23. Juli 1896.

Gestern abend gemütliches Zusammensein in der Messe bis nachts 1 Uhr.

Vom Grafen Fugger kam Nachricht, er baut tüchtig an seiner Boma; von

den Einwohnern der Temben läßt sich niemand sehen, die Wahehe dagegen

haben Beobachtungsposten ausgestellt. Es spitzt sich mehr und mehr zu,

trotzdem mein Mann mehrere Gesandtschaften an Quawa geschickt hat, um

diesen über den friedlichen Zweck unseres Zuges aufzuklären. An den

Küsten hat man von den hiesigen Zuständen keine Ahnung, es wurde dort

behauptet, Perondo sei sehr gesund und alles atme hier Frieden! Jetzt

hat der zweite Unteroffizier auch Fieber.

Mit der Zeit schärft sich der Blick für die schwarzen Gesichter, ich

kann jetzt schon die Frauen von den Männern unterscheiden; anfangs war

das durchaus nicht leicht; beide tragen als Gewand große Tücher um

Brust und Körper, die nur den Kopf, die Arme und die Füße freilassen;

selten sieht man einmal einen Mann, der einen Anflug von Bart trägt.

Eben sitzt Kiwanga, einer unserer größten Häuptlinge, bei meinem Mann,

ein stattlicher schwarzer Herr in europäischer Kleidung. Benehmen und

Sprechweise machen einen guten Eindruck; schade, daß ich nichts von der

Sprache verstehe; er scheint sehr klug zu sein. Unser Kognak hat seinen

Beifall, er hat eine ganze Tasse voll getrunken! Er erzählte Tom, daß

Quawa bei Iringa einen Streifschuß am Oberschenkel erhalten habe. Hätte

der Schuß damals besser getroffen, brauchte mein Mann jetzt nicht all

das Häßliche durchzumachen, was uns nun als sicher bevorsteht.

Kiwanga, unser Gast, scheint hier in hohem Ansehen zu stehen; während

ich mich sonst immer darüber ärgern mußte, daß Koch und Boys in

Gegenwart von Gästen stets ganz ungeniert ins Zimmer platzten, um sich

die Befehle für die Mahlzeiten zu holen oder ihrerseits Wünsche und

Klagen anzubringen, kommen sie heute nur leise angeschlichen und reden

nur im Flüsterton: die Nähe von so viel schwarzer Hoheit bedrückt sie

ganz augenscheinlich.

Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas Elf Jahre nach Tagebuchblättern erzählt · 第 20 / 132 题