Von Tom gute Nachricht! Mit seinem Fieber geht es besser. Gott sei
gedankt für diese Freudenbotschaft.
Ich selbst leide am Fieber; dazu schlaflose Nächte und die ekelhafte
Plage der Sandflöhe. Die bohren sich tief ins Fleisch, dann heißt
es, die Blase mit den Eiern sorgfältig entfernen, damit nichts
zurückbleibt, sonst wird die Sache nur noch schlimmer. Heute habe
ich solche Geschwürchen herausgenommen. Die kleine Muhigu, Kiwangas
Gastgeschenk, leidet so stark unter dieser Landplage, daß sie kaum
gehen kann. Sie ist grundhäßlich, aber ein freundliches, zutuliches
Wesen. Zu meinen Pflegebefohlenen gehört auch ein kleines, etwa vier
Jahre altes Indermädchen; sie ist Waise, und da sie an krampfartigen
Anfällen leidet, die sie meist am Gehen hindern, will niemand etwas
von dem armen Kinde wissen; auch an den Händen ist sie gelähmt, dazu
blöde Augen, -- es ist schmerzlich, das arme Ding anzusehen. -- Auf dem
Hühnerhofe ein Erfolg: eine Pute legt Eier und eine Ente ist am Brüten.
Letzte Nacht prachtvolles Steppenfeuer, das sich bis in die Berge zog
und den Wasserfall wunderbar beleuchtete. Die Eingeborenen hatten
auf weite Strecken hin das trockene Steppengras abgebrannt. Durch
Schnapsels Rattenjagd werden meine Nächte auch nicht erquicklicher;
er fängt natürlich keine, denn durch die engen Löcher in den Wänden
kann er nicht nachkommen. Neulich fielen in der Nacht zwei von diesen
scheußlichen Tieren von der Decke auf mich, ich schrie laut vor
Schrecken; eine lebensmüde Ratte fand ich im Waschbecken ertrunken.
+Lager am Ombascha-Posten+, 19. September 1896.
Welche Glücksbotschaft gestern! Um vier Uhr kam ein Brief von Tom:
sobald unser Gepäck „_tajari_“ (fertig gepackt zum Mitnehmen), soll
ich zu ihm kommen! Er hatte für das Verpacken zwei Tage gerechnet
-- natürlich war ich schon am anderen Morgen „_tajari_“ und rückte
mit meinem Begleiter, dem Oberlazarettgehilfen, ab. Ein tüchtiger
Gebirgsmarsch. Sehr müde!
+Lager am Kihansifluß+, 20. September 1896.
Ich darf wenigstens sagen, daß ich Afrika kennen lerne; freilich ist
dieser praktische Geographieunterricht recht anstrengend, dafür aber
nur interessanter. In der Schweiz habe ich nicht solche Kletterpartien
gemacht wie hier; selbst nicht am Julier, wo ich mir Edelweiß geholt
habe von Stellen, die für Damen als unerreichbar galten. Gestern waren
acht Berge zu nehmen, 600 bis 800 Meter hoch, so steil und unwegsam,
daß ich mich oft hinaufziehen lassen mußte, wenn ich die für mich
eingehauenen Stufen in den Felsblöcken selbst auf „allen Vieren“ nicht
mehr schaffen konnte. Aber jeder bestiegene Berg war ja ein Hindernis
weniger auf dem Wege zum Ziel! Da vergaß ich gern 33° Reaumur! Die
Aussicht war großartig, aber die Müdigkeit ließ mich doch nicht zum
Genuß kommen.
+Magdalenenhöhe+, 21. September 1896.
