15. August 1896.

Von Tom gute Nachricht! Mit seinem Fieber geht es besser. Gott sei

gedankt für diese Freudenbotschaft.

Ich selbst leide am Fieber; dazu schlaflose Nächte und die ekelhafte

Plage der Sandflöhe. Die bohren sich tief ins Fleisch, dann heißt

es, die Blase mit den Eiern sorgfältig entfernen, damit nichts

zurückbleibt, sonst wird die Sache nur noch schlimmer. Heute habe

ich solche Geschwürchen herausgenommen. Die kleine Muhigu, Kiwangas

Gastgeschenk, leidet so stark unter dieser Landplage, daß sie kaum

gehen kann. Sie ist grundhäßlich, aber ein freundliches, zutuliches

Wesen. Zu meinen Pflegebefohlenen gehört auch ein kleines, etwa vier

Jahre altes Indermädchen; sie ist Waise, und da sie an krampfartigen

Anfällen leidet, die sie meist am Gehen hindern, will niemand etwas

von dem armen Kinde wissen; auch an den Händen ist sie gelähmt, dazu

blöde Augen, -- es ist schmerzlich, das arme Ding anzusehen. -- Auf dem

Hühnerhofe ein Erfolg: eine Pute legt Eier und eine Ente ist am Brüten.

Letzte Nacht prachtvolles Steppenfeuer, das sich bis in die Berge zog

und den Wasserfall wunderbar beleuchtete. Die Eingeborenen hatten

auf weite Strecken hin das trockene Steppengras abgebrannt. Durch

Schnapsels Rattenjagd werden meine Nächte auch nicht erquicklicher;

er fängt natürlich keine, denn durch die engen Löcher in den Wänden

kann er nicht nachkommen. Neulich fielen in der Nacht zwei von diesen

scheußlichen Tieren von der Decke auf mich, ich schrie laut vor

Schrecken; eine lebensmüde Ratte fand ich im Waschbecken ertrunken.

+Lager am Ombascha-Posten+, 19. September 1896.

Welche Glücksbotschaft gestern! Um vier Uhr kam ein Brief von Tom:

sobald unser Gepäck „_tajari_“ (fertig gepackt zum Mitnehmen), soll

ich zu ihm kommen! Er hatte für das Verpacken zwei Tage gerechnet

-- natürlich war ich schon am anderen Morgen „_tajari_“ und rückte

mit meinem Begleiter, dem Oberlazarettgehilfen, ab. Ein tüchtiger

Gebirgsmarsch. Sehr müde!

+Lager am Kihansifluß+, 20. September 1896.

Ich darf wenigstens sagen, daß ich Afrika kennen lerne; freilich ist

dieser praktische Geographieunterricht recht anstrengend, dafür aber

nur interessanter. In der Schweiz habe ich nicht solche Kletterpartien

gemacht wie hier; selbst nicht am Julier, wo ich mir Edelweiß geholt

habe von Stellen, die für Damen als unerreichbar galten. Gestern waren

acht Berge zu nehmen, 600 bis 800 Meter hoch, so steil und unwegsam,

daß ich mich oft hinaufziehen lassen mußte, wenn ich die für mich

eingehauenen Stufen in den Felsblöcken selbst auf „allen Vieren“ nicht

mehr schaffen konnte. Aber jeder bestiegene Berg war ja ein Hindernis

weniger auf dem Wege zum Ziel! Da vergaß ich gern 33° Reaumur! Die

Aussicht war großartig, aber die Müdigkeit ließ mich doch nicht zum

Genuß kommen.

+Magdalenenhöhe+, 21. September 1896.

