4. _Coloraturen_ im Adagio sind Unsinn, so sehr die Mode diesen Unsinn

authorisirt. Man glaubt ruhende Tasten durch Schnörkel beseelen zu

wollen, aber Schnörkel beseelen nie, sie tödten die Bebung der

Träger; der Mordent, der halbe und ganze Triller, die Fermen und die

Cadenz müssen mit ausnehmender Grazie vorgetragen werden. Um die Faust

brilliant zu erhalten, muß der Daumen immer sein Zauberspiel spielen.

Dieser wichtige Finger setzt in Thälern oder in niedern Tasten an, und

läßt die andern Finger auf Hügeln tanzen. -- In dieser Bemerkung liegt

der ganze Zauber der Applicatur.

5. Um aus allen Tönen spielen zu können, muß man sich frühzeitig im

Hinaufsetzen und Hinuntersetzen üben. Zum Beyspiel: eine welsche Arie

geht aus D _dur_; wie schnell ist sie in A _dur_ zu verpflanzen,

wenn wir uns den Baßschlüssel denken! Daher ist die Wichtigkeit der

Schlüssel so groß, daß der wahre Clavierist nie fehlen kann, wenn er

sie immer gegenwärtig hat. Ist z. B. _C_ der Grundton, und die Gemeinde

zieht um einen halben Ton, so denke ich mir gar leicht die Bezifferung

_Cis_; fällt aber die Gemeinde, so denke ich mir lauter _B_ in der

musikalischen Charakteristik. Mit einem Wort: jede Erhöhung oder

Vertiefung läßt sich durch Schlüssel bestimmen. Darum hat Vogler ganz

Unrecht, wenn er durch sein System so viele Schlüssel aus der Musik

ausrottet, und damit allen Clavier- und Orgelspielern, den Zauberstab

der Umwandlung -- oder des Uebertritts in andere Töne aus den Händen

windet.

6. Der Vortrag auf dem Claviere überhaupt theilt sich ein in

_Solo_ oder in _Begleitung_.

_Vom Solospielen._

Dieß kann eigentlich nur der wahre Virtuos, oder das musikalische

Genie leisten. Alle Solis, die nicht von Eingeweihten in den

Geheimnissen der Kunst gespielt werden, sind Wechselbälge der

Tonkunst; und haben den Claviervortrag in übles Gerücht gebracht.

Der Solospieler muß entweder seine eignen oder fremde Phantasien

vortragen. In beyden Fällen muß Genie sein Eigenthum seyn. Will ich

eine Sonate von _Bach_ vortragen, so muß ich mich so ganz in den Geist

dieses großen Mannes versenken, daß meine Ichheit wegschwindet, und

Bachisches Idiom wird. Alle mechanischen Fertigkeiten: Ohr, geflügelte

Faust, Fingersatz, Tactfestigkeit, Verständniß des Instruments,

Lesekunst, und dergleichen weggerechnet; so wage sich nur kein

Solospieler auf den Schauplatz, wenn er nicht Schöpferkraft besitzt;

wenn er nicht die Noten in eben so viel Feuerflocken zu verwandeln

weiß; wenn er nicht die begleitenden Stimmen um ihn, wie die Zuhörer

versteinern kann, und -- ach, wenn er unfähig ist, _dem Geiste zu

gebiethen_ in allen zehn Fingern zu brennen.

Nach dem Solospielen kommt die schwere Kunst der _Begleitung_. Viele

glauben hierin schon ausstudiert zu haben, und sie sind noch in den

Elementen dieser Kunst. Zum richtigen Begleiter gehört erstlich:

