29. Juli 1896.

In aller Frühe durch einen schriftlichen Gruß von Tom geweckt; ich

schrieb sofort wieder, da der Bote mit Dienstsachen zurückging. Dann

kam Kiwanga, brachte aber diesmal den Dolmetscher mit und blieb, da

wir uns nun unterhalten konnten, eine ganze Ewigkeit. Außer dem

üblichen Kognak und Zigaretten erhielt er einen kleinen Vorrat Salz zum

Geschenk und einen von Toms Anzügen. Da ihm aber der Stoff an diesem

Anzug nicht gefiel, mußte ich ihm einen anderen aussuchen, der seinem

Geschmack besser entsprach! Später kam noch ein anderer Häuptling dazu,

der ebenfalls mit Kognak und Zigaretten bewirtet werden mußte, sowie

noch mehrere Gesandtschaften von weiter ab wohnenden Häuptlingen.

Sie bleiben vier Tage hier; da geht es tüchtig über unsere Vorräte

und besonders über die Zeuglasten her. „Kleine Geschenke erhalten

die Freundschaft“ -- die Leute müssen warmgehalten und einigermaßen

poussiert werden, damit sie uns Arbeiter für die Station schicken.

Kiwanga war sehr erstaunt, als er zufällig sah, daß ich einen Revolver

bei mir trage -- ich sah, wie ich dadurch in seinem Ansehen stieg.

Kiwanga war gekommen, um sich von mir zu verabschieden. Auf die Dauer

fallen einem diese Gastfreunde doch etwas auf die Nerven.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 22 / 132 题