Morgen oder übermorgen sehe ich meinen Mann wieder! Was waren das für

schreckliche Wochen! Wie zitterte ich um des Geliebten Leben, wie oft

kamen Nachrichten, die mir das Blut in den Adern gerinnen ließen! Wußte

ich doch Tom mit seinen 230 Mann und den 8 Deutschen -- von denen

drei eben erst das perniziöse Fieber überstanden hatten -- einem an

Zahl weit überlegenen blutdürstigen Feinde gegenüber. Anfangs erhielt

ich alle paar Tage Nachricht -- dann blieb vierzehn Tage lang jede

Botschaft aus! Doch nun ist ja diese schreckliche Zeit der qualvollen

Ungewißheit vorüber, ich ziehe ihm entgegen, soll ihn nun bald gesund

und fröhlich wiedersehen! Die größte Gefahr ist abgewendet, wenn auch

noch viel, sehr viel zu tun übrig bleibt: nämlich Quawas habhaft

zu werden. Dazu müssen aber erst Hilfstruppen abgewartet werden,

Toms kleine Schar ist in diesem ungeheuren Gebiete dieser Aufgabe

natürlich nicht gewachsen. Für mich zum Glück: bis zum Eintreffen der

Verstärkungen darf ich bei meinem Manne bleiben! Als Tom das Lager

Quawas nahm, ist dieser entkommen, so konnte dem ganzen Feldzuge leider

nicht mit einem Schlage ein Ende gemacht werden. Das Gefecht war

infolge von Quawas Flucht ziemlich kurz, Tom hatte keine Verluste, auf

der feindlichen Seite aber Tote, Verwundete und Gefangene. Es wurden

an 1000 Stück Großvieh und 1100 Kleinvieh erbeutet -- an Fleischmangel

wird die Station also nicht mehr zu leiden haben.

Eine Episode aus diesen sechs Wochen Einsamkeit muß ich doch noch

nachtragen. Eines Abends saß ich mit dem Zahlmeister Winkler und dem

Lazarettgehilfen Prinage beim Skat, als plötzlich einige Griechen und

Araber auf unserer Veranda mit der Schreckensnachricht angestürzt

kamen: „Die Wahehe sind da! Sie wollen die Boma stürmen!“ Da hieß es

„Kaltes Blut“ -- nicht den Kopf verlieren; es war das erstemal, daß

ich mich in solcher Lage nur auf mich selbst angewiesen fand. Während

Winkler und Prinage Patronen an die sofort alarmierten Soldaten

ausgaben, die Boys und Träger mit Vorderladern bewaffneten und jedem

seinen Posten anwiesen, ließ ich Wasser herbeiholen, brachte die

Reittiere in der Boma unter, sammelte die mit Speeren bewaffneten

Männer aus dem Dorfe, brachte sämtliche Windlichter und Laternen

zusammen und suchte möglichst Ordnung in das schwarze Menschengewühl

zu bringen, denn Weiber und Kinder bildeten ein kaum entwirrbares

Knäuel. Dann steckte ich Revolver und Patronen zu mir, legte mein

Bestes an Schmuck obenauf im Koffer, um im Falle eiliger Flucht alles

zur Hand zu haben, dann machten wir einen Rundgang, um uns von der

richtigen Ausführung aller unserer Anordnungen zu überzeugen. Die ganze

Alarmierung war in fliegendster Eile vor sich gegangen; nach kaum einer

halben Stunde spielten wir auf unserer Veranda weiter. Wir blieben

die ganze Nacht auf, -- ich hatte die Weiber und Kinder inzwischen

auch untergebracht -- und vertrieben uns die Zeit mit Kaffeetrinken

und Postenrevidieren. Der Höllenlärm unserer aufgeregten Nachtgäste

ebbte nach und nach ab, und der prachtvolle Sonnenaufgang fand uns

in verhältnismäßiger Ruhe. Die Wahehe waren nicht gekommen, unsere

Vorbereitungen für einen möglichst warmen Empfang also vergeblich

gewesen. Die Weiber trauten aber dem Landfrieden doch noch nicht:

tagelang hielten sie sich in Zelten dicht an der Boma auf, aus Furcht

vor den Wahehes.

