*Gerechte Schadenfreude*
zu erwähnen, bei welcher das unangenehme Gefühl aus dem Verstosse
einer gegebenen Vorstellungsreihe gegen irgend eine der beiden Normen
hervorgeht, während das angenehme Gefühl daraus resultirt, dass eine
zweite gleichzeitig gegebene Vorstellung sich mit jener ersten in
Rücksicht auf die ethische Norm der _Gerechtigkeit_ leicht verbindet.
Die beiden Vorstellungen stehen dabei in dem Verhältniss von Ursache
und Wirkung -- von Vergehen und Strafe. Während uns einerseits die
Dummheit, Schlechtigkeit u. dergl. ärgert, wird andererseits durch
die gleichzeitig eintretende Strafe unser Gerechtigkeitsgefühl
befriedigt. -- Wir haben schon oben in dem zweiten vorläufigen
Beispiel angeführt, wie in diesem Sinne auch den Gebildeten die
Corpulenz eines Falstaff zum Lachen reizen kann. Wir erwähnen hier
noch, als ähnliche sinnlich-hässliche Gegenstände des Gelächters, die
Glatze und die rothe Nase, da wir auch diese Fehler (freilich nicht
immer mit Recht) als Folgen einer etwas lockeren, üppigen Lebensweise
anzusehen gewohnt sind, und wir demnach statt Mitleid mit dem also
Entstellten zu empfinden, vielmehr durch die Befriedigung unserer
Gerechtigkeitsidee angenehm berührt werden.
In demselben Sinne kann ein Gebildeter auch über die Dummheit lachen,
nicht sowohl insofern er sich seines Besserwissens freut, als
vielmehr in der Voraussetzung, dass die Dummheit mehr oder weniger
auf eigenem Verschulden beruht und wir die den Dummen treffende
Blamage oder auch einen geringen Schaden, den er erleidet, als
verdient und ihm von Rechtswegen zukommend ansehen. --
Zu beachten ist aber hierbei ein sehr wichtiger Umstand (der
gleichzeitig am besten die Richtigkeit meiner Erklärung beweist): Die
Strafe darf nicht das uns gerecht erscheinende Maass überschreiten,
sonst hört die komische Wirkung in dem jetzt besprochenen Sinne auf.
Wir lachen über einen ungeschickten Menschen, wenn er in Folge seiner
Ungeschicklichkeit ein mässiges Unheil anrichtet, etwa hinfällt und
im Fallen sein Beinkleid an einer am wenigsten dazu geeigneten Stelle
auf-
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reisst. Sobald wir aber sehen, dass der Fallende sich ein Bein
gebrochen, oder sich sonst erheblich verletzt hat, so werden wir
nicht mehr lachen, da die ihn treffende Strafe das uns gerecht
erscheinende Maass bei Weitem überschritten hat. Das hat wohl
Aristoteles mit seinem anôdunon ou phthartikon auch eigentlich sagen
wollen: Ein Schmerz oder Schaden muss wohl vorhanden sein, derselbe
darf aber über ein gewisses Maass nicht hinausgehen und muss verdient
erscheinen. Um ein weiteres hierher gehöriges Beispiel anzuführen,
erinnere ich an jenes Bild, einen Bauer darstellend, der damit
beschäftigt ist, einen Baumast abzusägen, auf dessen äusserstem Ende
er selbst sitzt. Die komische Wirkung dieser Darstellung beruht
offenbar darauf, dass einerseits die Dummheit des Bauern, d. h. der
Contrast seiner Handlung mit der Idee von praktischer Klugheit uns
unangenehm berührt, während andererseits der in dem Bilde als
unabwendbar bevorstehend gezeigte Fall aus der mässigen Höhe uns als
Strafe für jene Thorheit gerecht erscheint, und somit wegen seiner
leichten Verbindung mit jener ersten Vorstellung in Bezug auf die
Gerechtigkeitsidee unserem Gefühle zusagt. Denken wir uns nun aber
das Bild so verändert, dass jener Baumast über einem gähnenden
Abgrunde schwebe, in welchen der Mensch nun hineinzufallen droht, so
lachen wir nicht mehr, weil die Strafe für seine Dummheit bei Weitem
das entsprechende Maass überschreitet und unsere Gerechtigkeitsidee
dadurch umgekehrt gerade beleidigt würde. Der Umstand übrigens -- das
sei zum Schlusse noch erwähnt -- dass die eine Vorstellung (die des
Herabfallens) nicht unmittelbar im Bilde vorhanden ist, thut nichts
zur Sache, und ändert die Auffassung dieser Form nicht. Es wird diese
Vorstellung jedenfalls durch das Bild hervorgerufen, und geht mit in
den komischen Contrast ein; ganz ebenso wie in den ersten Beispielen
die rothe Nase uns ohne Weiteres die Vorstellung des Trinkens erweckt
und diese nun ganz so wie eine unmittelbar dargebotene sich an dem
Contrast betheiligt [1]. Auch dadurch endlich verfällt die Dummheit
oft dem Gelächter, selbst der Gebildeten, dass sie sich, mit vielem
Selbstgefühl gepaart, den
[1] Schopenhauer l. c. p. 107.
