Dieses Instrument hat in unsern Tagen eine große Rolle gespielt. Nicht

nur hat man es zur Begleitung der wichtigsten Stücke auf der Orgel,

dem Theater und der Kammer gebraucht, sondern auch so zum Solospielen

hinaufgestimmt, daß jetzt der Fagott mit den ersten Instrumenten der

Welt wetteifert. Im Solo hat der Fagott den reinsten Tenor; er versenkt

sich in die äußerste Tiefe, und hat daselbst etwas drollig Moquantes;

dann steigt er wieder ins Tenor _F_, und durch Kunst noch weiter

empor ins hohe Tenor _F_, und glänzt auch in der Höhe, wie er in

der Tiefe geglänzt hat: die Scale dieses Instruments ist also folgende

(wohl gemerkt, daß alle Baßinstrumente von unten auf gerechnet werden.)

Contra _B_, dieß ist seine äußerste natürliche Vertiefung; Kunst

bringt noch tiefere Töne hervor.

_h_, hat es durch Schwebung.

_C_, _cis_. _D_, _dis_. _E_, _ais_.

_F_, _fis_. _G_, _gis_. _A_, _ais_, auch _as_.

_B_, _h_. _C_, _cis_.

_D_, _dis_. _E_, _ais_.

_F_, _fis_.

_G_, _gis_.

höchstens noch das Alt _A_.

Dieß Instrument wird zu Nürnberg mit vieler Vollkommenheit verfertiget;

doch haben die Pariser Fagotte noch einen merklichen Vorzug.

Es erfordert den vollsten Athem, und einen so gesunden und männlichen

Ansatz, daß nur wenige Menschen schon der Organisation nach fähig

sind, es bis zur Meisterschaft zu spielen. Ob es gleich die Franzosen

erfanden, so haben doch die _Deutschen_ auf diesem Instrumente die

größten Meister hervor gebracht. Man hat es lange nur zur Begleitung

gebraucht; wir Deutsche aber waren die ersten, ihm auch das _Solo_

abzuringen, und zwar mit solchem Glücke, daß jetzt der Fagott unter die

ersten Soloinstrumente der Welt gehört. Der Ton des Instruments ist so

gesellschaftlich, so lieblich geschwätzig, so für jede unverdorbene

Seele gestimmt, daß der letzte Tag der Welt, gewiß noch viel tausend

Fagotte unter uns antreffen wird. Der Fagott schmiegt sich in alle

Formen; er begleitet Kriegsmusik mit männlicher Würde; er läßt sich im

Kirchensaale mit Majestät hören; trägt die Oper; räsonnirt mit Weisheit

im Concert; gibt dem Tanze Schwingen; und ist alles, was er seyn will.

Von sonstigen Instrumenten.

_Die Pauke._

Ein Zweig der Trommel. Kühn war der Gedanke des Menschen, Esel

zu tödten, ihre Haut zu gerben, und ihr Töne zu entlocken. Im

grauesten Alterthum, schon unter den Phöniciern, Aegyptiern, Juden,

Karthaginensern, Griechen und Römern trifft man Pauken an, wie aus

allen Denkmahlen dieser Völkerschaften erhellt. Schrecklich und wahr

ist der Gedanke, daß _Rache_ den ersten Stoff zur Erfindung der

Trommel hergab. Mein Feind ist todt! dachte ungefähr ein Barbar; aber

auf seinem Felle will ich mich noch tummeln. Er that es; und seine

menschlicheren Nachahmer wählten Eselshäute. Kriegerischer Ton ist

der einzige Charakter dieses Instruments; daher gibt es auch wenige

Völker in der Welt, welche die Trommel nicht kennen. Forster traf auf

seiner Reise um die Welt, sogar unter den Tahitanern, Ottahitanern und

Irokesen Trommeln oder Pauken an, die sie theils im Kriege, theils in

kleinerer Form, zum Tanze gebrauchen.

_Die Trommel_

hat auch wirklich so etwas Wildes, Tosendes, zum Streit Erweckendes,

und durch seine weithallende Stärke zum Signalisieren so etwas

Eigenthümliches, daß sich schwerlich ein anderes Instrument zu dieser

Absicht denken läßt. Da sich das Crescendo und Decrescendo, da sich

das Wirbeln, Brausen, Toben und Ineinanderströmen der Töne auf der

Trommel im höchsten Grade ausdrücken läßt, so muß der Tambour etwas

mehr haben als Uebung.

