Des Herzogs von Savelli einziger Sohn war, wie der Kardinal Gaetani in
einem Briefe schreibt, ein junger Mann von lebhaftem Geiste, großem Mute
und untadeligen Sitten, was alles ihn sehr beliebt am römischen Hofe
machte. Er wollte kaiserliche Dienste nehmen, aber der Vater war damit
nicht einverstanden, dessen Trost im Alter, Stolz und einzige Hoffnung
seines Hauses er war; zudem plante er seine Verheiratung mit der Tochter
eines der ersten neapolitanischen Geschlechter, des des Marchese de
Vastro, deren Mitgift 800 000 Skudi betrug. Die Braut zählte aber erst
zehn Jahre, weshalb die Eheschließung auf den Tag verschoben wurde, der
ihr dreizehnter Geburtstag war.
Inzwischen lebte der junge Herzog auf seinem Landgute Ariccia, wo er sich
in ein junges Mädchen von großer Schönheit und Tochter ehrbarer Eltern
verliebte, die aber bereits einem jungen Manne des Ortes, namens
Christofano, versprochen war. Um die Tochter den Nachstellungen des jungen
Herzogs zu entziehen, drängten die Eltern mit der Eheschließung. Sie
hielten das Mädchen streng im Hause, auf daß sie der Herzog nicht sehe,
der ihr aber insgeheim einige Liebesbriefe hatte zukommen lassen. Es fand
die Hochzeit statt und der Herzog sandte als Hochzeitsgabe ein reich mit
Blumen verziertes Mieder, was die Eifersucht des jungen Gatten in hohem
Maße erregte. Aber er war ein Vasall des Herzogs und konnte mit ihm nicht
rechten, ja mußte um sein Leben fürchten, falls er sich den Wünschen
seines Herrn widersetzte. Aber er wollte lieber sterben, als solches
dulden; so schwor er. Und seine Frau war mit ihm ganz einig. Sie übergab
auch die Briefe, mit denen sie der Herzog bestürmte, ihrem Gatten, und sie
bezogen ein anderes Haus, als der Herzog in ein nah benachbartes Haus zog,
von dessen Fenster aus er die junge Frau zu sprechen suchte. Dem Gatten
schien nur die Wahl zwischen Unehre und Tod zu bleiben, und er begann
seine Heirat zu bereuen. In seiner Verzweiflung beschloß er, den jungen
Herzog zu ermorden, um die Ehre seines Ehebettes zu retten.
Er veranlaßte seine Frau, auf einen der Briefe des Herzogs zu antworten,
und sie schrieb ihm, er möge um Mitternacht verkleidet zu ihr kommen,
damit man ihn nicht erkenne; ihr Mann sei in Geschäften nach Rom gefahren.
Daß er den Herzog ermorden wollte, davon sagte Christofano seiner Frau
kein Wort; er wollte ihm nur einen Streich spielen, sagte er ihr, ohne ihn
zu beleidigen, was die junge Frau in ihrer Unschuld auch glaubte. Der
Herzog eilte verkleidet zu dem Stelldichein, aber statt in die Arme seiner
Geliebten, fiel er in die ihres Gatten, der die Kleider seiner Frau
angelegt hatte und den Liebhaber durch eine Magd in ein entlegenes Gemach
führen ließ. Hier schoß er, kaum daß er eingetreten war, fünf Kugeln aus
seiner Pistole auf ihn ab und durchschnitt ihm mit einem Messer die Kehle,
damit er nicht schrie. Mit Hilfe eines Genossen, den er gedungen hatte,
schleppte er hierauf den Leichnam bis zum Tor des Schlosses, wo er ihn in
seinem Blute liegen ließ.
Nach Haus zurückgekehrt, wollte er nun auch seine Frau ermorden, aber
diese war in das Haus ihrer Eltern geflüchtet. Christofano floh mit seinem
Genossen nach Aleppo in der Türkei, von wo er Nachricht nach Rom sandte.
Auf die Kunde von dem Verbrechen sandte der Papst viele seiner
Gerichtsbeamten nach Ariccia, die alsbald in Christofanos Haus die große
Blutlache fanden. Die Gattin wurde verhaftet und nach Borgo Castello
gebracht, wo sie zwei Monate lang verhört wurde. Sie wurde verschiedenen
Graden der Folter unterworfen und gab das Folgende zu Protokoll:
"Es ist so, daß mich der junge Herzog Savelli, während ich im Elternhause
lebte, mehrfach durch Briefe zu einem Stelldichein zu überreden suchte.
Meine Mutter aber sagte mir, ich dürfe darauf nicht antworten, denn er sei
ein leichtfertiger junger Mann, der seine Leute um nichts ermorden lasse.
So sagten auch mein Vater und alle meine Verwandten. Es war das erste, was
mir mein Mann Christofano sagte, daß ich den jungen Herzog nicht ansehen
solle. Als er eines Tages an das Fenster des Nachbarhauses trat, stürzte
mein Mann mit dem offenen Messer auf mich zu, aber sein Bruder, der
Priester Don Angelo Maria, fiel ihm in den Arm. Wir zogen in ein andres
Haus, das mein Mann gemietet hatte, dasselbe, in dem der junge Herzog
ermordet wurde. Der sandte mir aufs neue Briefe, die ich meinem Manne
zeigte. Dann gab er ihm Antwort in einem Briefe und lud ihn zu Mitternacht
in unser Haus, um ihm, wie er mir sagte, einen Streich zu spielen. Was ich
um so mehr glaubte, da er meine eignen Kleider anlegte, auch Halsband und
Ringe, die ich trug. So trat er um Mitternacht dem Herzog gegenüber, mit
Messer und Pistole. Ich starb vor Schrecken, als ich den ersten Schuß
hörte. Ich habe nichts gesehen, denn ich floh aus dem Haus, aus Angst, es
könnten mich die Diener des Herzogs umbringen. Ich floh zu meinen Eltern.
Meine Mutter sagte mir, ich dürfe von dem allen nichts verraten, und wir
gingen zum Podesta."
Die junge Frau blieb fest bei ihrer Aussage im Gefühle ihrer Unschuld; sie
wurde aber doch zum Tode durch Enthaupten verurteilt, welche Strafe die
Familie des alten Herzogs verlangte.
Als die Herzogin Margarete von Parma von der Schönheit der Verurteilten
hörte, wollte sie sie durchaus sehen, und da sie großen Gefallen an ihr
fand, beschloß sie ihre Rettung. Sie verhandelte mit dem Papste. Der aber
wollte sie nur begnadigen, wenn der alte Herzog Savelli damit
einverstanden wäre. Die Herzogin erreichte es von ihm, daß ihr die
Verurteilte als gerichtet überantwortet würde. Darauf nahm sie sie als
Hoffräulein in ihre Dienste und erreichte ihre völlige Freisprechung.
Umsonst ließ Papst Paul III. den Mörder in allen Teilen des Kirchenstaates
suchen, denn der war in Aleppo. Aber die Eltern der Frau mußten lange im
Kerker schmachten und wurden dann aus Ariccia und dem Kirchenstaate
verwiesen. Das war die einzige Genugtuung für den Herzog, der über den Tod
seines Sohnes dem Wahnsinn verfiel.