Unter dem Papste Clemens VII. war dessen Neffe, eben der genannte Kardinal
Aldobrandini, mit der geistlichen und weltlichen Gerichtsbarkeit des
Kirchenstaates betraut. Der Papst hielt streng darauf, daß unter seinem
Pontifikat die Gesetze gerecht und genau befolgt würden, weshalb er auch
seinen eignen Neffen mit diesem Vertrauensposten bekleidet hatte. Und es
wurden auch in der Tat viele Schuldige bestraft, aber andere Verbrechen
wieder blieben ungesühnt; so die Ermordung des römischen Ritters Girolamo
Longobardi.
Dieses Longobardi Haupt fand man am Morgen des Karsamstag auf dem
Petersplatz auf eine Lanze gespießt und daran einen Zettel mit dieser
Aufschrift: "Du hast allzu tyrannisch regiert und was du andern antun
wolltest, das hat man dir angetan."
Man kannte nicht die Motive, welche den Kardinal Aldobrandini zum Todfeind
dieses kaum zwanzigjährigen Longobardi machten, der von allen, die ihn
kannten, so geliebt wurde wie gehaßt jener Kardinal, dem der Papst, da er
ihn mit dem Purpur bekleidete, sagte: "Trachte, deine neue Würde nicht zu
entehren, denn es wird dir, tust du Böses, nichts nützen, daß du mein
Neffe bist."
Longobardi hatte zur Geliebten eine junge Sängerin von großem Talente und
von außerordentlicher Schönheit, namens Anna Felice Brocchi. Der
Kardinal-Nepot hatte durch das Gerede bei Hofe und in der Stadt Talent und
Schönheit der Sängerin rühmen hören. Eines Tages, als er an ihrem Hause
vorbeiging, erblickte er sie am Fenster liegen und entbrannte allsogleich
in heftiger Liebe zu ihr. Und suchte nach einem Mittel, ihr dies zu sagen.
Da er sich aber von seinem Onkel überwacht wußte, mußte er hiebei mit
äußerster Vorsicht zu Werk gehen. Er erfuhr, daß diese Brocchi dem
Longobardi gehöre, den er haßte.
Die Sängerin hatte die Leidenschaft des Kardinals wohl bemerkt und fühlte
seine Liebe, da er jeden Mittag an ihrem Hause vorbeiging, gerade zu der
Zeit, wo sie zur Messe in Santa Maria della Pace zu gehen pflegte und
wohin ihr der Kardinal folgte. Hier sah sie der Kardinal unausgesetzt
zärtlich an und versuchte es, ihr durch bestimmte Zeichen seine Liebe
bekannt zu geben.
Dieses Spiel währte eineinhalb Jahr, ohne daß Aldobrandini anders als
durch Zeichen mit Anna Brocchi sprechen konnte.
Solches erzählte sie nun eines Tages alles dem Longobardi. Worauf dieser
sagte, daß es wegen der Feindschaft zwischen ihm und dem Kardinal sehr
übel ausgehen könnte; er empfahl ihr größte Zurückhaltung und den
lügnerischen Versprechungen des Kardinals nicht zu glauben, vor allem
aber, ihn nie bei sich zu empfangen. Auch nicht zu grüßen oder sonst zu
beachten.
Longobardi, erregt von der Mitteilung und den Versprechungen Annas wenig
trauend, ließ seine Geliebte durch Spione beobachten und ihr Haus
bewachen, wovon allem Anna nichts merkte, da es mit großer Heimlichkeit
geschah.
Und bald erfuhr der junge Edelmann durch seine Leute, daß die Liebe
zwischen jenen beiden nicht nur nicht aufhörte, sondern täglich fester
wurde. Um sich selber davon zu überzeugen, begab er sich am Sankt
Matthäustage zur gleichen Zeit wie Anna Brocchi in die Kirche della Pace,
wo er sich in einer Seitenkapelle verbarg, von der aus er alles genau
sehen konnte, was sich zwischen der Sängerin und dem Kardinal begab. Und
es blieben ihm keine Zweifel mehr, als die Brocchi, gefolgt vom Kardinal,
die Kirche verließ und dieser sie lachend grüßte, was ihm die Sängerin mit
einem Blick zurückgab, der deutlich genug war.
