Ich habe die Tage über nicht schreiben können, denn es lag mir wie ein
Alp auf der Seele: heute sind die Sachen für meinen Mann gepackt, die
er auf seinem Zuge mitnehmen will! Sobald er seinen Bericht fertig hat,
geht es ab! Der Krieg ist unvermeidlich, trotz aller Versuche, mit
Quawa zu friedlichem Verständnis zu kommen. Tom hatte den Auftrag, ihm
ein Geschenk zu überbringen, das ist nun natürlich ganz ausgeschlossen.
Wenn mein Mann nicht glücklicherweise etliche von Quawas Leuten
hierbehalten hätte, würde dieser Mensch unsere Abgesandten einfach
aufknüpfen; unter diesen Umständen ließ Quawa sie gar nicht zu sich
herankommen, sondern wies sie unter Androhung des Todes zurück. Welche
Gesinnungen ihn beseelen, dafür nur einen Beleg: seinen Großen, die
ihm zum Frieden rieten, ließ er den Hals abschneiden, deren Frauen
wurden durch Ohrabschneiden verstümmelt! An 80 Leute haben dran glauben
müssen. Welch ein Glück für uns, daß es nicht noch mehr solche Neger
gibt, die durch den blutigsten Despotismus die Stämme unter ihrem
Einflusse halten -- mit der Besitznahme von Deutsch-Ostafrika sähe es
sonst sehr böse aus. Quawa hat seine Anhänger um sich versammelt,
man schätzt ihre Zahl auf 7000 bis 9000 Mann; ihnen stehen wir mit
130 Mann gegenüber, nach Abzug von 30 Mann Besatzung unserer Boma und
weiteren 20 Mann, die die Verbindung der drei kleinen Bomas auf unserer
Etappenstraße aufrecht erhalten müssen. Um unsere Boma gegen einen
plötzlichen Handstreich zu sichern, haben wir sie in den denkbar besten
Verteidigungszustand gebracht, der Versuch würde Quawa und seinen
Kriegern teuer zu stehen kommen.
Ich bewundere bei all meiner Sorge die kaltblütige Ruhe meines Mannes.
Bei der ungeheueren Verantwortlichkeit, die auf ihm ruht, bestimmt er
alles mit einer Seelenruhe, als ob es sich um den alltäglichen Dienst
handele! Mittags, gleich nach Tisch, ritt er ab mit 40 Soldaten und
100 Trägern. 400 Träger waren schon gestern abgegangen, sie sollten
heute noch eingeholt werden. Ich begleitete Tom bis zum nächsten
Fluß und war gegen 3 Uhr wieder zurück. Sofort erschien auch Kiwanga
wieder und machte mir seinen Besuch, der mir in meiner sorgenvollen
Stimmung wenig angenehm war. Ich setzte ihm Kognak und Zigaretten vor
und da bei meinen mangelhaften Kenntnissen des Suaheli keine rechte
Unterhaltung in Fluß kam, ging er bald wieder. Dann machte ich mir
allerlei Beschäftigung, zog die Uhren auf, ging nach dem Hühnerstall
und anderes mehr, bis der Dolmetscher mit der Meldung kam, soeben werde
Herr v. Stocki schwer erkrankt ins Lager gebracht. Das war ein großer
Schrecken. Ich ging sofort zu ihm, fand ihn glücklicherweise schon auf
dem Wege der Besserung; er hatte ein perniziöses Fieber überstanden
und hoffte, den Zug gegen Quawa schon mitmachen zu können. Nach dem
Abendessen sah ich nach Lagerfeuern meines Mannes in den Bergen aus, es
war aber nichts zu sehen.