Heute kamen zwei Brüder für die Mission an, der eine hatte Fieber und
zog sich bald zurück, dem andern zeigte ich unser Haus, den Garten und
die Stadt. Er war einfach perplex, und trotzdem ich ihm versichert
hatte, vor einem halben Jahr habe nur unsere Hütte gestanden und vor
sieben Monaten sei noch alles Pori gewesen und keine Menschenseele
hätte auf dem Bergrücken existiert, fragte er doch noch, ob hier nicht
wenigstens schon Negerhütten gestanden hätten. Für so unglaublich
hielt er das schnelle Entstehen der Stadt. Man braucht aber auch schon
reichlich eine halbe Stunde, um durch die Stadt allein zu gehen, so
viel Straßen sind schon entstanden. Es ist erstaunlich, wie der Name
Sakkarani die Leute angezogen hat; wir fürchten nur, daß die Stadt
zurückgehen wird, denn so viel Menschen können hier wohl kaum ihr
Brot, d. h. ihren Mais verdienen. Dann gingen wir durch die Station
zurück in das Dorf der Eingeborenen, welches sich hinter unserem Hause
anschließt. Es ist schon bedenklich gewachsen und hat schon an 300
Mann; die Temben müssen allerdings noch zum Teil gebaut werden. Aus dem
Erstaunen kam der Bruder gar nicht heraus.
Über unsern Garten war er auch sehr erfreut, denn alles gedeiht
prachtvoll. Jede Rübenart, jede Kohlart, sogar Rosenkohl, Tomaten,
Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Schnittlauch, Petersilie, Majoran, Sellerie,
Dill, Pfeffermünzkraut, Salat, Rettich, Radieschen stehen schön.
Mohn und Artischoken scheinen auch zu gedeihen, nur mit Gurken und
Melonen hapert es, und wahrscheinlich nur, weil wir sie nicht zu
ziehen verstehen. Kartoffeln stehen gleichfalls sehr schön. Die Brüder
waren über unsern Garten schon so entzückt, was würden sie erst zu
dem unten am Ruaha gesagt haben, wo alles noch besser gedeiht; dort
stehen Apfelsinenbäumchen, Feigen, Mango, Zitronen, zwei kleine
Weinreben. Hoffentlich gedeihen sie weiter so. Bananen, Ananas und
auch eine Kokosnuß sind aufgegangen. Der Weizen steht niedrig, ist
aber gleichmäßig gereift, was vielfach im Innern nicht der Fall
sein soll, und Stroh brauchen wir nicht; es ist hier ein herrliches
Ansiedelungsgebiet, und der Bauer würde sein schönes Auskommen haben,
denn zu alledem kommen noch das schöne Vieh und Weideland. Auch ist die
Gegend hier gesund, also alles „_tajari_“, nur die eine Frage ist
nicht gelöst: Wie kommt der Bauer hierher?
* * * * *
Heute kamen ein Feldwebel und ein Bootsunteroffizier für Langenburg
an, die einen Ruhetag hier machen und dann weiter marschieren, dann
nehmen sie natürlich die 100 Lasten mit. Reichlich zwei Monate haben
die Lasten hier liegen müssen, die Sachen werden also fünf Monate
unterwegs sein. Wie schmerzlich werden sie von den Europäern erwartet
werden? Meine Nähmaschine hatte ich gestern mit Mühe und Not zum Nähen
gebracht, gestern ging sie sehr gut, doch plötzlich versagte sie.
Da der Bootsunteroffizier in seinem Zivilverhältnis Uhrmacher war,
glaubte ich, er würde sie mir wieder zurecht machen können. Der brave
Mann hat sich auch so lange geplagt, bis er sie wieder in Gang hatte.
Wegen meiner Maschine habe ich schon einmal einen fremden Unteroffizier
zu Rate ziehen müssen. Wir erhielten auch die Bestätigung, daß Toms
Breitenbestimmungen richtig sind; kein falscher Stern ist beobachtet.
Hoffentlich gelingt es uns immer so.