Gestern abend gemütliches Zusammensein in der Messe bis nachts 1 Uhr.
Vom Grafen Fugger kam Nachricht, er baut tüchtig an seiner Boma; von
den Einwohnern der Temben läßt sich niemand sehen, die Wahehe dagegen
haben Beobachtungsposten ausgestellt. Es spitzt sich mehr und mehr zu,
trotzdem mein Mann mehrere Gesandtschaften an Quawa geschickt hat, um
diesen über den friedlichen Zweck unseres Zuges aufzuklären. An den
Küsten hat man von den hiesigen Zuständen keine Ahnung, es wurde dort
behauptet, Perondo sei sehr gesund und alles atme hier Frieden! Jetzt
hat der zweite Unteroffizier auch Fieber.
Mit der Zeit schärft sich der Blick für die schwarzen Gesichter, ich
kann jetzt schon die Frauen von den Männern unterscheiden; anfangs war
das durchaus nicht leicht; beide tragen als Gewand große Tücher um
Brust und Körper, die nur den Kopf, die Arme und die Füße freilassen;
selten sieht man einmal einen Mann, der einen Anflug von Bart trägt.
Eben sitzt Kiwanga, einer unserer größten Häuptlinge, bei meinem Mann,
ein stattlicher schwarzer Herr in europäischer Kleidung. Benehmen und
Sprechweise machen einen guten Eindruck; schade, daß ich nichts von der
Sprache verstehe; er scheint sehr klug zu sein. Unser Kognak hat seinen
Beifall, er hat eine ganze Tasse voll getrunken! Er erzählte Tom, daß
Quawa bei Iringa einen Streifschuß am Oberschenkel erhalten habe. Hätte
der Schuß damals besser getroffen, brauchte mein Mann jetzt nicht all
das Häßliche durchzumachen, was uns nun als sicher bevorsteht.
Kiwanga, unser Gast, scheint hier in hohem Ansehen zu stehen; während
ich mich sonst immer darüber ärgern mußte, daß Koch und Boys in
Gegenwart von Gästen stets ganz ungeniert ins Zimmer platzten, um sich
die Befehle für die Mahlzeiten zu holen oder ihrerseits Wünsche und
Klagen anzubringen, kommen sie heute nur leise angeschlichen und reden
nur im Flüsterton: die Nähe von so viel schwarzer Hoheit bedrückt sie
ganz augenscheinlich.