Gürtel, dem _Sankt-Josephs-Gürtel_, durch den schon 1657 eine Nonne
in Antwerpen »von grausamen Schmerzen« wunderbar geheilt wurde. Als
Pius IX. ihn auf Ersuchen des Bischofs von Verona 1859 nebst der
Weiheformel bestätigt und mit Ablässen begnadigt hatte, kam sein
Gebrauch erst recht in Aufnahme. Der Gürtel besteht aus einer Schnur
von Baumwolle, Wolle oder Leinen mit »sieben Knoten als sieben
Schmerzen und sieben Freuden des h. Josephs«. Man trägt ihn unter der
Kleidung, »um durch die Fürbitte des h. Joseph wirksame Hilfsmittel
zur Bewahrung der Reinigkeit und zur Enthaltsamkeit, die in jedem
Stande notwendig ist, zu erlangen oder sie wieder zu erringen, wenn
sie verloren ist«.
Doch das ist keineswegs die einzige Wirkung dieses Wundergürtels.
Im Märzheft 1878 der »Monatsrosen« ermahnt der Herausgeber die
Gläubigen, sich mit dem Gürtel des h. Joseph zu umgürten und macht
darauf aufmerksam, daß in der Servitenkirche zu Innsbruck ein
Filialbündnis der Umgürteten des h. Josephs bestehe. Man könne sich
um Gürtel und Büchlein an die Redaktion der Monatrosen wenden. Das
kann auch tatsächlich nur jedem angeraten werden, ist doch auch die
Wirkung dieses Kleidungsstückes nach der gleichen Quelle geradezu
verblüffend. »Ein siebenjähriges Kind, welches an Lungen- und
Brustentzündung erkrankt und von drei Ärzten aufgegeben war, wurde
in den Gebetsverein eingeschrieben, eine heilige Messe für dasselbe
gelesen, ihm einige Tropfen Lourdes-Wasser eingegeben und ein
Josephsgürtel umgelegt, und die Krankheit wendete sich zum Bessern«
(S. 247). Ein anderer Fall betrifft »ein großes Übel«, das nach
Auflegung des h. Joseph-Gürtels plötzlich behoben wurde (S. 343).
Daß solche Mittel bei Krankheiten auf nervöser Basis wirksam
sein können, wird niemand bestreiten wollen, der den gewaltigen
Einfluß der Suggestion auf den Körper kennt. Die Gürtel aber bei
Lungenentzündungen und ähnlichen Infektionskrankheiten empfehlen,
heißt in gewissenloser Weise mit dem Leben derer, die nicht alle
werden, spielen.
Der heiligen Garderobe gehört endlich noch ein dritter Gürtel an,
über den der Spitalbenefiziat Joseph _Löcherer_ unter dem Titel
»Vollständiger Inbegriff der Gnaden und Ablässe der ehrwürdigen
Erzbruderschaft Maria vom Troste, oder der _schwarzlederne Gürtel der
h. Mutter Monica_, des heiligen Vaters Augustin und des h. Nicolaus
von Tolentin, zum Gebrauche der Vorstände und aller einverleibten der
Bruderschaft, getreulichst nach dem von P. Clemens X. herausgegebenen
und für ewige Zeiten bestätigten Breve und Ablaß-Summarium Ex
injuncto nobis vom 27. März 1675 und dem neuesten, von der h.
Kongregation der Ablässe durch Urkunde vom 7. März 1863 ausdrücklich
gutgeheißenen Bruderschaftsbüchlein bearbeitet« ein Büchlein schrieb,
das bei Manz in Regensburg im Jahre 1878 in achter Auflage erschien.
Der Gürtel hat natürlich auch seine historische Berechtigung: Der
h. Monica, die auch in der Kleidung der Jungfrau Maria ähnlich sein
wollte, ist diese mit dem schwarzledernen Gürtel erschienen und sagte
ihr, daß sie ihn seit dem Tode Christi getragen habe. Natürlich legte
ihn nun die h. Monica, die Mutter Augustins, auch an.
Auch diese Gürtel-Bruderschaft ist, wie das ja nur recht und billig
ist, an Ablässen außerordentlich reich[3].
