Man ist am unehrlichsten gegen seinen Gott: er darf nicht sündigen!
66.
Die Neigung, sich herabzusetzen, sich bestehlen, belügen und ausbeuten
zu lassen, könnte die Scham eines Gottes unter Menschen sein.
67.
Die Liebe zu Einem ist eine Barbarei: denn sie wird auf Unkosten aller
Übrigen ausgeübt. Auch die Liebe zu Gott.
68.
"Das habe ich gethan" sagt mein Gedächtniss. Das kann ich nicht gethan
haben - sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich - giebt das
Gedächtniss nach.
69.
Man hat schlecht dem Leben zugeschaut, wenn man nicht auch die Hand
gesehn hat, die auf eine schonende Weise - tödtet.
70.
Hat man Charakter, so hat man auch sein typisches Erlebniss, das immer
wiederkommt.
71.
Der Weise als Astronom. - So lange du noch die Sterne fühlst als ein
"Über-dir", fehlt dir noch der Blick des Erkennenden.
72.
Nicht die Stärke, sondern die Dauer der hohen Empfindung macht die
hohen Menschen.
73.
Wer sein Ideal erreicht, kommt eben damit über dasselbe hinaus.