Die Aufregung jener Nacht hatte wohltuende Wirkung: sie riß mich

gewaltsam aus aller kopfhängerischen Angstmeierei, die doch zu nichts

nützen konnte, und führte mir mit der wünschenswertesten Deutlichkeit

vor Augen, daß ich hier, besonders wenn Tom nicht auf der Station

anwesend, wirklich nicht „zum Staat“ da bin. An Beschäftigung habe ich

mir in der Zeit alles nur Denkbare hervorgesucht. Meinen Pflegekindern

habe ich Kleidchen gemacht, Wäsche geflickt u. a. m. Viel Arbeit

verursachte die Herstellung eines Kopfkissens für Tom. Alles, was von

Vieh etwas längere Haare hatte, wurde geschoren, aber der Ertrag war

nicht groß, denn Ziegen und Schafe haben hier meist ein glattes Fell,

Schafwolle kennt man nicht; da ich zu dieser Arbeit die Papierschere

benutzen mußte, hatte ich bald Blasen an den Fingern. In diese sechs

Wochen fiel auch mein erster Geburtstag als junge Frau! Die Feier hatte

ich mir auch anders vorgestellt. Tom hatte für reichen Blumenschmuck

meiner Hütte gesorgt, von ihm selbst kam ein herzliches Schreiben

-- aber doch eben nur ein Schreiben! Als Gratulanten erschienen der

Zahlmeister und der Lazarettgehilfe; aus der alten Heimat kein Gruß,

kein Glückwunsch. Die Soldaten gaben, wie an hohen Festtagen, mir zu

Ehren drei Salven, dann spendierte ich ihnen Geld und den Boys eine

Ziege.

Als wir von Perondo abzogen, kam das ganze Dorf, um mir eine gute

„Safari“ zu wünschen, mindestens an 300 Weiber begleiteten mich ein

Stück Wegs, und als sie schließlich Spalier bildeten, drängten sie

sich alle an mich heran, um mir noch einmal „Kwaheri“ zu sagen. Diese

Anhänglichkeit, über die ich mich wirklich freute, verdanke ich wohl

meiner Gewohnheit, im Dorfe öfter selbst Einkäufe zu machen und die

Kinder mit Erdnüssen und dergleichen zu beschenken.

+Magdalenenhöhe+, II. Etappe, 24. September 1896.

Wiedersehen mit Tom, den ich von hier aus begleite. Der Marsch bis

zur II. Etappe (24. September) bot viel Schönes und Interessantes.

Zerklüftete Berge, auf deren saftig grünen Matten sich kleine

Ansiedelungen zeigten, die mich an die Schweizer Sennhütten erinnerten;

rauschende Bergbäche, die ihr kristallklares Wasser in kleinen Kaskaden

von Fels zu Fels stürzten, dichtbelaubte, blumenreiche Ufer und

ein Wald von Farnen, deren Fiederfächer über uns zusammenschlugen.

Unvergeßlich wird mir der große Wasserfall bei Magdalenenhöhe bleiben,

zu dem Prinage mich begleitete. Der Weg war ungemein beschwerlich,

glatt und steil, der Lohn für die Anstrengung aber ein hoher! In einer

Breite von 8 bis 10 Metern stürzen gewaltige Wassermassen einen an 800

Meter hohen Felsen herab, um aus der Tiefe, an den durch Jahrtausende

hindurch ausgehöhlten Klippen zerstäubt, als diamantenschillernde Wolke

aufzusteigen, das Ganze umrahmt von üppigem Gehänge tropischer Flora,

die überall zwischen den Klippen und Felsblöcken hervorquillt -- und

all diese Pracht im Farbenspiel der afrikanischen Sonne. Kein Maler hat

Farben auf der Palette, den Zauber dieser Beleuchtung wiederzugeben --

und Worte vermögen es noch weniger. Zu dem nachhaltigen Eindruck, den

dieses Tropenbild auf mich macht, kommt noch das Bewußtsein: ich bin

die erste weiße Frau, der dieser Anblick vergönnt ist.

Der Weg bis zur III. Etappe und weiter vom Ruaha aus bot ebenfalls

viel Abwechselung, ich stand aber noch zu sehr unter dem mächtigen

Eindruck dieses in all seiner fremdartigen Schönheit gewaltigen

Landschaftsbildes, um der hügeligen Landschaft erhöhtes Interesse

zuzuwenden. Während wir auf der II. Etappe waren, brachte einer unserer

Schauisch (schwarzer Unteroffizier) 18 Wahehekrieger an, die er samt

ihren Weibern und Kindern mit seinen Askaris gefangen genommen. Die

Leute waren mit Mauser-Gewehren der Zelewski-Expedition und reichlicher

Munition versehen, sie wurden demgemäß unter scharfer Aufsicht bis zur

III. Etappe mitgenommen, wo Tom dann schließlich feststellte, daß sie

auf dem Marsche nach der Station sich befanden, um sich zu ergeben, als

sie von unseren Leuten aufgegriffen wurden. Das ist ein erfreulicher

Erfolg von Toms geschicktem diplomatischen Verhalten: durch langsames

Vorgehen, ohne Blutvergießen, ohne eine Tembe zu verbrennen, ist den

Leuten _ad oculos_ demonstriert worden, daß die Besitznahme des Landes

auch auf friedlichem Wege möglich. Nun kommen sie so nach und nach

an, um sich den neuen Herren zu unterwerfen. Aber bis mein Mann das

erreicht hat, mußte er sich’s viel Sorge und Mühe kosten lassen, und

wir alle beide haben diesen Erfolg mit einem Stück Gesundheit bezahlt!