Es leuchtet jedem denkenden Menschen ohne weiteres ein, daß die
himmlischen Heerscharen, Gottvater, Sohn, heiliger Geist, kurz das
ganze Weltregiment eine närrische Freude darüber haben muß, wenn
christkatholische Menschen mit Skapulieren und Gürteln herumwandeln.
Wenn es eine genaue Bekleidungsvorschrift für das Militär oder den
hoffähigen Adel gibt, warum braucht nur gerade der Himmel keine zu
haben? Sollte hier etwa auf passenden Anzug weniger Gewicht gelegt
werden? Das wäre eine geradezu beleidigende Annahme.
Wie oberflächlich, wie weltlich klingt doch der Satz »Kleider
machen Leute«. Der wahrhaft Fromme sagt, »Kleidungsstücke machen
himmelsfähig«, oder »Bekleidungsstücke machen Seelen«.
* * * * *
Doch nicht nur auf Skapuliere und Gürtel beschränkt sich die
wunderbare Kraft für Lebzeiten und im Tode, sondern sie erstreckt
sich auch auf Medaillen. Die Benediktiner sind im Besitze der
sogenannten _Benediktus-Medaille_. Über sie schrieb Dom Prosper
_Gueranger_, Abt des Benediktiner-Klosters Solesmes in Frankreich,
»_Bedeutung, Ursprung und Privilegien der Medaille oder des Kreuzes
des hl. Benedikt_«, bearbeitet von P. _Laurenz Hecht_, Benediktiner
des Stiftes Einsiedeln. 2. Auflage, mit Approbation des Bischofs von
Chur-Einsiedeln 1871. Ferner existiert über diese wichtige Materie
das »St. _Benediktus-Büchlein_ oder die Medaille des hl. Benedikt«
von einem Priester der Diözese Münster, mit Erlaubnis der geistlichen
Obrigkeit, Münster 1876.
Es ist aber auch wirklich der Mühe wert, um dieser Medaille willen
zur Feder zu greifen, denn, wie Pater Hecht aus einer zu Rom 1857
mit kirchlicher Approbation erschienenen Schrift mitzuteilen
in der glücklichen Lage ist, wurde sie wirksam angewendet: »1)
um _Zaubereien_ und alle anderen _teuflischen Einwirkungen_ zu
zerstören; 2) um die _Zauberei_ vom Orte abzuhalten; 3) um die
_Tiere_, welche von der Pest oder Seuche angesteckt oder von
_Zauberei_ befallen sind, zu _heilen_ und gesund zu machen; 4) um
jeden Menschen, der vom bösen Feinde versucht, getäuscht oder geplagt
wird, den notwendigen Schutz zu gewähren; 5) um die _Bekehrung_
irgendeines Sünders, insbesondere wenn er in Todesgefahr ist, zu
erlangen. Der vertrauensvolle Gebrauch dieser Medaille ist überdies
wirksam: 1) zur _Zerstörung des Giftes_; 2) zur _Vertreibung der
Pest_; 3) zur _Wiederherstellung der Gesundheit_ für diejenigen,
welche von _Steinkrankheiten_, _Seitenstechen_, _fallender Sucht_,
_Blutüberfüllung_ oder _Blutspeien_ befallen sind; 4) für die
_Mütter_, damit durch den geistlichen Beistand die Kinder zur rechten
Zeit und gesund _geboren werden_; 5) zum Schutze der Menschen vor
dem _Blitze_; 6) zum Schutze derjenigen, welche von _Ungewittern_
hart bedrängt sind; 7) was aber mehr als alles andere geschätzt
werden muß, dient diese geweihte Medaille, fromm gebraucht, dazu alle
Versuchungen gegen die leibliche Tugend der Reinigkeit zu überwinden
und durch Gottes Gnade die Menschen heilig an Seele und Leib zu
bewahren.«
Daß diese theoretischen Wirkungen auf voller Wahrheit beruhen,
bezeugt uns Abt Gueranger. In einem Kapitel »Wunderbare Wirkungen
der Medaille des h. Benedikt im 19. Jahrhundert« überschrieben
(Übersetzung von Hecht, S. 64 ff.), werden u. a. einige körperliche
Heilungen mitgeteilt:
»Eine Dame wurde plötzlich von _starkem Nasenbluten_ befallen; die
Mittel, welche der Arzt verordnete, schienen den Blutfluß eher
zu fördern, als zu hemmen; so war der Abend des dritten Tages
herangekommen; da empfängt die Kranke, eine Person voll lebendigen
Glaubens, die Medaille des h. Benedikt, und sogleich hört das Bluten
auf.«
Ein anderer Fall: »Eine Ordensschwester wurde von einem _Augenleiden_
befallen; nachdem sie sich die Augen mit Wasser gewaschen, in das sie
die Medaille des h. Benedikt getaucht hatte, erlangte ihr Gesicht
bald seine frühere Kraft wieder.«
Ferner: »Eine Frau, deren Tochter von einer heftigen _Entzündung des
Kehlkopfes_ befallen wurde, kam auf den Einfall, die Medaille in ein
Glas voll Wasser zu tauchen und es dem Kinde zu trinken zu geben.