Der Pauker ist ganz musikalisch; er muß sich nach Noten, und dem

Tactschlag richten. Man kann die Pauken durch alle Töne stimmen, und

Wunder damit hervorbringen, wenn man äußerste _Habilität_ der Arme

mit raschem immer gegenwärtigem Geiste zu verbinden weiß.

Wir besitzen ein sehr schönes Buch von der Pauke, welches _Hauber_,

Hofpauker in Dresden, im Jahre 1768 heraus gab. Das Instrument wird

im Kriege, in der Kirche und in der Oper gebraucht. Nur im traulichen

Privatconcert ist es unerträglich.

Bekanntlich werden nun auch die Trommeln bey gut organisirten

Janitscharenmusiken, so wie die Pauken nach Noten gespielt.

_Die türkische Musik_

welche seit vierzig Jahren auch in Deutschland bey verschiedenen

Regimentern eingeführet wurde, hat auch das Studium der musikalischen

Instrumente der Türken veranlaßt. Der Charakter dieser Musik ist so

kriegerisch, daß er auch feigen Seelen den Busen hebt. Wer aber das

Glück gehabt hat, die Janitscharen selber musiciren zu hören, deren

Musikchöre gemeiniglich achtzig bis hundert Personen stark sind; der

muß mitleidig über die Nachäffungen lächeln, womit man unter uns meist

die türkische Musik verunstaltet.

Als man dem türkischen Gesandten in Berlin, Achmet Effendi zu Ehren,

ein türkisches Concert aufführte, schüttelte er unwillig den Kopf, und

sagte: Ist nicht türkisch! -- Seit dem aber hat der König von Preußen

wirkliche Türken in seine Dienste genommen, und die wahre türkische

Musik bey einigen seiner Regimenter eingeführt. Auch zu Wien unterhält

der Kaiser ein treffliches Chor türkischer Musikanten, die der große

_Gluk_ bereits in den Opern gebraucht hat.

Die Instrumente zu dieser Musik bestehen in Schallmeyen, welche die

Türken meisten Theils um den Ton zu schärfen; aus Blech verfertigen;

aus krummen Hörnern, die im Ton fast an unsere Baßhörner gränzen;

aus einem großen und einem kleinen Triangel; aus dem so genannten

Tambourin, wo das Schütteln der Schellen, die bey den Türken von Silber

sind, große Wirkung thut; und aus zwey Becken vom feinsten Bronce, oder

Glockenspeise die tactmäßig an einander geschlagen werden; endlich aus

zwey Trommeln, wovon die kleinere immer wirbelt und fluthet, die große

aber gedämpft, und unten mit einer Ruthe gestäubt wird.

Wie original, wie einzig sind hier die Töne zusammen gesucht! Die

Deutschen haben diese Musik noch mit Fagotten verstärkt, wodurch die

Wirkung noch um ein Großes vermehrt wird. Auch Trompetenstöße lassen

sich dazwischen gut anbringen. Kurz, die türkische Musik ist unter

allen kriegerischen Musiken die erste, aber auch die kostbarste, wenn

sie so vollkommen seyn soll, als es ihre Natur, und ihr heroischer

Zweck erheischt. Da die türkische Musik nicht nach Noten, sondern bloß

aus dem Gedächtniß spielt, (denn nur wir Deutsche haben angefangen, sie

in Zeichen zu setzen), so läßt sich von ihrer Theorie nichts weiter

sagen, als daß Ohr und Uebung ihre Vollkommenheit allein entscheiden:

Sie liebt bloß den zweyviertels Tact, wie wohl wir auch sehr glückliche

Versuche mit andern Tacten gemacht haben. Indessen erfordert keine

andere Gattung von Musik einen so festen, bestimmten und allgewaltig

durchschlagenden Tact. Jeder Tactstrich wird durch einen neuen

männlichen Schlag, so stark conturirt, daß es beynahe unmöglich ist,

aus dem Tacte zu kommen. F_dur_, und B_dur_, scheinen die

Lieblingstöne der Türken zu seyn, weil in diesen der Umfang aller ihrer

Instrumente am genauesten zusammen läuft. Inzwischen haben wir Deutsche

auch glückliche Proben mit D_dur_, und C_dur_ angestellt,

woraus die große Wichtigkeit der türkischen Musik erhellet.

