II.

Unter dem Papste Clemens VII. war dessen Neffe, eben der genannte Kardinal

Aldobrandini, mit der geistlichen und weltlichen Gerichtsbarkeit des

Kirchenstaates betraut. Der Papst hielt streng darauf, daß unter seinem

Pontifikat die Gesetze gerecht und genau befolgt würden, weshalb er auch

seinen eignen Neffen mit diesem Vertrauensposten bekleidet hatte. Und es

wurden auch in der Tat viele Schuldige bestraft, aber andere Verbrechen

wieder blieben ungesühnt; so die Ermordung des römischen Ritters Girolamo

Longobardi.

Dieses Longobardi Haupt fand man am Morgen des Karsamstag auf dem

Petersplatz auf eine Lanze gespießt und daran einen Zettel mit dieser

Aufschrift: "Du hast allzu tyrannisch regiert und was du andern antun

wolltest, das hat man dir angetan."

Man kannte nicht die Motive, welche den Kardinal Aldobrandini zum Todfeind

dieses kaum zwanzigjährigen Longobardi machten, der von allen, die ihn

kannten, so geliebt wurde wie gehaßt jener Kardinal, dem der Papst, da er

ihn mit dem Purpur bekleidete, sagte: "Trachte, deine neue Würde nicht zu

entehren, denn es wird dir, tust du Böses, nichts nützen, daß du mein

Neffe bist."

Longobardi hatte zur Geliebten eine junge Sängerin von großem Talente und

von außerordentlicher Schönheit, namens Anna Felice Brocchi. Der

Kardinal-Nepot hatte durch das Gerede bei Hofe und in der Stadt Talent und

Schönheit der Sängerin rühmen hören. Eines Tages, als er an ihrem Hause

vorbeiging, erblickte er sie am Fenster liegen und entbrannte allsogleich

in heftiger Liebe zu ihr. Und suchte nach einem Mittel, ihr dies zu sagen.

Da er sich aber von seinem Onkel überwacht wußte, mußte er hiebei mit

äußerster Vorsicht zu Werk gehen. Er erfuhr, daß diese Brocchi dem

Longobardi gehöre, den er haßte.

Die Sängerin hatte die Leidenschaft des Kardinals wohl bemerkt und fühlte

seine Liebe, da er jeden Mittag an ihrem Hause vorbeiging, gerade zu der

Zeit, wo sie zur Messe in Santa Maria della Pace zu gehen pflegte und

wohin ihr der Kardinal folgte. Hier sah sie der Kardinal unausgesetzt

zärtlich an und versuchte es, ihr durch bestimmte Zeichen seine Liebe

bekannt zu geben.

Dieses Spiel währte eineinhalb Jahr, ohne daß Aldobrandini anders als

durch Zeichen mit Anna Brocchi sprechen konnte.

Solches erzählte sie nun eines Tages alles dem Longobardi. Worauf dieser

sagte, daß es wegen der Feindschaft zwischen ihm und dem Kardinal sehr

übel ausgehen könnte; er empfahl ihr größte Zurückhaltung und den

lügnerischen Versprechungen des Kardinals nicht zu glauben, vor allem

aber, ihn nie bei sich zu empfangen. Auch nicht zu grüßen oder sonst zu

beachten.

Longobardi, erregt von der Mitteilung und den Versprechungen Annas wenig

trauend, ließ seine Geliebte durch Spione beobachten und ihr Haus

bewachen, wovon allem Anna nichts merkte, da es mit großer Heimlichkeit

geschah.

Und bald erfuhr der junge Edelmann durch seine Leute, daß die Liebe

zwischen jenen beiden nicht nur nicht aufhörte, sondern täglich fester

wurde. Um sich selber davon zu überzeugen, begab er sich am Sankt

Matthäustage zur gleichen Zeit wie Anna Brocchi in die Kirche della Pace,

wo er sich in einer Seitenkapelle verbarg, von der aus er alles genau

sehen konnte, was sich zwischen der Sängerin und dem Kardinal begab. Und

es blieben ihm keine Zweifel mehr, als die Brocchi, gefolgt vom Kardinal,

die Kirche verließ und dieser sie lachend grüßte, was ihm die Sängerin mit

einem Blick zurückgab, der deutlich genug war.