Sogleich führt sie ihren frommen Einfall aus. Das Kind trinkt das
Wasser; am anderen Tage ist es außer aller Gefahr. -- Eine Frau,
die an heftigem _Ohrenweh_ litt und der von Zeit zu Zeit Klumpen
geronnenen Blutes und Eiterstoff aus den Ohren kamen, legte eine
Medaille in das Ohr und betete mit Vertrauen ein Vaterunser und
ein Gegrüßt zu Ehren des h. Benedikt. Eine Minute nachher war sie
gänzlich geheilt.«
Die geistige Wirkung steht ganz auf der Höhe der körperlichen.
Davon mögen folgende Beispiele aus dem 2. Abschnitt, überschrieben
»Geistige Gnaden. Plötzliche Bekehrungen« (S. 76 ff.) überzeugen.
»Eine Frau berührte mit einer Medaille die Weinflasche ihres dem
Trunke ergebenen Mannes; dieser fand den Wein abscheulich und ging in
eine benachbarte Schenke, kam aber nach einer Viertelstunde zurück
und sagte, der Wein sei dort noch schlechter. In den nächsten Tagen
trank er nur Wasser, und die Frau benutzte dies, um die Zusage von
ihm zu erlangen, daß er hinfort seine religiösen Pflichten erfüllen
wolle.«
Ein anglikanischer Geistlicher disputierte neun Tage lang mit drei
Konvertiten; einer von diesen begleitete ihn, als er am zehnten
Tage zurückkehrte, und disputierte noch mit ihm bis zum Abend. Der
Anglikaner brach endlich die Unterredung mit Worten ab, welche gar
keiner Hoffnung zu seiner Rückkehr in die katholische Kirche Raum
gaben. Da bat ihn der Katholik, die Medaille des h. Benedikt, die
er bei sich trug, anzunehmen. Er tat es, und nach einigen Minuten,
während deren der Katholik betete, erklärte er: »Das Licht strahlt
vor meinen Augen, und ich habe an nichts mehr zu denken, als an
die Abschwörung meiner Irrtümer.« Fünf Tage nachher erfolgte diese
Abschwörung.
Daß die Benediktus-Medaille auch gegen böse Geister hilft, wissen
wir schon. Nachstehend sei eine dieser erbaulichen Geschichten
wiedergegeben: In einem Hause in Rennes trieben »böse Ceister« ihr
Wesen: man hörte Lärmen und Stimmen, das Hausgeräte veränderte seinen
Platz, ohne daß jemand es berührte usw.
»Die Hausbewohner ließen viele Messen für die Verstorbenen lesen,
für den Fall, daß eine verstorbene Person durch solche Zeichen ihren
Wunsch um Befreiung von den Schmerzen des Fegfeuers hätte kund
geben können und wollen; nebst dem riefen sie auch den Priester
herbei, damit er die Gebete verrichte, welche von der h. Kirche
gegen vom bösen Feinde belästigte Häuser angeordnet sind. Allein
die unheimliche Plage wollte nicht weichen. Da begann man damit, an
den Türen eine Medaille des h. Benedikt aufzuhängen, und alsbald
erfolgte die gänzliche Befreiung. Aber man hatte vergessen, eine
Medaille an der Türe des Kellers zu befestigen; die ganze Bosheit
der höllischen Geister schien sich dort vereinigt zu haben; so groß
war dort der Lärm und die Unordnung. Nun befestigte man auch dort
eine Medaille, und siehe, die teuflische Bosheit verließ endlich das
Haus, jedoch nicht ohne Rache zu nehmen; denn die Person, welche (den
Rat erteilt hatte und) uns diese Tatsachen berichtete, wurde alsbald
vom bösen Geiste sehr grausam an Leib und Seele geplagt. In diesem
Leiden erhielt sie endlich Erleichterung durch genaue Befolgung der
Ratschläge ihres Beichtvaters, der ihr empfohlen hatte, kühn und
mutig gegen den bösen Feind aufzutreten und öfters die h. Namen
Jesus, Mariä und Joseph gegen ihn auszusprechen.«
Mehr hätte es uns ja imponiert, wenn es ohne den Beichtvater allein
durch die Medaille gegangen wäre. Immerhin war auch so die Wirkung
recht zufriedenstellend.
