Heute besuchten mich eine richtige und eine Halbschwester von Quawa.
Rotwein schien ihnen sehr zu schmecken, Butterbrot weniger, umsomehr
aber Zucker und vor allem Cakes. Sie baten mich, ihnen das Nähen
beizubringen, und wollen zu diesem Zwecke bald wiederkommen. Beide sind
hübsche Geschöpfe mit kleinen Füßen und schmalen Händen, besonders
Quawas rechte Schwester gefiel mir durch ihr offenes Wesen. Wir waren
sehr lustig miteinander und schlossen gute Freundschaft. Nur beim
Essen und in sonst noch einigen Bewegungen verrät sich zuweilen die
„Wilde“.
Unser Renommierstück, auf welches Tom besonders stolz ist, wurde
heute fertig: die Diele im Schlafzimmer. Alles, was an Einpackholz
aufzutreiben war, ist dazu verwandt worden; sie sieht zwar demnach
etwas sehr gestückelt aus, ist aber trotzdem sehr schön; da sie einen
Fuß hoch über dem Boden angebracht ist, werden wir immer trockenen
Fußboden haben. Das Linoleum kommt uns ganz besonders gut zu statten:
wir haben es ringsum an der Wand des Schlafzimmers gezogen, nun hält es
den Wind ab und sieht hochfein aus!
Ab und zu machen wir einen Spaziergang; ein Aussichtspunkt ist ganz
in der Nähe, der sich mit den schönsten Schweizer Glanzpunkten messen
kann. Dazu die prachtvolle, klare Luft; wir fühlen uns nach all den
Sumpfniederungen wie in einem klimatischen Kurort, und das Bild unserer
ersten Station Perondo kann neben diesem schönen Lande hier nicht
aufkommen. Die Nachwehen unseres Marsches äußern sich übrigens, ich
habe zuweilen kleine Fieberanfälle. Die Bazillen müssen erst wieder
herausgetrieben werden. Heute kamen die Schwestern wieder und brachten
20 Ehefrauen Mpangires mit. Die beiden Quawa-Schwestern, Salatamanga
und die Halbschwester Fulimanga, und die „größte“, d. h. erste Frau
Mpangires, Hamuna, erhielten Stühle sowie Tee und Zucker, die andern
hockten auf der Erde. Mit dem Nähen wurde es aber nichts: Hamuna
erklärte mir, Arbeit sei etwas Häßliches, und nun wollen die beiden
andern auch nichts mehr lernen. Hamuna ist hübsch und scheint außer
ihrer Faulheit auch ein gut Teil Schlauheit zu besitzen, sie hat aber
kein so gutes Gesicht wie die beiden Schwestern. Da aus der Nähstunde
nichts wurde, zeigte ich ihnen die Bilder in Brehms Tierleben, das
begeisterte sie sehr, namentlich die der ihnen bekannten Tiere. Da mein
Toilettenspiegel zerbrochen angekommen ist, schenkte ich jeder ein
Stück davon: das machte großen Eindruck, sie wurden nicht müde, sich
darin zu bewundern.
Soeben schickt mir Mpangire das landesübliche Gastgeschenk: ein
kleines Mädchen, Paligungire, ebenso landesüblich lasse ich das kleine
Ding zunächst im Flusse einer gründlichen Reinigung unterziehen und
stecke es dann in eines der Kleidchen meiner kleinen Muhegu; mein neues
„Eigentum“ hat ein drolliges Kindergesichtchen, mit großen treuherzigen
Augen. Vorläufig sehen sich nun beide Mädels Bilder an, morgen soll der
erste Nähversuch gemacht werden. Mit Teller und Löffel hantieren sie
ganz geschickt.
Aus der Heimat seit drei Monaten keine Nachricht!....
Das Auspacken und Einrichten macht viel Freude; die Wirtschaft wächst
mir zusehends unter den Händen, und jedes frisch ausgepackte Stück wird
wie ein lieber alter Bekannter begrüßt. Noch 14 Tage ungefähr, dann
hört hoffentlich das Leben aus den Koffern und Kisten auf. Mit Vorräten
für ein Jahr wirtschaften, ohne Vorratskammer oder Keller zu haben,
über diese Aufgabe muß Henriette Davidis noch einen besonderen Nachtrag
schreiben, für afrikanische Hausfrauen und solche, die es werden wollen.