Wir behandeln zuerst die

*1. Associations-Witze*

als die tiefer stehende Form. Es werden hier also zwei Vorstellungen

mit einander in einen Zusammenhang gebracht, der gegen die Normen der

Logik verstösst, und dadurch Unlust verursacht, während andererseits

die Verbindung derselben beiden Worte in Rücksicht auf eine der drei

Normen der Ideenassociation eine leichte ist und dadurch das

Lustgefühl begründet. Je

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nachdem das Gesetz der Aehnlichkeit, das der Gleichzeitigkeit oder

das der Zeitfolge die Association erleichtert, erhalten wir drei

verschiedene Unterklassen der Associationswitze. In der erstgenannten

_Unterklasse_, die ihr _angenehmes Gefühl auf die Aehnlichkeit der

beiden Worte stützt_, nehmen die sogenannten *Klangwitze* das

weiteste Gebiet ein. Bei ihnen ist die äussere Aehnlichkeit des

Klanges massgebend. Wir haben schon oben unter den vorläufigen

Beispielen auch von dieser Form einige angeführt: (Tracht --

Eintracht; Ring -- Hering.) Man nennt diese Sorte von Witzen auch

„Kalauer" und achtet sie ziemlich gering; trotzdem hat selbst

Shakespeare sie nicht verschmäht, indem er z. B. dem dicken Hans

Falstaff folgende in den Mund legt. „Allerdings hat mein Wanst es

weit in die Dicke gebracht, aber es ist hier nicht die Rede von

_Wänsten_, sondern von _Gewinnsten_, nicht von _Dicke_, sondern von

_Tücke_". -- Nicht der geringste logische Zusammenhang besteht

zwischen diesen, doch in eine enge Verbindung gebrachten Worten; nur

der Gleichklang hält sie zusammen.

Ich erwähne hier ferner jenes schon bei Gelegenheit des Pseudonaiven

angeführte Beispiel, wo das Kind, dem das Vaterunser gelehrt wird,

fragt, ob der Vater Unser mit dem Onkel Unzen verwandt sei. Wir

können diese Aeusserung auch als einen Witz auffassen, bei welchem

das angenehme Gefühl (allerdings viel schwächer als bei der vorigen

Auffassung) lediglich aus dem Gleichklang der beiden Worte Unser und

Unzer hervorgeht, die sonst gar nichts mit einander zu thun haben,

und deren Zusammenbringung unser Gefühl beleidigt. Jene Aeusserung

steht, als pseudonaive aufgefasst, bedeutend höher, als wenn wir sie

als Witz ansehen.

Zuweilen erhält die einerseits unsinnige Zusammenstellung

klangähnlicher Worte durch äussere Nebenbeziehungen eine Art von

Sinn, und diese Witze stehen dann um ein Weniges höher. Beispiele zu

dieser Art liefern Fischart und Abraham a Santa Clara in grosser

Fülle.

Dem letzteren nachgebildet sind die bekannten Klangwitze des

Kapuziners in Wallenstein:

Kümmert sich mehr um den _Krug_ als den _Krieg_,

Wetzt lieber den _Schnabel_ als den _Sabel_,

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Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,

Frisst den _Ochsen_ lieber als den _Ochsenstirn_ etc.

Das römische Reich, dass Gott erbarm,

Sollte jetzt heissen römisch arm.

Der _Rheinstrom_ ist geworden zu einem _Peinstrom_,

Die _Bisthümer_ sind verwandelt in _Wüstthümer_,

Die _Abteien_ und _Stifter_

Sind _Raubteien_ und _Diebesklüfter_,

Und alle die gesegneten _deutschen Länder_

Sind verwandelt worden in _Elender_.

Im Anschluss hieran muss ich noch eine Abart der Klangwitze erwähnen,

die sich von der gewöhnlichen Form dadurch unterscheidet, dass von

den beiden Vorstellungen, deren Vereinbarkeit und Unvereinbarkeit

eben den Witz erzeugt, nur die eine direct, die andere aber indirect

gegeben ist. Hierher gehört besonders die theils absichtliche, theils

unabsichtliche Verstümmelung der Fremdwörter, wie sie zum Beispiel

von Onkel Bräsig in hohem Maasse geübt wird: Er spricht von dem

Existent (statt Assistent) des Wasserdoctors, der nicht als Gregorius

(Chirurgus) qualifikacirt war und keine Operamente (Operationen)

machen durfte, ihm dagegen eine Extra-Einwickelung apoplexirte. Hier

findet der Wettstreit zwischen dem wirklich ausgesprochenen und dem

eigentlich gemeinten Wort statt, das wir sofort errathen müssen. In

Bezug auf die logischen Normen haben diese beiden Worte, die nicht

nur in Verbindung gebracht sind, _sondern von denen eins sogar für's

andere substituirt_ ist, nicht das Geringste mit einander zu thun,

ihre Klangähnlichkeit aber erleichtert andererseits die Association.

