6. Mai 1897.

Ich habe vom 27. April an sehr schlechte Tage hinter mir. Am 29. war

mir der Gedanke schrecklich, in Toms Abwesenheit operiert zu werden,

es konnte doch auch schlecht ablaufen, und Tom wäre nicht zu erreichen

gewesen. Aber Gott sei Dank, spät abends kam Tom wieder an. Er hatte

so viele Gefangene, etwa 500 Leute und 200 Stück Vieh, daß er deswegen

umkehren mußte, denn es waren jetzt mehr Gefangene, als Tom selbst

Leute in seinem Zuge hatte; gefallen sind dabei 40 feindliche Krieger.

Die Leute bei Iringa sind jetzt so beruhigt, daß sie mit Tom selbst

gegen ihre Stammesbrüder ziehen; das ist ein großer Erfolg. Quawa ist

jetzt in eine andere Wildnis übergesiedelt, in der alten Gegend fühlt

er sich nicht mehr sicher. Er hält sich an einem Platz nie länger als

zwei Tage auf, wie der ewige Jude wandert er von Ort zu Ort. Seine

Anhänger setzen sich jetzt verzweifelt zur Wehr, immer noch erscheinen

Trupps (Tom hat vier solche zu je 40 bis 60 Wahehekriegern angetroffen,

die auf dem Zuge gegen uns begriffen waren, und sie zurückgejagt). Auf

ihr Konto müssen wir die vielen Meuchelmorde setzen. -- Tom hat sehr

viel zu tun. Jetzt, wo ich elend bin, sehne ich mich doch sehr nach

unserm Hause, ich werde dann auf der schönen Veranda liegen können.

Das Liegen ist zu unangenehm, da man dabei kaum schreiben kann. Am 3.

Mai sind der neue Feldwebel und der Bauleiter angekommen. Trotzdem

er die Dielen der Hinterzimmer aufreißen läßt, weil sie zu schlecht

gebaut sind, will er schon in 14 Tagen mit dem ganzen Haus fertig sein.

Wahrscheinlich gehen Spiegel und Wilkins (Feldwebel und Bauleiter),

beide wegen Krankheit abgelöst, morgen zur Küste. Eben bringt Tom mir

wunderschönen Weizen, der auf +ungedüngtem+ Boden gewachsen ist,

überhaupt ist der Garten unten nicht gedüngt.

Gestern abend kam endlich die Post. Wie wir uns über die Schreiben und

Zeitungsausschnitte freuten! Heute kam Leutnant Kuhlmann mit einem

Unteroffizier und 30 Askaris hier an, um sich Tom zur Verfügung zu

stellen. Es verlautet, daß der Gouverneur im Juni eine Reise in das

Innere antreten und auch hierher kommen will, und daß Herr v. Eberstein

krank sei.

Weizen geerntet, auf wasserdichten Decken statt Tenne ausgedroschen;

der Ertrag ergab das 24fache der Aussaat, also das 24. Korn. Auch der

Weizen ist ebensowenig wie der Garten weder gegossen noch gedüngt.

Heute kam auch die Karawane für uns an. Wir hatten wieder allein

fünf Träger für Postsachen -- und der Trägerlohn ist jetzt auf 21

Rupien (Rp. = 1.40 Mk.) erhöht! Für ein kleines leichtes Weinfäßchen

waren zwei Träger nötig, desgleichen zu einer kleinen Frachtkiste aus

Liegnitz; der fünfte Träger brachte ein Postpaket. Wie groß, unendlich

groß würde die Freude über alles sein, wenn es nicht den abscheulichen

Beigeschmack der Trägerkosten hätte.

Nach Perondo bekamen wir die Zehnpfundpakete umsonst geschickt; dies

ist jetzt nicht mehr der Fall, da aber nur drei solcher Pakete auf eine

Last gehen, müssen wir diese Packungsweise vermeiden. Es empfiehlt sich

vielmehr, alle Sendungen in Deutschland ansammeln zu lassen, bis sie

zusammen, einschließlich Verpackung, etwa 60 Pfund wiegen -- aber nicht

mehr, sonst geht es uns wie mit dem Weinfaß, das nur 70 Pfund wog und

zwei Träger brauchte. Bei allem muß man eben sein Lehrgeld zahlen, aber

wir bleiben ja lange genug hier, um noch die Früchte davon zu ernten.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 75 / 132 题