* * * * *

Außer den gedachten Instrumenten gibt es noch verschiedene, die eben

nicht für ganze Concerte, sondern bloß für Gesellschaften erfunden

sind. Unter diese gehören vorzüglich die Reiseorgel, oder Tragorgel,

die heutiges Tages eine solche Vollkommenheit erreicht hat, daß auf

einer Walze oft zehn bis sechzehn Stücke gesteckt werden können. Die

kleinern Flagioletten-Instrumente, womit man Vögel abrichtet, gehören

nur in einem niedrigern Grade in eben diese Sphäre. Da hier alles

Mechanismus ist, und der Zephyrgriff des Genies gar nichts dazu

beyträgt; so gehören diese Instrumente nicht in den Gesichtskreis der

Aesthetik.

Man hat das _Mundblättchen_ in unsern Tagen zu einer solchen

Vollkommenheit empor getrieben, daß man die ersten Hoboenconcerte damit

weg bläst. Auch gibt es Menschen, die bloß mit der Zunge und den Lippen

alle Instrumente nachahmen. Man bläst auf den Hutecken; man bildet mit

nassen Fingern den Baß auf dem Tisch oder Stocke; man pfeift durch die

Nase; man nöthigt gleichsam der ganzen Natur Töne ab.

_Die Maultrommel_

wurde wegen ihres unmerklichen Nachhalls, und wegen der schnarrenden

Zunge, die diesen Nachhall verschlingt, nur unter die niedrigsten

Classen der Menschen verdammt. Aber was vermag der Mensch nicht!

Man spielt jetzt Sonaten, Variationen, und was man will auf der

Maultrommel. Ja man hat sogar gefunden; daß der Nachhall dieses

verachteten Instruments, unter die delicatesten Töne der Welt gehöre.

Könnte man diesem Nachhalle mehr Umriß geben, und ihn in die Schranken

der Melodie einleiten, so würde die Maultrommel geadelt werden müssen.

Vielleicht aber steht noch ein Genie auf, das die Schwingungen der

Maultrommel scharf conturiret, und mit der Zunge beschränkt: dann hat

man ein Instrument, das unter allen nachtlichen Instrumenten das erste

ist. Man denke sich den feinsten Tonnachhall, mit allen Winkelzügen

aufs genaueste bestimmt; so denkt man die Maultrommel in ihrer

Vollkommenheit.

So hoch es der musikalische Geist in der Erfindung seiner Werkzeuge

hinauftrieb; so lassen sich doch sehr leicht noch weit mehrere

musikalische Instrumente gedenken. Das Holz und alle Metalle, die

Stahl- Messing- und Darmsaiten, Stein, Silber und Porzellan haben noch

unzählige Empfänglichkeiten für Töne. Nicht einmahl alle _Formen_

für musikalische Instrumente sind erschöpft. Man findet in scharf

beobachtenden Reisebeschreibern so viel neue bey uns unbekannte

Instrumente bemerkt, daß nur noch ein Schöpfergeist dazu gehört, auch

die Erfindungen der Wilden unter uns zu veredeln.

Vom Gesang.

Dieß ist unstreitig der erste Artikel in der ganzen Tonkunst, die Axe,

um die sich alles dreht, was Melodie, Modulation, Harmonie heißt. Alle

Instrumente sind nur Nachahmungen des Gesangs: der Gesang sitzt als

König auf dem Throne, und ringsum beugen sich alle Instrumente als

Vasallen vor ihm.

_Die Menschenstimme_

ist ganz natürlich Urton, und alle übrigen Stimmen der Welt sind nur

ferner Nachhall dieser göttlichen Urstimme. Die _Menschenkehle_

ist das erste, reinste, vortrefflichste Instrument in der Schöpfung.

