31. Oktober 1896.

Heute ist der zweite Mhehe gehängt worden, der einen unserer

Trägerführer am Ruaha ermordet hat. Mein Mann ließ diese durch die

traurige Notwendigkeit zur Unerläßlichkeit gewordene Hinrichtung

mit einer gewissen, auf die Gemüter der Eingeborenen wirksamen

Feierlichkeit ausführen: Sämtliche Wassagira aus Iringa mußten der

Exekution beiwohnen. Auch eine große schaulustige Menge hatte sich,

wie mir Tom nachher erzählte, zu dem traurigen Schauspiel eingefunden,

darunter sehr viele Frauen, welche Tom den Platz verlassen hieß. Die

Schaulust zeigte sich jedoch hier stärker als der sonst eingefleischte

Gehorsam, und erst als der Befehl durch Festnahme und Abführung eines

der Weiber gründlichen Nachdruck erhielt, bequemten sich die übrigen,

sich zu entfernen. Der Mörder ist so in sein Schicksal ergeben gewesen,

daß er den Kopf selbst in die Schlinge gesteckt hat. Ein Gnadenschuß,

den Tom bei solchen Exekutionen stets abgeben ließ, hatte den

sofortigen Tod des Verurteilten zur Folge. Das abschreckende Beispiel

einer solchen Hinrichtung ist um so nötiger, als auch einer unserer

Askaris, der seinerzeit bei dem anstrengenden Marsche hinter der

Kolonne zurückblieb, Meuchelmördern zum Opfer fiel. Die Täter sind noch

nicht entdeckt.

Von Quawa kamen zwei Leute, angeblich um sich zu unterwerfen; in

Wahrheit waren es Spione, die unsere Station auskundschaften wollten!

Sie verschwanden bald wieder, und Tom ließ sie durch Patrouillen

verfolgen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 30 / 132 题