Der arme Longobardi lief wütend zu der Sängerin und machte ihr Vorwürfe
wegen ihres von ihm doch verbotenen Kirchenbesuches und daß sie den
Kardinal gegrüßt habe. Die Brocchi gab den Kirchenbesuch zu, leugnete
aber, den Kardinal Aldobrandini da gesehen zu haben. Und fuhr trotz seiner
Bitten fort, dieses zu behaupten, daß sie jenen weder gesehen noch gegrüßt
habe. Da riß der Ritter Longobardi seinen Dolch heraus und bedrohte sie
mit dem Tode, wenn sie nicht die Wahrheit sage. Da gestand die
erschrockene Sängerin, den Kardinal gesehen und gegrüßt zu haben, aber
dies nur in höflicher Antwort auf seinen Gruß und auf ganz übliche Weise.
Sie habe anfangs dies nur geleugnet, weil sie so geringfügiger Ursache
wegen keinen Streit zwischen den beiden Männern entfachen wollte.
Diese Antwort beruhigte etwas den jungen Edelmann, und er bat sie aufs
neue, die Kirche della Pace nicht zu besuchen und den Kardinal nicht zu
grüßen oder gar zu sprechen, denn anders würde es sie das Leben kosten,
dessen könne er sie versichern. Und die Sängerin versprach, wenn auch sehr
gegen ihren Willen, alles zu tun, wie er wünsche.
Aldobrandini vermißte zu wiederholten Malen die Sängerin in der Kirche und
konnte sich den Grund ihrer unbegreiflichen Abwesenheit nicht erklären; er
beschloß aber, auf das Geheimnis zu kommen; doch löste es sich ihm auf
eine nicht erwartete Weise. Er erhielt von Anna Brocchi einen Brief, in
dem sie ihm mitteilte, daß sie sich unter seinen Schutz stelle; er möge
sie von Longobardi befreien, der sie mit grausamer Härte behandle. Der
Kardinal war entrüstet über das, was er die Frechheit des Ritters nannte
und ließ Anna sagen, daß er ihr ergeben sei und sich um nichts andres
kümmere, als ihr zu dienen. Sofort suchte er nach einem Mittel, sich
seines Rivalen zu entledigen. Alsbald fand man an jenem Ostersamstag das
Haupt des Longobardi auf eine Lanze gespießt auf dem Petersplatze.
Der Verdacht richtete sich alsobald auf Aldobrandini, von dessen Besuch
bei der Sängerin am selben Abende des Mordes man erfuhr. Und alle Welt
wunderte sich über die geringe Tätigkeit, welche die Justiz in dieser
Mordsache entfaltete, und über das Schweigen des Papstes in dieser Sache.
Den Kardinal sah man nun zu jederzeit in das Haus der Sängerin gehen,
derart, daß es ein großes Ärgernis gab.
Umgeben von Kreaturen des Kardinals, konnte der Papst nichts wissen. Man
pries ihm die Sittenstrenge seines Neffen, an die zu glauben ihn wohl auch
seine verwandtschaftlichen Gefühle bewogen. Aldobrandini hätte sich auch
fernerhin alles Vertrauen des Papstes, seines Onkels, erfreuen können,
hätte diesen nicht ein Zufall mit dem Leben des allzuverliebten Kardinals
bekannt gemacht.
Im Verlaufe eines Gespräches mit dem spanischen Gesandten beleidigte der
Kardinal diesen auf das schwerste. Der Gesandte, ein Edelmann von feinstem
Geiste, wollte die guten Beziehungen zwischen seinem Hofe und dem
päpstlichen Stuhle von diesem Zwischenfall nicht trüben lassen und tat,
als ob er die Beleidigung nicht merkte, bereitete aber im Geheimen seine
Rache. Nun erfuhr er durch seine Leute von der Beziehung Aldobrandinis zur
Sängerin Brocchi, der schamlosen Straflosigkeit des Kardinals und daß der
Papst von den Schandtaten seines Neffen nichts wisse. Dieser pflegte die
Sängerin unter den größten Vorsichtsmaßregeln gegen vier Uhr des Nachts zu
verlassen; Diener und Wagen erwarteten ihn ein paar Schritte vom Hause
entfernt um eine Straßenecke, wohin er sich immer zu Fuß begab. Der
Gesandte schickte nun einen seiner Lakaien zu Anna Brocchi und ließ sie
bitten, ob er an einem bestimmten Abend zu ihr kommen könne, sie singen zu
hören. Er ließ ihr auch sagen, daß sie zu niemandem von dieser Einladung
sprechen möge, damit daraus kein Gerede entstehe.