Hausfrauen! Schafft euch die Benediktus-Medaille an! Oder wer
fühlt sich nicht durch folgende schöne Geschichte dazu geradezu
verpflichtet? Das »St.-Benediktus-Büchlein« erzählt (S. 63): »Im
Jahre 1863 zerbrachen täglich in einem Kloster mehrere Lampen und
Trinkgläser auf eine ganz unerklärliche Weise. Mehrere Wochen hatte
dies gedauert, da verfielen die Schwestern auf den Gedanken, die
Benediktus-Medaille anzuwenden, und fortan blieb alles in bester
Ordnung.«
In einer Stadt wollte der Gemeinderat die Straße breiter machen
lassen und zu diesem Zwecke einen bedeutenden Teil einer von
Wallfahrern stark besuchten Kirche der h. Jungfrau abbrechen lassen.
Man befestigte die Medaille des h. Benedikt am Fuße des Standbildes
der h. Jungfrau und »wenige Tage nachher wurde der Baumeister,
welcher den unglücklichen Gedanken gehabt hatte, das Haus Gottes zu
verstümmeln, plötzlich krank und starb. Seinem Nachfolger leuchtete
es gleich ein, wie unnütz die Verstümmelung der Kirche sei«, und auf
seinen Antrag hin wurde der Verbreiterungsplan geändert (Hecht, S.
93).
»Zu T. in Frankreich wurde durch Aufhängung einer Medaille des
h. Benediktus im Hühnerstalle den Hühnern die Fruchtbarkeit
zurückgegeben.«
Hecht folgert daraus die »Wahrheit, daß es dem Herren in seiner
Weisheit gefallen, einen kleinen, materiellen, zu seiner Ehre
geweihten Gegenstand als Werkzeug für Zernichtung aller teuflischen
Gewalt und für das Wohl der Menschen und Tiere zu bestimmen« (S. 120).
Diese und viele andere ähnliche, erbauliche und wunderschöne
Geschichten werden in jedem intelligenten Leser -- und wer wäre das
in den Augen eines Autors, dessen Bücher er auszeichnet, nicht? --
den brennenden Wunsch wecken die Medaille zu besitzen. Damit er sie
auch richtig anwendet, geben wir die wörtlich übereinstimmenden
Anweisungen Guerangers (S. 161) und des Priesters von Münster (S. 95)
wieder:
»Diese Medaille wird bei ansteckenden Krankheiten an den Wänden
und Pforten der Häuser, bei Viehseuchen an den Wänden der Ställe
befestigt, damit bei dem Anblicke des darauf befindlichen Zeichen
des h. Kreuzes die bösen Geister fliehen. Sie wird bei Aufführung
von Gebäuden in das Fundament eingesenkt ... Ferner pflegt sie
gegen Ungeziefer auf den Wiesen in die Erde gegraben zu werden.
Auch ist es üblich, daß die Gläubigen sie in ein Wassergefäß legen,
damit Menschen und Tiere, wenn sie von diesem Wasser trinken, die
Gesundheit erlangen. Die Art und Weise, die Benediktus-Medaille
zu gebrauchen, wird durch das Ansehen der h. Kirche und durch die
glücklichsten Erfolge empfohlen.« Allerdings sind die Wirkungen nur
insofern unfehlbar, »als sie von Gott für das Heil der Gläubigen
zuträglich erkannt werden«.
