31. Juli 1896.

Von Tom kommt jeden Tag -- Gott sei Dank! -- gute Nachricht, nur

beunruhigt es mich, daß er über den voraussichtlichen Erfolg sich

niemals äußert. Gott gebe, daß alles gut geht! Herr v. Stocki hat mir

von seiner Safari zwölf Hühner mitgebracht. Er erzählte mir, warum

die Wahehe uns nicht schon längst einmal überfallen hätten. Bei den

Schwarzen ist die Zauberei noch sehr im Schwang, und „Medizinmänner“

stehen in hohem Ansehen. Es gibt aber auch „Medizinweiber“ unter ihnen,

und eine solche schwarze Velleda hat sich auch Quawa rufen lassen. Die

hat ihm denn nun folgendes offenbart: Der Sakkarani (nämlich Tom) habe

sich eine Bibi Sakkarani mitgebracht, die einen großen Zauber besitze,

nämlich eine kleine weiße Flasche; wenn sie die unter die angreifenden

Wahehes werfe, würden sie sämtlich umkommen! Diese prophetische Warnung

ist nun überall verbreitet, die Schwarzen ringsum erzählen sich schon

davon.

Von meinem Gastfreund Kiwanga erhielt ich gestern als Geschenk ein

kleines Mädchen zugesandt. Das arme kleine Ding, ich werde mich seiner

recht annehmen. Zunächst ließ ich es durch Mabruks Frau gründlich

waschen, dann wurde ihr der Kopf rasiert und sie mit neuen Tüchern

ausstaffiert; sie soll stopfen, nähen und waschen lernen. Vorläufig

habe ich als Gegengeschenk Zeug an Kiwanga geschickt, was weiter

geschehen soll, wird Tom gelegentlich bestimmen. Jetzt geht’s in die

Küche und dazu gehört immer ein fester Entschluß: eine Wellblechhütte,

von der afrikanischen Sonne durchglüht, mit den offenen Feuern zum

Kochen.

+Perondo+, 12. August 1896.

Ich habe keine Zeit gehabt, in diesen Tagen etwas zu schreiben. Nach

neun Tagen der Einsamkeit das Wiedersehen mit meinem Manne und zugleich

die Aussicht, ihn so rasch wieder für vier Wochen in das Ungewisse

ziehen zu lassen! Wir haben in diesen wenigen Tagen nur der Gegenwart

gelebt und die bange, trübe Sorge mit Gewalt zurückgedrängt. Das waren

kurze Stunden des Glückes: Gott gebe, daß es nicht die letzten gewesen

sind.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 23 / 132 题