Tom zog mit 1000 Wahehe aus, Leuten, die früher alle gegen uns
standen. Kaum war er fort, so wurde in der Nacht Luhota von Quawa
selbst und seinen Wahehe abgebrannt, 600 Stück Vieh und 700 bis 800
Weiber geraubt, die Männer niedergemacht. Quawa hat in der Nacht die
Temben alle umstellt und, als die Männer herauskamen, sie einfach alle
niedergemacht. Noch am Morgen sahen wir die Temben rauchen, es war ja
nur eine halbe Stunde von der Station! Bei dem hügeligen Terrain und
dem ausgedehnten Pori sind sie ohne Weg und Steg, von dem langen Grase
verdeckt, herangeschlichen. Der Feldwebel wurde gleich nachgeschickt,
da er aber nur sehr wenige Askaris hatte und die Leute gleich verteilen
mußte, konnte er nur 90 Weiber und 40 Stück Vieh wiederbringen. Vieh,
welches die Wahehe nicht mitnehmen konnten, haben sie niedergestochen;
Merkel ist wohl an 80 Stück totem Vieh vorbeigekommen. Unter den
fortgeführten Weibern ist auch eine von Farhenga, die unten gerade
Chakula kaufte, und alle von dem Jumben Satima, diese hat Quawa direkt
in sein Gefolge genommen. Eine von den Frauen des Satima hat sich bei
der Verfolgung hinter einem Busch versteckt und sich so wieder zu uns
retten können, sie erzählte, daß Quawa selbst bei dem Überfall im
Hintergrunde gewesen sei und alles von dort dirigiert habe. Nachdem
der Überfall geglückt, habe er sich in eine Tembe gesetzt und dort
Pombe getrunken, die gefangenen Weiber um ihn. Von dort habe er auch
seine Befehle im Fall einer Verfolgung gegeben. Parole: „Wenn ein
Europäer verfolgt, ausreißen; verfolgen nur Askaris und Wahehe, dann
angreifen!“ Die Furcht vor einem direkten Kampfe mit den Europäern ist
gottlob groß. Die Wahehe wissen sehr wohl, daß sie ihre Zahl schonen
müssen. Quawa selbst ist dann an der Spitze mit ein paar Getreuen und
den genannten Weibern abgezogen. Seine Leute haben sich auch zerstreut.
Tom schickt jetzt jede Nacht Patrouillen aus, um eine etwaige
Annäherung des Feindes zu verhindern. -- Ohne Bedeckung kann man jetzt
nicht aus der Boma gehen, denn 5 Minuten von unserem Hause entfernt
sind eine Frau und ein Fundi niedergestochen worden. Die letzten Tage
hatte ich immer Angst, daß auch die Strohbude mit unseren Vorräten
angezündet würde. Nun gottlob, Quawa hat die Gelegenheit verpaßt.
Die Nacht zum 1. Juni schlief ich zum ersten Male in unserem neuen
Hause. Gerade ein Jahr, daß ich kein festes Dach, sondern immer nur
Strohwände oder Zelt über mir hatte. Seit einem Jahr wieder einmal
auf Holzdielen zu gehen, wenn auch noch so primitiven, ist ein Genuß!
Jeder Schritt machte mir Vergnügen! Wenn mir nicht das Treppensteigen
verboten wäre, würde ich aus Freude fortwährend herauf und hinunter
gegangen sein. Wie ich stolz auf meine Treppe bin. Die Seligkeit,
hoch zu wohnen! mit welcher Freude schließe ich Türen und Fenster; es
ist mir alles noch so neu, ich möchte immer am Fenster stehen. Auch
diese Freude ist afrikanisch! Ich freue mich schon auf Tom und seine
Freude über unser stattliches Haus. Die Salzbäder, die ich nehmen
soll, muß ich natürlich aussetzen. Der Doktor schilt; aber freilich,
wenn es nach ihm ginge, so müßte ich stets liegen, und aus dem Umzug
kann dann werden, was will. So haben die Boys wohl auch gedacht, denn
nicht nur Mpischi, der schon seit Ostern liegt, sondern auch Mabruk
ist schleunigst so krank geworden, daß er fort mußte, er bekommt aber
natürlich seinen Lohn weiter, nun habe ich zum Umzuge nur einen Boy.
Schammy, der kleine zehnjährige Bengel, ist mein Koch, seine Leistungen
sind auch danach. Die kleinen Mädels müssen jetzt auch so helfen, daß
sie ganz blaß aussehen, sie sind mir jetzt eine große Hilfe. Die drei
Weiber, die ich noch habe, müssen buttern, Hühner besorgen, Geschirre
waschen, sind sonst aber kaum zu gebrauchen. Denn sie verstehen kein
Suaheli und vor allen Dingen wissen sie von keinem Gegenstande,
wozu man ihn gebraucht, und diese Frauen habe ich jetzt schon vier
Monate. Die schweren Sachen haben mir Träger herübergetragen, doch
das ist ja das wenigste. Freilich klappt noch längst nicht alles, die
Türen besonders bedürfen noch mancherlei Nachhilfe, ehe sie richtig
schließen, ein Fenster hatte noch keinen Haken, so daß der Wind es
gleich zerbrach usw.; überall sind noch Fundis tätig. Die Wohnung
war zuerst hoffnungsgrün gestrichen; damit meine Vorhänge, Portieren
usw. mit dem Anstrich harmonieren, habe ich sie jetzt noch einmal
anstreichen lassen, und zwar rosa, -- eine andere Farbe hatten wir
nämlich nicht, es wird jetzt aber sehr niedlich. Nur kann ich mir Tom
mit seinem Rauchen nicht so recht in diesem zarten Milieu vorstellen.
Nun sind noch Gardinen zu nähen und aufzustecken, denn am 1. Juli kommt
der Gouverneur nun wirklich; er hat sich schon angemeldet, und da
möchte ich doch mit allem fertig sein. Wenn wenigstens der Mpischi bis
dahin gesund würde.
Der Gouverneur will sich den Boden und die Ansiedlungsverhältnisse hier
ansehen.