25. März 1897.

Gestern abend hätte uns beinahe das Schicksal ereilt. Tom und ich

gingen zur Viehtembe, wo von dem jungen Sikki Rinder ausgeteilt wurden,

ich wollte nun dieselbe Straße gehen, die Sikki später auch kommen

mußte. Tom hielt das für langweilig und schlug einen anderen Weg

durchs Dorf vor, und welch ein Glück war es, denn ein paar Minuten

später zog Sikki seines Weges, und ein Wahehe schoß auf ihn und ergriff

dann schleunigst die Flucht. Wir wären für ihn ein Ziel gewesen, das

er vielleicht besser getroffen hätte. Wir hörten den Schuß fallen,

glaubten aber, man habe einen Ochsen für die Merereleute geschossen.

Hier werden die Ochsen nicht wie zu Hause geschlachtet, sondern

erschossen. Wir gingen also ruhig weiter, als wir auf dem Rückwege

waren, kam uns ein Mann mit Flinte und Revolver entgegen, es sei

Alarm. Tom sagte, daß dies nicht möglich sei, da er wohl schon früher

davon benachrichtigt worden wäre. Wir gingen aber doch schneller und

hörten schon von weitem lauten Lärm im Dorfe; dort fanden wir alles

in großem Aufruhr und mit allem möglichen bewaffnet. Die Ursache war

der gefallene Schuß. Tom beruhigte die Bevölkerung, und jeder ging

friedlich heim.

Tom erzählte, in Kilossa wäre es so ähnlich gewesen. Die Offiziere

hätten im Kasino gesessen und gesehen, wie die Bevölkerung des ganzen

Tales plötzlich in hellster Flucht davon gelaufen sei. Die Ursache sei

ein halbverhungerter Mhehe gewesen, der krank von dem Kondoaüberfall

zurückgeblieben sei und sich im Gras verborgen durch Kräuter usw.

ernährt habe.

Des Abends waren wir ganz besonders fröhlich, daß nichts passiert war.

Es wurden gleich Nachforschungen angestellt und heute hieß es, Quawa

wäre bei Farhenga versteckt, wo noch außerdem ein Msagira mit Anhang

gesehen worden sei, auf den Tom auch fahndete. Tom und ich hatten

noch nicht gefrühstückt, bei der Nachricht verging uns aber doch der

Appetit zum Essen. Also Farhenga auch Verräter? Tom überlegte sich die

Sache noch. Da -- was sehen unsere Augen -- kommt Farhenga an und mit

ihm der Msagira mit Brüdern. Nun, freudiger ist er wohl nie von uns

begrüßt worden, wir gaben ihm auch gleich eine Flasche Gin, die er mit

verständnisvollem Schmunzeln einsteckte. Es stellte sich auch heraus,

daß der Mhehe, der geschossen, nie bei ihm gewesen ist. Er brachte

gleich die gesuchten Leute mit, die nun an die Kette kamen.

Von Goritz kam Nachricht, daß er 28 Wahehe gefangen, an der Stelle, wo

die Postboten überfallen wurden. Winkler marschierte ab, um sie hierher

zu bringen. -- Die Wahehe werden durch Boten aufgefordert, gegen Quawa

mitzuziehen. Auf das Ergebnis, ob sie mitkommen werden, sind wir

äußerst gespannt, davon hängt sehr viel ab.

Meine Puten machen mir noch viel Arbeit, da sie krank sind, sich

erkältet und Fieber haben, ich behandle sie mit Chinin, Aloepillen usw.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 58 / 132 题