DIE FÜRSTIN VON SALERNO

Romandina war die schönste von drei Schwestern, Töchtern des Gabriele del

Balzo Orsini, Herzogs von Venosa, und mit Roberto Sanseverino verheiratet,

erstem Fürsten von Salerno und Großadmiral des Königreichs Neapel. Ihm

folgte ihr Sohn Antonello in der Herrschaft. Carlo Caraffa, der jüngste

Sohn des Galeazzo und der Corella Brancaccio war des Fürsten nächster

Freund, jungaussehend wie ein Knabe noch, schön, hochherzig und voll

Begabung. Die beiden waren unzertrennlich; weilte der Fürst in Neapel, so

zeigten sie sich überall zusammen.

Nun begab es sich, daß Carlo im Duell einen Edelmann aus der Familie

Capece erstach und aus Neapel fliehen mußte: er begab sich nach Salerno,

wo ihn die Fürstin Romandina auf das liebevollste aufnahm, eingedenk der

Freundschaft ihres Gatten. Allmählich entbrannten aber die beiden in Liebe

füreinander, und eine Abwesenheit des Fürsten benutzend, verrieten sie

ihn, sie den Gatten und er den Freund. Die Fürstin vertraute ihre Liebe

einem ziemlich hübschen, aber boshaften Kammermädchen namens Giovanna an

und bat, sich ihr hilfreich und wachsam zu zeigen.

Als der Fürst zurückkehrte, begrüßte er den ungetreuen Freund auf das

herzlichste; er hatte die Verhandlungen zwischen ihm und der Familie des

Getöteten geführt und es durch seinen Einfluß zu einem Vergleich gebracht;

so daß Carlo zum großen Schmerze der Fürstin nach Neapel zurückkehrte.

Es ließ ihm aber nach einigen Monaten die Fürstin durch ein Schreiben

wissen, wie sehr sie sich über seine Fremdheit beklage, indem er so lange

Zeit nicht nach Salerno gekommen wäre, sie zu sehen. Carlo antwortete, daß

er mehr denn je von Liebe für sie erfüllt sei, doch hätte er Salerno

gemieden, um sie nicht zu verraten und sie nicht beide um Leben und Ehre

zu bringen. Dieser Brief mißfiel aber der Fürstin und sie schrieb ihm, er

hätte sie immer besuchen sollen. Dieser Brief brachte Carlo in großen

Zwiespalt. Ginge er nicht nach Salerno, so verlöre er die Liebe der

Fürstin nicht nur, sondern sie würde ihn für untreu und falsch nehmen.

Gehorchte er aber ihrem Wunsche, so würde ihre Liebe leicht bekannt werden

durch einen Zufall oder den Ungestüm der Fürstin. Aber nach vielem

Schwanken entschied sich Carlo, seiner Geliebten zu folgen, und er ging

unverzüglich nach Salerno.

Den Fürsten, der sehr erfreut über Carlos Ankunft war, sagte dieser, daß

ihm seine Feinde trotz des geschlossenen Friedens nach dem Leben

trachteten, weshalb er in Salerno für kurze Zeit ein Asyl suche, während

welcher Zeit er sich mit den Wissenschaften, den lange vernachlässigten,

beschäftigen wolle. Solches sagte Carlo besonders der Vasallen des Herzogs

wegen, die ihn mit mißtrauendem Auge ansahen. Der Fürst bot seinem

geliebten Freunde einen einsam liegenden Ort seiner Herrschaft zum

Aufenthalte an, aber Carlo sagte, er würde wohl auch am Hofe in Salerno

selber einen Platz finden, der ihm erlaubte, sich seinen Studien mit aller

Muße hinzugeben; nur daß er zurückgezogen lebe, möge ihm der Fürst

erlauben, was ihm dieser gerne zusagte.

Die Fürstin aber wartete voll Sehnsucht der Nacht, da ihr Gemahl mit

seinem Hofstaat ein Schauspiel besuchen wollte. Giovanna war die

Wächterin, und es gaben sich die beiden Liebenden solchem Glücke hin, daß

sie schier daran zu versterben meinten.

Ein Jahr lang genossen sie dieses Glück, wenn anders solche

verbrecherische Liebe ein Glück genannt werden kann, und nicht der

leiseste Verdacht fiel auf sie.

