Die Regenzeit meldet sich an, bedeckter Himmel, entfernter Donner und
heute der erste Regenguß -- viel zu früh für uns, denn noch ist längst
nicht alles unter Dach und Fach. Namentlich die wasserdichten Wohnungen
für die Soldaten sind noch nicht fertig; es fehlt uns sehr an Werkzeug,
um den Bau zu beschleunigen. Unsere Zimmer standen zum Teil, die
Veranda vollständig unter Wasser, und es ist mir mancherlei verdorben.
Übrigens sieht man hier schon den Kulturfortschritt: alle haben doch
schon wenigstens einige Kleidungsstücke an! Die Männer allerdings im
allgemeinen mehr als die Frauen.
Unser Garten wird sehr hübsch, bei seiner Bestellung spielt ein Rechen
mit Zinken aus Zimmermanns-Nägeln die Hauptrolle. Der Blick von einem
Fenster aus bietet viel Interessantes, ich sehe die rege Bautätigkeit
und kann verfolgen, wie aus Holzstäben, Bast, Gras und Erde Häuser,
eine Straße, ein ganzes Dorf entstehen. Die Einwohner, die sich mit
ihrem Vieh und wertvollerem Besitztum in die Schluchten des unwegsamen
Gebirges geflüchtet hatten, sind wieder zurückgekehrt, auch die meisten
von Quawas Verwandten und seinem Anhang, die Sikki-Gesellschaft, die
Mutter, eine Tochter mit Klumpfüßen und ein Sohn, haben sich in Toms
Schutz begeben. Es war uns dies um so auffallender, da ihr Vater
von Tom 1892 in Tabora geschlagen wurde. Als dessen Hauptburg fiel,
sprengte er sich mit seinen Weibern in die Luft.
Mein Mann läßt den Sohn ein Wanjamwesi-Dorf hinter der Station gründen.
Unten im Tal will er dann auch ein Dorf von Kondoa-Leuten anlegen;
diese Einrichtung wird sehr nutzbringend für die Station sein, es
können dann die von den Wahehe geraubten Leute dort Unterkunft finden.
Heute kam eine Frau, die aus Ubena entflohen war, um bei uns Schutz
zu suchen. Ihr waren die Ohren abgeschnitten worden. Jetzt fangen die
Frauen an, zu mir zum Schauri zu kommen, ich habe täglich sechs bis
acht von ihnen bei mir, die natürlich dann auch beköstigt sein wollen.