Ich verbleibe respektvoll

meine ehrwürdige Mutter usw."

Dieser Brief bereitete Signora von Campireali die größte Freude. Als sie

ihn empfing, hatte sie schon lebhaft bereut, ihrer Tochter den Tod

Brancifortes angekündigt zu haben; sie wußte nicht, wie diese tiefe

Melancholie, die sie befallen hatte, enden würde; sie sah irgendeinen

Gewaltstreich voraus; sie ging so weit, zu fürchten, ihre Tochter könnte

nach Mexiko gehen, um den Ort zu suchen, wo, wie man behauptet hatte,

Branciforte getötet worden war; in diesem Fall war es leicht möglich, daß

sie in Madrid den wahren Namen des Oberst Lizzara erfuhr. Andrerseits war

das, was ihre Tochter durch den Kurier verlangte, die schwierigste, und

man kann wohl sagen, die absurdeste Sache von der Welt. Ein junges

Mädchen, das nicht einmal Nonne war, und außerdem bloß durch die tolle

Leidenschaft eines Briganten bekannt war, die sie vielleicht erwidert

hatte, sollte an die Spitze eines Klosters gesetzt werden, in dem alle

römischen Fürsten Verwandte hatten! 'Aber', dachte sich Signora von

Campireali, 'man sagt, daß jeder Prozeß geführt und deshalb auch gewonnen

werden kann.' In ihrer Antwort machte Vittoria Carafa ihrer Tochter etwas

Hoffnung, die gewöhnlich keine andren als absonderliche Wünsche hatte, zum

Ausgleich aber sehr leicht den Geschmack daran verlor. Noch im Lauf des

Abends unterrichtete sie sich über alles, was in näherer oder weiterer

Beziehung zum Kloster von Castro stehen könnte und erfuhr, daß ihr Freund,

der Kardinal Santi-Quatro seit mehreren Monaten sehr schlechter Laune sei;

er wollte seine Nichte mit Don Ottavio Colonna, dem ältesten Sohn des

Fürsten Fabrizio, von dem in dieser Geschichte so oft die Rede war,

vermählen. Der Fürst bot ihm seinen zweiten Sohn Don Lorenzo an, denn um

seine Vermögensverhältnisse wieder in Ordnung zu bringen, die durch den

Krieg äußerst zerrüttete waren, den der König von Neapel und der

Papst -- endlich einig -- gegen die Briganten von La Faggiola geführt

hatten, konnte er nicht davon abstehen, daß die Frau seines ältesten

Sohnes eine Mitgift von sechshunderttausend Piastern dem Hause Colonna

mitbringen müsse. Aber der Kardinal Santi-Quatro, wenn er selbst alle

seine andren Verwandten in der anstößigsten Weise enterbte, vermochte

höchstens ein Vermögen von dreihundertachtzigtausend oder

vierhunderttausend Talern anzubieten.

Vittoria Carafa verbrachte den Abend und einen Teil der Nacht damit, sich

diese Tatsachen von allen Freunden des alten Santi-Quatro bestätigen zu

lassen. Am nächsten Morgen ließ sie sich schon um sieben Uhr bei dem alten

Kardinal melden. "Eminenz," sagte sie ihm, "wir sind alle beide recht alt,

es ist unnötig, daß wir uns zu täuschen trachten, indem wir Dingen, die

nicht schön sind, schöne Namen geben; ich werde Euch jetzt eine Tollheit

vorschlagen: alles, was ich zu ihren Gunsten sagen kann, ist, daß sie

nicht niedrig ist; aber ich muß selbst gestehen, daß ich sie über alle

Maßen lächerlich finde. Als man wegen der Heirat meiner Tochter Helena mit

Don Ottavio Colonna verhandelte, habe ich Freundschaft für diesen jungen

Mann gewonnen und am Tage seiner Hochzeit werde ich Euch

zweihunderttausend Piaster in Landbesitz oder in Silber geben, mit der

Bitte, es ihm zuzuwenden. Aber damit eine arme Witwe wie ich ein so

ungeheures Opfer bringen kann, muß meine Tochter Helena, die jetzt

siebenundzwanzig Jahre zählt und seit dem Alter von neunzehn Jahren nicht

einmal außerhalb des Klosters geschlafen hat, Äbtissin von Castro werden;

man muß zu diesem Zweck die Wahl um sechs Monate verzögern; die Sache

entspricht dem geltenden Recht."