vollkommene Kenntniß des _Generalbasses_. Es ist freylich sicherer,

wenn man die Stücke beziffert; allein auch ohne Bezifferung muß

der Accompagnist fähig seyn, ein Stück mit Kraft und Nachdruck

zu begleiten. Was den Generalbaß betrifft, so gehört er zur

mathematischen, und nicht zur ästhetischen Musik. Der große Bach hat

hierüber eine so vortreffliche Anleitung gegeben, daß kaum mehr ein

Zusatz möglich ist. Vogler erfand ein neues System der Begleitung, es

scheint mir aber, den Damen zu gefallen, allzu kurz und geschmeidig

gerathen zu seyn. Nur der tiefsinnige Musiker, nicht die bloß zum

Zeitvertreib spielende Dame, ist fähig jedes Stück so zu begleiten, wie

es seine Natur erheischt. Man muß die Lehre von der gleichzeitigen und

fortschreitenden Harmonik; die äußerst schwere Lehre der Ausweichungen,

des vorbereiteten und unvorbereiteten Uebergangs von einem Ton in den

andern; die Schönheit des Gesangs, und sonderlich die Discretion mit

dem Sänger oder der Sängerinn immer gleichen Schritt zu halten, --

lange studiert, lange geübt haben, sonst wird man ohne alle Empfindung

hacken und poltern, aber nie begleiten; daher ist der Accompagnist

in allen europäischen Orchestern von so großer Wichtigkeit, daß er

den Rang unmittelbar nach dem Capellmeister hat. Ja die meisten

Capellmeister übernehmen dieß höchst wichtige Amt selber.

_Violine oder Geige._

Dieß Instrument ist eine der größten Erfindungen in der Tonkunst -- um

so vortrefflicher, je einfacher es ist. Seine Geschichte verliert sich

ins graueste Alterthum; doch wollt' ich nicht wie _Burney_ behaupten,

daß schon die Juden und Griechen Violinen gehabt hätten: denn dasjenige

Instrument, welches _Luther_ Geige übersetzt, ist, (wie Pfeiffer in

seiner Abhandlung über die hebräische Poesie richtigylon erwies)

keine Violine, sondern eine Leyer gewesen. Die ὑλονὑλον, Hylin der

Griechen, war ebenfalls keine Geige, sondern wie man aus Abzeichnungen

auf _Gemmen_ und _Münzen_ sieht, unstreitig ein Heptachord oder Lyra

gewesen. Aber außer Zweifel ists, daß die Violine aus der Leyer

entsprang, und höchst wahrscheinlich eine Erfindung der _Spanier_ ist.

Die Geschichtschreiber dieser Nation wenigstens thun unsrer heutigen

Geige am ersten Erwähnung, und definiren dieß Instrument so: »Wir sind

darauf gekommen, eine Lyra, Guitarre, oder wie man sie jetzt nennt,

eine _Violine_ mit Schafsdärmen zu beziehen, und mit einem mit Harz

bestrichenen Roßschwanz, Zaubertöne hervor zu locken.«

Dieses Zeugniß führt _Muratori_ an. Ob aber auch die Spanier

Erfinder von der _Stimmung_ der Geige sind; daran zweifle ich

aus trifftigsten Gründen. Die Spanier stimmen noch jetzt die Violine

häufig, wie wir die Viol d'Amour oder Zither stimmen, z. B.

1. _A_.

2. _Fis_.

3. _D_.

4. _A_.

Unsere heutige meisterhafte Stimmung der Violine nach Quinten, ist

unstreitig eine Erfindung der Welschen, und wie Muratori und Martini

behaupten, die Erfindung eines Mönchs im Romanesischen. Schade daß

der Nahme dieses großen Erfinders in unverdienter Vergessenheit

schlummert! diese Stimmung ist so vortrefflich, und zugleich so

vollkommen, daß keine vollkommnere mehr möglich ist. Dadurch hat

man es dahin gebracht, daß man alle Stücke, sie mögen vom weitesten

Umfang seyn, mit Leichtigkeit und Schönheit heraus bringen kann. Und

da die Mitteltinten, ja die feinsten Nüancen derselben, in diesem

Bezirk liegen, und durch unmerkliches Gleiten auf dem Griffbrete

herausgebracht werden können; so hat dadurch die Violine merkliche

Vorzüge vor dem Clavicord erhalten. Die Theorie der Violine hat, wie

wir bereits erwähnt haben, _Mozart_ am besten bestimmt; nur ist

sein Bogenstrich zu Tartinisch, und zum Presto nicht schicklich genug.