Nun folgten schöne Tage. Mit meinem Mann zusammen konnte ich den

letzten Teil unseres Marsches zurücklegen, aus dem mir noch eine höchst

malerische Felsenbildung in Erinnerung steht, Trümmer und Säulen wohl

vulkanischen Ursprungs, die in ihrer malerischen Anordnung uns das

Kolosseum in Rom ins Gedächtnis riefen.

Am 29. September näherten wir uns unserer künftigen Station, und unsere

Hochzeitsreise hatte nun ihr Ziel erreicht: +Iringa+!

Tom war sehr gespannt, ob schon Nachricht da wäre von den von ihm

verlangten Truppen, ohne welche die Verfolgung Quawas nicht möglich

wäre, und mich interessierte besonders, ob unser Haus schon fertig sein

wird!

Wir wurden gleich militärisch empfangen: Leutnant Stadlbaur[5] und

_Dr._ Reinhard mit den Askaris von Kilimatinde begrüßten uns beim

Einzug. Die beiden Herren begleiteten uns, sobald die dienstlichen

Geschäfte erledigt waren, zu unserem Haus: ein niedliches Strohhäusel,

mitten in einem Wäldchen, mit Durchblick nach den Bergen und der Boma;

wenn der Wind geht, pfeift er frischweg durch unsere drei Zimmer; es

hat auch zwei Veranden, die hintere Veranda richteten wir gleich als

Stapelplatz für Lasten und Futterkisten ein. Die Decken der Zimmer

sind mit weißem, die Wände mit blauem Zeug ausgeschlagen; das machte

alles einen wohnlichen Eindruck, die Herren hatten zudem noch die

Wohnung so reizend mit Blumen geschmückt, daß wir unsere herzliche

Freude daran hatten! So war uns doch unerwartet ein festlicher Einzug

in unser neues Heim durch diese Liebenswürdigkeit bereitet worden.

Sobald der Bauleiter eintrifft, wird ein größeres Haus aus festerem

Material für uns aufgeführt werden. Die beiden Herren gaben uns ein

Willkommensfrühstück auf unserer Veranda, sie selbst bewohnen ein Zelt;

nachmittags besahen wir uns die Station, und abends waren die Herren

unsere Gäste.

Am anderen Tage ging’s ans Auspacken und Einrichten; besonders das

Wohnzimmer sah recht nett aus mit seinen Dekorationen an Gehörnen,

Speeren, Gardinen und Felldecken. Als wir die Herren bei uns zu Tische

sahen, waren sie freudig überrascht, alles so „europäisch“ zu finden.

Sie empfanden es als eine lang entbehrte Wohltat, endlich wieder einmal

an einem Tisch, mit wirklichem Tischzeug, mit vollständiger Gläser-

und Serviergarnitur und Silberzeug speisen zu können. Unsere Lampen

machten sich famos: die Glocken waren natürlich sämtlich gesprungen,

aber Tom hatte aus rotem Zeug sehr geschickt Lampenschirme hergestellt;

die Sache sah sehr „modern“ aus, genau wie die großen Seidenschirme

Stück zu 40 Mark in Berlin _W_. Wir waren recht vergnügt; ich zog

mich aber etwas früher zurück, da ich sehr müde war. Anderen Tags

Abschiedspicknick auf einem schön gelegenen Felsen, der eine prächtige

Rundsicht bot. Wir hatten Maibowle (Waldmeisteressenz, recht gut) und

alles mögliche mitgenommen, u. a. auch Rebhühner. Die Herren waren bei

bestem Humor, sie überboten sich im Erfinden neuer Aufmerksamkeiten.

Als wir uns trennten, geschah es mit aufrichtigem Bedauern -- am

nächsten Tage marschierten sie ab. Die Station war also schön

eingeweiht worden, meine Befürchtung, hier so ganz ohne Sang und Klang

einziehen zu müssen, hatte sich dank der Liebenswürdigkeit der beiden

Herren nicht verwirklicht. -- --

Nun kamen zwei Ruhetage, in der die Kleinigkeiten in Ordnung gebracht

wurden.