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Anschein besonderer Klugheit geben will, sich aber natürlich nun um
so mehr bloss stellt. Wie vorher erscheint uns jetzt die den Dummen
treffende Blamage wegen der Ansprüche, die er erhoben hat, als eine
wohl verdiente.
Wir kommen nunmehr zur Besprechung der dritten Hauptform, welche wir
nannten:
*III. Das Komische mit zwei unvereinbaren Vorstellungen.*
Wie bei der vorigen Form sind auch bei dieser zur Erzeugung des einen
Gefühls (hier aber des _un_angenehmen) zwei Vorstellungen im
Komischen selbst enthalten, die sich in der dargebotenen Form nicht
mit einander verbinden wollen, während andererseits in Folge der
Harmonie einer der beiden Vorstellangen mit irgend einer Norm ein
angenehmes Gefühl erzeugt wird. -- Zu dieser Gruppe gehören
zahlreiche Nebenformen, von denen ich die wichtigsten anführe. Als
einfachste der hierher gehörigen Formen nenne ich zuerst:
*1. Das Komische der getäuschten Erwartung.*
Wie oben mitgetheilt, will Kant beim Komischen stets eine in Nichts
aufgelöste Erwartung nachweisen können, und stützt darauf seine
Definition. Richtig ist allerdings, dass die getäuschte Erwartung
beim Lächerlichen sehr häufig angetroffen wird, doch spielt sie, wie
sich leicht nachweisen lässt, in den meisten Fällen nur eine ganz
nebensächliche Rolle, und dient höchstens dazu, die komische Wirkung
zu steigern. Schon das erste Beispiel, das Kant zur Stütze seiner
Definition selbst anführt, spricht gegen ihn. Lassen wir Kant selbst
reden: „Wenn Jemand erzählt, dass ein Indianer, der an der Tafel
eines Engländers in Surate eine Bouteille mit Ale öffnen und alles
dies Bier in Schaum verwandelt herausdringen sah, mit vielen Ausrufen
seine grosse Bewunderung anzeigte, und auf die Frage des Engländers,
was ist denn hier sich so zu verwundern? antwortete: _Ich wundere
mich auch nicht darüber, dass es herausgeht, sondern wie ihr's habt
herein kriegen können_; so lachen wir und es macht uns eine recht
herzliche Lust, nicht, weil wir uns etwa klüger finden, als diesen
Un-
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wissenden, oder sonst über etwas, was uns der Verstand hierin
Wohlgefälliges bemerken liesse, sondern unsere Erwartung war gespannt
und verschwindet plötzlich in Nichts." --
Dass eine gewisse Spannung unserer Erwartung in diesem Falle
vorliegt, will ich nicht leugnen; Wir denken etwa: „welch wichtigen
Grund seines Erstaunens wird der Indianer wol vorbringen?" Doch dient
dies Moment hier offenbar nur dazu, die komische Wirkung, _die auch
ohne dies vorhanden_ wäre, durch die geschickte Form des Vortrages zu
erhöhen. Die Aeusserung bleibt auch komisch, wenn wir einfach den
Indianer ohne weitere Vorbereitung verwundert fragen lassen: „Sagt
mir nur, wie habt Ihr das Alles in die Flasche hineinbekommen?" --
Die Frage ist, wie leicht ersichtlich, eine pseudonaive und die
komische Wirkung erklärt sich bei dieser Auffassung leicht. Während
die eigentlich dumme Aeusserung des Indianers unser Gefühl einerseits
beleidigt, entdecken wir andererseits in derselben doch viel
Ueberlegung und Klugheit, wenn wir uns auf den Standpunkt der bei
einem Indianer ganz erklärlichen Unkenntniss in Bezug auf die beim
Schäumen des Bieres wirkenden Verhältnisse stellen. --
Nebenbei freuen wir uns -- obschon Kant es nicht wahr haben will --
doch etwas unseres Besserwissens. Uebrigens bringt Kant noch eine
Bemerkung, aus der sich die richtige Auffassung ahnen lässt. Er sagt
nämlich: „Merkwürdig ist, dass in allen solchen Fällen der Spass
immer etwas in sich enthalten muss, welches auf einen Augenblick
täuschen kann. Denn wenn Jemand uns mit der Erzählung einer
Geschichte grosse Erwartung erregt und wir beim Schluss die
Unwahrheit derselben sofort einsehen, so macht es uns Missfallen." --
Doch wir haben nun, da sich das Kant'sche Beispiel für die hier zu
besprechende Form nicht als brauchbar erwiesen hat, noch Beispiele
anzuführen, in denen die getäuschte Erwartung wirklich ein
_wesentliches_ Glied bei Erzeugung des komischen Affects darstellt.
