Heute brachte ich Mpangire und Kapande mein Gegengeschenk für das
kleine Mädchen. Während ersterer durch stattlichen Wuchs sich
auszeichnet und überhaupt vorteilhaft von seiner Umgebung absticht, ist
der um vieles ältere Kapande kleiner und unansehnlich, hat aber ein
gutes, freundliches Gesicht. Mpangires energisches, freies Auftreten,
sein offener Blick zeigen Rasse. Für die Frauen nahm ich Tücher mit,
für ihn eine Flasche Rotwein. Damit reizte ich seine Begehrlichkeit zu
allerlei größeren Wünschen: noch einen neuen Anzug, ein Schwein und
anderes. Ich erklärte ihm aber, ein so reicher Mann wie er, mit solchen
Elfenbeinvorräten, könne sich das an der Küste alles selbst kaufen. Die
Unterhaltung war nicht so ganz einfach. Mein Dolmetscher versteht auch
kein Kihehe; meine Worte mußte er nun erst einem anderen Sprachkundigen
übersetzen, der sie dann dem Sultan weiter vermittelte. In einer Ecke
standen die Sklaven zusammengedrängt, die Frauen waren nicht anwesend;
seine „erste Frau“ und die Schwester mußte ich rufen lassen, um sie
zu begrüßen; sie entfernten sich gleich wieder. Die niedere Stellung,
die den Frauen hier angewiesen ist, erschwert mir meine Aufgabe ganz
bedeutend; wenn mich die Frauen hier auch als ihnen überlegen ansehen,
den Männern gegenüber muß ich mir meine Stellung erst herausbeißen. Zu
diesem Besuche hatte ich mir einen großen Stuhl hintragen lassen, auf
dem ich Platz nahm, der Sultan saß auf einem niedrigen Stuhle, alles
übrige stand um uns herum.