Treffliche Applicatur, eine äußerst gelenkige Hand, leichte für jeden

Vortrag angemessene Bogenlenkung, ein reiner Strich, ausdrucksvolles

Harpeggio, mit einem Wort -- Feuer und richtiger Geschmack, müssen bey

einem wahren Violinisten anzutreffen seyn. Ein großer Geiger ist ein

großer Mann: er kann Stürme von Leidenschaften erregen und beylegen.

Der komische wie der tragische Styl liegt in seinem Gebiethe. Ohne

langes Studium, und sonderlich ohne Geniusgluth -- wird es also nie

einen großen Geiger geben. Ein Violinist darf zwar die Composition

nicht so streng studieren wie der Clavierist; allein er wird doch nie

groß in seiner Kunst werden, ohne das Studium des reinen Satzes. Der

Geiger der seine Concerte und Sonaten selbst setzen kann, wird dieß

auch weit besser thun, als ein anderer, der die Kunst des reinen Satzes

nicht versteht. Auch der Violinist bestätigt die große Wahrheit, daß

bloße Ausübung, ohne genaues Studium der Grundsätze, nie einen großen

Mann bilde.

Die besten Violinen in der Welt sind: die _Steinschen_, die

_Cremoneser_; das neue Cremona muß bey der Violine sorgfältig von dem

alten unterschieden werden; die Wiener Geigen, die Prager, Pariser,

Nürnberger und Münchner.

Die Geige, dieses vortreffliche Instrument, hat sich in viele Zweige

verbreitet.

_Die Bratsche oder Viole._

Eine Altgeige, die der Musik große Dienste leistet. In neuern Zeiten

ist sie mit großer Wirkung auch zum Solospielen angewandt worden. Doch

hat dieß Instrument etwas so Trauriges, etwas so zur sanften Klage

Gestimmtes, daß man es nicht in die Länge allein anhören kann. Man

setzt heutiges Tages in den meisten Opern und Kirchenstücken auch zwey

Bratschen; allein der Componist bedarf großer Behuthsamkeit, wenn er

nicht dadurch in Uebellauter, in Durchkreuzung mit andern Instrumenten,

und in Verletzungen der Harmonie verfallen will.

Der Umriß der Viole ist der Natur des Instruments nach äußerst scharf,

fast wie Glaston. Jeder neue Tact muß so ferm eingeschnitten werden,

daß er wie ein Schermesser die ganze Symphonie durchschneidet. Es ist

mithin sehr gefehlt, wenn man bloß mechanisch oder mittelmäßige Köpfe

an die Bratsche setzt. Die Stimmung der Bratsche ist:

1. _A_.

2. _D_.

3. _G_.

4. _C_.

Die übrigen Grundsätze hat die Bratsche mit der Violine gemein.

_Das Violoncell._

Ist eigentlich eine Tenorgeige, doch wird sie als Baßinstrument auch

zur Begleitung gebraucht. Dieses Instrument nimmt sich viel besser zum

Sologeigen aus, als die Bratsche, weil es einen gewissen Herrscherton

hat, der dem Solo mehr angemessen ist. Der Ton desselben in der Höhe

ist äußerst scharfschneidend, und unter der Faust eines Meisters

reitzend und lieblich. Man kann darauf die Stimme des besten Tenoristen

bis zur Täuschung nachahmen. Es ist aber sehr schwer zu spielen, weil

die physische Kraft, welche zur Discantvioline erfordert wird, bey

diesem Instrumente noch einmahl so stark seyn muß. Es strengt den Arm

außerordentlich an; die Applicatur durchsägt gleichsam den Daumen

der linken Faust, und der rechte Arm muß sich wie der Flügel eines

Adlers verbreiten und bewegen. Zum Violoncell wird ein langer etwas

straffer Bogen erfordert. Im Solo ist der Strich meistens kurz, in

der Begleitung aber, sonderlich im Recitativ lang und harpetschirend.

Die Applicatur ist sehr von der Discantvioline und Bratsche

verschieden, indem der Strich unterm Kinne und zwischen den Knieen

eine merkliche Verschiedenheit veranlaßt. In den höhern Passagen

bildet der Daumen gleichsam einen neuen Steg, über welchen der Ton zu

den Regionen des Alts, oft selbst des Discants empor klettert. Der

begleitende Violoncellist muß den Generalbaß gründlich verstehen, damit

er vollgriffig spielen kann; und dieser Umstand macht das Violoncell

weit schwerer als die Bratsche.

