Die Aufzüge mit Trompeten kann man zwey- dreyvier- und mehrstimmig

machen, und wunderbar ist's, daß der zweyte hier immer mehr figurirt,

als der erste: vielleicht ist in Prim der Ton zu gespitzt, im zweyten

aber ist Weite und Umfang für Ton und Zunge. Die musikalische Welt hat

noch wenig gedruckte Vorschriften für die Trompete, vielleicht weil nur

der Trompeter für sein Instrument setzen kann. In neuern Zeiten hat

man dieß wichtige Instrument auch sogar den Herolden des Kriegs und

Friedens an den Mund gesetzt. Ein Trompeter ist heut zu Tage beynahe

ein heiliger Mann, der vor den Thoren der größten Festung so wie vor

den Schlünden der fürchterlichsten Batterien verschont wird. Auch in

den Kirchen braucht man jetzt die Trompete und zwar nach allgemeiner

Erfahrung, mit der größten Wirkung. Doch ist sie nur an Festtagen ganz

anwendbar.

_Das Horn._

Dieß himmlische Instrument, welches wir Deutsche gewöhnlich das

Waldhorn zu nennen pflegen, hat ausnehmende Metamorphosen erlitten, bis

es auf den heutigen Fuß kam. Erst war es in ungeheure Länge ausgedehnt,

wie man es noch jetzt in Rußland beybehalten hat. Die Unbequemlichkeit

aber, ein solches Instrument zu tragen, hat die Menschen auf den

Gedanken gebracht, selbiges immer mehr zu krümmen, und ihm endlich die

heutige Schneckenform zu geben.

Das Horn hat große Eigenschaften: das eigentliche Große oder Pathos,

drückt es zwar nie aus; aber sanfte, süße, den Nachhall weckende,

zärtlichklagende und die Lücken der Saiteninstrumente ganz ausfüllende

Töne, liegen im Umfange des Horns. Die Deutschen haben auch dieses

Instrument zur höchsten Vollkommenheit gebracht; sie haben ihm Klappen

gegeben; haben die Mitteltöne durch den Griff in Becher erfunden;

ja sie machten sogar Maschinenhörner, wo man bloß durch Einsätze,

in allen Tönen der Musik auf der Stelle begleiten kann. Auch hat es

nie unter einem Volke stärkere Waldhornisten gegeben, als unter den

Deutschen. Unsere edle Nation brauchte dieß Instrument sehr frühe zur

Jagd; daher es auch den Nahmen Waldhorn bekam. Schon zu den heidnischen

Zeiten kommt in den Schriften der Nahme _Jagdhorn_ so oft vor, daß man

nicht zweifeln darf, die Deutschen haben das Horn schon vor Carl des

Großen Zeiten gekannt. Man findet sogar in den sächsischen Annalen,

Abbildungen von den Waldhörnern der Altdeutschen, die mit unsern

heutigen ganz übereinkommen. Ja die alten Deutschen verfertigten

Waldhörner aus Stein, und zwar mit solcher Kunst und solchem

Verständniß des Tons, daß es schwer halten würde, selbige noch heut zu

Tage nachzuahmen.

Der Umfang des Waldhorns ist viel weiter als der Umfang der Trompete.

Weil es nicht so schmettert und rast, so fallen die Mitteltöne _B_,

_A_, _F_, _D_, nebst den untern Abstufungen, nicht so grell aus, wie

bey der Trompete: daher sind diese Töne, die eigentlich gar nicht im

Umfange des Waldhorns liegen, so unaussprechlich süß, und eindringend

für das Herz des fühlbaren Hörers. Das Waldhorn ist eigentlich nicht

so gar schwer zu blasen, und es gehört weit weniger Lungenkraft dazu,

als zur Trompete. Allein mich dünkt der wahre Waldhornist muß weit mehr

Genie besitzen, als der Trompeter.

