26. April 1897.

Nun sind es noch neun Tage bis zu Toms Rückkehr! Ich streiche jeden Tag

im Kalender mit einem dicken roten Strich durch, wie wir’s einst in

der Pension taten, wenn die Ferien herankamen. Aus Iringa wieder böse

Nachricht: ein Boy und ein Träger erstochen. Auch an häuslicher Unruhe

fehlt es nicht. Der Mpischi (Koch) legt mir seine ehelichen Sorgen

vor; seine Frau treibt sich seit sechs Tagen herum; da sie ihm seine

Tücher und Hemden mitgenommen, lasse ich sie, nach genauer Feststellung

des Tatbestandes, zur Wache bringen, damit sie beim nächsten Schauri

bestraft wird. Heute ließ ich mir Mgunditemi holen; das arme Ding ist

krank. Ich gab ihr Fleisch und Reis; sie ist übrigens eine schlanke,

hübsche Frau.

Ich war heute einen Augenblick im Garten, die Kartoffeln sind schon

ganz braun, wenn Tom zurück, müssen sie gleich herausgenommen werden,

allein mag ich es nicht tun. Dann machen wir wieder Kartoffelfeuer,

rösten Kartoffeln, das gibt uns viel Spaß, wie neulich unten im Garten.

Leutnant Braun ist seit gestern zurück. Er sagte auch, daß sich die

Wahehe ganz anders gezeigt hätten als die übrigen Neger. Er hat eine

ganze Ortschaft zerstört und die Temben eingerissen; kaum war er zwei

Stunden fort, so sah er, wie die Wahehe zurückkamen und ihre Temben

wieder aufbauten, so daß er nochmals zurück mußte. Drei Träger sind

an Überanstrengung gestorben, der eine davon ist unter seiner Last

zusammengebrochen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 74 / 132 题