_Der Violon._

Die eigentliche Baßgeige von gewaltigem durchschlagenden Tone. Er hatte

ehemahls 4 bis 5 Saiten, nun aber braucht er zur Begleitung nicht mehr

als drey, die um so mehr hinreichend sind, als der Violon sich nie

mit hohen Tönen verträgt. Der Bogen ist hier äußerst kurz und straff,

wodurch der Ton an Dicke und Schnellkraft gewinnt. Ein Violon von der

größten Art ist so schwer zu spielen, daß eine Riesenfaust dazu gehört;

und selbst diese Riesenfaust muß mit Hirschleder gewaffnet seyn. Die

Zwecke werden mit großen Stimmschlüsseln in Bewegung gesetzt. Der

Strich dieses Instruments ist meisten Theils abgeschnellt, denn das

Schleifen bringt nicht immer eine gute Wirkung darauf hervor.

Wer diesen Geigenriesen mit Nachdruck in einem Orchester spielen will,

muß bey vieler Theorie und Uebung ein ungemein gutes Gesicht haben; ein

Miops taugt ganz und gar nicht dafür.

In neuern Zeiten haben sogar, wie wir oben in der Geschichte der

Tonkunst erwähnten, einige Virtuosen Solos auf diesem Giganten

gespielt. Es versteht sich, daß es in diesem Falle mit vier oder

fünf Saiten bezogen seyn muß. Allein der Effect war nicht groß:

man bewunderte zwar den Einfall, aber empfand nichts dabey. Dieses

Instrument ist dazu geschaffen, Piedestal zu bleiben, und nie Bildsäule

zu werden. Man baut das Haus nicht von oben hinunter, sondern von unten

hinauf.

_Viola di gamba._

Eine mittlere Geige, die man zwischen den Knieen spielt. Sie hat 6

Saiten, und ist von ausnehmender Anmuth. Die Nachtstücke lassen sich

herrlich darauf vortragen; überhaupt alles was Anmuth und Zärtlichkeit

athmet. Dieses Instrument erfordert viel Gefühl, und nur wenige können

es so spielen, wie es seiner Natur nach behandelt werden muß. Es

leidet keine starke Begleitung, denn es begleitet sich meist selber.

Eine Discantvioline, zwey Hörner und ein Fagott sind hier die beste

Begleitung.

_Viol d'amour._

Ehemahls auch der Psalter genannt, wird unter dem Kinn gespielet, und

fast wie eine Zither gestimmt. Man hat sie ehemahls mit messingenen

Saiten bezogen; seit vielen Jahren aber bezieht man sie wieder mit

Darm. Das Instrument ist äußerst unvollkommen, weil die Stimmung so

unvollkommen ist. Inzwischen lassen sich zärtliche und verliebte

Stücke, sonderlich die so genannten Ständchen vor den Fenstern unsrer

Dulcineen, gut damit ausdrücken. Dieß Instrument ist so ausnehmend

leicht, daß ein mäßiger Kopf es in vierzehn Tagen lernen kann.

_Bariton._

Ein vortreffliches Instrument, vollkommen durch sich, und vollkommen

mit der Begleitung. Es schwebt gleichsam zwischen Tenor und Baß,

klettert aber oft in die Regionen des Discants hinauf. Es ist vorne

mit Darm- hinten mit messingenen Saiten bezogen. Vorne wird es mit dem

Bogen gestrichen, und hinten mit dem Daumen geschnellt. Die Behandlung

ist sehr schwer, weil Streichen, Schnellen und Greifen, gleichsam drey

conträre Bewegungen bilden. _Liedl_ hat dieß Instrument nicht nur

erfunden, sondern auch bis zur höchsten Vollkommenheit gespielt.