Da starb Carlos Vater, Galeazzo, und er mußte der damit verursachten

Geschäfte wegen nach Neapel zurückkehren. In dieser Zeit ließ der Fürst

seinen einzigen Sohn Antonello aus Neapel zurückkommen, wo er als Page dem

König Ferrante bis zu seinem vierzehnten Jahr gedient hatte. An diesem

Hofe herrschte die Liebe, und des Knaben Sinn war ganz von ihr erfüllt,

denn er war heißen Blutes. Er verliebte sich in die lebhafte Giovanna, die

wie zwanzig aussah, wenn sie damals auch schon fünfunddreißig zählte. Die

Kammerfrau erriet sehr bald die Absichten des jungen Herrn Antonio und

tat, als wiese sie ihn ab, um ihn noch stärker an sich zu fesseln. Die

Fürstin, die dieses Spiel der beiden merkte, fürchtete, es könnte zur

Entdeckung ihrer eigenen Liebschaft führen und verbot der Giovanna, sich

mit ihrem Sohne einzulassen. Und sie drohte ihr mit Züchtigung, als sie

merkte, daß Giovanna ihrem Verbote nicht folgte. Dieses war sehr unbedacht

von ihr, denn sie hätte sich sagen müssen, daß es ihre eigene Ehre

verlange, die Schwächen andrer zu schonen.

Giovanna fand sich durch solche Behandlung schlecht für ihre treuen

Dienste belohnt; sie nahm Abschied von ihrer Herrin und stellte sich unter

Antonellos Schutz, der nun fünfzehn Jahre alt geworden war. Zu spät

bereute Ramondina, und in ihrer Angst, jene möchte sie verraten, beschloß

sie den Tod der Kammerfrau; einige ihrer Getreuen betraute sie mit dieser

Tat. Als diese Leute nun Giovanna mit Dolchen angingen, erhob sie ein

großes Geschrei, und es gelang ihr, zu entfliehen; sie rettete sich in die

Kammer einer Magd, wo sie laut um Hilfe rief. Eine Menge Menschen lief

zusammen, und als auch der Bargello erschien, flüchteten die Mörder in die

Kirche San Mateo. Antonello, der auf das Geschrei herbeieilte, fand seine

Geliebte in ihrem Blute. Er ließ die Kirche umstellen, um die Mörder zu

fassen. Seine Mutter befahl ihm aber, sie entkommen zu lassen; was er

versprach.

Er erzählte sehr unklug Giovanna von dem Befehl seiner Mutter. Da erfaßte

die Kammerfrau großer Zorn gegen die Fürstin und sie erzählte Antonello

die Geschichte seiner Mutter mit Carlo Caraffa. Antonello berichtete es

sofort seinem Vater. Dieser wollte es von Giovanna selber hören, und sie

erzählte ihm den Liebeshandel mit allen Einzelheiten, so daß er weder mehr

an der Untreue seines Freundes noch an der seines Weibes zweifeln konnte.

Er gebot Giovanna und Antonello tiefstes Schweigen.

Die Fürstin hatte von der Unterredung durch ihre Spione erfahren und

machte sich auf Gift gefaßt, weshalb sie täglich Gegengifte und Elixiere

einnahm. Auch Carlo sandte sie durch den Sohn einer alten Dienerin

Botschaft von dem Vorgefallenen und ihren Befürchtungen. Aber des Herzogs

Spione fingen den Boten ab, und er erfuhr so die Untreue seines Weibes aus

ihrem eigenen Schreiben. Nun zögerte er nicht länger und gab ihr Gift,

durch das sie ein schleichendes Fieber bekam.

Sie starb nach vierzehn Tagen. Dienstleute des Herzogs ermordeten Carlo in

Neapel. Auch Giovanna traf seine Rache: er ließ ihre Wunden vergiften.

Als der Herzog von Salerno erfuhr, daß einer der vornehmsten Herren von

Neapel, der ein schönes aber lasterhaftes Weib hatte, von der Unehre

sprach, welche die Fürstin Romandina über das Haus Sanseverino gebracht

hatte, da ließ der Herzog gegenüber der Kirche Santa Chiara einen

prächtigen Palast bauen und über dem Portal sein Wappen anbringen. Den

Wappenhelm krönten zwei Hörner, welche diese Schrift trugen:

Porto le Corna che ognun le vede.

Altro le porta che non se lacrede.

Zu deutsch:

Ich trage Hörner, die ein jeder siecht.

Ein andrer trägt sie und er weiß es nicht.

Die Äbtissin von Castro · 第 38 / 51 题