Übrigens macht bisweilen nicht nur die Benediktus-Medaille den Arzt
überflüssig. So wird im »Sendboten« (1871, S. 302) berichtet: »Ein
Mann, der infolge eines Beinbruchs an sehr heftigen Schmerzen litt,
band eine _Herz-Jesu-Medaille_ an den Fuß, versprach eine neuntägige
Andacht zum Herzen Jesu, und nach kurzer Zeit verließ ihn der
Schmerz. Einer protestantischen Frau wurde geraten, ihrem kränklichen
Kinde, das katholisch getauft war, etwas Geweihtes beizulegen, und
ihr eine Herz-Jesu-Medaille gegeben. In wenigen Tagen besserte sich
das Kind. Die Frau wurde katholisch[4].«
* * * * *
Die Jesuiten haben zwar weder ein besonderes Skapulier, noch
einen Gürtel, noch eine Medaille, dafür aber ein Wasser, _das
Ignatiuswasser_. Und wenn man ihnen glauben darf -- und wer
wird einem Jesuiten nicht glauben? -- dann macht die wunderbare
Flüssigkeit die anderen Mittel auch entbehrlich. Der belgische
Jünger Loyolas Eduard _Terwekoren_ hat darüber eine Schrift verfaßt,
die 1867 bei Mayer & Comp. in Wien unter dem Titel »_Das Weihwasser
des h. Ignatius von Loyola für alle Leiden der Seele und des Leibes_«
in Übersetzung erschien. Aus unbekannten Gründen ist diese Ausgabe
nicht mehr im Buchhandel, was wir noch lebhafter beklagen würden,
wenn mit ihr auch das Wasser verschwunden wäre. Das ist aber zum
Heile aller frommen Seelen und deren beglückwünschenswerten Körper
nicht der Fall. Vielmehr wird nach wie vor das Wasser geweiht und wir
haben keinen Grund zur beleidigenden Annahme, daß es heute weniger
wirksam sein sollte, als vor 45 Jahren.
Übergehen wir die wunderbaren Heilungen früherer Jahrhunderte, um uns
auf die jüngere Vergangenheit zu beschränken: »Der im Jahre 1860 zu
Alost im Geruche der Heiligkeit verstorbene Pater _Bernhard_ erwarb
sich gerade durch die Verteilung des Ignatius-Wassers und durch
seine Unermüdlichkeit im Beichtstuhle ungeheure Popularität. Die
Vorsehung hatte ihn auserwählt, um in der Gegend von Alost diese alte
und mächtige Andacht zum Weihwasser des h. Ignatius zu erwecken (S.
22, 24). Bei einer _Viehseuche_ gebrauchte man das Wasser auf einem
Bauernhofe, und von 15 Pferden ging kein einziges zugrunde (S. 25).
Als den Pater Bernhard seine Krankheiten verhinderten, die Kranken
zu besuchen und eine Schwerhörigkeit ihn nötigte, das Beichthören
aufzugeben, fuhr er doch fort, das Ignatius-Wasser auszuteilen. Er
zeichnete Tag für Tag die Zahl der Personen auf, welche solches von
ihm erhielten. Als nach seinem Tode sein Leichnam ausgesetzt war,
brachten viele Leute die Fläschchen, welche das Weihwasser des Paters
enthalten hatten, in der Meinung, dadurch daß sie dieselben an seinen
Händen und an seinem Munde anrührten, ihnen die Weihe zu erhalten.«
(S. 27.)
Wie wenig doch oft dazu gehört, um im Geruch der Heiligkeit zu
sterben!
»Im Jahre 1859 wurde zu Antwerpen eine Frau, welche beinahe blind
geworden war, geheilt. Ihr Vertrauen wurde glücklicherweise
ansteckend: noch an demselben Vormittage holten 5 oder 6 Personen
dieses Wasser, um sich gegen die Cholera zu schützen. Am Nachmittage
zählte man bereits etliche 30 Begehrer, und wenige Tage später war
ein solcher Andrang um das Ignatius-Wasser, daß 4-5 Personen kaum
hinreichten, es auszuteilen.« (S. 29.) Im Jahre 1839 hörte die
_Choleraepidemie_ in der Straße auf, in der ein Mann das Wasser
brauchte! Daß Sünder nach dem Trinken des Wunderwassers sich
bekehrten, ist klar. Kann es bei dieser Wirkung wundernehmen, daß das
Wasser wie frische Semmel abgeht? Verlangte man doch in Gent binnen
zweier Monate 100000 Flaschen und mehr als 50000 Personen aus Stadt
und Umgebung bedienten sich seiner.
