Daß die Klosterfrauen eine andre als die himmlische Liebe in ihrem Herzen
tragen dürfen, dieses habe ich nie geglaubt, denn indem sie sich der
irdischen Liebe ergeben, schänden sie nicht allein ihren Leib, sondern
auch ihre Seele und jagen daraus die Gottheit, die in ihnen hausen soll.
Aber ich habe oft gehört, daß manche Nonnen gegen ihren Willen ins Kloster
getan wurden und daß diese, weit entfernt, Gott ihren Leib zu weihen, sich
dafür entschuldigen wollen, daß man sie von der Welt abschloß.
Was ich nun erzähle, ereignete sich unter dem Pontifikat des Maffeo
Barberini, der als Papst Urban VIII. hieß, und zwar in Bologna, wo des
Papstes Neffe, der Kardinal Antonio Barberini, als Legat residierte.
Im Konvertitinnenkloster von Bologna waren damals zwei Nonnen von großer
Schönheit und lieblicher Anmut, deren eine die Teverona hieß, die andre
wegen der Farbe ihres Haares die Rote. Mit dieser Roten begann der
Hauptmann Donato Antonio einen Liebeshandel, während ein Günstling des
Kardinals, ein gewisser Carlo Possenti, sich mit Erfolg um die Teverona,
bewarb. Beide beschlossen, die Nonnen zu entführen, worein diese gerne
willigten. Sie bekamen weltliche Tracht und wurden nahe bei der Porta
Carrese mit Hilfe des Grafen Ranucci, eines Freundes des Possenti,
untergebracht bei einem gewissen Pallade, wo sie aber nur ein paar Tage
verweilten, um in das Haus des Grafen Alessandro Maria Pepoli und von da
in das Haus eines Dieners dieses Grafen gebracht zu werden.
Inzwischen war man der Missetat auf die Spur gekommen und eine genaue
Untersuchung eingeleitet worden. Des Donato Bruder, der Oberst seines
Regimentes war, schickte den Donato schleunigst nach der Romagna ins
Quartier und versprach ihm, die Rote alsbald nachzuschicken. Possenti, der
inzwischen Vize-Herzog von Segni geworden und nicht mehr in Bologna war,
hoffte, man würde die Sache bald vergessen, worauf er sich seine Teverona
nachkommen lassen wollte. Aber der Prozeß wurde sehr eindringlich geführt,
so daß der Oberst für das Leben seines Bruders fürchtete; er verständigte
sich mit dem Grafen Pepoli und die beiden beschlossen, die zwei Nonnen
umzubringen, was auch geschah. Sie wurden im Keller ihres letzten
Wohnortes bei dem Diener begraben. Solange Urban Papst war, wurde das
Verbrechen totgeschwiegen, denn man vermutete in dem Kardinal Antonio den
Anstifter, der die Nonnen geliebt und nachdem er ihrer überdrüssig
geworden wäre, hätte er sie man weiß nicht wohin geschickt.
Als nun nach Urbans Tode Innozenz X. den Thron bestieg, standen die
zahlreichen Feinde der Barberini auf und klagten den Kardinal vieler
während der Regierung seines Onkels begangener Verbrechen an, und obzwar
der Papst den Barberinis die Tiara verdankte, verfolgte er doch den
Kardinal. Jener Graf Pepoli war inzwischen gestorben und das Haus seines
Dieners wechselte den Besitzer. Der entdeckte die Leichen im Keller und
erstattete Bericht an die Justiz. Pallade, bei dem sie zuerst gewohnt
hatten, machte aus Angst und in Hoffnung auf die päpstliche Gnade ein
offenes Geständnis. Darauf wurden am 30. Juli 1645 im Palaste des
Kardinals Antonio in Rom jener Carlo Possenti und des Kardinals
Haushofmeister verhaftet und nach Bologna gebracht. Auch der Oberst,
Donatos Bruder, wurde eingezogen und mit Pallade und Possenti
konfrontiert. Possenti starb ohne etwas zu verraten in der Folter. Auch
der Oberst ertrug ohne ein Wort die Folter und der Haushofmeister erwies
auf ihr seine Unschuld. Er wurde wie der Graf Ranucci nach Pataro
verbannt.
Der Kardinal floh am hellichten Tage, als ob er einen Spaziergang machen
wolle, nach Frankreich. Später söhnte er sich mit dem Papste aus. Von
jenem Verbrechen an den beiden Nonnen war nie mehr die Rede.