7. April 1897.

Heute kamen zwei Brüder für die Mission an, der eine hatte Fieber und

zog sich bald zurück, dem andern zeigte ich unser Haus, den Garten und

die Stadt. Er war einfach perplex, und trotzdem ich ihm versichert

hatte, vor einem halben Jahr habe nur unsere Hütte gestanden und vor

sieben Monaten sei noch alles Pori gewesen und keine Menschenseele

hätte auf dem Bergrücken existiert, fragte er doch noch, ob hier nicht

wenigstens schon Negerhütten gestanden hätten. Für so unglaublich

hielt er das schnelle Entstehen der Stadt. Man braucht aber auch schon

reichlich eine halbe Stunde, um durch die Stadt allein zu gehen, so

viel Straßen sind schon entstanden. Es ist erstaunlich, wie der Name

Sakkarani die Leute angezogen hat; wir fürchten nur, daß die Stadt

zurückgehen wird, denn so viel Menschen können hier wohl kaum ihr

Brot, d. h. ihren Mais verdienen. Dann gingen wir durch die Station

zurück in das Dorf der Eingeborenen, welches sich hinter unserem Hause

anschließt. Es ist schon bedenklich gewachsen und hat schon an 300

Mann; die Temben müssen allerdings noch zum Teil gebaut werden. Aus dem

Erstaunen kam der Bruder gar nicht heraus.

Über unsern Garten war er auch sehr erfreut, denn alles gedeiht

prachtvoll. Jede Rübenart, jede Kohlart, sogar Rosenkohl, Tomaten,

Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Schnittlauch, Petersilie, Majoran, Sellerie,

Dill, Pfeffermünzkraut, Salat, Rettich, Radieschen stehen schön.

Mohn und Artischoken scheinen auch zu gedeihen, nur mit Gurken und

Melonen hapert es, und wahrscheinlich nur, weil wir sie nicht zu

ziehen verstehen. Kartoffeln stehen gleichfalls sehr schön. Die Brüder

waren über unsern Garten schon so entzückt, was würden sie erst zu

dem unten am Ruaha gesagt haben, wo alles noch besser gedeiht; dort

stehen Apfelsinenbäumchen, Feigen, Mango, Zitronen, zwei kleine

Weinreben. Hoffentlich gedeihen sie weiter so. Bananen, Ananas und

auch eine Kokosnuß sind aufgegangen. Der Weizen steht niedrig, ist

aber gleichmäßig gereift, was vielfach im Innern nicht der Fall

sein soll, und Stroh brauchen wir nicht; es ist hier ein herrliches

Ansiedelungsgebiet, und der Bauer würde sein schönes Auskommen haben,

denn zu alledem kommen noch das schöne Vieh und Weideland. Auch ist die

Gegend hier gesund, also alles „_tajari_“, nur die eine Frage ist

nicht gelöst: Wie kommt der Bauer hierher?

* * * * *

Heute kamen ein Feldwebel und ein Bootsunteroffizier für Langenburg

an, die einen Ruhetag hier machen und dann weiter marschieren, dann

nehmen sie natürlich die 100 Lasten mit. Reichlich zwei Monate haben

die Lasten hier liegen müssen, die Sachen werden also fünf Monate

unterwegs sein. Wie schmerzlich werden sie von den Europäern erwartet

werden? Meine Nähmaschine hatte ich gestern mit Mühe und Not zum Nähen

gebracht, gestern ging sie sehr gut, doch plötzlich versagte sie.

Da der Bootsunteroffizier in seinem Zivilverhältnis Uhrmacher war,

glaubte ich, er würde sie mir wieder zurecht machen können. Der brave

Mann hat sich auch so lange geplagt, bis er sie wieder in Gang hatte.

Wegen meiner Maschine habe ich schon einmal einen fremden Unteroffizier

zu Rate ziehen müssen. Wir erhielten auch die Bestätigung, daß Toms

Breitenbestimmungen richtig sind; kein falscher Stern ist beobachtet.

Hoffentlich gelingt es uns immer so.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 67 / 132 题