Der arme Longobardi lief wütend zu der Sängerin und machte ihr Vorwürfe

wegen ihres von ihm doch verbotenen Kirchenbesuches und daß sie den

Kardinal gegrüßt habe. Die Brocchi gab den Kirchenbesuch zu, leugnete

aber, den Kardinal Aldobrandini da gesehen zu haben. Und fuhr trotz seiner

Bitten fort, dieses zu behaupten, daß sie jenen weder gesehen noch gegrüßt

habe. Da riß der Ritter Longobardi seinen Dolch heraus und bedrohte sie

mit dem Tode, wenn sie nicht die Wahrheit sage. Da gestand die

erschrockene Sängerin, den Kardinal gesehen und gegrüßt zu haben, aber

dies nur in höflicher Antwort auf seinen Gruß und auf ganz übliche Weise.

Sie habe anfangs dies nur geleugnet, weil sie so geringfügiger Ursache

wegen keinen Streit zwischen den beiden Männern entfachen wollte.

Diese Antwort beruhigte etwas den jungen Edelmann, und er bat sie aufs

neue, die Kirche della Pace nicht zu besuchen und den Kardinal nicht zu

grüßen oder gar zu sprechen, denn anders würde es sie das Leben kosten,

dessen könne er sie versichern. Und die Sängerin versprach, wenn auch sehr

gegen ihren Willen, alles zu tun, wie er wünsche.

Aldobrandini vermißte zu wiederholten Malen die Sängerin in der Kirche und

konnte sich den Grund ihrer unbegreiflichen Abwesenheit nicht erklären; er

beschloß aber, auf das Geheimnis zu kommen; doch löste es sich ihm auf

eine nicht erwartete Weise. Er erhielt von Anna Brocchi einen Brief, in

dem sie ihm mitteilte, daß sie sich unter seinen Schutz stelle; er möge

sie von Longobardi befreien, der sie mit grausamer Härte behandle. Der

Kardinal war entrüstet über das, was er die Frechheit des Ritters nannte

und ließ Anna sagen, daß er ihr ergeben sei und sich um nichts andres

kümmere, als ihr zu dienen. Sofort suchte er nach einem Mittel, sich

seines Rivalen zu entledigen. Alsbald fand man an jenem Ostersamstag das

Haupt des Longobardi auf eine Lanze gespießt auf dem Petersplatze.

Der Verdacht richtete sich alsobald auf Aldobrandini, von dessen Besuch

bei der Sängerin am selben Abende des Mordes man erfuhr. Und alle Welt

wunderte sich über die geringe Tätigkeit, welche die Justiz in dieser

Mordsache entfaltete, und über das Schweigen des Papstes in dieser Sache.

Den Kardinal sah man nun zu jederzeit in das Haus der Sängerin gehen,

derart, daß es ein großes Ärgernis gab.

Umgeben von Kreaturen des Kardinals, konnte der Papst nichts wissen. Man

pries ihm die Sittenstrenge seines Neffen, an die zu glauben ihn wohl auch

seine verwandtschaftlichen Gefühle bewogen. Aldobrandini hätte sich auch

fernerhin alles Vertrauen des Papstes, seines Onkels, erfreuen können,

hätte diesen nicht ein Zufall mit dem Leben des allzuverliebten Kardinals

bekannt gemacht.

Im Verlaufe eines Gespräches mit dem spanischen Gesandten beleidigte der

Kardinal diesen auf das schwerste. Der Gesandte, ein Edelmann von feinstem

Geiste, wollte die guten Beziehungen zwischen seinem Hofe und dem

päpstlichen Stuhle von diesem Zwischenfall nicht trüben lassen und tat,

als ob er die Beleidigung nicht merkte, bereitete aber im Geheimen seine

Rache. Nun erfuhr er durch seine Leute von der Beziehung Aldobrandinis zur

Sängerin Brocchi, der schamlosen Straflosigkeit des Kardinals und daß der

Papst von den Schandtaten seines Neffen nichts wisse. Dieser pflegte die

Sängerin unter den größten Vorsichtsmaßregeln gegen vier Uhr des Nachts zu

verlassen; Diener und Wagen erwarteten ihn ein paar Schritte vom Hause

entfernt um eine Straßenecke, wohin er sich immer zu Fuß begab. Der

Gesandte schickte nun einen seiner Lakaien zu Anna Brocchi und ließ sie

bitten, ob er an einem bestimmten Abend zu ihr kommen könne, sie singen zu

hören. Er ließ ihr auch sagen, daß sie zu niemandem von dieser Einladung

sprechen möge, damit daraus kein Gerede entstehe.