-- Man kann diese Confusionen (wie es mit dem gerade angeführten

Beispiel wol gewöhnlich geschehen wird) auch als einfach komisch und

nicht als witzig auffassen, indem man dabei weniger den Wettstreit

der beiden Vorstellungen berücksichtigt, sondern vielmehr die

komische Situation in's Auge fasst, dass Jemand, der sich aus

Eitelkeit einen Anstrich von Bildung geben will und daher Fremdworte

anwendet, nun durch Verstümmelung derselben doch seine Unbildung

verräth, sich blamirt und auf diese Weise unser Gerechtigkeitsgefühl

befriedigt. Dagegen werden wir die folgenden Confusionen schon eher

als witzig auffassen: Finis coronat opium;

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tres faciunt collodium; Omnia mea mecum portemonnaie; exempla sunt

spirituosa, mundus vult deficit etc. Hierher gehören vor allen Dingen

auch die witzigen Verdeutschungen fremder Worte, die sich bei

Fischart in so überaus reichlicher Zahl finden und die einerseits

zwar von seiner kecken und oft zu weit gehenden muthwilligen Laune

Zeugniss ablegen, andererseits aber auch wie Kurz in seiner

Geschichte der deutschen Literatur richtig anführt, die ächt

volksmässige Schöpfungskraft in ihm erkennen lassen, welche das

fremde Wort zwar beibehält, ihm aber deutsche Form und deutsche

Bedeutung giebt, wie in unseren Worten Opfern (von dem lat. offerre),

Körper (corpus) etc. So bildet Fischart maulhenkolisch (für

melancholisch), Pfotengram (Podagra), Affrich (Afrika), Notnar

(Notar), Jesuwider (Jesuit), Untenamend (Fundament), Amend (Amen) u.

s. w.

Die Aehnlichkeit der beiden zusammengebrachten Worte braucht sich

aber nicht immer auf den äusseren _Klang_ zu beziehen, sondern kann

auch in anderen Verhältnissen stattfinden. So entsteht z. B. in dem

„doppelten Kinderlöffel für Zwillinge", den Lichtenberg in seinem

bekannten Auctionsverzeichniss ausbietet, das angenehme Gefühl durch

die wegen ihrer inneren Aehnlichkeit leicht vor sich gehende

Association der beiden Begriffe _doppelter_ Löffel und _Zwillinge_,

während das Unsinnige der Zusammenstellung uns Unlust macht. In

wieder anderen Fällen ist die Aehnlichkeit eine ganz versteckte und

nur partielle und wird erst durch den Witz aufgefunden und

hervorgehoben. Für diese Fälle passt die alte Definition, dass der

Witz eine Fertigkeit sei, versteckte Aehnlichkeiten zu finden. Als

Beispiel diene folgende Witzreihe von Heine, der von einer auffallend

hässlichen Frau sagt: „Diese Frau glich in vielen Punkten der Venus

von Melos, sie ist auch ausserordentlich alt, hat ebenfalls keine

Zähne und auf der gelblichen Oberfläche ihres Körpers einige weisse

Flecken etc." Wir fühlen einerseits, dass dieser Vergleich zweier

ganz heterogenen Gegenstände (einer hässlichen Frau mit der Venus)

ein völlig unpassender ist -- werden aber doch durch die wirklich

vorgefundenen partiellen Aehnlichkeiten angenehm überrascht. Ein im

gewissen Sinne umgekehrtes Beispiel wie das vorliegende bildet die

_witzige Carricatur_, bei der wir in toto wohl die Aehnlichkeit des

Bildes mit dem

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Gegenstande oder der dargestellten Person herausfinden, aber doch

durch die darin enthaltene Uebertreibung unangenehm berührt werden.

Das was die Carricatur im Bilde, das ist die witzige Uebertreibung

oder Hyperbel in der Darstellung durch Worte. Ich erinnere z. B. an

Haug's Zweihundert Hyperbeln auf Herrn Wahls „ungeheure Nase", von

denen hier die folgende einen Platz finden mag:

Er stand und sprach vor seinem Haus,

Da hielt ein Güterwagen an.

He! rief der trunk'ne Fuhrmann aus:

Den neuen Schlagbaum aufgethan!