Als allgemeines Schema dafür können wir das bekannte: parturiunt
montes nascitur _ridiculus_ mus anführen, zu dem unter Anderem der
folgende Schwank, den der Clown im Circus oft ausübt, einen
speciellen Fall bildet. Der Clown stellt sich an, als ob er über ein
ziemlich hochgehaltenes Seil
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hinüber springen will, nimmt einen gewaltigen Anlauf, um dann
plötzlich unter dem Seile hindurchzukriechen. In der Regel belohnt
unauslöschliches Gelächter, namentlich im Olymp, diese Farce. Suchen
wir den Grund dieses Lachens auf, so finden wir das zum Lächerlichen
erforderliche unangenehme Gefühl hervorgehend aus der plötzlich
getäuschten Erwartung. Das angenehme Gefühl dagegen entsteht
einerseits aus dem befriedigten Selbstgefühl, indem dasselbe durch
die Vorstellung, dass der Clown jener Aufgabe doch nicht gewachsen
war, gehoben wird, andererseits wirkt die berechtigte Schadenfreude
mit, indem wir dem Clown die Blamage, die er sich (wenn auch nur
scheinbar) zugezogen hat, als eine verdiente gönnen; endlich drittens
spielt eine gewisse objectivirende Schadenfreude, die wir über uns
selbst empfinden, eine nicht unwesentliche Rolle. Während eigentlich
der Clown uns auslachen könnte, dass wir uns durch ihn haben dupiren
lassen, schwingen wir uns schnell zu einer Objectivität auf, in der
wir im Stande sind, über uns selbst zu lachen. Da wo diese
Objectivität nicht vorhanden ist, überwiegt leicht die Kränkung des
Selbstgefühls, und es entsteht statt Lachen Aerger. --
Eine zweite hierher gehörige Form:
*2. Den komischen Anachronismus*
haben wir schon bei den vorläufigen Beispielen erwähnt. Wenn wir
also, um noch einige andere Beispiele anzuführen, auf Raphael'schen
Bildern den Stammvater Abraham mit eiserner Karst in der Hand, Gott
Apollo mit einer Geige, auf anderen Bildern Soldaten, unter dem
Kreuze Christi, Karten spielend und Tabak rauchend, Ferngläser in der
Hand römischer Feldherren, Christus auf seinem Gange nach Golgatha
von einem betenden Kapuziner begleitet sehen, so wirkt das Alles
komisch, weil uns zwei Vorstellungen zusammen geboten werden, die
sich nach der Norm der Gleichzeitigkeit nicht mit einander vereinigen
lassen und durch ihre erzwungene Zusammenstellung ein unangenehmes
Gefühl erzeugen, während das angenehme Gefühl auf der unserm
Selbstgefühl schmeichelnden Vorstellung von unserem Besserwissen
beruht.
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*3. Das Komische der Darstellung oder das Burleske und Heroisch-
Komische*
leitet sein unangenehmes Gefühl her aus der Disharmonie zwischen der
poetischen Darstellung und dem Inhalt. Beim Burlesken werden ernste,
wichtige und erhabene Dinge in einer unwürdigen und sie
herabsetzenden Weise vorgetragen. Als Beispiel mag Offenbach's
„Orpheus in der Unterwelt" gelten. Beim Heroisch-Komischen werden
ganz unbedeutende Gegenstände durch die Sprache als bedeutende
dargestellt, wie z. B. in Blumauers Aeneïde. --
So lange das Burleske und Heroisch-Komische nicht zugleich witzig ist
(was aber meist der Fall ist) steht der, aus der oben genannten
Quelle fliessenden Unlust, ein Lustgefühl gegenüber, das wie bei der
vorigen Form nur aus dem gesteigerten Selbstgefühl des Besserwissens
entspringt.
