XI. Brief.

Abaelard an Heloise.

(Mit einer Sammlung von Predigten.)

In Christo verehrungswürdige und liebenswerte Schwester Heloise! Nachdem

ich kürzlich auf deine Bitten ein Buch mit Hymnen und Sequenzen vollendet,

so habe ich jetzt deinem Wunsche gemäß für dich und deine geistlichen

Töchter, die in unserem Oratorium vereint sind, eine Reihe von Predigten

verfaßt -- eiliger als ich es sonst gewohnt bin. Da ich mehr der

Wissenschaft als der Predigt ergeben bin, so sehe ich hauptsächlich auf

Klarheit der Darlegung, weniger auf kunstvolle Beredsamkeit; ich suche mehr

den Wortsinn zu ergründen, als die Rede künstlich auszuschmücken. Und

vielleicht wird eine reine, nicht ausgeschmückte Redeweise infolge ihrer

größeren Klarheit einem einfachen Gemüt faßlicher sein, und eine gewisse

Art von Zuhörern wird vielleicht gerade in der Einfachheit einer

schmucklosen Rede die Schönheit und Feinheit sehen, und eine Würze darin

finden, die einer einfachen Fassungsgabe wohlthut.

Die Predigten sind nach der Reihenfolge der Feiertage niedergeschrieben und

geordnet; begonnen habe ich mit dem Anfang unserer Erlösung. Lebe wohl im

Herrn, du, seine Magd, einst in der Welt mir teuer, nun erst ganz teuer in

Christus: damals meine Gattin im Fleisch, jetzt meine Schwester im Geist

und Genossin im Bekenntnis des heiligen Gelübdes!

Briefwechsel zwischen Abaelard und Heloise, mit der Leidensgeschichte Abaelards · 第 15 / 17 题