Aus Kuno Fischer will ich hier noch einen recht guten Witz dieser Art

mittheilen, den man sich von Friedrich Wilhelm IV. erzählt. -- Auf

einer seiner Landreisen wird der König in einer kleinen

Provinzialstadt von der Obrigkeit empfangen und von dem Bürgermeister

des Städtchens in feierlicher Anrede begrüsst; an dem kleinen

wohlbeleibten Mann tritt nichts so hervor als die weisse Weste in

stattlicher Wölbung; das Wetter ist sehr kalt und die Rede nimmt kein

Ende; da unterbricht der König den Redner gleichsam besorgt um seine

Gesundheit und auf die Weste deutend sagt er gütig: „mein Lieber,

erkälten Sie sich Ihren Montblanc nicht." -- Diese Anekdote enthält

eine Fülle komischer Contraste, der eigentliche Witz beruht aber

offenbar auf der Verbindung resp. Substituirung zweier vollständig

heterogener Vorstellungen, die aber eine gewisse Aehnlichkeit mit

einander haben. Fischer führt diesen Witz unter dem Wortspiel

(speciell unter der mit „Doppelsinn" überschriebenen Form) auf, nach

meiner Auffassung aber mit Unrecht, denn das Wort Montblanc enthält

_an und für sich_ keinen Doppelsinn.

In manchen Fällen ist die versteckte Aehnlichkeit, die der Witz

aufdecken soll, nicht direct ausgesprochen, sondern kann erst nach

Kenntniss gewisser Verhältnisse verstanden werden. Als Beispiel führe

ich einen fall von witzigem Anachronismus an: Ein italienischer Maler

wurde von dem Prior eines Klosters aufgefordert, für dessen Kirche

ein Altar-Bild, das heilige Abendmahl darstellend, zu malen. Er macht

sich an die Arbeit; lernt aber während derselben den Prior als einen

ganz schlechten Menschen, einen Lügner und Verräther kennen, der ihn

selbst

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um den bedungenen Lohn betrügen will. Darüber entrüstet, beschliesst

der witzige Maler sich zu rächen und malt in einer Nacht, nachdem das

Bild vorher bis auf die Person des Judas fertig geworden war, die

Gestalt des Priors wie er leibt und lebt an dessen Stelle, um sich

dann natürlich heimlich davon zu machen. -- Das Bild enthält einen

Anachronismus, der in diesem Falle aber nicht blos komisch, sondern

für den, der die Verhältnisse kennt, auch witzig wirkt. Die Person

des Judas und des Priors, die hier mit einander indentificirt sind,

gehören zeitlich nicht zu einander, dagegen finden wir in Beziehung

auf ihren Geiz und ihre Verrätherei zwischen beiden eine

Aehnlichkeit, die in Verbindung mit dem Anachronismus den Witz

erzeugt. Die komische Wirkung wird in diesem Fall dadurch

unterstützt, dass die gerechte Schadenfreude mit eine Rolle spielt;

wir gönnen dem Prior wegen seiner Schlechtigkeit diese Blamage und

den Aerger, den er doch wahrscheinlich über das Bild empfunden.

Solche Witze, bei denen die gerechte Schadenfreude mitwirkt, nennen

wir _satyrische Witze_ oder _Sarkasmen_, deren Wesen also in einer

zum eigentlichen Witz hinzukommenden Nebenwirkung besteht.

Sahen wir in der ersten oben besprochenen Klasse der

Associationswitze die _Aehnlichkeit_ zur Erzeugung des angenehmen

Gefühls thätig, so treten in den anderen Klassen ebenso die Normen

der _Gleichzeitigkeit_ und _Succession_ dafür ein. In dem schon

erwähnten Lichtenberg'schen Auctionsverzeichniss wird u. A. weiter

ausgeboten: Eine Mausefalle mit den nöthigen Mäusen dazu und ein

messingenes Schlüsselloch. In dem ersten Beispiel erscheint es uns

einerseits nach dem Gesetze der Coexistenz ganz natürlich, dass zur

Mausefalle auch Mäuse gehören, andererseits sehen wir auch sofort das

Unsinnige der Zusammenstellung ein. Ebenso ist es mit dem messingenen

Schlüsselloch. Wir haben den Messing mit dem darin befindlichen

Schlüsselloch so oft zusammen gesehen, dass wir diese beiden Begriffe

leicht und ungezwungen in Zusammenhang bringen und deshalb lachen,

wenn wir andererseits den Widersinn einsehen. -- Es spielt in diesen

Beispielen übrigens nebenbei auch das gesteigerte Selbstgefühl in

gleicher Weise wie bei den Münchhausiaden mit. Wir merken, dass uns

eine Falle gelegt ist,

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dass wir confuse gemacht werden sollten und freuen uns nun der

glücklich überstandenen Prüfung.

Die Physiologie und Psychologie des Lachens und des Komischen. Ein Beitrag zur experimentellen Psychologie für Naturforscher, Philosophen und gebildete Laien. · 第 6 / 9 题