Dann traf Herr v. Kleist von Kilossa bei uns ein und nach weiteren

zwei Tagen Leutnant Glauning aus Mpapua. Am vierten Tag zogen auch sie

fort; wir begleiteten sie ein Stück Weges.

Darauf kam ein Pater Basilius, der hier eine Mission gründen will. Das

würde für uns einen erfreulichen Zuwachs von zwei gebildeten Europäern

bedeuten. Er blieb zwei Tage bei uns. Die nächsten Tage ruhte ich mich

aus, denn es war doch etwas anstrengend gewesen.

Am 12. Oktober 6 Uhr abends erklärte plötzlich mein Mann: „Wir

marschieren morgen, auf wie lange kann ich nicht sagen!“ Es handelte

sich darum, den Bruder Quawas in unsere Gewalt zu bekommen. Im Nu war

alles gepackt, und am nächsten Morgen um 7 Uhr marschierten wir ab.

Das Einpacken hier zu Lande ist nicht so ganz einfach, denn da sind

nicht nur Kleider, Wäsche usw. mitzunehmen, sondern Haus-, Wasch- und

Kochgeschirr, Teller, Messer und Gabeln, kurz und gut, eine ganze

kleine Einrichtung, und die Hauptsache: alles Essen und Trinken.

Es war für mich eine höchst interessante „Safari“. Am ersten Tage (13.)

kamen wir nach Quawas Sultansresidenz, der eigentlichen Stadt Iringa,

einer Negerstadt von etwa 9000 Einwohnern, von der noch ein großer Teil

in Trümmern lag; auch Quawas Tembe ist nur zum Teil, und zwar niedriger

wie früher, wieder aufgebaut; sie imponiert aber trotzdem durch ihre

großen Räume und die zahlreichen labyrinthartigen Verbindungsgänge, in

der Küche zählte ich an 60 der hier üblichen primitiven Feuerstellen.

Unter dem großen schattigen Baume vor der Tembe war noch der erhöhte

Sitz, von dem aus Quawa seine Truppenrevüen abhielt; hatte er doch

seine Truppen in besonders kenntliche „Regimenter“ eingeteilt, mit

Offizieren und Unteroffizieren; der eine dieser Truppenkörper trug z.

B. nur ganz weiße Schilde!

Am 14. Oktober erreichten wir Quawas altes Lager; schon auf dem Wege

dahin stießen wir auf viele kleine Lager; das große Lager liegt so

versteckt in den Bergen, daß man es gar nicht gefunden hätte, wenn

nicht Waheheleute es gezeigt hätten. Es maß wohl 1600 Schritte im

Umfang.

Hier sollte sich der Zweck unserer Safari erfüllen: im Lager fanden

wir Mpangire, den einzigen rechten Bruder Quawas, und Kapande, seinen

Halbbruder, mit ihren Leuten. Sie kamen, sich zu unterwerfen.

Im Lager fand sodann großes Schauri statt, in welchem mein Mann

erklärte, Mpangire solle als Sultan an Quawas Stelle eingesetzt werden;

bis zur Gefangennahme Quawas jedoch müsse er ihn in Haft nehmen.

Mpangire ist ein großer, hübscher Mann mit offenen Zügen und freiem

Blick, sein ganzes Wesen macht einen guten Eindruck. Außer den beiden

Brüdern Quawa und Mpangire (ein dritter Bruder endete durch Selbstmord)

leben noch drei Schwestern: die eine ist die Frau des Merere, die

beiden anderen waren bis jetzt bei ihrem Bruder Quawa, kamen aber mit

Mpangire zu uns.

Mereres Frau ist es übel ergangen: als Quawa sich mit seinem Schwager

Merere entzweite -- er hatte auch eine Schwester von diesem zur Frau --

ließ er dem armen Weibe, der Schwester seines nunmehrigen Feindes, die

Augen ausstechen -- worauf nun Merere an Quawa Rache nahm und dessen

Schwester auf gleiche Weise blenden ließ!

Am 16. kamen wir mit unseren Schutzbefohlenen hier wieder an. Sie

wurden in einer Tembe mit Dornboma untergebracht, die sie nicht

verlassen dürfen, sonst kann jedermann sie besuchen. Am Tage haben sie

zwei, nachts vier Wachtposten.

Zu meiner Freude fanden wir schon etwas Garten an unserm Hause angelegt.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 25 / 132 题