"Was sagt Ihr, Signora?" rief der alte Kardinal außer sich, "Seine

Heiligkeit selbst vermöchte das nicht, was Ihr von einem alten

unvermögenden Greise verlangt."

"Ich habe Eurer Eminenz ja auch gesagt, daß die Sache lächerlich sei: die

Toren werden sie toll finden, aber Leute, welche wohl über das

unterrichtet sind, was bei Hof vor sich geht, werden denken, daß unser

ausgezeichneter Fürst, der gute Papst Gregor XIII. die loyalen und langen

Dienste Eurer Eminenz belohnen wollte, indem er eine Ehe erleichtert, von

der ganz Rom weiß, daß Eure Eminenz sie wünscht. Im übrigen ist die Sache

leicht möglich und entspricht vollkommen dem Recht, ich stehe dafür; meine

Tochter wird schon morgen den weißen Schleier nehmen."

"Aber die Simonie, Signora!" rief der alte Mann mit schrecklicher Stimme

aus.

Signora von Campireali schickte sich an zu gehen.

"Was bedeutet das Papier, das Ihr hier laßt?"

"Das ist die Liste der Güter, die ich im Werte von zweihunderttausend

Piastern anbieten würde, wenn man bares Geld nicht wünscht; der Wechsel

des Eigentümers könnte lange Zeit geheimgehalten werden; zum Beispiel: das

Haus Colonna würde mir Prozesse machen, die ich verlieren würde ..."

"Aber die Simonie, Signora, erschreckliche Simonie!"

"Vorerst muß man die Wahl um sechs Monate hinausschieben, ich werde morgen

kommen, um die Anordnungen Eurer Eminenz entgegenzunehmen."

Ich glaube, daß es notwendig ist, Lesern, die nördlich der Alpen geboren

sind, den fast offiziellen Ton mehrerer Stellen dieser Unterredung zu

erklären; ich erinnere daran, daß in streng katholischen Ländern die

meisten Unterredungen über heikle Dinge schließlich zum Beichtstuhl

gelangen, und dann ist es durchaus nicht gleichgültig, ob man ein

respektvolles Wort gebraucht hat oder eine ironische Wendung.

Im Laufe des nächsten Tages erfuhr Vittoria Carafa, daß die Wahl, zufolge

eines großen, sachlichen Irrtums, der in der Liste der drei zur Äbtissin

vorgeschlagenen Damen entdeckt worden war, um sechs Monate verschoben

wurde: die an zweiter Stelle der Liste angeführte Dame hatte einen

Renegaten in der Familie, einer ihrer Großonkel war in Udine zum

Protestantismus übergetreten.

Signora von Campireali glaubte einen besonderen Schritt beim Fürsten

Fabrizio Colonna unternehmen zu sollen, dessen Hause sie einen so

ansehnlichen Vermögenszuwachs angeboten hatte. Nach dreitägigen

Anstrengungen gelang es ihr, eine Unterredung in einem Dorf nahe bei Rom

zu erreichen; aber sie kehrte ganz erschreckt von dieser Audienz zurück;

sie hatte den gewöhnlich so ruhigen Fürsten dermaßen benommen von dem

Kriegsruhm des Obersten Lizzara gefunden, daß sie es für ganz zwecklos

erachtete, ihn um Stillschweigen über diesen Fall zu ersuchen. Der Oberst

war für ihn wie ein Sohn, ja noch mehr: wie ein geliebter Schüler. Der

Fürst las gewisse Briefe, die aus Flandern kamen, wieder und immer wieder.

Was würde aus dem Lieblingsplan, dem Signora von Campireali seit zehn

Jahren schon so viel geopfert hatte, wenn ihre Tochter vom Leben und vom

Ruhm des Oberst Lizarra erführe?

Ich glaube, daß es besser ist, viele Umstände stillschweigend zu

übergehen, welche wohl die Sitten jener Zeit getreu spiegeln, aber

trübselig zu erzählen sind. Der Autor des römischen Manuskripts hat sich

unendliche Mühe gegeben, um den genauen Sachverhalt dieser Einzelheiten

aufzufinden, die ich unterdrücke.

