Von Tom kommt jeden Tag -- Gott sei Dank! -- gute Nachricht, nur
beunruhigt es mich, daß er über den voraussichtlichen Erfolg sich
niemals äußert. Gott gebe, daß alles gut geht! Herr v. Stocki hat mir
von seiner Safari zwölf Hühner mitgebracht. Er erzählte mir, warum
die Wahehe uns nicht schon längst einmal überfallen hätten. Bei den
Schwarzen ist die Zauberei noch sehr im Schwang, und „Medizinmänner“
stehen in hohem Ansehen. Es gibt aber auch „Medizinweiber“ unter ihnen,
und eine solche schwarze Velleda hat sich auch Quawa rufen lassen. Die
hat ihm denn nun folgendes offenbart: Der Sakkarani (nämlich Tom) habe
sich eine Bibi Sakkarani mitgebracht, die einen großen Zauber besitze,
nämlich eine kleine weiße Flasche; wenn sie die unter die angreifenden
Wahehes werfe, würden sie sämtlich umkommen! Diese prophetische Warnung
ist nun überall verbreitet, die Schwarzen ringsum erzählen sich schon
davon.
Von meinem Gastfreund Kiwanga erhielt ich gestern als Geschenk ein
kleines Mädchen zugesandt. Das arme kleine Ding, ich werde mich seiner
recht annehmen. Zunächst ließ ich es durch Mabruks Frau gründlich
waschen, dann wurde ihr der Kopf rasiert und sie mit neuen Tüchern
ausstaffiert; sie soll stopfen, nähen und waschen lernen. Vorläufig
habe ich als Gegengeschenk Zeug an Kiwanga geschickt, was weiter
geschehen soll, wird Tom gelegentlich bestimmen. Jetzt geht’s in die
Küche und dazu gehört immer ein fester Entschluß: eine Wellblechhütte,
von der afrikanischen Sonne durchglüht, mit den offenen Feuern zum
Kochen.
+Perondo+, 12. August 1896.
Ich habe keine Zeit gehabt, in diesen Tagen etwas zu schreiben. Nach
neun Tagen der Einsamkeit das Wiedersehen mit meinem Manne und zugleich
die Aussicht, ihn so rasch wieder für vier Wochen in das Ungewisse
ziehen zu lassen! Wir haben in diesen wenigen Tagen nur der Gegenwart
gelebt und die bange, trübe Sorge mit Gewalt zurückgedrängt. Das waren
kurze Stunden des Glückes: Gott gebe, daß es nicht die letzten gewesen
sind.