Wir kommen jetzt zur letzten Hauptform des Komischen, die wir
nannten:
*IV. Das Komische mit dem Wettstreit der Vorstellungen oder den
Witz.*
_Der Witz_ ist eine der ausgedehntesten Formen des Komischen und
erfreut sich gerade bei den Gebildeten einer besonderen Beliebtheit
und doch steht er dem grössten Theile seines Inhalts nach auf keiner
hohen Stufe, indem bei ihm das angenehme Gefühl (in der Regel) ohne
Betheiligung sittlichen Wohlgefallens zu Stande kommt. Die logischen
Normen und die Normen der Ideenassociation sind es vorwiegend, die
bei ihm eine Rolle spielen, während die Beziehungen zu den ethischen
oder ästhetischen Normen meistens ausserhalb des Witzes, neben diesem
vorhanden sind und die komische Wirkung nur erhöhen. -- Es hat daher
etwas für sich, wenn Vischer in seiner ersten Schrift [1] den Witz:
das Komische des Verstandes oder der Reflexion nennt und hervorhebt,
dass die Untersuchung des Witzes theilweise mit der Lehre von den
Gesetzen der Ideenassociation zusammenfalle. Das wesentlichste
Merkmal des Witzes allen übrigen Formen des Komischen gegenüber ist
aber Folgendes:
[1] Erhab. u. Komische p. 196 u. 198.
[Page 57]
_Beim Witz entsteht die Unlust wie die Lust aus_ *zwei*
_Vorstellungen, deren Unvereinbarkeit, und doch wiederum mögliche
Vereinbarkeit mit einander_, die Quelle der Gefühle bildet, während
bei den übrigen Formen entweder nur _eine_ Vorstellung beide Gefühle
erzeugte, oder zwei dargebotene Vorstellungen doch nur zur Erregung
des _einen_ der Gefühlsgegensätze thätig waren.
Indem die zwei dargebotenen Vorstellungen zunächst nur unter einander
und nicht zu unserem ganzen Ich (zu den ideellen etc. Normen) in
Beziehung treten, regt der Witz unsere Interessen viel weniger an,
als alle übrigen Formen des Komischen. Ganz richtig sagt deshalb Jean
Paul von ihm: „er achtet nichts und verachtet nichts, Alles ist ihm
gleich, sobald es gleich und ähnlich wird".
Sehen wir davon ab, dass der Unterschied des Witzes von den übrigen
Formen des Komischen mir bisher nirgend so scharf präcisirt zu sein
scheint, so ist er doch im Ganzen von den Autoren am richtigsten
aufgefasst. Jean Paul bringt auch über ihn ungemein viel Treffendes,
wenn schon er mit seiner eigentlichen Definition nicht glücklich war
und den Mangel wissenschaftlicher Schärfe auch hier verräth. -- Seine
gelegentlichen Bemerkungen z. B., wenn er ihn den verkleideten
Priester nennt, der jedes Paar copulirt, sind viel bezeichnender als
seine Definition, nach welcher er die alte, in der That unzureichende
Auffassung: Der Witz sei eine Fertigkeit, Aehnlichkeiten zwischen
Unähnlichem zu finden, in der Art verändert, dass er den Begriff der
Vergleichung substituirt, welche eine theilweise Gleichheit bei
grösserer Ungleichheit entdeckt. Viel entsprechender ist die
Definition von Vischer, der jene alte dahin erweitert: „Der Witz ist
eine Fertigkeit mit einer überraschenden Schnelle mehrere
Vorstellungen, die nach ihrem inneren Gehalt und dem Nexus, dem sie
angehören, einander eigentlich fremd sind, zu Einer zu verbinden." --
In dieser Definition ist freilich ungesagt, dass diese Verbindung in
gewissen Hinsichten eine gerechtfertigte und uns angenehm berührende
sein muss.
Doch berichtigt Vischer wenigstens seine in dem ersten Werke
ausgesprochene Ansicht, dass _kein_ Witz einen eigentlichen Sinn
habe, in seiner Aesthetik dahin, dass der Sinn zwar
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nicht innerlich organisch im Witz enthalten sei, doch in vielen
Fällen von Aussen hinzukomme [1]. Vollständig treffend, wenn wir die
darin enthaltenen Begriffe, Gleichheit und Verschiedenheit, mit
unseren obigen Normen in Beziehung bringen, ist die schon erwähnte
Definition von Lazarus, die eigentlich auf das Komische überhaupt
gemünzt ist, aber, wie wir sehen, im Besonderen auf den Witz passt.