Der Ton dieses Instruments, sein Umfang und die Lieblichkeit, wodurch

besonders das Waldhorn alle _Lücken_ der Musik ausfüllt, haben es

mit Recht durch ganz Europa empfohlen. Das Waldhorn menschlich gedacht,

ist ein guter ehrlicher Mann, der sich eben nicht als Genie, sondern

als empfindsame Seele, fast allen Gesellschaften empfiehlt. Was das

Bewundernswürdigste ist, so bringt eben dieß Instrument, vorzugsweise

vor allen andern, die größte Wirkung auf die Thierwelt hervor. Ein Wald

voll Thiere stuzt und horcht, wenn das volltönende Horn angeblasen

wird. Die Hirsche legen sich an den Quell und lauschen; die Frösche

selber schlüpfen an die Luft; und die Schweinmutter legt sich dabey in

süßen Schlaf, und läßt sich von ihren Ferkeln unter dreyachtels Tact

die Zitzen aussaugen. Die Jagdmelodien, die durch ganz Europa erfunden

worden, haben daher die unaussprechliche Wirkung, daß sie nicht nur

jedem Menschengefühle zur Jagdzeit, sondern sogar auch den Thiernaturen

in allen Scenen der Jagd angemessen sind. Wie groß ist die Seele des

Menschen! Ein Hornstoß befehligt die Hunde, daß sie in den schaurigen

Forst stürzen; dem Zahn des Ebers, dem bohrenden Geweih des Hirsches,

und der List des Fuchses trotzen. Aber eben dieß allgebiethende Horn,

in sanftern Tönen vom Waldhügel herabschallend, macht auch, daß sich

der Hirsch an Moosquell lagert, und mit hoch aufgerichtetem Geweih die

Töne gleichsam zu verschlingen scheint.

Das Horn ist also ein Instrument von erster Bedeutung, weil ihm

Menschen und Thiere horchen. Der Grund davon ist seine Volltönigkeit

und Mittelschwebung, wodurch es sich den meisten Geschöpfen annähert.

Nur was heult, kann das Horn nicht ertragen, weil dieß wehklagende

Instrument das Heulen zu erregen pflegt.

Die Theorie des Horns ist heut zu Tage von den ersten Meistern

ins Licht gesetzt worden. Man hat sogar ein treffliches Buch über

das _Waldhorn_, welches 1764 in Dresden mit den herrlichsten

Probestücken herauskam.

Trefflicher Ansatz, geflügeltes Zungenspiel, richtige Intonation,

lange anhaltender Athem, und süßmelancholisches Gefühl müssen den

Waldhornisten bilden.

Der Jagdhornist lärmt und weckt Jäger und Wild auf. Sein Styl ist

abgestoßen, und immer im ungleichen Tacte hüpfend. Der Hornist im

Tempel weint, zieht die Noten aus voller Seele, und beselt durch seinen

Hauch gleichsam die ganze Instrumentenbegleitung. Im Concert- und

Opernsaale ist der Waldhornist zu unzähligen Ausdrücken zu gebrauchen.

Er wirkt in der Ferne, wie in der Nähe. Lieblichkeit, und wenn man so

sagen darf, freundschaftliche Traulichkeit, ist der Grundton dieses

herrlichen Instruments. Zum Eccho ist nichts fähiger und geschickter

als das Horn. Einem Componisten ist mithin das Studium dieses

Instruments im hohen Grade zu empfehlen. _Agrikola_, _Jomelli_, und

sonderlich _Gluk_ gebrauchen es mit durchdringender Kraft und Wirkung.