Zwei Jahre nach der Zusammenkunft der Signora von Campireali mit dem

Fürsten Colonna war Helena Äbtissin von Castro, aber der alte Kardinal von

Santi-Quatro war vor Gram über diesen argen Akt von Simonie gestorben. Zu

dieser Zeit hatte Castro den schönsten Mann des päpstlichen Hofs zum

Bischof, Monsignor Francesco Cittadini, aus Mailändischem Geschlecht.

Dieser junge Mann, der durch seinen bescheidenen Anstand und seinen Ton

voll Würde auffiel, hatte viele Dinge mit der Äbtissin der 'Heimsuchung'

zu erledigen, besonders als sie einen neuen Kreuzgang zur Verschönerung

des Klosters erbauen ließ. Dieser junge Bischof Cittadini, der damals

neunundzwanzig Jahre alt war, verliebte sich grenzenlos in die schöne

Äbtissin. In dem Prozeß, der ein Jahr später stattfand, berichteten viele

Nonnen, daß der Bischof so oft wie möglich das Kloster aufsuchte und ihrer

Äbtissin sagte: "An andren Orten befehle ich und wie ich zu meiner Schande

gestehen muß, es bereitet mir ein gewisses Vergnügen. Euch gehorche ich

wie ein Sklave, aber mit einem Genuß, der weit größer ist, als wenn ich

anderswo befehle. Ich befinde mich unter dem Einfluß eines höheren Wesens;

wenn ich es auch versuchen würde, könnte ich doch keinen andren Willen

haben als den seinen und würde lieber in alle Ewigkeit der letzte seiner

Sklaven sein, als fern von seinen Augen ein König."

Die Zeugen berichten, daß die Äbtissin ihm oft inmitten solcher eleganter

Phrasen befahl, zu schweigen und auf harte Weise, in Ausdrücken, die ihre

Verachtung zeigten.

"Um die Wahrheit zu sagen," fährt ein andrer Zeuge fort, "[sic!

Schließendes Anführungszeichen fehlt (wohl einige Absätze weiter).]ihre

Gnaden behandelte ihn oft wie einen Dienstboten; in solchen Fällen schlug

der arme Bischof die Augen nieder und begann zu weinen, aber er ging nicht

fort. Er fand jeden Tag neue Vorwände, um wieder im Kloster zu erscheinen,

was die Beichtväter der Nonnen und die Feinde der Äbtissin sehr

entrüstete. Aber die Frau Äbtissin wurde von der Priorin lebhaft

verteidigt, ihrer intimen Freundin, welche unter ihrem unmittelbaren

Befehl der inneren Leitung vorstand. "Ihr wißt, meine Schwestern," sagte

diese, "daß seit jener vergeblichen Leidenschaft, die unsre Äbtissin in

ihrer ersten Jugend für einen Söldner des Glücks gehegt hat, ihr viel

bizarre Einfälle zurückgeblieben sind; aber Ihr kennt alle diesen

bemerkenswerten Zug ihres Charakters, daß niemals jemand für sie in

Betracht kommt, den sie einmal verachtet hat. Nun hat sie vielleicht in

ihrem ganzen Leben nicht so viele beleidigende Worte geäußert, wie in

unsrer eigenen Gegenwart zu dem armen Monsignor Cittadini: tagtäglich

sehen wir ihn eine Behandlung erdulden, die uns für seine hohe Würde

erröten läßt."

"Ja," antworteten die aufgebrachten Nonnen, "aber er kommt alle Tage

wieder, also wird er wohl im Grunde nicht so schlecht behandelt werden,

und in jedem Falle schadet auch der Anschein dieses Abenteuers dem Ansehen

des Heiligen Ordens der Heimsuchung."

Der strengste Herr richtet an den ungeschicktesten Diener nicht ein

Viertel der Beschimpfungen, mit denen die hochmütige Äbtissin den jungen

Bischof samt seiner salbungsvollen Art überhäufte; aber er war verliebt

und er hatte aus seiner Heimat den unerschütterlichen Grundsatz

mitgebracht, daß man sich bei einer Unternehmung dieser Art, -- wenn sie

einmal begonnen ist --, nur um das Ziel kümmern darf.

"Am Schluß des Handels", sagte der Bischof zu seinem Vertrauten, Cesare

del Bene, "trifft die Verachtung den Liebhaber, der sich vom Angriff

vorzeitig zurückzog, ohne durch Eingriffe höherer Gewalt dazu gezwungen

worden zu sein."