Morgen oder übermorgen sehe ich meinen Mann wieder! Was waren das für
schreckliche Wochen! Wie zitterte ich um des Geliebten Leben, wie oft
kamen Nachrichten, die mir das Blut in den Adern gerinnen ließen! Wußte
ich doch Tom mit seinen 230 Mann und den 8 Deutschen -- von denen
drei eben erst das perniziöse Fieber überstanden hatten -- einem an
Zahl weit überlegenen blutdürstigen Feinde gegenüber. Anfangs erhielt
ich alle paar Tage Nachricht -- dann blieb vierzehn Tage lang jede
Botschaft aus! Doch nun ist ja diese schreckliche Zeit der qualvollen
Ungewißheit vorüber, ich ziehe ihm entgegen, soll ihn nun bald gesund
und fröhlich wiedersehen! Die größte Gefahr ist abgewendet, wenn auch
noch viel, sehr viel zu tun übrig bleibt: nämlich Quawas habhaft
zu werden. Dazu müssen aber erst Hilfstruppen abgewartet werden,
Toms kleine Schar ist in diesem ungeheuren Gebiete dieser Aufgabe
natürlich nicht gewachsen. Für mich zum Glück: bis zum Eintreffen der
Verstärkungen darf ich bei meinem Manne bleiben! Als Tom das Lager
Quawas nahm, ist dieser entkommen, so konnte dem ganzen Feldzuge leider
nicht mit einem Schlage ein Ende gemacht werden. Das Gefecht war
infolge von Quawas Flucht ziemlich kurz, Tom hatte keine Verluste, auf
der feindlichen Seite aber Tote, Verwundete und Gefangene. Es wurden
an 1000 Stück Großvieh und 1100 Kleinvieh erbeutet -- an Fleischmangel
wird die Station also nicht mehr zu leiden haben.
Eine Episode aus diesen sechs Wochen Einsamkeit muß ich doch noch
nachtragen. Eines Abends saß ich mit dem Zahlmeister Winkler und dem
Lazarettgehilfen Prinage beim Skat, als plötzlich einige Griechen und
Araber auf unserer Veranda mit der Schreckensnachricht angestürzt
kamen: „Die Wahehe sind da! Sie wollen die Boma stürmen!“ Da hieß es
„Kaltes Blut“ -- nicht den Kopf verlieren; es war das erstemal, daß
ich mich in solcher Lage nur auf mich selbst angewiesen fand. Während
Winkler und Prinage Patronen an die sofort alarmierten Soldaten
ausgaben, die Boys und Träger mit Vorderladern bewaffneten und jedem
seinen Posten anwiesen, ließ ich Wasser herbeiholen, brachte die
Reittiere in der Boma unter, sammelte die mit Speeren bewaffneten
Männer aus dem Dorfe, brachte sämtliche Windlichter und Laternen
zusammen und suchte möglichst Ordnung in das schwarze Menschengewühl
zu bringen, denn Weiber und Kinder bildeten ein kaum entwirrbares
Knäuel. Dann steckte ich Revolver und Patronen zu mir, legte mein
Bestes an Schmuck obenauf im Koffer, um im Falle eiliger Flucht alles
zur Hand zu haben, dann machten wir einen Rundgang, um uns von der
richtigen Ausführung aller unserer Anordnungen zu überzeugen. Die ganze
Alarmierung war in fliegendster Eile vor sich gegangen; nach kaum einer
halben Stunde spielten wir auf unserer Veranda weiter. Wir blieben
die ganze Nacht auf, -- ich hatte die Weiber und Kinder inzwischen
auch untergebracht -- und vertrieben uns die Zeit mit Kaffeetrinken
und Postenrevidieren. Der Höllenlärm unserer aufgeregten Nachtgäste
ebbte nach und nach ab, und der prachtvolle Sonnenaufgang fand uns
in verhältnismäßiger Ruhe. Die Wahehe waren nicht gekommen, unsere
Vorbereitungen für einen möglichst warmen Empfang also vergeblich
gewesen. Die Weiber trauten aber dem Landfrieden doch noch nicht:
tagelang hielten sie sich in Zelten dicht an der Boma auf, aus Furcht
vor den Wahehes.
Die Aufregung jener Nacht hatte wohltuende Wirkung: sie riß mich
gewaltsam aus aller kopfhängerischen Angstmeierei, die doch zu nichts
nützen konnte, und führte mir mit der wünschenswertesten Deutlichkeit
vor Augen, daß ich hier, besonders wenn Tom nicht auf der Station
anwesend, wirklich nicht „zum Staat“ da bin. An Beschäftigung habe ich
mir in der Zeit alles nur Denkbare hervorgesucht. Meinen Pflegekindern
habe ich Kleidchen gemacht, Wäsche geflickt u. a. m. Viel Arbeit
verursachte die Herstellung eines Kopfkissens für Tom. Alles, was von
Vieh etwas längere Haare hatte, wurde geschoren, aber der Ertrag war
nicht groß, denn Ziegen und Schafe haben hier meist ein glattes Fell,
Schafwolle kennt man nicht; da ich zu dieser Arbeit die Papierschere
benutzen mußte, hatte ich bald Blasen an den Fingern. In diese sechs
Wochen fiel auch mein erster Geburtstag als junge Frau! Die Feier hatte
ich mir auch anders vorgestellt. Tom hatte für reichen Blumenschmuck
meiner Hütte gesorgt, von ihm selbst kam ein herzliches Schreiben
-- aber doch eben nur ein Schreiben! Als Gratulanten erschienen der
Zahlmeister und der Lazarettgehilfe; aus der alten Heimat kein Gruß,
kein Glückwunsch. Die Soldaten gaben, wie an hohen Festtagen, mir zu
Ehren drei Salven, dann spendierte ich ihnen Geld und den Boys eine
Ziege.