_Die Posaune._

Dieses Instrument ist ganz kirchlich, und verbreitet sich in drey

Zweige, in die _Alt-_, _Tenor-_ und _Baßposaune_. Es ist eigentlich

eine Trompete, nur mit dem Unterschiede, daß durch hin- und herschieben

alle fehlenden Töne hervor gebracht werden können. Das Instrument

ist uralt, und wie es scheint, eine Erfindung der Juden: denn schon

im alten Testamente kommen Bemerkungen vor von Tonveränderungen auf

blasenden Instrumenten; und diese lassen sich außer der Posaune nicht

denken. Jedes blasende Instrument hat nicht mehr und nicht weniger

Töne, als das Kuhhorn. Was über den vollen Accord geht, ist außer

dem Bezirke seines Wirkungskreises. Die Gebrechen der Natur müssen

also durch Erfindungen der Kunst ersetzt werden. Dieß geschah bey

der Posaune, wo durch das Ein- und Ausziehen alle möglichen Töne

hervorgebracht werden können. Der rechte Arm befiehlt durch Schieben

dem Hauche, und lenkt so den ganzen Harmoniesturm der Posaune. Dieß

Instrument ist durch Jahrtausende nie profanirt worden, sondern immer

gleichsam als ein Erbtheil dem Tempel Gottes geblieben. Man hing die

heilige Posaune am Pfosten des Tempels auf, ließ sie nur an Festtagen

tönen, oder geboth ihr, den Flug des Kirchengesangs zu tragen. Aber in

unsern Tagen hat man sie zum Operndienste entweiht; und die Posaune ist

nicht mehr ein Eigenthum des Gottesdienstes. -- Man gebraucht sie nun

auch mit großem Effect bey den Chören großer Opern.

Der Ton der Posaune ist durchschneidend, und weit dicker als

Trompetenton; liegende Noten können auf keinem Instrumente der Welt so

ausgedrückt werden, wie auf diesem.

Man hat jetzt nicht nur Kirchengesänge für die Posaune gesetzt, sondern

auch Concerte, Sonaten, Solis; und dieß immer mit bewundernswerther

Wirkung. Die Katholiken in Deutschland allein begünstigen indeß dieß

Instrument noch, und wenn nicht in Wien Rath geschafft wird[14]; so

müssen wir fürchten, solches allmählig ganz zu verlieren. --

Die Theorie der Posaune ist schon vor dreysig Jahren von Haider zu

Dresden, in ein so helles Licht gesetzt worden, daß man kaum noch

etliche Grundsätze hinzusetzen kann. Da sie heutiges Tages so gewaltig

verabsäumt wird, und man nur armseligen Zinkenisten, die Ausübung

überläßt; so sollten unsere Musiklenker vorzüglichen Bedacht darauf

nehmen, dieß göttlich autorisirte Instrument wieder zu wecken;

Genies für sie zu beflügeln, und dadurch der Posaune den Donnerton

wiederzugeben, den sie zu Salomos Zeiten hatte. Inzwischen gibt es

doch noch jetzt sonderlich in Sachsen und Böhmen treffliche

Posaunisten.

Ausgemacht aber ist es, _daß der Posaunenton ganz für die Religion

und nie fürs Profane gestimmt ist_.

_Der Zinke._

Ein äußerst schneidendes, und wie ein Schwert die zahlreichsten

Gemeinden durchdringendes Instrument. Es ist aber so schwer für

die Brust zu blasen, weil der Hauch nur durch eine ganz kleine

Oeffnung hinein gebracht wird, daß sich schon mehr als ein Zinkenist,

Schwindsucht und Tod damit zugezogen hat. Schwerlich gibt es ein die

Gesundheit so angreifendes Instrument wie dieses. Das mag wohl Ursache

seyn, warum sich so wenige Menschen bis zur Meisterschaft darauf legen.

Der Zinke ist ein aus Elfenbein, oder aus hartem Holz verfertigtes

Instrument. Es hat sechs Löcher und keine Klappe, auch ist es der

Bequemlichkeit wegen gekrümmt. Seine Scale ist folgende:

_D. e. f. g. a. b. h. c. D. e. f. g._

_a. h. c. d._

Meister treiben es noch höher; auch hat es alle in dieser Scale

liegende Halltöne.

Die Applicatur ist sehr schwer, und geht ganz von der Flöte und von

der Hoboe ab. Mit einem Wort, es gibt kein blasendes Instrument, was

an Schwierigkeit des Ansatzes so wohl, als der Applicatur dem Zinken

gleichkäme.

Die Entstehung desselben haben wir außer Zweifel den Juden zu danken.

Man findet in großen Kunstcabinetten noch viele jüdische Zinken,

welche die rohe Ausarbeitung weggerechnet, den unsrigen völlig ähnlich

sind.

