27. Oktober 1896.

Meine Boys machen mir viel Ärger; sie stehlen wie die Raben, dazu

die angeborene Faulheit. Juma, der schon seit Jahren bei meinem Mann

ist, und von dem ich glaubte, ob seines Verwöhntseins nicht mit ihm

auszukommen, ist jetzt der Beste von allen; seine „Güte“ ist zwar

niemals aufregend, aber er bleibt sich wenigstens immer gleich und

zeigt vor allem niemals die ausgesprochen schlechten Eigenschaften

seiner schwarzen Kollegen.

Abends machen wir gewöhnlich einen Spazierritt. Die Natur ist hier

so herrlich, die Luft so klar und erfrischend, man fühlt bei jedem

Atemzug: hier ist Gesundheit, hier ist das Quisisana, dessen wir nach

all den Fiebergegenden, die wir durchzogen, so dringend benötigen.

Kleine Fieberanfälle stellen sich leider bei Tom immer noch zuweilen

ein, und selbst ich habe schon einige gehabt. Die vielen Reitwege

ringsum geben uns gute Gelegenheit, die Gegend genauer kennen zu

lernen; unsere Maultiere klimmen die steilsten Felsenpfade hinan, die

für ein Pferd wohl ganz unpassierbar sein würden.

Meine schwarzen Damen scheinen mich heute nicht zu besuchen. Kürzlich

zeigte ich ihnen einen an einem Gummiball mittels dünnen Schlauches

befestigten, recht naturgetreu aussehenden Frosch, der infolge des

Luftdruckes ganz natürlich forthüpfte: ganz wie in Europa fürchteten

sich meine schwarzen Damen auch hier vor dem kleinen Ungetüm. Schade,

daß ich bei den Weihnachtsbestellungen nicht an mehr dergleichen

Spielereien gedacht habe; Weihnachten wollen wir nämlich großartig

feiern. Hoffentlich treffen die bestellten Sendungen pünktlich ein.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 28 / 132 题