Als wir von Perondo abzogen, kam das ganze Dorf, um mir eine gute
„Safari“ zu wünschen, mindestens an 300 Weiber begleiteten mich ein
Stück Wegs, und als sie schließlich Spalier bildeten, drängten sie
sich alle an mich heran, um mir noch einmal „Kwaheri“ zu sagen. Diese
Anhänglichkeit, über die ich mich wirklich freute, verdanke ich wohl
meiner Gewohnheit, im Dorfe öfter selbst Einkäufe zu machen und die
Kinder mit Erdnüssen und dergleichen zu beschenken.
+Magdalenenhöhe+, II. Etappe, 24. September 1896.
Wiedersehen mit Tom, den ich von hier aus begleite. Der Marsch bis
zur II. Etappe (24. September) bot viel Schönes und Interessantes.
Zerklüftete Berge, auf deren saftig grünen Matten sich kleine
Ansiedelungen zeigten, die mich an die Schweizer Sennhütten erinnerten;
rauschende Bergbäche, die ihr kristallklares Wasser in kleinen Kaskaden
von Fels zu Fels stürzten, dichtbelaubte, blumenreiche Ufer und
ein Wald von Farnen, deren Fiederfächer über uns zusammenschlugen.
Unvergeßlich wird mir der große Wasserfall bei Magdalenenhöhe bleiben,
zu dem Prinage mich begleitete. Der Weg war ungemein beschwerlich,
glatt und steil, der Lohn für die Anstrengung aber ein hoher! In einer
Breite von 8 bis 10 Metern stürzen gewaltige Wassermassen einen an 800
Meter hohen Felsen herab, um aus der Tiefe, an den durch Jahrtausende
hindurch ausgehöhlten Klippen zerstäubt, als diamantenschillernde Wolke
aufzusteigen, das Ganze umrahmt von üppigem Gehänge tropischer Flora,
die überall zwischen den Klippen und Felsblöcken hervorquillt -- und
all diese Pracht im Farbenspiel der afrikanischen Sonne. Kein Maler hat
Farben auf der Palette, den Zauber dieser Beleuchtung wiederzugeben --
und Worte vermögen es noch weniger. Zu dem nachhaltigen Eindruck, den
dieses Tropenbild auf mich macht, kommt noch das Bewußtsein: ich bin
die erste weiße Frau, der dieser Anblick vergönnt ist.
Der Weg bis zur III. Etappe und weiter vom Ruaha aus bot ebenfalls
viel Abwechselung, ich stand aber noch zu sehr unter dem mächtigen
Eindruck dieses in all seiner fremdartigen Schönheit gewaltigen
Landschaftsbildes, um der hügeligen Landschaft erhöhtes Interesse
zuzuwenden. Während wir auf der II. Etappe waren, brachte einer unserer
Schauisch (schwarzer Unteroffizier) 18 Wahehekrieger an, die er samt
ihren Weibern und Kindern mit seinen Askaris gefangen genommen. Die
Leute waren mit Mauser-Gewehren der Zelewski-Expedition und reichlicher
Munition versehen, sie wurden demgemäß unter scharfer Aufsicht bis zur
III. Etappe mitgenommen, wo Tom dann schließlich feststellte, daß sie
auf dem Marsche nach der Station sich befanden, um sich zu ergeben, als
sie von unseren Leuten aufgegriffen wurden. Das ist ein erfreulicher
Erfolg von Toms geschicktem diplomatischen Verhalten: durch langsames
Vorgehen, ohne Blutvergießen, ohne eine Tembe zu verbrennen, ist den
Leuten _ad oculos_ demonstriert worden, daß die Besitznahme des Landes
auch auf friedlichem Wege möglich. Nun kommen sie so nach und nach
an, um sich den neuen Herren zu unterwerfen. Aber bis mein Mann das
erreicht hat, mußte er sich’s viel Sorge und Mühe kosten lassen, und
wir alle beide haben diesen Erfolg mit einem Stück Gesundheit bezahlt!