Die Sängerin war sehr geschmeichelt, von einer so hohen Persönlichkeit

bemerkt worden zu sein, und gab ihre Zustimmung bereitwilligst.

An dem beschlossenen Abend schickte der Gesandte einige vertraute Diener

voraus, die sich im Treppenhaus versteckt halten sollten. Alle waren mit

großen Fackeln versehen, geschickt in besonders dazu gefertigten Gehäusen

verborgen. Als nun Aldobrandini heimlich und leise seine Schöne verließ,

hielten ihm die Kerle des Gesandten ihre leuchtenden Fackeln ins Gesicht,

als Ehrengeleite, wie sie sagten. Der Kardinal, dem diese starke

Beleuchtung gar nicht paßte, wollte die Leute wegschicken, aber sie

blieben durchaus und geleiteten den Kardinal, der, so gut er konnte, mit

seinem Mantel sein Gesicht verhüllte, bis an seinen Wagen.

Die Geschichte wurde bald bekannt und kam endlich auch zu den Ohren des

Papstes, der alles zu wissen begehrte. In großem Zorne entzog er seinem

Neffen sein Vertrauen, entkleidete ihn seiner Ämter und Titel und verbot

ihm, jemals mehr vor seinen Augen zu erscheinen, falls er nicht auch des

Purpurs verlustig gehen wolle; denn es blieb dem Papste kein Zweifel mehr,

daß Aldobrandini auch an der Ermordung jenes Longobardi schuldig war.

VERBRECHEN UND TOD DES GIROLAMO BIANCINFIORE EINES FLORENTINISCHEN

EDELMANNES

Zur Zeit, als sich der fünfte Karl bemühte, das Haus Medici in Florenz auf

den Thron zu bringen, gab es unter den edlen Familien dieser Stadt auch

eine, die ganz besonders dem Unglücke geweiht zu sein schien, das

Geschlecht der Biancinfiore. So starben im Jahre 1520 Madonna Constanza

Biancinfiore und ihre Kinder plötzlich an Gift, ohne daß man dem Urheber

dieses Verbrechens auf die Spur kam. Nur eines der Kinder kam mit dem

Leben davon; es war dies Signor Girolamo Biancinfiore, der fortan in

Neapel lebte. Man war allgemein des Glaubens, daß er selber seine Familie

umgebracht habe, um deren einziger Vertreter zu sein; darum begab er sich,

um sein Leben bangend, alsofort nach Rom, als er erfuhr, daß sein

Landsmann, der Papst Leo X. aus dem Hause Medici den päpstlichen Thron

bestiegen hatte. Er warf sich dem Papst zu Füßen, der ihn gnädig aufnahm.

Dieser Girolamo war von hoher Intelligenz und einer über alle Probe

erhabenen Tapferkeit. Unglücklicherweise hatte ihm diese Tapferkeit zu

nichts anderem gedient als dazu, ein leidenschaftlicher Zweikämpfer zu

werden; denn mit dem Degen verstand er vortrefflich umzugehen. In Neapel

hatte er im Zweikampf mehr als sechsunddreißig Gegner getötet, und zumeist

aus ganz nichtigen Gründen, was ihn ebenso gefürchtet machte wie den

Verdacht bestärkte, den man hinsichtlich des Todes seiner Familie auf ihn

geworfen hatte.