Jetzt muß sich meine traurige Aufgabe darauf beschränken, einen

notgedrungen sehr trockenen Auszug des Prozesses zu geben, in dessen Folge

Helena den Tod fand. Die Beschreibung dieses Gerichtsverfahrens, die ich

in einer Bibliothek gelesen habe, deren Namen ich verschweigen muß, umfaßt

nicht weniger als acht Foliobände. Das Verhör und die Beweisfassung sind

in lateinischer Sprache gehalten, die Antworten italienisch. Ich lese

darin, daß sich im Monat November 1572, gegen elf Uhr abends, der junge

Bischof allein zum Tore der Kirche begab, wo während des Tags die

Gläubigen Einlaß finden; die Äbtissin selbst öffnete ihm dieses Tor und

erlaubte ihm, ihr zu folgen. Sie empfing ihn in einem Zimmer, wo sie sich

oft aufhielt, das durch eine geheime Tür mit den Emporen in Verbindung

stand, welche das Kirchenschiff beherrschen.

Eine Stunde mochte kaum verflossen sein, als der Bischof sehr erstaunt

wieder nach Hause geschickt wurde; die Äbtissin selbst begleitete ihn zur

Kirchentüre zurück und sagte ihm diese verbürgten Worte: "Kehrt in Euren

Palast zurück, verlaßt mich schleunigst. Adieu Monsignore, Ihr erregt mir

Abscheu; es ist mir, als hätte ich mich einem Lakaien hingegeben."

Indessen kam drei Monate später der Karneval. Die Bewohner von Castro

waren durch die Feste, die sie in dieser Zeit einander gaben, berühmt; die

ganze Stadt widerhallte vom Lärm der Maskenscherze. Alles ging an einem

kleinen Fenster vorüber, welches einer wohlbekannten Stallung des Klosters

einen schwachen Lichtschein gab. Man weiß, daß schon drei Monate vor dem

Karneval diese Stallung in einen Salon verwandelt worden war und zur Zeit

der Maskeraden niemals leer wurde. Inmitten aller Narrheiten des Volks

fuhr der Bischof in seiner Karosse vorüber; die Äbtissin gab ihm ein

Zeichen und um ein Uhr der folgenden Nacht verfehlte er nicht, sich an der

Kirchentür einzufinden. Er trat ein; aber nach weniger als dreiviertel

Stunden wurde er im Zorn fortgeschickt. Seit dem ersten Stelldichein im

Monat November kam er so etwa alle acht Tage ins Kloster. Man sah in

seinem Gesicht einen leichten Ausdruck von Triumph und Dummheit, der

niemandem entging und das Unglück hatte, den stolzen Charakter der jungen

Äbtissin außerordentlich zu reizen. Besonders am Ostermontag behandelte

sie ihn wie den letzten der Menschen und sagte ihm Worte, die sich der

ärmste der Taglöhner des Klosters nicht hätte bieten lassen. Indessen gab

sie ihm einige Tage später wieder das Zeichen, dem folgend der schöne

Bischof nicht verfehlte, sich um Mitternacht an der Kirchentür

einzufinden. Sie hatte ihn kommen lassen, um ihm mitzuteilen, daß sie

schwanger sei. Bei dieser Ankündigung, heißt es in den Akten, erbleichte

der schöne junge Mann vor Entsetzen und wurde ganz und gar blöde vor

Angst. Die Äbtissin hatte Fieber, sie ließ den Arzt rufen und machte ihm

gegenüber kein Geheimnis aus ihrem Zustand. Dieser Mann kannte den

großmütigen Charakter der Kranken und sicherte ihr zu, ihr aus der

Verlegenheit zu helfen. Er begann damit, daß er sie mit einer hübschen

jungen Frau aus dem Volk in Verbindung brachte, die nicht den Titel einer

Hebamme besaß, aber deren Kunst ausübte. Ihr Mann war Bäcker. Helena war

unbefriedigt von der Unterredung mit dieser Frau, die ihr erklärte, daß

sie zur Ausführung des Plans, mit dessen Hilfe sie auf Rettung hoffte,

zwei Vertraute im Kloster benötige.

"Eine Frau euresgleichen, meinethalben; aber eine aus meinem Stande? Nein.