Es sollen zwei Vorstellungen vorhanden sein, die einmal wegen ihrer
Gleichheit zu einem einzigen Denkacte verschmelzen, während sie nach
anderer Richtung hin, wieder ganz und gar verschieden sind, „die
Möglichkeit und die Unmöglichkeit der Verschmelzung tritt zu gleicher
Zeit ein". Das ist in der That das Charakteristicum des Witzes.
Die Schopenhauer'sche Definition werde ich bei Gelegenheit einer
besonderen Form der Witze erwähnen, zu der wiederum alle von ihm
aufgestellten Beispiele gehören.
Am ausführlichsten und in vieler Beziehung sehr glücklich hat in
neuester Zeit Kuno Fischer [2] den Witz behandelt. Seine Darstellung,
die halb vom psychologischen halb vom metaphysisch-ästhetischen
Standpunkte ausgeht, weicht aber von der meinigen vor allen Dingen
darin ab, dass Fischer ganz entsprechend seiner Auffassung des
Thema's hauptsächlich die Frage erörtert, wie der Witz entsteht, auf
welchem Boden er aufspriesst und wie er geformt wird. -- Das
Material, aus dem er besteht, behandelt Fischer nur gelegentlich.
Darum ist selbstverständlich seine ganze Eintheilung eine andere,
wenn ich auch in einzelnen Formen mit ihm übereinstimme. Entspringend
auf dem Boden der ästhetischen Freiheit, die sich vom Begehren und
Wollen fern hält und aus dem ungedruckten Selbstgefühl hervorgeht,
ist nach Fischer's kurzer und knapper Definition der Witz ein
spielendes Urtheil, welches die Fehler und Gebrechen, d. h. das
Unfreie im intellectuellen Reich unserer Gedanken und Vorstellungen
plötzlich aufdeckt, und mit unserem erhöhten und freien Selbstgefühl
in den komischen Contrast bringt. Der Witz muss nach F. ganz
entlegene, nicht gleichartige, sondern entgegengesetzte,
[1] l. c. p. 426.
[2] Ueber die Entstehung u. die Entwickelungsformen des Witzes. Zwei
Vorträge etc. Heidelberg 1871.
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nicht bekannte, sondern einander fremde Vorstellungen mit einander
verknüpfen, dieselben aber plötzlich in der Pointe zusammenstossen
lassen. „Was noch nie vereint war, ist mit einem Male verbunden und
in demselben Augenblicke, wo uns dieser Widerspruch noch frappirt,
überrascht uns schon die sinnvolle Erleuchtung". -- Sehr mit Recht
betont Fischer, wie auch Vischer, besonders das Plötzliche des
Zusammenstosses der beiden Vorstellungen, d. h. die Pointe. Wir
müssen auf diesen Punkt, der zwar indirect in unserer Aufstellung
schon enthalten ist, am Schlusse noch einmal zurückkommen. Zunächst
wollen wir die einzelnen Formen des Witzes untersuchen und durch
Beispiele erläutern.
Wir können innerhalb des Witzes zwei inhaltreiche Hauptgruppen
aufstellen, die sich durch die Entstehung des angenehmen Gefühls von
einander unterscheiden; in der einen Gruppe ist dasselbe abhängig von
der leichten Vereinbarkeit der beiden dargebotenen Vorstellungen in
Rücksicht auf die _logischen_ Normen; bei der andern Gruppe entsteht
die Lust aus der leichten Verbindung der beiden Vorstellungen nach
irgend einer _der drei Normen der Ideen- Association_.
In der ersten Gruppe spielt der doppelte Sinn, die zweifache
Bedeutung und Beziehung, welche in einer der beiden dargebotenen
Vorstellungen steckt und in Rücksicht auf welche die Vereinigung mit
der in der vorliegenden Situation enthaltenen zweiten Vorstellung,
einmal möglich, das andere Mal unmöglich ist, eine Hauptrolle. Ich
will deshalb der bequemeren Bezeichnung halber den Namen
„_Doppelsinn-Witze_" dafür einführen, während ich die andere Gruppe
(_Ideen-_) _Associations-Witze_ nenne.