Nun folgten schöne Tage. Mit meinem Mann zusammen konnte ich den
letzten Teil unseres Marsches zurücklegen, aus dem mir noch eine höchst
malerische Felsenbildung in Erinnerung steht, Trümmer und Säulen wohl
vulkanischen Ursprungs, die in ihrer malerischen Anordnung uns das
Kolosseum in Rom ins Gedächtnis riefen.
Am 29. September näherten wir uns unserer künftigen Station, und unsere
Hochzeitsreise hatte nun ihr Ziel erreicht: +Iringa+!
Tom war sehr gespannt, ob schon Nachricht da wäre von den von ihm
verlangten Truppen, ohne welche die Verfolgung Quawas nicht möglich
wäre, und mich interessierte besonders, ob unser Haus schon fertig sein
wird!
Wir wurden gleich militärisch empfangen: Leutnant Stadlbaur[5] und
_Dr._ Reinhard mit den Askaris von Kilimatinde begrüßten uns beim
Einzug. Die beiden Herren begleiteten uns, sobald die dienstlichen
Geschäfte erledigt waren, zu unserem Haus: ein niedliches Strohhäusel,
mitten in einem Wäldchen, mit Durchblick nach den Bergen und der Boma;
wenn der Wind geht, pfeift er frischweg durch unsere drei Zimmer; es
hat auch zwei Veranden, die hintere Veranda richteten wir gleich als
Stapelplatz für Lasten und Futterkisten ein. Die Decken der Zimmer
sind mit weißem, die Wände mit blauem Zeug ausgeschlagen; das machte
alles einen wohnlichen Eindruck, die Herren hatten zudem noch die
Wohnung so reizend mit Blumen geschmückt, daß wir unsere herzliche
Freude daran hatten! So war uns doch unerwartet ein festlicher Einzug
in unser neues Heim durch diese Liebenswürdigkeit bereitet worden.
Sobald der Bauleiter eintrifft, wird ein größeres Haus aus festerem
Material für uns aufgeführt werden. Die beiden Herren gaben uns ein
Willkommensfrühstück auf unserer Veranda, sie selbst bewohnen ein Zelt;
nachmittags besahen wir uns die Station, und abends waren die Herren
unsere Gäste.
Am anderen Tage ging’s ans Auspacken und Einrichten; besonders das
Wohnzimmer sah recht nett aus mit seinen Dekorationen an Gehörnen,
Speeren, Gardinen und Felldecken. Als wir die Herren bei uns zu Tische
sahen, waren sie freudig überrascht, alles so „europäisch“ zu finden.
Sie empfanden es als eine lang entbehrte Wohltat, endlich wieder einmal
an einem Tisch, mit wirklichem Tischzeug, mit vollständiger Gläser-
und Serviergarnitur und Silberzeug speisen zu können. Unsere Lampen
machten sich famos: die Glocken waren natürlich sämtlich gesprungen,
aber Tom hatte aus rotem Zeug sehr geschickt Lampenschirme hergestellt;
die Sache sah sehr „modern“ aus, genau wie die großen Seidenschirme
Stück zu 40 Mark in Berlin _W_. Wir waren recht vergnügt; ich zog
mich aber etwas früher zurück, da ich sehr müde war. Anderen Tags
Abschiedspicknick auf einem schön gelegenen Felsen, der eine prächtige
Rundsicht bot. Wir hatten Maibowle (Waldmeisteressenz, recht gut) und
alles mögliche mitgenommen, u. a. auch Rebhühner. Die Herren waren bei
bestem Humor, sie überboten sich im Erfinden neuer Aufmerksamkeiten.
Als wir uns trennten, geschah es mit aufrichtigem Bedauern -- am
nächsten Tage marschierten sie ab. Die Station war also schön
eingeweiht worden, meine Befürchtung, hier so ganz ohne Sang und Klang
einziehen zu müssen, hatte sich dank der Liebenswürdigkeit der beiden
Herren nicht verwirklicht. -- --
Nun kamen zwei Ruhetage, in der die Kleinigkeiten in Ordnung gebracht
wurden.