Die Sängerin war sehr geschmeichelt, von einer so hohen Persönlichkeit
bemerkt worden zu sein, und gab ihre Zustimmung bereitwilligst.
An dem beschlossenen Abend schickte der Gesandte einige vertraute Diener
voraus, die sich im Treppenhaus versteckt halten sollten. Alle waren mit
großen Fackeln versehen, geschickt in besonders dazu gefertigten Gehäusen
verborgen. Als nun Aldobrandini heimlich und leise seine Schöne verließ,
hielten ihm die Kerle des Gesandten ihre leuchtenden Fackeln ins Gesicht,
als Ehrengeleite, wie sie sagten. Der Kardinal, dem diese starke
Beleuchtung gar nicht paßte, wollte die Leute wegschicken, aber sie
blieben durchaus und geleiteten den Kardinal, der, so gut er konnte, mit
seinem Mantel sein Gesicht verhüllte, bis an seinen Wagen.
Die Geschichte wurde bald bekannt und kam endlich auch zu den Ohren des
Papstes, der alles zu wissen begehrte. In großem Zorne entzog er seinem
Neffen sein Vertrauen, entkleidete ihn seiner Ämter und Titel und verbot
ihm, jemals mehr vor seinen Augen zu erscheinen, falls er nicht auch des
Purpurs verlustig gehen wolle; denn es blieb dem Papste kein Zweifel mehr,
daß Aldobrandini auch an der Ermordung jenes Longobardi schuldig war.
VERBRECHEN UND TOD DES GIROLAMO BIANCINFIORE EINES FLORENTINISCHEN
EDELMANNES
Zur Zeit, als sich der fünfte Karl bemühte, das Haus Medici in Florenz auf
den Thron zu bringen, gab es unter den edlen Familien dieser Stadt auch
eine, die ganz besonders dem Unglücke geweiht zu sein schien, das
Geschlecht der Biancinfiore. So starben im Jahre 1520 Madonna Constanza
Biancinfiore und ihre Kinder plötzlich an Gift, ohne daß man dem Urheber
dieses Verbrechens auf die Spur kam. Nur eines der Kinder kam mit dem
Leben davon; es war dies Signor Girolamo Biancinfiore, der fortan in
Neapel lebte. Man war allgemein des Glaubens, daß er selber seine Familie
umgebracht habe, um deren einziger Vertreter zu sein; darum begab er sich,
um sein Leben bangend, alsofort nach Rom, als er erfuhr, daß sein
Landsmann, der Papst Leo X. aus dem Hause Medici den päpstlichen Thron
bestiegen hatte. Er warf sich dem Papst zu Füßen, der ihn gnädig aufnahm.
Dieser Girolamo war von hoher Intelligenz und einer über alle Probe
erhabenen Tapferkeit. Unglücklicherweise hatte ihm diese Tapferkeit zu
nichts anderem gedient als dazu, ein leidenschaftlicher Zweikämpfer zu
werden; denn mit dem Degen verstand er vortrefflich umzugehen. In Neapel
hatte er im Zweikampf mehr als sechsunddreißig Gegner getötet, und zumeist
aus ganz nichtigen Gründen, was ihn ebenso gefürchtet machte wie den
Verdacht bestärkte, den man hinsichtlich des Todes seiner Familie auf ihn
geworfen hatte.