Ein natürlich schönsingendes Bauernmädchen _rührt_ mehr, als der

erste Violinist der Welt. Es kömmt mithin außerordentlich viel darauf

an, das Gesanggenie zu kennen, und selbigem die gehörige Bildung zu

geben. Wer ohne Anleitung rein singen kann; wer jeden gegebenen Ton

gleich genau trifft; wer _Prime_ und _Secunde_ ohne Anleitung

anzugeben weiß; wer eigene aus seinem individuellen Charakter genommene

Manieren hat, wer, und die Hauptsache ist dieß, eine klare viel

umfassende Stimme hat der ist ein Singgenie.

Der große Porpora pflegte zu sagen: Zu einem vollkommenen Sänger

gehören hundert Eigenschaften. Neun und neunzig rechne ich zur Stimme

allein, und die hundertste nenne ich _Theorie_. Eine äußerst tiefe

und treffende Bemerkung! Wer eine vortreffliche Stimme hat, darf nur

Noten lesen lernen; nur vorzügliche Musik hören, so ist er alles was

er seyn will, ja auch ohne Noten und Nachäffung fremden Geschmacks,

wird er alle Gesellschaften entzücken. Ein Singgenie muß also mit der

äußersten Feinheit behandelt werden, und nur ein echter musikalischer

Kopf kann demselben Unterricht geben. Ein trockener Schulmeister

verbildet den herrlichen Grundstoff, wischt Urtöne hinweg, und heult

dem Schüler oder der Schülerinn seine eignen schlechten Töne vor. Zu

einem _Sangmeister_ werden folglich die größten musikalischen

Eigenschaften erfordert. Er muß erfinden, tief fühlen, correct setzen,

und mit vieler Weisheit unterrichten können.

Die Solfeggi, oder Singübungen, geben der Stimme die gehörige

Ausbildung, und machen gleichsam von der Singleiter, die in Wolken

dunkel stand, jede goldene Sprosse sichtbar. Die Einrichtung dieser

Solfeggi's ist daher von äußerster Wichtigkeit, und verdient auf

Grundgesetze zurückgeführt zu werden. Hier sind die unveränderlichen

Gesetze derselben.

I. Der Sänger studiere zuerst aufs genaueste seine _Leiter_,

und wiederhohle sie Morgens und Abends mit der strengsten

Gewissenhaftigkeit.

II. Er lerne vorzüglich stehende Töne oder weiße Noten, aufs

pünctlichste ausdrücken; werde Meister vom Schwellen und Sinken, vom

Wachsen und Sterben der Töne.

III. Dann lerne er erst in Achteln oder simpeln Tönen empor steigen,

ungefähr in den Abstufungen von Secunden.

IV. Alsdann lerne er Terzen, Quarten, Quinten, Sexten, Septimen,

Octaven und mehrere Weiten, mit dem gehörigen Portamento oder Träger

ausdrücken.

V. Nach diesem übe er sich in laufenden Passagen, damit seine Kehle

schlüpfrig, und nach der Kunstsprache roulant wird.

VI. Die Nüancen der Empfindungen lassen sich zwar nicht ganz genau

bestimmen, denn wer kein Herz hätte, würde auch nie gefühlvoll singen

lernen. Aber dem Schöpfer sey Dank! jeder Mensch hat ein Herz, und

der ist ein Stümper, der die Cordialsaiten auch auf dem dumpfsten

Instrumente, nicht aufzufinden weiß. Empfindung und Naturgefühl ist in

aller Menschenherzen, nur bey einem tiefer und versteckter, als beym

andern. Des Sangmeisters Pflicht ist es also, diejenige Seite in seinem

Subject aufzusuchen, wo er ihm am sichersten beykömmt. Trifft er diese,

so öffnet sich die Herzader gewiß, und der Purpurstrahl springt.

VII. Die musikalischen _Verzierungen_ muß zwar der Sänger sorgfältig

studieren, weil dadurch seine Kehle geläufig wird, er muß aber

den Gesang damit nicht überladen, weil allzu viel Künsteley und

Schmuckwerk der Simplicität schadet, und die Erfindung quetscht. Ein

zierlich ausgedrückter Mordent, gefühlvolles Hinschweben von einem

Tone zum andern, Portamento; das Aufschwellen und Hinsterben des

Tons; Verflößung der Töne, oder das Mezzotinto; ein rührendes Trillo,

aufsteigend, und wieder hinsterbend; eine dem Charakter der Arie

angemessene Cadenz; die nie zu lang seyn muß, wenn sie nicht einen

Staat im Staate bilden will: dieß sind ungefähr die Verzierungen,

welche den Gesang bilden, heben und verschönern.