Am verdienstlichsten ist aber folgende Wirkung: »Außerdem gibt es
noch zwei Umstände, in welchen man früher seine Zuflucht zum h.
Ignatius nahm, und das scheint heute aufs neue in Schwung zu kommen.
Nämlich bei Frauen, welche das Herannahen des Augenblicks fürchten,
wo sie ein Kind zur Welt bringen sollen, und bei solchen, welche
sich darüber betrüben, daß sie _keine Hoffnung haben, eines Tages
mit dem süßen Namen >Mutter< benannt zu werden_. In diesen beiden
Umständen hat die Fürbitte des h. Ignatius viele Tränen getrocknet,
viele Ängsten beseitigt« (S. 68). »Man gebraucht das Ignatius-Wasser
gar oft bei Frauen, welche in Gefahr einer _Schwergeburt_ sind, und
man erzielt damit die glücklichsten Erfolge« (S. 73)[5].
Der »Sendbote des göttlichen Herzens Jesu«, der mit »Genehmigung der
geistlichen Oberen« von Malfatti als Monatsschrift herausgegeben
wird, besonders zur Förderung der Andacht zum Herzen Jesu, die in den
letzten Jahrzehnten eifrig kultiviert wird, erzählt außer unzählbaren
ähnlichen Geschichten, folgende zwei, die wir als besonders
leuchtende Perlen herausgreifen möchten.
Im Jahrgang 1871 (S. 184) finden wir folgenden Bericht: »Im Dekanat
Bozen wurde ein _totes Mädchen_ geboren, in dessen mißgestaltetem
Gesichte weder Augen noch Nase zu sehen waren. Zwei Personen trugen
das tote Kind zur wundertätigen Mutter Gottes nach Riffian mit der
festesten Hoffnung, in der dortigen Wallfahrtskirche Lebenszeichen
zu erbitten, um dasselbe mindestens bedingungsweise taufen zu
können. Sie kamen am 13. Januar spät abends in Riffian an und
trugen am folgenden Tage das Kind in die Kirche.« Es zeigten sich
Lebenszeichen. Sie trugen darauf das Kind zum Pfarrer, um es taufen
zu lassen, konnten aber kein _Lebenszeichen_ mehr wahrnehmen. Es
wurde am gleichen Tage wiederholt und auch beim dritten Gebete zeigte
sich kein Lebenszeichen. Nunmehr begrub man das Kind. Sie ließen
es aber am 18. _wieder ausgraben, bemerkten während ihres Gebetes
Lebenszeichen_ und ließen das Kind durch den gerade anwesenden Meßner
taufen. Die Lebenszeichen wurden nach der Taufe immer noch schöner
und verschwanden erst allmählich wieder.
Eine ähnliche Geschichte steht im gleichen Jahrgang (S. 268):
»In Stilfs ertrank am 3. Juli eine schwangere Frau; die Leiche wurde
erst am 5. untersucht und geöffnet, und das Kind als tot gefunden.
Abends kamen viele Personen bei der Leiche zusammen, um durch die
Fürbitte Marias die Taufgnade zu erbitten; sie nahmen ihre Zuflucht
besonders zur schmerzhaften Mutter von Stilfs. _Wie sie beteten,
sahen sie, daß das Gesicht des Kindes Lebensfarbe erhielt_, daß
Lippen und Wangen sich röteten und der Mund sich öffnete; einige
Weiber wollten auch den Pulsschlag des Herzens gesehen haben. Das
Kind wurde bedingungsweise getauft; bald nach dem Taufakte schloß es
den Mund und wurde bleich wie Wachs.«
In früheren Jahrhunderten waren solche schönen Geschichten ja
nichts Seltenes. Friedrich berichtet in seinen Beiträgen zur
Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts (München 1876, S. 8) ähnliche
Fälle. Damals aber schritt die römische Inquisition gegen diese
Volksverdummung ein. Heute wird dieser Blödsinn von Kreisen, die Rom
sehr nahe stehen, zu neuem Leben erweckt[6].
