15. Mai 1897.

Leutnant Kuhlmann war ganz erstaunt über unsere große Stadt. An der

Küste hätte man keine Ahnung davon. Man könnte sich ein so schnelles

Wachsen einer Stadt nicht vorstellen. -- Nun, ich freue mich, wenn der

Gouverneur sich selbst von Toms Erfolgen überzeugen kann. Auch das

kann man als „echt afrikanisch“ bezeichnen, in Deutschland wenigstens

soll es nicht gerade üblich sein, daß die Offiziere sich nach den

Besichtigungen durch ihre Vorgesetzten sehnen. -- Übrigens hieß es

plötzlich, der Gouverneur sei nur noch einen Tagesmarsch von hier; ich

machte gleich Makronen, Schokoladenplätzchen, Räderkuchen, Waffeln,

alles gelang schön. Da ich gerade Honig bekam, setzte ich auch noch

Teig zu Honigkuchen an. -- Mein spezielles Departement, das des Innern

und der Haus- und Landwirtschaft, ist für den hohen Besuch ebenfalls in

bester Verfassung.

[Illustration: Das Stationshaus in Iringa.

(Zu S. 114.)]

[Illustration: Das Arbeitszimmer.

(Zu S. 115.)]

Von der Taktik der Wahehe, die Wege ungangbar zu machen, konnte auch

Leutnant Kuhlmann erzählen. Sie stecken giftige Bambusspitzen in

den Weg, verlegen denselben mit riesigen Hindernissen, die großen

Aufenthalt verursachen, oder legen kleinere Hemmnisse an, so daß

die Leute fallen oder mindestens stolpern; ferner machen sie in die

Urwälder und Pori große Sackstraßen, so daß man falsch geht; auch Graf

Fugger weiß davon ein Liedchen zu singen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 76 / 132 题