Girolamo ließ sich in Rom nieder, mietete hier ein Haus und lebte in einem
Aufwand, der bald alle seine Einkünfte verschlungen hatte. Er verkehrte
mit einer Anzahl junger Adeliger, die ihn nicht wegen seiner persönlichen
Tugenden schätzten als wegen der Länge und Lebhaftigkeit seines Schwertes,
weshalb sie sich auch hüteten, mit ihm in Streit zu kommen. Aber Girolamo,
der sich von denen, die er seine Freunde nannte, so geschätzt sah oder
vielmehr glaubte, brannte darauf, eine Probe seines Wertes und seiner
Geschicklichkeit abzugeben, rühmte er sich doch immer, nie noch einen
Gegner verfehlt zu haben. Und da bot sich ihm auch schon so sehr verlangte
Gelegenheit. Am Ostersonntag beleidigte er ohne jeden Grund und Anlaß
mitten in der Kirche von Santa Maria in Trefontana einen neapolitanischen
Edelmann, den Grafen von Alincastro, den er von früher her kannte, und der
in der Kirche seine Andacht verrichten wollte. Der Graf, der ein frommer
Mann war, sagte leise zu Biancinfiore: "Signor Girolamo, es ist dies weder
der Ort noch die Stunde, Händel auszutragen, aber zu anderer Zeit und an
anderm Orte mögt Ihr mich immer finden." Darauf verließ Girolamo wütend
die Kirche und wartete draußen auf den Grafen. Als er ihn aus dem
Kirchentor treten sah, ging er auf ihn zu und forderte ihn mit
Beschimpfungen zum Zweikampf. Und nannte ihn einen Feigling, wenn er die
Herausforderung nicht annehme. Da solches vor vielem Volke sich zutrug,
blieb dem Grafen, der Ehre und Ruf bedroht sah, nichts andres, als den
Zweikampf anzunehmen. Er holte bei einem Freunde, wo er ihn gelassen
hatte, seinen Degen und focht mit Biancinfiore; eine große Menge sah zu.
Der Graf bekam einen Stich in die Brust, und verschied eine halbe Stunde
danach.
Die Familie des Grafen erhob beim Papste Klage gegen Biancinfiore, von
dessen ruchlosen Taten in Neapel der Papst bei dieser Gelegenheit erfuhr.
Er ließ ihn in die Engelsburg werfen. Aber ein paar einflußreiche Freunde
Girolamos verwandten sich für ihn und es gelang ihnen, die Sippe des
Erschlagenen versöhnlich zu stimmen. Darauf begnadigte ihn auch der Papst,
doch unter der Bedingung, daß er in Rom nie mehr Waffen tragen dürfe,
unter Strafe des Todes.
Dieses päpstliche Verbot machte des Girolamo Bekannte weniger ängstlich
vor ihm, denn jeder war der Meinung, er würde jenes Gebot achten. Aber es
waren noch nicht zwei Monate nach seiner Haftentlassung vergangen, als er
sich durch ein zweideutiges Wort eines venetianischen Edelmanns beleidigt
glaubte und diesen, wie er es gewohnt war, mit Beschimpfungen zum
Zweikampf forderte. Darauf begab er sich nach Hause, seinen Degen zu
holen, und fand sich an dem Orte ein, wo ihn der Venetianer erwartete.
Dieser war ein gewandter Fechter, hatte aber das Mißgeschick, über einen
Stein zu stolpern und hinzufallen. Alsogleich stürzte Biancinfiore über
ihn her und versetzte ihm so viele Stiche, daß dem Unglücklichen kaum Zeit
zur Beichte mehr blieb, als er seinen Geist aufgab.
Biancinfiore flüchtete vor dem Zorn des Papstes in eine Kirche, wo er sich
zwei Monate lang verborgen hielt. Während dieser Zeit legten sich
neuerlich einige seiner Freunde beim Papste ins Mittel, und dieser verzieh
ihm zum zweiten Male; Girolamo hatte eine hohe Geldbuße zu zahlen und
nachher den Kirchenstaat zu verlassen. Nun war aber Biancinfiore schon aus
Neapel, Florenz und andern Orten verwiesen und wußte nicht mehr, wohin er
sich begeben sollte; also ließ er dem Papste die Beteuerung seiner Reue
und seines Gehorsams zukommen und daß er ihn nur immer schwer strafen
möge, wenn er inkünftig sein Gebot übertrete. Der Papst begnadigte,
gerührt von diesen inständigen Bitten, Girolamo zum andern Male, und
hinfort lebte dieser sehr zurückgezogen, um jeden neuen Anlaß zu
Vergehungen zu vermeiden.