Auch die Griechen scheinen mit dem Zinken bekannt gewesen zu seyn, wie

man aus einer glaubwürdigen Abzeichnung des Paters Martini ersieht.

-- Von jeher hat man den Zinken bloß, oder doch meisten Theils zum

Gottesdienste gebraucht. Man hat ihn mit Posaunen, Hörnern, und der

Orgel begleitet, wodurch die größte Gemeinde im Ton erhalten werden

kann. _Gluk_ hat ihn nun auch in den Chören der Oper anzuwenden

gesucht, und zwar mit großem Erfolg. -- Die _Zinkenisten_ muß man

heutiges Tages nur noch in Deutschland aufsuchen; denn nur hier gibt es

noch Lungenflügel, welche dieß schwere Instrument auszuhalten vermögen.

Sie sind sogar unter uns eine Zunft geworden, und ihr Amt ist: so wohl

den Choralgesang in der Kirche zu begleiten, als auf den Thürmen, durch

Abblasung geistlicher Lieder und kurzer Sonaten, die Andacht eines Orts

zu wecken. Unter so vielen Zinkenisten findet man freylich einige, die

es verdienten aus dem Staube gezogen zu werden. In Rothenburg an der

Tauber gab es beynahe ein halbes Säculum hindurch Zinkenisten, worunter

sonderlich die Gebrüder _Zahn_ waren, welche durch ganz Deutschland

als die ersten Meister in Zinken berühmt wurden. Manche treffliche

Zinkenisten haben sich in dieser Schule gebildet. Ein Nachkömmling von

diesen Zahns wurde wegen seiner Stärke im Zinken nach Rußland berufen,

wo er sich am Hofe des unglücklichen _Peters III._ einen solchen

Reichthum erwarb, daß er jetzt auf einem Landgute das gemächlichste

Leben führt.

Da unsere große Nation leider immer schwächlicher zu werden beginnt; so

sehe ich eben keine günstigen Aussichten für dieß schwere und herrliche

Instrument vor mir.

_Hoboe._

Dieß Instrument ist eine ganz neue Erfindung, etwa achtzig, höchstens

hundert Jahre alt. Die Franzosen brauchten es zuerst obwohl in einer

sehr unvollkommenen Gestalt, bey ihren Regimentern; begleiteten es

mit Horn oder Trompete, und erweckten dadurch die Aufmerksamkeit von

ganz Europa. Kaiser Peter der Große brachte die Hoboe mit vielen

französischen und deutschen Hoboisten nach Rußland, und führte sie bey

allen regulären Regimentern ein.

Der berühmte Künstler _Tenner_ in Nürnberg verbesserte das

Instrument; indem er Klappen anbrachte, wodurch noch mehrere Töne

darauf hervorgebracht werden konnten. Seit dem ist es zu allen Arten

von Musik gebraucht worden, und treffliche Genies haben es zu einer

solchen Höhe und Delicatesse gebracht, daß es nun ein Liebling der

musikalischen Welt geworden ist.

Sein Umfang geht vom Alt _D_, auch vom _C_ aus, bis ins obere _C_. Die

neuesten Meister haben noch das drey gestrichene _D_, _E_, und _F_

hinzugethan. Der Ton der reinen Hoboe nähert sich in der Höhe sehr der

Menschenstimme; in der Tiefe aber hat sie noch viel Gänsemäßiges;

daher man ihr durch Sortinen den Gänseton zu nehmen gesucht hat. Am

besten aber ist es, wenn der Meister seinen Hauch so in der Gewalt

hat, daß er den tiefen Tönen dadurch ihre Unannehmlichkeit abringt.

Die Deutschen haben in der Hoboe, wie überhaupt in allen blasenden

Instrumenten, jetzt die größten Meister. Auch die Welschen und

Franzosen haben die Hoboe ungemein studiert, wodurch sie nothwendig in

einer Kürze zu der erwähnten Vollkommenheit empor steigen mußte.

Zu diesem Instrumente wird viel Gefühl, und besonders die feinste

Lenkung des Hauchs erfordert. Wer nicht etliche Tacte hindurch Meister

von seinem Athem ist, wer den geringsten Schaden an seiner Brust

leidet; der wage sich ja nicht an die Hoboe.