Man theilet die Töne der menschlichen Stimme am richtigsten in folgende

Classen ein:

1. _Der Hirnton._ Den der große Porpora Wiederhall im Schädel nennt.

Wenn sich eine Sylbe mit dem Selbstlauter _I_ nennt; so hallt der Ton

immer ins Hirn hinauf. Man muß sich mithin hüthen, allzu häufig mit

dem Vocal _I_ zu coloriren, weil dadurch der Gesang in mausähnliches

Pfeifen ausartet.

2. _Der Nasenton_, kann nur allein im Komischen vorkommen, zum

Beyspiel in den Ausdrücken der Verspottung, der Naseweisheit, und der

Nachäffungen des Dudelsacks und der Leyer. Der französische Gesang wird

dadurch abscheulich, daß sie auch in ernsthaften Stücken den Nasenton

gebrauchen.

3. _Der Kehlenton_, ist eigentlich der reine Gesang aus voller

Kehle, und das Eigenthum der Deutschen. Zur Bildung der Kehle wird

außerordentlich viel erfordert. Sie muß fürs erste von der Natur schon

gestimmt seyn; und dann, durch beständige Uebung so abgeschliffen

werden, daß sie die stehenden Noten, wie die fortrollenden, mit

gleicher Geläufigkeit ausdrücken kann. Der Sänger muß alles vermeiden,

was die Kehle trocken macht; auch die allzu große Schlüpfrigkeit der

Kehle ist dem Gesang schädlich, weil da die Töne gleichsam in Sümpfen

zu waden scheinen. Man muß die Kehle auch anatomisch kennen, und

sonderlich die Vibration der Zunge aufs genaueste untersucht haben,

wenn man richtige Vorschriften zur Bildung der Kehle entwerfen will.

_Vogler_ hat unter allen Sangmeistern dieses am besten gethan.

3. _Der Lungenton._ Physiologisch betrachtet, beschäftiget sich zwar

die Lunge mit allen Tönen; hier aber ist die Rede von solchen, wo das

Pfeifen und Zischen der Lunge allein gehört wird, wie z. B. in den

Gesängen der Kosaken und Kalmucken. Dieser Ton ist so widerlich und

kreischend, daß er nur in höchstseltenen Fällen, und dieß meist im

Niedrigkomischen erträglich ist.

4. _Der Magenton._ Alle harten Aspiranten, die meisten aufgehäuften

Consonanten, wie z. B. das _Ch_, kommen aus dem Magen. Die Schweizer

drücken diesen Ton am derbsten aus; er ist aber widerwärtig, und darf

in der Musik gar nicht gebraucht werden.

5. _Der Herzton._ Die Seele aller Töne! Jedes Werkzeug der Stimme

ist nur todter Klang, wenn ihm nicht das _Herz_ Leben und Wärme

ertheilt. Jeder Gesang, woran nicht das Herz Theil nimmt, hat wenig

oder gar kein Interesse. So wie man das Herz moralisch bilden kann, so

kann ein großer Meister das Herz auch musikalisch bilden, das heißt:

die Empfindungen dem Sänger so nahe legen, daß sich sein Herz öffnen,

und zum richtigen Ausdruck derselben geschickt werden muß. Wer selbst

nichts fühlt oder sein _Herz_ für die Eindrücke der Tonkunst

verschlossen hat; der werfe sich ja nie zum Sangmeister auf. Er wird

ambulante Orgeln hervorbringen, die wenn sie das auf Walzen gesteckte

Stück herunter gedudelt haben, todt kalt bleiben; aber Menschenstimmen,

herrlichen Engel- nachahmenden Menschengesang wird er ewig nicht

bilden.