Girolamo ließ sich in Rom nieder, mietete hier ein Haus und lebte in einem

Aufwand, der bald alle seine Einkünfte verschlungen hatte. Er verkehrte

mit einer Anzahl junger Adeliger, die ihn nicht wegen seiner persönlichen

Tugenden schätzten als wegen der Länge und Lebhaftigkeit seines Schwertes,

weshalb sie sich auch hüteten, mit ihm in Streit zu kommen. Aber Girolamo,

der sich von denen, die er seine Freunde nannte, so geschätzt sah oder

vielmehr glaubte, brannte darauf, eine Probe seines Wertes und seiner

Geschicklichkeit abzugeben, rühmte er sich doch immer, nie noch einen

Gegner verfehlt zu haben. Und da bot sich ihm auch schon so sehr verlangte

Gelegenheit. Am Ostersonntag beleidigte er ohne jeden Grund und Anlaß

mitten in der Kirche von Santa Maria in Trefontana einen neapolitanischen

Edelmann, den Grafen von Alincastro, den er von früher her kannte, und der

in der Kirche seine Andacht verrichten wollte. Der Graf, der ein frommer

Mann war, sagte leise zu Biancinfiore: "Signor Girolamo, es ist dies weder

der Ort noch die Stunde, Händel auszutragen, aber zu anderer Zeit und an

anderm Orte mögt Ihr mich immer finden." Darauf verließ Girolamo wütend

die Kirche und wartete draußen auf den Grafen. Als er ihn aus dem

Kirchentor treten sah, ging er auf ihn zu und forderte ihn mit

Beschimpfungen zum Zweikampf. Und nannte ihn einen Feigling, wenn er die

Herausforderung nicht annehme. Da solches vor vielem Volke sich zutrug,

blieb dem Grafen, der Ehre und Ruf bedroht sah, nichts andres, als den

Zweikampf anzunehmen. Er holte bei einem Freunde, wo er ihn gelassen

hatte, seinen Degen und focht mit Biancinfiore; eine große Menge sah zu.

Der Graf bekam einen Stich in die Brust, und verschied eine halbe Stunde

danach.

Die Familie des Grafen erhob beim Papste Klage gegen Biancinfiore, von

dessen ruchlosen Taten in Neapel der Papst bei dieser Gelegenheit erfuhr.

Er ließ ihn in die Engelsburg werfen. Aber ein paar einflußreiche Freunde

Girolamos verwandten sich für ihn und es gelang ihnen, die Sippe des

Erschlagenen versöhnlich zu stimmen. Darauf begnadigte ihn auch der Papst,

doch unter der Bedingung, daß er in Rom nie mehr Waffen tragen dürfe,

unter Strafe des Todes.

Dieses päpstliche Verbot machte des Girolamo Bekannte weniger ängstlich

vor ihm, denn jeder war der Meinung, er würde jenes Gebot achten. Aber es

waren noch nicht zwei Monate nach seiner Haftentlassung vergangen, als er

sich durch ein zweideutiges Wort eines venetianischen Edelmanns beleidigt

glaubte und diesen, wie er es gewohnt war, mit Beschimpfungen zum

Zweikampf forderte. Darauf begab er sich nach Hause, seinen Degen zu

holen, und fand sich an dem Orte ein, wo ihn der Venetianer erwartete.

Dieser war ein gewandter Fechter, hatte aber das Mißgeschick, über einen

Stein zu stolpern und hinzufallen. Alsogleich stürzte Biancinfiore über

ihn her und versetzte ihm so viele Stiche, daß dem Unglücklichen kaum Zeit

zur Beichte mehr blieb, als er seinen Geist aufgab.

Biancinfiore flüchtete vor dem Zorn des Papstes in eine Kirche, wo er sich

zwei Monate lang verborgen hielt. Während dieser Zeit legten sich

neuerlich einige seiner Freunde beim Papste ins Mittel, und dieser verzieh

ihm zum zweiten Male; Girolamo hatte eine hohe Geldbuße zu zahlen und

nachher den Kirchenstaat zu verlassen. Nun war aber Biancinfiore schon aus

Neapel, Florenz und andern Orten verwiesen und wußte nicht mehr, wohin er

sich begeben sollte; also ließ er dem Papste die Beteuerung seiner Reue

und seines Gehorsams zukommen und daß er ihn nur immer schwer strafen

möge, wenn er inkünftig sein Gebot übertrete. Der Papst begnadigte,

gerührt von diesen inständigen Bitten, Girolamo zum andern Male, und

hinfort lebte dieser sehr zurückgezogen, um jeden neuen Anlaß zu

Vergehungen zu vermeiden.