_Clarinett._

Ist eigentlich eine _Alt-Hoboe_. Dieses Instrument ist noch viel

jünger, als die Hoboe selbst; erst seit vierzig Jahren kennt man es

in Deutschland. Der Charakter desselben ist: in Liebe zerflossenes

Gefühl, -- so ganz der Ton des empfindsamen Herzens. Wer das

Clarinett wie _Reinecke_ spielt, scheint an das ganze menschliche

Geschlecht eine Liebeserklärung zu thun. Der Umfang des Instruments

ist eben nicht groß; was aber in seinem Gebiethe liegt, drückt es mit

unbeschreiblicher Anmuth aus. Der Ton ist so süß, so hinschmachtend;

und wer die Mitteltinten darauf auszudrücken vermag, darf seines Siegs

über die Herzen gewiß seyn.

Dieses Instrument wird heut zu Tage immer vollkommener. Zu Nürnberg,

München, Berlin und Wien werden die besten Clarinette in Europa

verfertigt. Je härter das Holz ist, desto stärker der Ton. Wer Ohr für

die Tonkunst hat, und ein gefühlvolles Herz, der kann dieß Instrument

leicht lernen. Im Satze hat es mit dem Umfange des Waldhorns viel

Aehnliches.

_Das englische Horn._

Eine ganz neue Erfindung der Engländer, desto wichtiger, weil es das

einzige Instrument ist, welches die Britten erfanden. Sicher sind sie

durch die Hoboe auf dieß Instrument verfallen. Es hat eine große weite

Krümmung, sechs Löcher, und verschiedene Klappen. Die _Form_ hat ihm

den Nahmen Horn gegeben, der mir aber sehr unschicklich vorkommt, weil

man nach dem Idiom unserer Sprache nichts Horn zu nennen pflegt, als

was aus Horn gemacht ist.

Der Ton dieses Instruments liegt im Gebiethe des Alts und des Tenors,

und berühret oft die Grenze des Baritons. Zum Ausdruck der Schwermuth

und tiefen Melancholie, schickt sich das englische Horn trefflich; man

hört es ihm gleichsam an, daß es eine brittische Erfindung ist. Bey

einem solchen Horn, von der Harmonika begleitet, läßt sichs bequem

erschießen -- sagt Burney.

Die Behandlung dieses Instruments ist sehr schwer, weil die vielen

Klappen Schwierigkeiten in der Applicatur verursachen. Man bedient

sich desselben erst seit kurzem und zwar mit wichtigem Erfolge bey den

Opern und Kirchenmusiken. Wenn der Tonsetzer das englische Horn seinem

Zwecke gemäß eintreten läßt, und wenn er ihm nie eine fremde Sprache

leiht; so kann er mächtige Wirkungen damit hervorbringen. Der Umfang

des Instruments ist jetzt noch nicht so groß, es läßt sich aber hoffen,

daß ihn erfinderische Köpfe in kurzem ausdenken werden.

_Die Flöte._

Dieses Instrument theilt sich in mehrere Aeste: in die gerade Flöte,

und in die Querflöte; in die größere, und in die kleinere, worunter

alle Arten derselben begriffen sind, als: die Markpfeife, klein und

schreyend; die Hirtenpfeife etwas größer und ländlich.

_Die Flaute doulce._

Eine Flöte ungefähr eine Elle lang, von hartem Holz gemacht. Sie hat

sechs Oeffnungen und den französischen Baßschlüssel. Der Ton ist

äußerst leise und melancholisch. Ihr Umfang enthält kaum zwey Octaven.

Diese Flöte leidet nur eine sehr matte Begleitung, und sie kann ihrer

Natur wegen nur bey Trauermusiken, bey Ständchen oder Nachtmusiken

gebraucht werden. Der allzu leise Ton, und der geringe Umfang des

Instruments, hat es heut zu Tage beynahe aus der Mode gebracht: man

hört es weder in der Kirche, noch bey Concerten mehr. Ehemahls, ehe die

Querflöte aufkam, wurde es besonders in Deutschland ungemein getrieben;

man blies damit zwey dergleichen Flöten, und begleitete sie mit einem

Flötenbasse, einem Instrument, das fast einem Fagott ähnlich sieht, und

oben durch eine messingene Röhre angehaucht wird. Ein solches Trio

klang nicht übel, nur war es zu einschläfernd, und schien dem deutschen

Geiste nicht recht anzupassen.