_Die Leyer_

oder die _Lyra_, _Chelyn_ und _Telyn_ der Alten

bestand aus sieben bis acht und mehreren Saiten. Sie ist noch bey den

nordamerikanischen Völkern üblich, auch ist es das Leibinstrument des

Hottentoten. Dieser nimmt einen Gänsekiel oder eine Fischgräte, und

fährt über seine Leyer, die im Accord gestimmt ist, ohne durch Griffe

die dazwischen liegenden Töne heraus zu bringen.

Da die Leyer unstreitig das älteste Instrument der Welt ist; so kann

man sie auch als die Mutter aller besaiteten Instrumente betrachten.

Von ihr stammt auch unter andern die

_Harfe_

her, die sich gleichfalls im grauesten Alterthume verliert. Sie

wurde von den Juden erfunden, von den Persern, Medern und Griechen

nachgeahmt, und kam so in den Strudeln der Zeit bis auf uns. Die Juden

brauchten sie Anfangs bloß zum Gottesdienste. Ihre _Tempelharfen_

waren sehr groß und hatten einen so scharfen Ton, daß zwanzig bis

dreyßig Harfenspieler die zahlreichste Gemeinde durchschlugen. Ihrer

ersten Bestimmung nach war sie ganz dem Lobe und Preise Jehovahs

geheiligt, wie man aus den _Psalmen_ sieht, welche ganz eigen

für die Harfe gesetzt sind. Die Juden hatten auch Hausharfen und

Reiseharfen, die aber meisten Theils zu religiösen Gesängen gebraucht

wurden. Die Reiseharfen waren so leicht und zierlich gemacht, daß man

sie allenthalben mit sich führen konnte. Daher klagt der Sänger so

rührend an den Wässern zu Babel: »Da saßen wir und weinten; unsere

Harfen hiengen an den Weiden.« Es ist nicht mehr bekannt, wie die

Stimmung der jüdischen Harfe war. Sie muß aber sehr vollkommen gewesen

seyn, wenn man die erstaunlichen Wirkungen bedenkt, welche z. B.

_Davids_ Harfenspiel zugeschrieben werden. Heutiges Tages wird

die Harfe zwar durch ganz Europa gespielt; nie aber in Kirchen, und

nur höchst selten in Privatconcerten gebraucht. Die Orgel und der

Flügel haben sie aus diesen Versammlungen verdrängt. Wer also zur

Harfe spielen will, thut es für sich, oder läßt sich mit einer Violine

begleiten. Man hat in unsern Tagen sehr schöne _Pedalharfen_

erfunden, wodurch man die Semitonien in der größten Geschwindigkeit

hervor bringen kann.

Die Natur der Harfe hat viel Feyerliches, Andächtiges, Geisterhebendes;

nur muß man dahin sehen, das beständige _Pizzicato_ so unmerklich zu

machen, daß es nie in Katzengekrall ausartet, sondern vielmehr unter

den Fingern den so genannten _Angriff_ bekömmt. In Nürnberg ist eine

herrliche Unterweisung für die Harfe herausgekommen, nach welcher man

dieses Instrument fast ganz allein erlernen kann.

_Die Laute_,

scheint ganz eine Erfindung der Spanier zu seyn. Wenigstens ist es

gewiß, daß die alten deutschen Ritter in den Kriegen mit den Mohren,

die Laute zuerst zu uns gebracht haben. Durch Jahrhunderte war sie ein

Lieblingsinstrument der Großen, der Kaiser, Könige, Fürsten und Herren.

Auch die ersten Damen suchten eine Ehre darin. In den altdeutschen

Ritterromanen, wo das Costum so herzlich und treu beobachtet ist,

findet man häufige Spuren von diesem Enthusiasmus für die Laute. Alle

Gesänge der Freude und der Liebe wurden damit begleitet. Wie aber

auch dieses Instrument, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, zu den

Pfarrerstöchtern, Nähermädchen und Schulmeistern herab sank; so legte

sich diese Exstase für die Laute bey den Großen. Die Natur dieses

Instruments ist: schwermüthige Liebe; stille Seufzer in schweigender

Nacht ausgehaucht; Ausbruch des klagenden Herzgefühls bis zu Thränen.

