28. Juli 1896.

Ich habe die Tage über nicht schreiben können, denn es lag mir wie ein

Alp auf der Seele: heute sind die Sachen für meinen Mann gepackt, die

er auf seinem Zuge mitnehmen will! Sobald er seinen Bericht fertig hat,

geht es ab! Der Krieg ist unvermeidlich, trotz aller Versuche, mit

Quawa zu friedlichem Verständnis zu kommen. Tom hatte den Auftrag, ihm

ein Geschenk zu überbringen, das ist nun natürlich ganz ausgeschlossen.

Wenn mein Mann nicht glücklicherweise etliche von Quawas Leuten

hierbehalten hätte, würde dieser Mensch unsere Abgesandten einfach

aufknüpfen; unter diesen Umständen ließ Quawa sie gar nicht zu sich

herankommen, sondern wies sie unter Androhung des Todes zurück. Welche

Gesinnungen ihn beseelen, dafür nur einen Beleg: seinen Großen, die

ihm zum Frieden rieten, ließ er den Hals abschneiden, deren Frauen

wurden durch Ohrabschneiden verstümmelt! An 80 Leute haben dran glauben

müssen. Welch ein Glück für uns, daß es nicht noch mehr solche Neger

gibt, die durch den blutigsten Despotismus die Stämme unter ihrem

Einflusse halten -- mit der Besitznahme von Deutsch-Ostafrika sähe es

sonst sehr böse aus. Quawa hat seine Anhänger um sich versammelt,

man schätzt ihre Zahl auf 7000 bis 9000 Mann; ihnen stehen wir mit

130 Mann gegenüber, nach Abzug von 30 Mann Besatzung unserer Boma und

weiteren 20 Mann, die die Verbindung der drei kleinen Bomas auf unserer

Etappenstraße aufrecht erhalten müssen. Um unsere Boma gegen einen

plötzlichen Handstreich zu sichern, haben wir sie in den denkbar besten

Verteidigungszustand gebracht, der Versuch würde Quawa und seinen

Kriegern teuer zu stehen kommen.

Ich bewundere bei all meiner Sorge die kaltblütige Ruhe meines Mannes.

Bei der ungeheueren Verantwortlichkeit, die auf ihm ruht, bestimmt er

alles mit einer Seelenruhe, als ob es sich um den alltäglichen Dienst

handele! Mittags, gleich nach Tisch, ritt er ab mit 40 Soldaten und

100 Trägern. 400 Träger waren schon gestern abgegangen, sie sollten

heute noch eingeholt werden. Ich begleitete Tom bis zum nächsten

Fluß und war gegen 3 Uhr wieder zurück. Sofort erschien auch Kiwanga

wieder und machte mir seinen Besuch, der mir in meiner sorgenvollen

Stimmung wenig angenehm war. Ich setzte ihm Kognak und Zigaretten vor

und da bei meinen mangelhaften Kenntnissen des Suaheli keine rechte

Unterhaltung in Fluß kam, ging er bald wieder. Dann machte ich mir

allerlei Beschäftigung, zog die Uhren auf, ging nach dem Hühnerstall

und anderes mehr, bis der Dolmetscher mit der Meldung kam, soeben werde

Herr v. Stocki schwer erkrankt ins Lager gebracht. Das war ein großer

Schrecken. Ich ging sofort zu ihm, fand ihn glücklicherweise schon auf

dem Wege der Besserung; er hatte ein perniziöses Fieber überstanden

und hoffte, den Zug gegen Quawa schon mitmachen zu können. Nach dem

Abendessen sah ich nach Lagerfeuern meines Mannes in den Bergen aus, es

war aber nichts zu sehen.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 21 / 132 题