_Das kleine Flagiolet_

ist ein ganz kleines Flötchen, womit man den Vogelsang nachahmt, und

die Vögel selbst abrichtet. Das größere braucht man an schicklichen

Orten, z. B. in Opern, wo diese Flöten ungemein gut lauten.

_Die Querflöte._

Eine äußerst wichtige Erfindung der neuern Zeiten, wenn man nicht mit

einigen behaupten will, Apollo und Marsias hätten ihren Streit auf

dieser Flöte geführt. Aus einigen Anzeichen scheint es auch wirklich,

daß die Griechen eine Art Querflöten gekannt haben. Der verzerrte Mund,

welchen dieß Instrument hervorbringt, und den die Griechen so oft

ahndeten, läßt sich bey den geraden Flöten nicht so denken, wie bey der

Querflöte. Allein wenn sie auch gleich eine solche Flöte gehabt haben

sollten; so ist sie doch von der unsrigen weit verschieden gewesen. Sie

wußten nichts von Semitonien, von Seitenklappen; und der Umfang ihrer

Flöte hatte nach dem Zeugniß _Plutarchs_ etwa sieben bis acht Töne,

dahingegen die unsrigen zwanzig und mehrere zählen. Unsere Querflöte

ist sicher eine deutsche Erfindung. Zu Anfang dieses Jahrhunderts hat

ein Meister in Nürnberg zuerst ein solches Instrument geliefert. Seine

zwey Söhne, die helle musikalische Köpfe waren, legten sich darauf,

reisten mit ganzen Kisten solcher Instrumente in Europa herum, und

brachten einen Gewinn von Tausenden zurück[15].

Diese Gebrüder hießen _Tenner_, und ihre Flöten sind in aller Welt

berühmt. Sie drangen bis nach Constantinopel und Ispahan, ja sogar

durch die Missionärs bis nach China, ob sich gleich die Chineser für

Erfinder dieses Instruments ausgaben. Jetzt werden auch in Frankreich,

Italien, England und in vielen deutschen Städten, vortreffliche

Querflöten gemacht, meisten Theils aus Holz und Elfenbein; denn die

man aus Porzellan und Silber versuchte, wollten den Künstlern nicht

behagen.

Der Ton dieser Flöte ist dick, voll und rein, voll Zärtlichkeit und

Anmuth. Ländliche unverdorbene Natur, arkadisches Schäfergefühl,

mit einem Wort, die musikalische Ekloge und Idylle gehören für die

Flöte. Der Umfang dieses Instruments geht vom tiefen Discant _D_, wozu

einige noch das tiefe _C_ fügen, bis ins drey gestrichene _A_. In

diesem Umfange liegen alle Semitonien, und die tiefen, mittlern und

höhern Töne können gleich rein hervor gebracht werden. Mittelst der

Seitenklappen, welche Tacet erfand, trägt man nun auch die in einer

kritischen Lage schwebenden Töne, z. B. _B_, _F_, und andere, mit der

äußersten Reinigkeit vor. Die größten Fürsten, wie Friedrich der Große,

und der Churfürst Carl Theodor von Pfalzbayern, haben dieß Instrument

zu ihrem Lieblinge gewählt, und die trefflichsten Flötenspieler an

ihren Höfen unterhalten. Die Applicatur des Instruments hat Quanz ins

volle Licht gesetzt, und ein Meisterwerk darüber geschrieben.

Die Flöte ist jetzt in allen Arten der Tonkunst unentbehrlich geworden.

Man braucht sie in der Kirche, bey Singspielen, Concerten und Tänzen;

zum Solo und zur Begleitung, und dieß stets mit herrlichem Erfolg.

