische für die Küche

müssen auch erst gemacht werden, denn die ich bis jetzt in der

Strohhütte hatte, sind in dem Boden festgemacht und beim Herausnehmen

sind sie entzweigegangen; es waren allerdings nur Kistendeckel. Nun

soll ich mich wieder schonen und Salzbäder nehmen, aber wann? In

Kürze kommt der Gouverneur, und in solcher Zeit geht alles drunter

und drüber. Dann bin ich Köchin, Dienerin und Hausfrau, d. h. ich

repräsentiere deutsche Küche, Keller, Speisesaal und Salon hier alles

in höchsteigener Person, so gut das eben hier, fern jeder Kultur, unter

den schwarzen Menschenkindern sich tun läßt.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 78 / 132 题