24. Oktober 1896.

Heute brachte ich Mpangire und Kapande mein Gegengeschenk für das

kleine Mädchen. Während ersterer durch stattlichen Wuchs sich

auszeichnet und überhaupt vorteilhaft von seiner Umgebung absticht, ist

der um vieles ältere Kapande kleiner und unansehnlich, hat aber ein

gutes, freundliches Gesicht. Mpangires energisches, freies Auftreten,

sein offener Blick zeigen Rasse. Für die Frauen nahm ich Tücher mit,

für ihn eine Flasche Rotwein. Damit reizte ich seine Begehrlichkeit zu

allerlei größeren Wünschen: noch einen neuen Anzug, ein Schwein und

anderes. Ich erklärte ihm aber, ein so reicher Mann wie er, mit solchen

Elfenbeinvorräten, könne sich das an der Küste alles selbst kaufen. Die

Unterhaltung war nicht so ganz einfach. Mein Dolmetscher versteht auch

kein Kihehe; meine Worte mußte er nun erst einem anderen Sprachkundigen

übersetzen, der sie dann dem Sultan weiter vermittelte. In einer Ecke

standen die Sklaven zusammengedrängt, die Frauen waren nicht anwesend;

seine „erste Frau“ und die Schwester mußte ich rufen lassen, um sie

zu begrüßen; sie entfernten sich gleich wieder. Die niedere Stellung,

die den Frauen hier angewiesen ist, erschwert mir meine Aufgabe ganz

bedeutend; wenn mich die Frauen hier auch als ihnen überlegen ansehen,

den Männern gegenüber muß ich mir meine Stellung erst herausbeißen. Zu

diesem Besuche hatte ich mir einen großen Stuhl hintragen lassen, auf

dem ich Platz nahm, der Sultan saß auf einem niedrigen Stuhle, alles

übrige stand um uns herum.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 27 / 132 题