19. März 1897.

Der Abend schließt mit der Nachricht eines Überfalls und der Morgen

beginnt damit. Zur Nervenberuhigung spielten wir gestern vor dem

Schlafengehen noch Skat, als plötzlich ein schwarzes Gesicht und ein

Gewehr sich am offenen Fenster zeigten; ich erschrak nicht wenig,

aber der Soldatenkopf, der gleich darauf erschien, beruhigte mich

über des Negers Absicht. Er war der traurige Rest von den Postleuten,

die aus Langenburg am Nyassa-See die Post brachten, die andern waren

von einem Trupp Wahehe erschlagen worden. Die Bestätigung also der

gestrigen Nachricht Prinages war handgreiflich da; wir hatten schon

unsere Verwunderung geäußert, warum Quawa die Karawanenstraße nicht

beunruhige. Lasten von Langenburg sind hierher unterwegs; sie haben

Askaribegleitkommando bekommen und dürfen nicht weiter (desgleichen

Träger der Mission nach der Küste), da die nötigen Askaris zu den

Begleitkommandos fehlen. Es wird jetzt schon schwer, Träger und Boten

zu bekommen, sie wollen schon immer nicht mehr ohne Askaris gehen.

Heute morgen kam Nachricht, daß in der Tembe, dicht hinter der Mission

2 Stunden von hier, wo ich mit Tom auf Safari war und Tom einen Jumben

eingesetzt hatte, das Vieh weggetrieben und zwei Leute dabei erschlagen

worden seien. Der Jumbe ist gleich mit zwei Askaris und der Hälfte

seiner Leute dem Vieh nachgegangen; die andere Hälfte ist zu Quawa

übergelaufen. Mittags kam die Nachricht, daß drei Mann von Leuten

Quawas angeschossen seien. _Dr._ Stierling ging gleich herunter, auch

nur 1 Stunde von hier, und hat sie verbunden, morgen sollen sie auf die

Station gebracht werden. Als _Dr._ Stierling etwas lange ausblieb,

wieder große Sorge! Also bis dicht vor unsere Tür wagt sich Quawa! Das

Schlimme bei der Sache ist, daß die gutgesinnten Wahehe das Vertrauen

zu uns verlieren, wenn unsere Anhänger so vor der Nase weggeschlachtet

werden.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 53 / 132 题