23. April 1897.

Seit 5 Wochen keine Post! Mein Schammy fand heute das Abzeichen eines

Askari-Tschausch’s, sofort kam er damit an und meldete sich bei mir

als „_tschausch ya kuku_“ (Hühnersergeant). Das Soldatenspielen steckt

doch nun einmal allen Jungens im Blut, in Afrika so gut wie bei uns

Deutschen. Alle unsere Leute sind sehr zutraulich und bringen ihre

kleinen Sorgen und Freuden bei mir an. Meine kleinen Mädels spielen

jetzt seht hübsch.

Heute Nachricht von Tom; als Morgengruß schickte er eine Giraffe mit

wundervollem Fell, die ihm auf dem Marsch vor die Flinte gekommen war.

Die Soldaten haben das Fell ausgespannt und gereinigt. Wie schwer es

mir wird, jetzt zu liegen! Garten und Hühnerzucht den Schwarzen so

ganz überlassen zu müssen, ist so schwer. Es war schon alles hübsch im

Gange, nun geht es wieder zu Grunde. Der Neger bedarf doch einer ganz

anderen und schärferen Aufsicht als die Leute zu Hause. Die gesamten

Vorräte für Monate müssen nun wenigstens für die Boys zugänglich

bleiben, und was die im Stehlen und Naschen leisten, das wird sich

schon noch fühlbar machen. In diesem ungewohnten Zustande absoluter

Freiheit in Haus und Garten vergessen meine schwarzen Dienstboten,

daß sie überhaupt eine Herrin haben. Eines Tages waren sie samt und

sonders am Morgen bereits verschwunden und kamen erst abends wieder.

So lag ich denn den ganzen Tag über mutterseelenallein im Hause, zu

schwach, um mich erheben zu können, ohne eine Menschenseele auch nur in

erreichbarer Nähe zu haben. Der Tag gehört zu dem Schlimmsten, was ich

hier durchgemacht habe.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 73 / 132 题