Es ist mithin ganz für gefühlvolle Seelen gemacht. Die Laute ist sehr

schwer zu spielen, so wohl wegen der besondern Stimmung, als wegen den

kritischen Applicaturen. Die Deutschen haben es in den Grundsätzen, so

wie in der Ausübung dieses Instruments am weitesten gebracht.

_Weisse_, der Vater des berühmten Dichters, war einer der ersten

Lautenisten in Europa. Er gab auch eine Anweisung für die Laute heraus,

die vollkommen hinreichend ist, sie von Grund aus zu studieren.

Heutiges Tages sind die guten Lautenspieler äußerst selten. Man findet

sie nur noch in Reichsstädten, in Klöstern, sonderlich bey den Nonnen,

und an kleinen Höfen. Der Flügel und die Geige haben dieses herrliche

Instrument so beeinträchtigt. Man hat den Lautenzug im Fortepiano

angebracht, und glaubt daher sie selbst nicht mehr nöthig zu haben.

Allein der Lautenzug auf dem Flügel hat bey weitem noch nicht die

Delicatesse der Laute selbst. Die Tonkunst würde also eine sehr

rührende Eigenheit verlieren, wenn die Laute ganz und gar verdrängt

werden sollte.

_Die Mandoline und Zither, oder Guitarre_,

ist seit Jahrhunderten das Lieblingsinstrument der Spanier. Es gibt

wenig Menschen unter ihnen, die nicht schlecht oder gut darauf

spielen könnten. Sie bringen damit ihre Ständchen vor den Fenstern

ihrer Geliebten; ja auch auf Spaziergängen nimmt der Spanier seine

vertrauliche Zither mit. Ihre Improvisatoren, oder Stegreif-Poeten,

begleiten alle ihre Einfälle mit diesem Instrumente, das sie mit

Fingern oder Fischbein spielen. Ob nun gleich die Spanier dieses

Instrument erfunden haben, so verbesserten es doch die Deutschen unter

dem Nahmen Mandoline.

Die Stimmung ist:

1. _C_.

2. _A_.

3. _F_.

4. _C_.

5. _B_.

6. _A_.

7. _G_.

8. _F_.

Die letztern Saiten sind mit Silber übersponnen. Durch diese wichtige

Verbesserung haben es die Deutschen dahin gebracht, daß man nun auch

obligate, und ziemlich schwere Stücke darauf spielen kann. Man hat auch

Zithern gemacht, wo die erste Saite eine Darmsaite ist, wodurch der

Vortrag der höhern Passagen ungemein erleichtert wird. Die auffallende

Unvollkommenheit des Instruments, da es nur in vier, höchstens fünf

Tönen gespielt werden kann, hat die Zahl seiner Liebhaber sehr

vermindert. Kaum findet man noch da und dort einen reisenden Musiker,

besonders Prager Studenten, oder auch Sonderlinge in Reichsstädten,

die dieß veraltete Instrument hervorsuchen, und es oft bis zur

Meisterschaft treiben. Es ist aber auch so leicht, daß jeder Mensch von

mittelmäßigen Fähigkeiten Avtodidactos darauf werden kann. Wer sich

anderer wichtigern Geschäfte halber mit der Musik nicht lange abgeben

kann, und doch manchmahl gerne einen Choral, oder ein Volkslied

begleiten möchte; dem empfehlen wir dieß Instrument vor allen andern.

_Von blasenden Instrumenten._

Auf die Instrumente, die der allgewaltige Strich oder Griff des

Menschen lenkt, folgen diejenigen, die sein Hauch beseelt. Und diese

scheinen mir älter zu seyn als die erstern, weil der Mensch überhaupt

leichter auf das Pfeifen kommt, als auf das Streichen.

Man weiß aus der Geschichte, daß es die Alten im Pfeifen mit gespizten

Lippen und halber Zunge auf einem oder zwey Fingern, oder auch auf

einem Nußblatt sehr weit gebracht, und daß dieß Anlaß zur Erfindung

aller blasenden Instrumente gegeben hat.

