24. März 1897.

Gestern abend (ich entwickelte gerade Bilder) hatte ich noch die

Freude, Tom gesund wieder zu sehen. Es kam mir ganz unerwartet. Tom

war riesig vergnügt und erzählte seine Erlebnisse sehr amüsant. Bis

5 Uhr morgens durchmarschiert, im Walde versteckt gelagert, Brot und

Wurst gegessen, dann in der nächsten Nacht zu der Höhle und den Temben

geschlichen. Dort bis zur Morgendämmerung gelauert. Der Boy hatte

vergessen, während der Nacht etwas Tee zu kochen, also wieder nichts

Warmes, und dann auf dem Bauch zu den verschiedenen Temben gekrochen.

Sie sind so leise herangeschlichen, daß sie die Leute drinnen sprechen

hörten; endlich sind alle Temben umstellt, und Tom gibt das Zeichen,

daß jeder die Tür seiner Tembe öffnen lassen sollte. Er selbst war

bei der Haupttembe, wo sich folgende Szene abgespielt hat. Toms Leute

haben an die Türe geklopft und zunächst in der Wahehesprache gefordert,

sie möchten die Tür aufmachen, „sie seien Leute von Quawa“ -- keine

Antwort, darauf auf Kissangu, „sie seien Leute von Merere“, -- keine

Antwort, nun auf Suaheli, „sie seien Leute von bwana mkubwa“, worauf

sofort die Tür aufgemacht wurde. Es waren friedliche Menschen, die

uns treu gesinnt sind und Quawa fürchten. Tom ist sich ganz dumm

vorgekommen; soviel Anstrengung, um unschuldige Leute aus dem Schlaf

zu stören. Wäre Quawa darin gewesen, er hätte nicht entwischen können.

Hoffentlich gelingt es mit Quawa ein andermal. Tom ist aber sehr froh,

doch dagewesen zu sein, da er jetzt weiß, daß dort sichere Leute sitzen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 57 / 132 题