Die Stimmen nach ihrem Umfange werden eigentlich in vier Hauptclassen

eingetheilt: in _Discant_, _Alt_, _Tenor_ und _Baß_. Darin aber liegen

noch folgende Abstufungen: der _hohe_ und _tiefe Discant_; der _hohe_

und _tiefe Alt_, oder _Contra-Alt_; der _Tenor_, _Bariton_ und _tiefe

Baß_. Die Scale des hohen Discants reicht vom Tenor _B_, bis ins

dreygestrichene _D_ oder dreygestrichene _E_. Der tiefe Discant oder

Second hat einen kleinern Umfang, und reicht in der Höhe nur bis ins

_A_ oder _B_. Der Alt schwebt in der Mitte, und hat ungefähr einen

Umfang von anderthalb Octaven. Der Contra-Alt ist noch eingeschränkter,

und hat etwa eine Octave, None oder Decime, aber alle diese Töne in der

äußersten Dicke und Reinigkeit.

_Bariton_ ist halb Tenor und halb Baß, vornehmlich für das Theater

geschickt. Sein Umfang hält zwey volle Octaven, vom _F_ bis wieder ins

_F_. Der _tiefe Baß_ enthält auch zwey volle Octaven, vom unterm _C_

bis wieder ins _C_, und alle in ungewöhnlicher Dicke, dicker noch als

Posaunenton. Diese Stimme ist höchst selten, und äußerst geschickt,

den ganzen Chor zu heben und zu tragen.

* * * * *

Die meisten und schönsten Discantstimmen findet man in Welschland; auch

sind die Tenorstimmen dort häufiger, als in andern Ländern: die besten

Alt- und Baßstimmen aber sind in Deutschland heimisch, wiewohl es auch

in Bayern und Böhmen ganz vortreffliche Tenorstimmen gibt.

Zur _Bildung_ der Stimme, wenn Mutter Natur vorgearbeitet hat,

sind folgende Grundsätze hinreichend:

1. Man drücke die Worte, die man vortragen will, mit äußerster

_Deutlichkeit_ aus. Ein Sänger oder eine Sängerinn, die nicht

verständlich sind, haben schon den ersten Eindruck verloren. Man muß

den Text, den man abzusingen hat, vorher aufs genaueste durchstudiert

haben. Jedes Wort ja beynahe jede Sylbe des _Dichters_, muß auf

den Lippen des Sängers wiedergeboren werden. _Plutarch_ und nach

ihm _Klopstock_, haben im _deutlichen Vortrage_ des _Gesangs_ die

Hauptwirkung desselben gesucht.

2. Der Sänger, wenn er nicht am Flügel sitzt, stehe gerade, singe

aus voller Brust, und begleite die Empfindungen der Melodie, mit der

gehörigen Pantomime. Wer z. B. eine zürnende Arie, oder ein Furioso,

mit gerader Kopfstellung vortragen wollte, würde nur für Blinde, aber

nie für Sehende interessant seyn. Das Schütteln des Hauptes; jede

schwache oder starke Bewegung desselben, gibt dem Tone eine äußerst

wichtige Modificirung.

3. Alle Unarten der Stimme, das Näseln, Schnarren, sonderlich die

Fehler so aus der schwachen Lunge entspringen; das Sinken des Tons vom

Urelemente herab, lassen sich bey jedem guten Gesange nie denken.

4. Alltägliche Verzierungen, oft selbst _modische_ Schnörkel übel

angebracht, sind Unsinn im guten Gesange. Mit einem Wort kann je

das Genie seine heiligen Rechte behaupten, so wird es selbige im

Gesang behaupten. Dem großen Sänger kann man nur wenige Striche der

Kunst zur Vollendung geben; denn er bringt seine Urkraft vom Himmel.

Inzwischen ist es Thorheit zu behaupten, daß man selbst die feinsten

Nüancen und Tiraden, nicht jedem Sänger oder jeder Sängerinn durch

weise melodische Didactik beybringen könne; da es in den Augen aller

Weisen ein ewiger Grundsatz bleiben muß, das Schöne eben so wohl,

wie das Gute und Wahre zu detailliren. Die besten Anleitungen zur

Singkunst haben uns _Porpora_ und _Hiller_ gegeben. Hiller ist für

Deutschland so interessant; daß er in allen Singschulen als classischer

Schriftsteller geehrt zu werden verdient. Seine _Anweisung zur

Singkunst_, ist herrlicher Extract von den trefflichsten Grundgesetzen

der ersten Sangmeister. Er selbst hat uns die erste Sängerinn der Welt

geliefert; es läßt sich also daraus mit Recht schließen, daß Hiller die

Geheimnisse der Singkunst ganz durchblitzt habe.

