Aus dem kriegsrasenden Rom flüchtet Dada nach Toskana und kommt eines
Nachts in Venedig an. Er legt seinen roten Mantel ab, und in
Arbeitsbluse, unter angenommenen Namen tritt er in einer der alten
Glasfabriken von Murano ein.
Er lernt die erste Stufe der Erzeugung reiner Glas- und Kristallflüsse,
das Schmelzen, Brennen und Schleifen untadliger Gläser, köstlicher
Spiegel und Sichtgläser, die den Weltraum zu zarten funkelnden
Brennpunkten verdichten.
Dada träumt davon, ein Glas von Dauer und Härte der Steine herzustellen,
das gegen alle Erschütterungen gefestigt ist, ohne jedoch den
natürlichen Verwitterungen ausgesetzt zu sein wie jene. In riesigen
kubischen Platten soll es geschnitten werden, und es soll lodern von
feurigen Flüssen oder Bändern in den Spektralfarben. Sonnen,
Wolkenschlachten und Liebesmahle sollen zum leuchtenden Schmuck der
Erdringe werden. Er will die Erde panzern mit antiseptischem Glas, indem
er den Drohungen des Kaukasus trotzt.
Die düstren Kalkhalden und vegetationslosen Hochflächen des istrischen
Karst sollen geschnitten, geteilt, und durch Glätten und Schleifen in
drei- und rechteckigen Formen gegeneinander gesetzt werden und die Berge
als polygonale, pyramidale und kubische Felskörper eine ungeheure
Raumgestalt in den Himmel türmen. Auf dem geschliffenen Gebirge sollen
Italiens Arbeiter die Flächen auslegen und vernieten mit den dauerhaften
und farbigen Glaspanzerplatten seines kaukasischen Traums. Hoch über der
Adria soll das neue Kap Sunium, das glasgepanzerte Vorgebirge Istriens
funkeln als der Diamant Europas und die Lateiner in Ravenna und Rimini
an heiteren Tagen brüderlich grüßen: Denkmal der Freiheit und Verkündung
und Triumph der Lateiner über den rohen Weltkrieg.
An beweglichen Stahlgestellen sollen riesige Refraktoren bis über die
letzte terrestrische Luftschichtung hinaufstoßen und mit einsamen,
stillen Augen das Leben des Himmels, des Festlandes und des Meeres
beobachten. Von riesigen, sehr schlanken, witterungsbeständigen
Glastürmen sollen leuchtende Explosionen von Radium über die magnetische
Sphäre der Erdrinde hinausfahren, und sich zur Selbstbewegung nach
glänzenderen Brennpunkten des Alls entfalten, um sich zu ergießen oder
stürmisch mitzureißen und zum Karst zurückzukehren und aus kosmischer
Vermischung den durch Jahrhunderte zur Dürre verdammten Fels mit
brennender Erde zu befruchten.
Das aus dieser Befruchtung neu erstehende Vaterland soll mit Venedig
durch eine Brücke aus sturmhartem Kristall in ungeheuren schneeweißen
Bögen über die Adria verbunden werden, und die Brücke wird die Statuen
der Dogen tragen, die durch den Ring der Adria vermählt waren. Dada
sucht den Kristall zu gewinnen, durch den die kosmische Schönheit der
Erde verwirklicht wird: Er bereitet eine Metallbindung mit Email vor, um
die Glassteine zu mörteln. Auf istrischem Karst soll der Klotz von Glas
wachsen, der die Last der weißen Glasbögen auf ihren hohen Feuertürmen
übers Meer hebt und ihre letzte sanfte Wölbung vor Venedigs Markusturm
entladet zur unlöslichen Vereinigung Istriens mit Italien.
Der kristallspannende Blick des Erdarchitekten erhebt sich über Europa
und mißt das lateinische Reich, von Venedig bis zur Kreidewand von
Dover, und vom Libanon bis zum schwarzen Felsenhaupte Gibraltars und
über die Südsee zum lateinischen Amerika.