Nun geschah es aber, daß er viel im Hause der Gräfin Oddi zu verkehren

begann und sich heftig in die Gräfin verliebte, die auch ihrerseits bald

eine solche starke Zuneigung zu ihm empfand, daß sie ihm nicht nur ihren

Wagen überließ, sondern ihm alles gab, wessen er bedurfte, ja ihn in einem

Trakte ihres Hauses wohnen ließ. Daraus entstand, daß sich Girolamo bald

wie ein Eheherr fühlte, denn er verbot, eifersüchtigen Wesens, der Gräfin,

die ein großes Haus führte, jede Geselligkeit, insonders den Empfang von

Herren in ihrem Hause. Aber die Gräfin kümmerte sich um solches nicht und

begann den Biancinfiore lästig zu finden; sie sagte ihm, daß er sie mit

seiner Eifersucht langweile. Solche Worte kränkten den Eifersüchtigen um

so mehr, als er die Gäste, die er täglich mit bösen Blicken sah, nicht

mehr vor seine Klinge fordern konnte. Er konnte es nicht hindern, daß die

Gräfin Herren und Damen zu einem Gastmahl lud, worunter besonders ein paar

junge Edelleute seinen Haß hervorgerufen hatten; da nahm er seine Zuflucht

zu Gift, wohl in der Hoffnung, daß auch dieser Giftmord wie der an seiner

Familie verborgen bleiben oder daß ihm dabei das Glück so günstig sein

würde wie bei seinen beiden Zweikämpfen. Einen ihm sehr ergebenen Diener

der Gräfin machte er zu seinem Vertrauten, indem er ihn mit Geld bestach.

Die Gäste waren bereits versammelt, als er diesen Diener in sein Gemach

rief und ihm sagte: "Streu dieses Pulver hier unvermerkt auf das letzte

Gericht, das du aufträgst, und gib mir dann ein Zeichen. Du bekommst als

Lohn mehr als du dir träumst."

Hierauf setzte er sich zu den fröhlich Tafelnden und aß mehr wie sonst;

als der Diener aber das Zeichen machte, da hörte er zu essen auf. Alle

nun, die von der vergifteten Speise gegessen hatten, wanden sich bald in

großen Schmerzen, und auch Biancinfiore rannte als wie besessen von

Schmerzen durch das Zimmer. Die Mühe der herbeigerufenen Ärzte war

vergeblich. Die Gräfin, ihre kleine Tochter und drei Edelleute verstarben.

Nur bei Biancinfiore, der sich zu Bett begeben hatte, wirkten die Mittel

der Ärzte, die dieses mit Staunen sahen, aber schließlich froh waren,

wenigstens einen von sechsen gerettet zu haben.

Kaum sah sich Biancinfiore allein, so rief er nach seinem Diener. Er

bedrohte ihn mit dem Tode, falls er vor Gericht das Geringste verriete,

und gab ihm Geld. Die päpstliche Justizbehörde ordnete Nachforschungen an

über dieses auffallende plötzliche Sterben, und als die Gerichtsärzte an

den ausgegrabenen Leichen Gift feststellten, wurde die ganze Dienerschaft

der Gräfin verhaftet und verhört. Trotz der Folter, unter die man einen

Diener stellte, der widerspruchsvoll ausgesagt hatte, kam kein Licht in

die Sache, und man mußte alle wieder entlassen, darunter auch jenen

Diener. Aber es faßte diesen plötzlich die Furcht. Er flüchtete in eine

Kirche und erklärte, er wolle ein Geständnis ablegen, wenn man ihm

Straflosigkeit zusichere. Solches geschah, und vor den Gouverneur von Rom

geführt, enthüllte er die Untat, zu der er, wie er sagte, durch die

Drohungen Biancinfiores gezwungen worden wäre. Dieser wurde verhaftet und

in den Kerker von Corte Savella gebracht. Der Papst, der sich selber große

Schuld zumaß, ordnete eine strenge Untersuchung an.

Anfangs leugnete Biancinfiore alles, auch als man ihn mit dem Diener

zusammenbrachte. Aber beim Anblick der Folterwerkzeuge gestand er nicht

nur das letzte Verbrechen, sondern auch den Giftmord an seiner Familie.

Das Gericht verurteilte ihn zum Feuertode und vorherigem Zwicken mit

glühenden Zangen, aber der Papst verwandelte diese Strafe in Ansehung

seines adeligen Hauses in einfache Hinrichtung im Kerker. Noch am selben

Abende empfing Biancinfiore das Todesurteil. Er erhob ein großes

Wehklagen, aber seine Beichtiger beruhigten ihn und tiefe Reue kam über

ihn, Gott so sehr beleidigt zu haben. Er bat um Verzeihung für alle seine

Missetaten und dankte ihm für seinen bußfertigen Tod. Vor seiner

Hinrichtung erbat er sich noch die Gnade des päpstlichen Segens, der ihm

auch von einem Prälaten des päpstlichen Hauses überbracht wurde. Dann

legte er das Haupt auf den Richtblock.

Also endete der letzte aus dem Hause der Biancinfiore.

Die Äbtissin von Castro · 第 32 / 51 题