Wenn Deutschland einmahl aufmerksam darauf wird, die Singgenies zu

wecken; wenn es die Eigenschaften des wahren und großen Gesangs

ganz durchstudiert; wenn die Fürsten nicht bloß glänzende Orchester

anlegen, sondern auch Singschulen anzuordnen beginnen; so läßt sich für

deutschen Gesang alles erwarten. Inzwischen muß man im Durchschnitt

behaupten, daß die _Reichsstädte_ Deutschlands, mehr für dieß erste

Capitel der Tonkunst gethan haben, als alle Fürsten zusammen genommen.

Vom musikalischen Styl.

Die musikalische Schreibart ist so verschieden, wie die poetische.

Sie kann erhaben und populär, einfältig und geschmückt, prächtig

und simpel, hoch und niedrig, ernst und scherzend, tragisch und

komisch, tiefsinnig und leicht, stark aber nie schwach seyn. In der

Mannigfaltigkeit und Mischung dieser Style beobachtet der Musiker

eben die Grundsätze, welche der Dichter und Redner zu beobachten

hat; ein sichrer Beweis von dem genauen Bande, das die Künste unter

einander verbindet. Man könnte überhaupt den musikalischen Styl, in den

_religiösen_ und _profanen_, oder wie es die Alten zu thun pflegten, in

den geistlichen und weltlichen Styl eintheilen. Da sich aber besonders

in neuern Zeiten, die Musik in verschiedene Zweige verbreitet hat;

so ist noch eine weit genauere Eintheilung nothwendig worden. Diese

Eintheilung besteht in folgenden ganz natürlichen Abstufungen.

_Der Kirchenstyl._

Die erhabenste Gattung des musikalischen Styls! Man theilt ihn in

_Choral-_ und _Figuralmusik_ ein. Der _Choral_ hat so viel Würde,

Herzerhebung, Pathos, dauernde Wirkung, daß er mit Recht im Kirchenstyl

obenan steht.

Wenn alle andere Musik den Launen der Mode unterworfen ist, so _bleibt_

der Choral allein, und seine himmlische Kraft wirkt unter allen

cultivirten Völkern gleich stark. Die acht Melodien, welche _Ambrosius_

von den Griechen entlehnte, so wie seine eignen Compositionen, werden

noch heut zu Tage mit Entzücken angehört; wenn gleich einige davon über

zwey tausend Jahre hinauf reichen.

Die ersten Choralgesänge, aus den Zeiten der Reformation, welche

_Luther_ und _Zwingli_ veranstalteten, sind so herrlich, so ganz der

Hoheit der Religion angemessen, daß es ihnen schwerlich einer unter

uns nachthun wird. Die neuern Tonsetzer fangen bereits an, Schnörkel

in geistliche Lieder zu bringen, die doch dergleichen Verzierungen

durchaus nicht vertragen. Ein Muttergottesbild, selbst von einem Carolo

Dolce gemahlt, würde fast jeden himmlischen Reitz verlieren, wenn man

es ins Costum der neuesten Mode kleiden wollte. Eben so ungestaltet ist

ein Kirchenlied, mit den Franzen der Mode behängt! Wer andächtig setzen

will, muß selbst andächtig seyn. Daher rühren die besten Choräle,

welche die christliche Kirche besitzt, von religiösen Componisten her.

Es ist sehr zu beklagen, daß die Antifonen unter den Protestanten

beynahe ganz abgekommen sind, da sie doch eine augenscheinlich

große Wirkung hervor bringen, wie man aus dem Te Deum, dem Kyrie,

und einigen herrnhuterischen Antifonen mit Bewunderung ersehen kann.

_Klopstock_ hat deßhalb in seinen Liedern die Antifonen wieder

einzuführen gesucht; allein sie sind jetzt noch nirgends aufgenommen

worden, als in Hanau[16].

Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst · 第 19 / 22 段