Geht mir aus den Augen."

Die Hebamme zog sich zurück. Aber einige Stunden darauf ließ sie Helena,

die es nicht klug fand, sich dem Geschwätz dieser Frau auszusetzen, durch

den Arzt ins Kloster zurückholen, wo sie freigebig beschenkt wurde. Diese

Frau schwur, daß sie niemals, auch wenn sie nicht zurückgerufen worden

wäre, das ihr anvertraute Geheimnis verraten hätte, aber sie erklärte

nochmals, daß sie sich auf nichts einlassen könne, wenn sie nicht im

Kloster zwei dem Interesse der Äbtissin ergebene Mitwisserinnen hätte.

Ohne Zweifel fürchtete sie die Anklage wegen Kindesmord.

Nachdem sie viel darüber nachgedacht hatte, beschloß die Äbtissin, das

schreckliche Geheimnis Schwester Vittoria anzuvertrauen, der Priorin des

Klosters, aus der vornehmen Familie der Herzöge von C**, und Schwester

Bernarda, der Tochter des Marchese P**. Sie ließ sie auf ihr Brevier

schwören, niemals ein Wort von dem, was sie ihnen jetzt anvertrauen würde,

verlauten zu lassen, nicht einmal vor dem hochnotpeinlichen Gericht. Diese

Damen waren vor Schreck verstört. Sie gestanden später beim Verhör, daß

sie sich unter dem Eindruck des hochfahrenden Charakters ihrer Äbtissin

auf das Geständnis einer Mordtat gefaßt gemacht hätten. Die Äbtissin sagte

ihnen einfach und kalt:

"Ich habe mich gegen alle meine Pflichten vergangen, ich bin schwanger."

Schwester Vittoria, die Priorin, war tief bewegt und ganz verwirrt wegen

der langjährigen Freundschaft, die sie mit Helena verband, und nicht bloß

aus Neugierde rief sie mit Tränen in den Augen aus:

"Wer ist der Unvorsichtige, der dieses Verbrechen begangen hat!"

"Ich habe es selbst meinem Beichtvater nicht gesagt; urteilt also, ob ich

es euch sagen werde."

Diese beiden Damen beratschlagten sogleich über die Maßnahmen, um das

verhängnisvolle Geheimnis dem übrigen Kloster zu verbergen. Sie

entschieden vor allem, daß das Schlafzimmer der Äbtissin, das ganz im

Mittelpunkt des Klosters lag, nach der Apotheke verlegt werden müsse, die

man im entlegensten Teil des Klosters, im dritten Stock des großen, durch

Helenas Freigebigkeit entstandenen Neubaus eingerichtet hatte. An diesem

Ort war es, daß die Äbtissin einem Knaben das Leben schenkte. Seit drei

Wochen war die Frau des Bäckers in den Gemächern der Priorin versteckt.

Als diese Frau dann mit dem Kind schnell durch das Kloster eilte, begann

es zu schreien, und die Frau flüchtete sich in ihrem Entsetzen in den

Keller. Eine Stunde später gelang es Schwester Bernarda mit Hilfe des

Arztes, eine kleine Gartentür zu öffnen, und die Frau des Bäckers verließ

hastig das Kloster und bald darauf die Stadt. In die Campagna gelangt und

von panischem Schrecken verfolgt, flüchtete sie sich in eine Grotte, die

der Zufall sie in einem der Felsen entdecken ließ. Die Äbtissin schrieb an

Cesare del Bene, den Vertrauten und ersten Kammerherrn des Bischofs, der

zu der bezeichneten Grotte eilte; er war zu Pferde, er nahm das Kind in

seine Arme und ritt im Galopp nach Montefiascone. Das Kind wurde in der

Kirche Santa Margherita getauft und empfing den Namen Alessandro. Die

Gastwirtin des Orts hatte eine Amme verschafft, der Cesare acht Taler

zurückließ; viele Frauen, die sich während der Tauffeierlichkeit um die

Kirche angesammelt hatten, hörten nicht auf, Signor Cesare nach dem Vater

des Kindes zu fragen.

"Das ist ein großer Herr aus Rom", sagte er ihnen, "der sich erlaubt hat,

eine arme Bäuerin wie Ihr zu verführen."

Und er verschwand.

Die Äbtissin von Castro · 第 20 / 51 题