Das erste Instrument der Art, war nach dem Zeugniß aller Nationen,

das _Kuhhorn_; und dieser simple Einfall irgend eines Viehhirten in

der Welt, hat alle jene blasenden Instrumente hervorgebracht, womit

wir noch heutiges Tages bezaubert werden. Durch ganz natürliche

Zusammensetzungen kam man auf die _Syrinx_, oder die siebenröhrige mit

Wachs verklebte Pfeife, wovon die alten Poeten, sonderlich die Eklogen-

und Idyllendichter, überall mit Begeisterung sprechen. Unsere Schäfer

auf der _Alp_ und dem _Aalbuche_, haben diese eigentliche Hirtenflöte,

die sich durch ihr Alter so ehrwürdig macht, noch heute. Die

Schallmey, die Markpfeife, das Flagiolettchen, sind ganz und gar keine

_Urpfeifen_, weil viele Kenntnisse dazu erfordert werden, die Löcher

so zu bohren, daß sie bestimmte Töne hervor bringen können. Hingegen

ist die Rohrpfeife, auf der noch jetzt die schwäbischen Schäfer

blasen, welche seitwärts mit den Lippen angehaucht, und unten mit dem

Zeigefinger der rechten Hand ventilirt wird, gewiß ein Instrument, was

älter als selbst der Syrinx ist. Man findet in den grauesten Schriften

Spuren davon.

_Die Trompete._

Dieß ganz und gar kriegerische Instrument, scheint bey allen alten

Völkern schon da gewesen zu seyn, nur in etwas verschiedener Form. Die

Juden hatten krumme und gerade Trompeten, wovon eine so scharf tönend

gewesen seyn soll, daß ein einziger Trompeter damit ein Heer von 20000

Mann zum Streit auffordern konnte. Die Perser und Meder hatten bloß

krumme Trompeten; die Griechen aber gerade, unter dem Nahmen Salpinx.

Die Römer lernten die Trompete von den Karthagern kennen, und führten

sie so dann auf immer bey ihren Heeren ein. Die Deutschen, welche das

Metall etwas später bearbeiten lernten, behalfen sich mit aus Baumrinde

geflochtenen und aus Stein mühsam gebildeten Trompeten, wovon man

noch viele in den Kunstkammern aufweist; und damit brachten sie jenen

gewaltigen Schall hervor, der unsern Vätern so oft das Herz hob, und

ihren Feinden so schrecklich war.

Der Charakter der Trompete ist, wie jedermann weiß, wegen

ihres schmetternden herzerschütternden Tons, ganz heroisch;

schlachteinladend, und aufjauchzend. Ihr Umfang geht vom tiefen Tenor

_G_ bis in das äußerste Discant _H_; die Mitteltöne scheinen ihr nicht

zu passen, ob man gleich durch die Krümmung der Trompete, wodurch der

Künstler in den Becher greifen kann, diese Mitteltöne heraus zu locken

sucht. Wenn dieß Instrument nicht in seiner Natur bleibt, wenn man

es durch Virtuosenkünste aus seinen Ufern zwingt; so hört auch sein

Hauptcharakter auf. Die Trompete kann mithin vom Componisten, nur bey

großen, festlichen und majestätischen Anlässen gebraucht werden. Doch

haben große Künstler gezeigt, daß man die sortinirte Trompete auch zum

Ausdruck des tiefsten Schmerzes und des Winselns gebrauchen könne.

Der Ansatz für die Trompete ist äußerst schwer, und scheint beynahe

stählerne Lungenflügel zu erfordern. Die Zunge mit all ihren

Vibrationen einfach, zweyfach, dreyfach, vierfach muß vorzüglich in

das Instrument wirken. Man hat in neuern Zeiten die Trompete nicht nur

zu heroischen und festlichen Aufzügen gebraucht, sondern sie sogar

auch zum Solo angewandt. Wir besitzen jetzt Trompeten-Concerte, welche

die Vorwelt für Zaubereyen halten würde. Ein Dresdner Trompeter kam

sogar auf den Einfall, Trompeten mit Klappen zu erfinden; aber der

Trompetenton verschwand fast gänzlich, und man hörte nur hier und da

noch Zwitterlaute von Trompeten- und Hoboetönen gezeugt. Mit Recht hat

man also diese Erfindung verworfen; denn Wechselbälge kommen nirgends

weniger fort, als in der Musik.

Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst · 第 17 / 22 段