VIII. Kapitel
Die Dummheit der Massen
Jahrtausende alte Erfahrung erbringt den unwiderleglichen Beweis
dafür, daß ein großer und weiser Gedanke sehr lange braucht, um
vom Volke angenommen zu werden. Ja, die größten Gedanken dringen
überhaupt nicht in die Menge oder doch nur in einer Form, die
wenig mehr vom Geiste ihres Schöpfers verrät. So wurde etwa aus
den erhabenen Lehren Christi der Paganismus der römisch- und
griechisch-katholischen Kirche. Die edle Weisheit eines Buddha konnte
zum Lamaismus Tibets entarten; während die weltumstürzende Entdeckung
eines Kopernikus Jahrhunderte brauchte, bis sie sich allseitig
durchzusetzen vermochte.
Man wird das ganz natürlich finden und mit der mangelnden
Bildung, dem Mangel an Intellekt, dem Trägheitsbedürfnis breiter
Volksschichten motivieren.
Wie aber, wenn ein Gedanke absurd ist? Wenn der Wahnwitz ihm aus den
Augen grinst? Wenn er jeder Vernunft, jeder Erfahrung widerspricht,
seinen Anhängern die größten Mühen, Opfer und Gefahren an Gut
und Blut auferlegt? -- Dann wird er in zahllosen Fällen fanatisch
aufgegriffen werden und mit elementarer Gewalt sich durchzusetzen
versuchen. Der Träge wird zum Tatenmenschen, der Zauderer kühn, der
Geizhalz verschwenderisch, der Feigling ein Held werden. Es ist
nur nötig, daß der Gedanke einen Herold findet, der, selbst von
ihm erfüllt, die Gewalt des Beispiels oder der Rede besitzt, mit
möglichst überspannten Bildern und Zukunftshoffnungen nicht spart,
der den mystischen Schleier des Geheimnisvollen zu weben versteht
und alles wird ihm folgen, wie einst die Kinder dem Rattenfänger von
Hameln.
Das war zu allen Zeiten so, es ist so und wird so bleiben. Heute
nennen wir die Kraft, die jene wunderbare Wirkung hervorruft:
Suggestion; früher hatte sie keinen Namen. Man reihte sie in
das große Gebiet der Magie oder Zauberei ein. Uns genügt die
Feststellung, daß sie wirken kann, einen Fieberwahn hervorzurufen
vermag, wenn sie -- auf Dumme stößt. _Diese Dummen aber findet sie
immer und überall._
Hier bewährt sich die Allmacht der Dummheit in unheimlichster Weise:
sie steckt an. Dieselben Leute, die unter normalen Umständen die
Torheiten verlachen würden, machen sie mit, wenn sie andere sehen,
die sie vormachen. Das Geheimnis der Massenpsyche, der die Hemmungen
fehlt, ist nahezu unergründlich. Unergründlicher aber noch ist die
Tiefe der Dummheit, die in solchen Momenten einem Vulkan gleich zur
Oberfläche drängt, sich nun erst zeigt, während sie immer gegenwärtig
ist. Und wie die glühenden Lavamassen eines Ätna, die sonst in den
Eingeweiden der Erde schlummern, hier und da durch ein schwaches
Rauchwölkchen ihr Dasein verratend, plötzlich zu neuem Leben
erwachen, wie sie mit ihrer feurigen Flut blühende Landschaften,
betriebsame Städte in Wüsten und Trümmerhaufen verwandeln, so sehen
wir es auch hier.
Wehe, wenn die Dummheit, sonst mit möglichster Diskretion unsern
Augen verborgen -- etwa wie die Senkgruben der Häuser -- die so
heilsame Hülle der Scham abwirft, wenn sie die Lächerlichkeit nicht
mehr fürchtet, auf die Stimmen der Warner nicht mehr hört. Dann
richtet sie furchtbareres Unheil an, als alle Vulkane der Erde. Gewiß
nicht immer. Bisweilen bleibt es bei harmlosen Versuchen, über die
man bald wehmütig lächeln, bald laut lachen möchte, aber oft, nur
allzuoft bahnt sie sich über Leichen ihren Weg.