Der reine und glasartigtönende Ansatz dieses Instruments ist schwerer

als man glaubt. Es gehöret eine ungemein gesunde Brust dazu, weil es

anhaltenden, stäten, und immer fluthenden Athem erfordert. Die untern

Töne müssen brausen; die obern lieblich dahin schweben. Das Portamento,

Mezzotinto und andere musikalische Verzierungen können meisterhaft

auf der Flöte ausgedrückt werden. Da man sie leichter als ein anderes

Instrument überall mit sich herumführen kann, so ist dadurch heutiges

Tages die zahllose Menge von Dilettanten auf der Flöte entstanden.

Allein ich behaupte, daß die obengedachten Schwierigkeiten des Ansatzes

diesen Enthusiasmus bald abkühlen und einem andern Instrumente Raum

machen werden.

_Die Querpfeife._

Die nun ganz militärisch geworden, verdient wegen ihrer

Unvollkommenheit kaum hier angeführt zu werden. Diese schreyende,

lärmende Pfeife ist ganz für den Soldaten und seine Janitscharenmusik

geschaffen. Sie durchschneidet die brausende Trommel glücklich,

aber nur in den höhern Tönen; in den tiefern wird sie vom Wirbel

verschlungen. Auch sind die tiefen Töne der Querpfeife so unrein, daß

sie kaum auszustehen sind. Ein guter Querpfeifer bleibt also immer in

der Höhe, um die kränklichen Töne der Tiefe zu vermeiden.

_Die Schallmey._

Ein Clarinett im kleinen, und höchst wahrscheinlich die Mutter unsrer

heutigen sanften Hoboe. Dieß Instrument kannten ehemahls nur die

Schäfer; aber seine treffliche Wirkung machte es bald so beliebt, daß

es in die ersten Gesellschaften eingeführt wurde. Der Ton desselben

hat so viel Interessantes, Eigentümliches, unendlich Angenehmes, daß

die ganze Scale der Tonkunst eine merkliche Lücke hätte, wenn dieß

Instrument verloren ginge. Es ist gesellschaftlich, lieblich, für

Menschen und Thiere empfänglich, und hat einen Ton, den alle übrigen

Instrumente nicht haben. Die großen Tonkünstler haben es daher bald

eingesehen, daß die Schallmey eine wichtige Tinte im Gemählde der

Tonkunst sey.

_Telemann_ brachte sie zuerst in den heiligen Chor der

Kirchenmusik, und _Gluk_ hat sie öffentlich als ein episodisches

Instrument für die Oper authorisirt. Die Puncte, wo es eintritt, müssen

äußerst genau markirt werden; denn es hat eine so eigenthümliche Farbe,

daß sie nur der wahre Kenner bemerkt. Der Umfang des Instruments

enthält sechzehn Töne, die unter den Lippen des Meisters tief und hoch

wirken können. Unstreitig hat die Schallmey Anlaß zur Erfindung der

Hoboe und des Clarinetts gegeben; denn die Schallmey war Jahrhunderte

schon da, ehe man den Nahmen Hoboe und Clarinett kannte.

Ehemahls brauchte man dieses Instrument bloß im Kriege, die weit

kriegerischere Pfeife hat es aber verdrängt. Die Schallmey wirkt in der

Nähe, nicht in der Weite; und dieß ist der Grund, warum die Querpfeife

darüber gesiegt hat.

_Der Fagott._

Neue Erfindung, von allgewaltiger Wirkung. Dieß Instrument ist ein

Zweig vom Serpent, der bekanntlich einen so starken Ton hat, daß er

in verschiedenen französischen Kirchen die Stelle der Orgel vertritt.

Auf den Feldzügen des Marschalls von _Luxemburg_ bemerkte man zuerst

Fagotts, woraus man schließen kann, daß die Franzosen Erfinder dieses

wichtigen Instruments sind. Da Hauchtöne wieder von Hauchtönen

begleitet werden müssen, so ist für Hoboen, Clarinette, Trompeten und

Waldhörner kein besseres Baßinstrument zu erdenken, als der Fagott.

Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst · 第 18 / 22 段