30. Oktober 1896.

Die Regenzeit meldet sich an, bedeckter Himmel, entfernter Donner und

heute der erste Regenguß -- viel zu früh für uns, denn noch ist längst

nicht alles unter Dach und Fach. Namentlich die wasserdichten Wohnungen

für die Soldaten sind noch nicht fertig; es fehlt uns sehr an Werkzeug,

um den Bau zu beschleunigen. Unsere Zimmer standen zum Teil, die

Veranda vollständig unter Wasser, und es ist mir mancherlei verdorben.

Übrigens sieht man hier schon den Kulturfortschritt: alle haben doch

schon wenigstens einige Kleidungsstücke an! Die Männer allerdings im

allgemeinen mehr als die Frauen.

Unser Garten wird sehr hübsch, bei seiner Bestellung spielt ein Rechen

mit Zinken aus Zimmermanns-Nägeln die Hauptrolle. Der Blick von einem

Fenster aus bietet viel Interessantes, ich sehe die rege Bautätigkeit

und kann verfolgen, wie aus Holzstäben, Bast, Gras und Erde Häuser,

eine Straße, ein ganzes Dorf entstehen. Die Einwohner, die sich mit

ihrem Vieh und wertvollerem Besitztum in die Schluchten des unwegsamen

Gebirges geflüchtet hatten, sind wieder zurückgekehrt, auch die meisten

von Quawas Verwandten und seinem Anhang, die Sikki-Gesellschaft, die

Mutter, eine Tochter mit Klumpfüßen und ein Sohn, haben sich in Toms

Schutz begeben. Es war uns dies um so auffallender, da ihr Vater

von Tom 1892 in Tabora geschlagen wurde. Als dessen Hauptburg fiel,

sprengte er sich mit seinen Weibern in die Luft.

Mein Mann läßt den Sohn ein Wanjamwesi-Dorf hinter der Station gründen.

Unten im Tal will er dann auch ein Dorf von Kondoa-Leuten anlegen;

diese Einrichtung wird sehr nutzbringend für die Station sein, es

können dann die von den Wahehe geraubten Leute dort Unterkunft finden.

Heute kam eine Frau, die aus Ubena entflohen war, um bei uns Schutz

zu suchen. Ihr waren die Ohren abgeschnitten worden. Jetzt fangen die

Frauen an, zu mir zum Schauri zu kommen, ich habe täglich sechs bis

acht von ihnen bei mir, die natürlich dann auch beköstigt sein wollen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 29 / 132 题