Nun geschah es aber, daß er viel im Hause der Gräfin Oddi zu verkehren
begann und sich heftig in die Gräfin verliebte, die auch ihrerseits bald
eine solche starke Zuneigung zu ihm empfand, daß sie ihm nicht nur ihren
Wagen überließ, sondern ihm alles gab, wessen er bedurfte, ja ihn in einem
Trakte ihres Hauses wohnen ließ. Daraus entstand, daß sich Girolamo bald
wie ein Eheherr fühlte, denn er verbot, eifersüchtigen Wesens, der Gräfin,
die ein großes Haus führte, jede Geselligkeit, insonders den Empfang von
Herren in ihrem Hause. Aber die Gräfin kümmerte sich um solches nicht und
begann den Biancinfiore lästig zu finden; sie sagte ihm, daß er sie mit
seiner Eifersucht langweile. Solche Worte kränkten den Eifersüchtigen um
so mehr, als er die Gäste, die er täglich mit bösen Blicken sah, nicht
mehr vor seine Klinge fordern konnte. Er konnte es nicht hindern, daß die
Gräfin Herren und Damen zu einem Gastmahl lud, worunter besonders ein paar
junge Edelleute seinen Haß hervorgerufen hatten; da nahm er seine Zuflucht
zu Gift, wohl in der Hoffnung, daß auch dieser Giftmord wie der an seiner
Familie verborgen bleiben oder daß ihm dabei das Glück so günstig sein
würde wie bei seinen beiden Zweikämpfen. Einen ihm sehr ergebenen Diener
der Gräfin machte er zu seinem Vertrauten, indem er ihn mit Geld bestach.
Die Gäste waren bereits versammelt, als er diesen Diener in sein Gemach
rief und ihm sagte: "Streu dieses Pulver hier unvermerkt auf das letzte
Gericht, das du aufträgst, und gib mir dann ein Zeichen. Du bekommst als
Lohn mehr als du dir träumst."
Hierauf setzte er sich zu den fröhlich Tafelnden und aß mehr wie sonst;
als der Diener aber das Zeichen machte, da hörte er zu essen auf. Alle
nun, die von der vergifteten Speise gegessen hatten, wanden sich bald in
großen Schmerzen, und auch Biancinfiore rannte als wie besessen von
Schmerzen durch das Zimmer. Die Mühe der herbeigerufenen Ärzte war
vergeblich. Die Gräfin, ihre kleine Tochter und drei Edelleute verstarben.
Nur bei Biancinfiore, der sich zu Bett begeben hatte, wirkten die Mittel
der Ärzte, die dieses mit Staunen sahen, aber schließlich froh waren,
wenigstens einen von sechsen gerettet zu haben.
Kaum sah sich Biancinfiore allein, so rief er nach seinem Diener. Er
bedrohte ihn mit dem Tode, falls er vor Gericht das Geringste verriete,
und gab ihm Geld. Die päpstliche Justizbehörde ordnete Nachforschungen an
über dieses auffallende plötzliche Sterben, und als die Gerichtsärzte an
den ausgegrabenen Leichen Gift feststellten, wurde die ganze Dienerschaft
der Gräfin verhaftet und verhört. Trotz der Folter, unter die man einen
Diener stellte, der widerspruchsvoll ausgesagt hatte, kam kein Licht in
die Sache, und man mußte alle wieder entlassen, darunter auch jenen
Diener. Aber es faßte diesen plötzlich die Furcht. Er flüchtete in eine
Kirche und erklärte, er wolle ein Geständnis ablegen, wenn man ihm
Straflosigkeit zusichere. Solches geschah, und vor den Gouverneur von Rom
geführt, enthüllte er die Untat, zu der er, wie er sagte, durch die
Drohungen Biancinfiores gezwungen worden wäre. Dieser wurde verhaftet und
in den Kerker von Corte Savella gebracht. Der Papst, der sich selber große
Schuld zumaß, ordnete eine strenge Untersuchung an.
Anfangs leugnete Biancinfiore alles, auch als man ihn mit dem Diener
zusammenbrachte. Aber beim Anblick der Folterwerkzeuge gestand er nicht
nur das letzte Verbrechen, sondern auch den Giftmord an seiner Familie.
Das Gericht verurteilte ihn zum Feuertode und vorherigem Zwicken mit
glühenden Zangen, aber der Papst verwandelte diese Strafe in Ansehung
seines adeligen Hauses in einfache Hinrichtung im Kerker. Noch am selben
Abende empfing Biancinfiore das Todesurteil. Er erhob ein großes
Wehklagen, aber seine Beichtiger beruhigten ihn und tiefe Reue kam über
ihn, Gott so sehr beleidigt zu haben. Er bat um Verzeihung für alle seine
Missetaten und dankte ihm für seinen bußfertigen Tod. Vor seiner
Hinrichtung erbat er sich noch die Gnade des päpstlichen Segens, der ihm
auch von einem Prälaten des päpstlichen Hauses überbracht wurde. Dann
legte er das Haupt auf den Richtblock.
Also endete der letzte aus dem Hause der Biancinfiore.