Vorgestern konnte ich nicht mehr schreiben. Sadallaleute waren nach den
verschiedenen Mördern ausgeschickt, die ziemlich erfolglos zurückkamen,
sie brachten nur die Brüder und Weiber der Schuldigen an. Wir stehen
hier wirklich im Kampf ums Dasein.
Die Wahehe haben ihre Vernichtung gewollt, sie haben den Kampf abermals
durch Mordtaten begonnen. Jetzt heißt es, mit Strenge vorgehen, denn
Toms Menschenfreundlichkeit halten sie, an Quawas Grausamkeit gewöhnt,
für Schwäche. Die Nächte sind gräßlich. Heute konnte ich überhaupt
nicht schlafen, der Anruf der Patrouillen dröhnt laut durch die Nacht
und hält mich munter. Übrigens geht es nicht bloß mir so. Auch Winkler
und Stierling schlafen schlecht und träumen von Wahehe, Mord und
Totschlag, trotz ihrer eisenfesten Nerven.
Gestern habe ich Mgumditemi den ersten Schreibunterricht erteilt,
es scheint sie aber so angestrengt zu haben, daß sie heute nicht
kommen konnte, weil sie krank sei. Das hat mir nun sehr den Mut zum
Weiterlehren genommen.
Beim heutigen Spazierengehen war ganz herrliche Beleuchtung, doch das
ewige Revolverschleppen beeinträchtigt den Naturgenuß, und doch bin
ich jetzt ziemlich ängstlich, so daß ich stets Sublimat bei mir trage;
sollte es, was Gott verhüten möge, zum äußersten kommen und sich das
Märchen von meiner Gefangennahme verwirklichen, so wäre mir wenigstens
beim schlimmsten ein Ausweg möglich.
Tom mußte ich versprechen, nie ohne Begleitung zu gehen, deshalb nahm
ich einen Ombascha mit. Heute habe ich meinen Schmuck und unser Silber
aus dem Silberkasten alles in einen Koffer gepackt, um bei Feuer oder
einer anderen Gefahr alles Wertvollere rasch bei der Hand zu haben.
Dann habe ich Wein abgefüllt.