21. April 1897.

Heute mittag ging Tom fort, ich konnte ihn nicht einmal begleiten,

da ich fest liege. Für Tom auch schrecklich, mich hier so allein

zurückzulassen. Da heißt’s eben: Kopf hoch! -- Vorher noch großes

Schauri mit Merere und Winkler. Merere will durchaus zu dem Grabe

seines Vaters, um dort zu beten und Dawa zu machen. Er glaubt nämlich,

sein Vater habe ihm die Krankheit zur Strafe geschickt, weil er so

lange nicht am Grabe gebetet habe. Winkler soll ihn begleiten. Ein

Sultan wird nach seinem Tode von seiner Familie als Gott verehrt; also

der richtige ausgesprochene Ahnenkultus wie bei den Chinesen. Sein

Grab wird mit besonderer Sorgfalt gepflegt. So sind z. B. auf dem des

alten Quawa prachtvolle Elfenbeinzähne aufgestellt. Auch die erste

Frau des Sultans wird in gleicher Weise geehrt. An den Gräbern beten

dann der Sohn und die richtigen Brüder, also Söhne desselben Vaters

und derselben Mutter. Die Halbbrüder und Großen des Landes dürfen

bei dieser Feier zugegen sein. Ein Sultan geht nie ohne sein Gefolge

zu dieser Andacht, an der nur die Söhne teilnehmen. Die Töchter, wie

überhaupt alle Frauen, sind ausgeschlossen. Die andern Frauen des

Sultans werden im Pori, also im Urwaldgebüsch, nur ganz oberflächlich

verscharrt und zum Schutz gegen wilde Tiere mit Baumstämmen bedeckt.

Dasselbe geschieht mit den Leichen der Halbbrüder; deren Weiber werden

überhaupt nicht begraben, sondern in der Wildnis auf einem Stapel

zusammengeschichteter Baumstämme ausgesetzt; ebenso die Großen des

Landes nach einer sehr einfachen Rangabstufung: je kleiner der Mann,

desto niedriger der Stapel. Die Sklavenleichen wirft man einfach ins

Pori. Eine große Menge Leute geht mit, die Weiber weinen und machen

großes Geschrei, ebenso weinen die Männer und die Verwandten. Haben sie

die Leiche weggeworfen, dann baden die Verwandten und nächsten Freunde

im nächsten Fluß. Im Trauerhause kommen dann die weiblichen Verwandten

und Freundinnen zusammen, unter Fasten weinen, schreien sie drei bis

vier Tage lang, die Mutter fünf Tage. Das Gesicht zur Wand gekehrt und

in die Hände gestützt, kauern sie die ganze Trauerzeit über.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 72 / 132 题