Der Gemüsegarten wird in der Nähe der Stelle angelegt, wo nach
Grundwasser gebohrt wird. Wir sahen uns die Arbeit an, die, da wir
keinen Erdbohrer haben, nur langsam fortschreitet.
Wir haben jetzt 1000 Stück Vieh, und das zu verwalten ist auch keine
Kleinigkeit. Mein Mann will dem Volk den Reichtum nicht ganz entziehen,
deshalb gibt er ein Drittel dem Sultan, ein Drittel dem Gouvernement
und ein Drittel wird größeren Leuten zum Beaufsichtigen gegeben,
dieselben bekommen jedes dritte Kalb als ihr Eigentum, das andere soll
zur Küste geschickt werden.
Heute nachmittag ließ mein Mann Mpangire und seine zwei Halbbrüder
Kapande und Sadangamenda zu uns kommen. Bei ersterem und letzterem hat
man wirklich nicht das Gefühl, sich mit Schwarzen zu unterhalten.
Entsprechend dem im ganzen Volke hier in einem Grade ausgeprägten
Selbstgefühl, wie man es sonst bei Negern kaum findet, treten auch die
Mitglieder der Sultansfamilie mit ganz besonderem Selbstbewußtsein auf.
Sie wissen sich gut zu unterhalten, aus ihren klugen Fragen sprechen
Wißbegierde und Intelligenz, unsere europäischen Gewohnheiten suchen
sie sich möglichst anzueignen. So saß Mpangire kürzlich bei uns im
Zimmer; der Teppich reichte nicht bis zu seinem Platz, deshalb glaubte
er nichts Unpassendes zu tun, wenn er seinen Zigarettenstummel einfach
auf den Boden warf. Sadangamenda dagegen, dessen Stuhl auf dem Teppich
stand, wagte nicht, diesen zu beschmutzen und war sichtlich aus großer
Verlegenheit erlöst, als ich ihm einen Aschbecher reichte, auf den er
seinen Stummel deponierte. Mpangire verfolgte dieses Manöver mit großer
Aufmerksamkeit, und bald hatte er -- von mir anscheinend unbeobachtet
-- seinen Zigarettenrest vom Boden aufgelesen und in den Aschbecher
praktiziert. Es ist ein Vergnügen, die beiden intelligenten Burschen
zu beobachten, dabei sind es hübsche Leute, an Gesicht sowohl wie an
Wuchs. Auch an Galanterie fehlt es ihnen nicht; Mpangire und seine
Brüder küssen mir stets die Hand, und heute hat mir ersterer als Beweis
seiner besonderen Wertschätzung einen schönen -- Ochsen verehrt. Kleine
Geschenke erhalten die Freundschaft.
Die Kunst, dem Neger durch marmorne Unbeweglichkeit der Gesichtszüge
zu imponieren, besonders wenn die unbewußte Komik unwiderstehlich zum
Lachen reizt, habe ich immer noch nicht raus. Tom ist Meister darin.
So mußte ich gestern einfach die Hütte verlassen, als ich mit ansah,
wie ein Neger meinem Manne durchaus die Füße küssen wollte: der am
Boden rutschende Neger, der Toms Füße zu haschen, und Tom, der sein
Piedestal in Sicherheit zu bringen suchte, boten ein Bild, welchem
meine Seelenruhe noch nicht gewachsen war.