Dann traf Herr v. Kleist von Kilossa bei uns ein und nach weiteren
zwei Tagen Leutnant Glauning aus Mpapua. Am vierten Tag zogen auch sie
fort; wir begleiteten sie ein Stück Weges.
Darauf kam ein Pater Basilius, der hier eine Mission gründen will. Das
würde für uns einen erfreulichen Zuwachs von zwei gebildeten Europäern
bedeuten. Er blieb zwei Tage bei uns. Die nächsten Tage ruhte ich mich
aus, denn es war doch etwas anstrengend gewesen.
Am 12. Oktober 6 Uhr abends erklärte plötzlich mein Mann: „Wir
marschieren morgen, auf wie lange kann ich nicht sagen!“ Es handelte
sich darum, den Bruder Quawas in unsere Gewalt zu bekommen. Im Nu war
alles gepackt, und am nächsten Morgen um 7 Uhr marschierten wir ab.
Das Einpacken hier zu Lande ist nicht so ganz einfach, denn da sind
nicht nur Kleider, Wäsche usw. mitzunehmen, sondern Haus-, Wasch- und
Kochgeschirr, Teller, Messer und Gabeln, kurz und gut, eine ganze
kleine Einrichtung, und die Hauptsache: alles Essen und Trinken.
Es war für mich eine höchst interessante „Safari“. Am ersten Tage (13.)
kamen wir nach Quawas Sultansresidenz, der eigentlichen Stadt Iringa,
einer Negerstadt von etwa 9000 Einwohnern, von der noch ein großer Teil
in Trümmern lag; auch Quawas Tembe ist nur zum Teil, und zwar niedriger
wie früher, wieder aufgebaut; sie imponiert aber trotzdem durch ihre
großen Räume und die zahlreichen labyrinthartigen Verbindungsgänge, in
der Küche zählte ich an 60 der hier üblichen primitiven Feuerstellen.
Unter dem großen schattigen Baume vor der Tembe war noch der erhöhte
Sitz, von dem aus Quawa seine Truppenrevüen abhielt; hatte er doch
seine Truppen in besonders kenntliche „Regimenter“ eingeteilt, mit
Offizieren und Unteroffizieren; der eine dieser Truppenkörper trug z.
B. nur ganz weiße Schilde!
Am 14. Oktober erreichten wir Quawas altes Lager; schon auf dem Wege
dahin stießen wir auf viele kleine Lager; das große Lager liegt so
versteckt in den Bergen, daß man es gar nicht gefunden hätte, wenn
nicht Waheheleute es gezeigt hätten. Es maß wohl 1600 Schritte im
Umfang.
Hier sollte sich der Zweck unserer Safari erfüllen: im Lager fanden
wir Mpangire, den einzigen rechten Bruder Quawas, und Kapande, seinen
Halbbruder, mit ihren Leuten. Sie kamen, sich zu unterwerfen.
Im Lager fand sodann großes Schauri statt, in welchem mein Mann
erklärte, Mpangire solle als Sultan an Quawas Stelle eingesetzt werden;
bis zur Gefangennahme Quawas jedoch müsse er ihn in Haft nehmen.
Mpangire ist ein großer, hübscher Mann mit offenen Zügen und freiem
Blick, sein ganzes Wesen macht einen guten Eindruck. Außer den beiden
Brüdern Quawa und Mpangire (ein dritter Bruder endete durch Selbstmord)
leben noch drei Schwestern: die eine ist die Frau des Merere, die
beiden anderen waren bis jetzt bei ihrem Bruder Quawa, kamen aber mit
Mpangire zu uns.
Mereres Frau ist es übel ergangen: als Quawa sich mit seinem Schwager
Merere entzweite -- er hatte auch eine Schwester von diesem zur Frau --
ließ er dem armen Weibe, der Schwester seines nunmehrigen Feindes, die
Augen ausstechen -- worauf nun Merere an Quawa Rache nahm und dessen
Schwester auf gleiche Weise blenden ließ!
Am 16. kamen wir mit unseren Schutzbefohlenen hier wieder an. Sie
wurden in einer Tembe mit Dornboma untergebracht, die sie nicht
verlassen dürfen, sonst kann jedermann sie besuchen. Am Tage haben sie
zwei, nachts vier Wachtposten.
Zu meiner Freude fanden wir schon etwas Garten an unserm Hause angelegt.