23. Mai 1897.

Tom zog mit 1000 Wahehe aus, Leuten, die früher alle gegen uns

standen. Kaum war er fort, so wurde in der Nacht Luhota von Quawa

selbst und seinen Wahehe abgebrannt, 600 Stück Vieh und 700 bis 800

Weiber geraubt, die Männer niedergemacht. Quawa hat in der Nacht die

Temben alle umstellt und, als die Männer herauskamen, sie einfach alle

niedergemacht. Noch am Morgen sahen wir die Temben rauchen, es war ja

nur eine halbe Stunde von der Station! Bei dem hügeligen Terrain und

dem ausgedehnten Pori sind sie ohne Weg und Steg, von dem langen Grase

verdeckt, herangeschlichen. Der Feldwebel wurde gleich nachgeschickt,

da er aber nur sehr wenige Askaris hatte und die Leute gleich verteilen

mußte, konnte er nur 90 Weiber und 40 Stück Vieh wiederbringen. Vieh,

welches die Wahehe nicht mitnehmen konnten, haben sie niedergestochen;

Merkel ist wohl an 80 Stück totem Vieh vorbeigekommen. Unter den

fortgeführten Weibern ist auch eine von Farhenga, die unten gerade

Chakula kaufte, und alle von dem Jumben Satima, diese hat Quawa direkt

in sein Gefolge genommen. Eine von den Frauen des Satima hat sich bei

der Verfolgung hinter einem Busch versteckt und sich so wieder zu uns

retten können, sie erzählte, daß Quawa selbst bei dem Überfall im

Hintergrunde gewesen sei und alles von dort dirigiert habe. Nachdem

der Überfall geglückt, habe er sich in eine Tembe gesetzt und dort

Pombe getrunken, die gefangenen Weiber um ihn. Von dort habe er auch

seine Befehle im Fall einer Verfolgung gegeben. Parole: „Wenn ein

Europäer verfolgt, ausreißen; verfolgen nur Askaris und Wahehe, dann

angreifen!“ Die Furcht vor einem direkten Kampfe mit den Europäern ist

gottlob groß. Die Wahehe wissen sehr wohl, daß sie ihre Zahl schonen

müssen. Quawa selbst ist dann an der Spitze mit ein paar Getreuen und

den genannten Weibern abgezogen. Seine Leute haben sich auch zerstreut.

Tom schickt jetzt jede Nacht Patrouillen aus, um eine etwaige

Annäherung des Feindes zu verhindern. -- Ohne Bedeckung kann man jetzt

nicht aus der Boma gehen, denn 5 Minuten von unserem Hause entfernt

sind eine Frau und ein Fundi niedergestochen worden. Die letzten Tage

hatte ich immer Angst, daß auch die Strohbude mit unseren Vorräten

angezündet würde. Nun gottlob, Quawa hat die Gelegenheit verpaßt.

Die Nacht zum 1. Juni schlief ich zum ersten Male in unserem neuen

Hause. Gerade ein Jahr, daß ich kein festes Dach, sondern immer nur

Strohwände oder Zelt über mir hatte. Seit einem Jahr wieder einmal

auf Holzdielen zu gehen, wenn auch noch so primitiven, ist ein Genuß!

Jeder Schritt machte mir Vergnügen! Wenn mir nicht das Treppensteigen

verboten wäre, würde ich aus Freude fortwährend herauf und hinunter

gegangen sein. Wie ich stolz auf meine Treppe bin. Die Seligkeit,

hoch zu wohnen! mit welcher Freude schließe ich Türen und Fenster; es

ist mir alles noch so neu, ich möchte immer am Fenster stehen. Auch

diese Freude ist afrikanisch! Ich freue mich schon auf Tom und seine

Freude über unser stattliches Haus. Die Salzbäder, die ich nehmen

soll, muß ich natürlich aussetzen. Der Doktor schilt; aber freilich,

wenn es nach ihm ginge, so müßte ich stets liegen, und aus dem Umzug

kann dann werden, was will. So haben die Boys wohl auch gedacht, denn

nicht nur Mpischi, der schon seit Ostern liegt, sondern auch Mabruk

ist schleunigst so krank geworden, daß er fort mußte, er bekommt aber

natürlich seinen Lohn weiter, nun habe ich zum Umzuge nur einen Boy.

Schammy, der kleine zehnjährige Bengel, ist mein Koch, seine Leistungen

sind auch danach. Die kleinen Mädels müssen jetzt auch so helfen, daß

sie ganz blaß aussehen, sie sind mir jetzt eine große Hilfe. Die drei

Weiber, die ich noch habe, müssen buttern, Hühner besorgen, Geschirre

waschen, sind sonst aber kaum zu gebrauchen. Denn sie verstehen kein

Suaheli und vor allen Dingen wissen sie von keinem Gegenstande,

wozu man ihn gebraucht, und diese Frauen habe ich jetzt schon vier

Monate. Die schweren Sachen haben mir Träger herübergetragen, doch

das ist ja das wenigste. Freilich klappt noch längst nicht alles, die

Türen besonders bedürfen noch mancherlei Nachhilfe, ehe sie richtig

schließen, ein Fenster hatte noch keinen Haken, so daß der Wind es

gleich zerbrach usw.; überall sind noch Fundis tätig. Die Wohnung

war zuerst hoffnungsgrün gestrichen; damit meine Vorhänge, Portieren

usw. mit dem Anstrich harmonieren, habe ich sie jetzt noch einmal

anstreichen lassen, und zwar rosa, -- eine andere Farbe hatten wir

nämlich nicht, es wird jetzt aber sehr niedlich. Nur kann ich mir Tom

mit seinem Rauchen nicht so recht in diesem zarten Milieu vorstellen.

Nun sind noch Gardinen zu nähen und aufzustecken, denn am 1. Juli kommt

der Gouverneur nun wirklich; er hat sich schon angemeldet, und da

möchte ich doch mit allem fertig sein. Wenn wenigstens der Mpischi bis

dahin gesund würde.

Der Gouverneur will sich den Boden und die Ansiedlungsverhältnisse hier

ansehen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 77 / 132 题