denn da die höchsten kirchlichen Autoritäten das Buch approbierten
und jahrhundertelang als Leitfaden Kat' exochen für die Inquisition
benutzten, so identifizierte sie sich mit den hier wiedergegebenen
Ansichten -- also: die Kirche bringt den haarsträubendsten Blödsinn,
den je die Menschheit ersonnen hat, in ein System. Keiner der
Fälle existiert in diesem teuflischen Buche, der nicht von »Hexen«
unter der Folter bezeugt worden wäre, _keiner, für den nicht so
und so viele Unschuldige verbrannt wurden_. Man stelle sich vor --
nachdem doch überall der Unsinn gepredigt werden mußte, nachdem die
Hinrichtungen in aller Öffentlichkeit stattfanden und jedermann
ihren Grund kannte, nachdem ferner an allen Orten der Christenheit
nach solchen Zauberern und Hexen gesucht wurde -- welche furchtbare,
mit nichts zu vergleichende Wirkung auf das Volk durch das alles
hervorgerufen werden mußte. Verdummung und Verrohung _mußte_ die
Folge sein, zumal bei der ungeheuren Verbreitung dieses Schandbuches,
das noch 1669 in neuer Auflage erscheinen konnte.
Wir werden in späteren Kapiteln sehen, wie dieser künstlich von der
Kirche erzeugte Irrsinn Jahrhunderte im Volke fortwirkte und heute
noch nicht erstorben ist. Wen wird das verwundern, da ja die Kirche
bekanntlich unfehlbar ist, da sie sich gerade in dieser Frage,
wenigstens im Kernpunkt, auf die unwiderlegliche Autorität des Neuen
Testaments -- vom Alten ganz zu schweigen -- stützen kann?
Wann hat die Dummheit je größere Orgien gefeiert? Welchem Moloch sind
mehr Hekatomben geschlachtet worden?
War der »Hexenhammer« auch das schlimmste Buch seiner Art, insofern
es bei weitem die größte Autorität besaß, so war es keineswegs das
einzige. Im Gegenteil ist die Literatur über diese blöde Materie
erschreckend reich. Indem wir Interessenten auf die eingehende
Untersuchung Hoensbroechs verweisen[7], begnügen wir uns, einige der
wichtigsten Werke anzuführen.
Im Jahre 1522 veröffentlichte der Dominikaner _Bartholomäus Spina_
eine »_Abhandlung über die Hexen_« (Quaestio de strigibus), in der
er als Beweis für die Realität des Hexenglaubens die zahlreichen
Bestrafungen und Todesurteile anführt. Gäbe es keine Zauberei, dann
wären ja die Inquisitoren und die diese ernennende Kirche ungerecht,
was ja unmöglich wäre. Um nur einige Perlen aus diesem Buche
herauszufischen: Die Aussage der Hexen, daß sie _vom Teufel durch die
Luft entführt werden, ist durchaus glaubwürdig. Wenn trotzdem die
gleiche Hexe von andern schlafend gesehen werde, so erklärt sich das
daraus, daß ein Teufel ihre Gestalt angenommen hat._
Ein weiterer Beweis für die Wahrheit des Hexenglaubens ist seine
allgemeine Verbreitung. Diese aber geht aus der großen Menge von
Hexen hervor, die alljährlich von den Inquisitoren abgeurteilt werden!
Ein junges Mädchen, das in Bergamo wohnt, wurde -- wenigstens
berichtet Spina so -- plötzlich eines Nachts nackt im Bett einer
Verwandten in Venedig aufgefunden. Sie erzählte weinend folgendes:
Als ich diese Nacht wach wurde, sah ich meine Mutter, die mich
schlafend glaubte, aufstehen, ihr Hemd ausziehen und sich mit einer
Salbe salben; dann ergriff sie einen Stock, setzte sich rittlings
darauf und fuhr durch das Fenster. Ich stand auf, bestrich mich auch
mit der Salbe und fuhr dann auch hinaus und kam hier in dies Zimmer,
wo ich sah, daß meine Mutter ein Kind töten wollte. Als meine Mutter
mich sah und ich den Namen Jesu und Maria aussprach, verschwand sie
und ich blieb nackt zurück. Die Mutter hat dann auf der Folter dem
Inquisitor von Bergamo alles gestanden.
Die Hexen töten unzählige Kinder und bereiten aus ihren Leichen eine
Zaubersalbe. Gott läßt dies zur Strafe der Eltern zu, _weil diese es
vielleicht einige Male unterließen, die Kinder morgens und abends mit
dem Zeichen des Kreuzes zu zeichnen_!
Einer der berühmtesten Kanonisten des 16. Jahrhunderts, _Paulus
Grilandi_, Auditor des päpstlichen Generalvikars für die Stadt
Rom, ließ eine oft aufgelegte Schrift _Tractatus de sortilegiis_
erscheinen. Natürlich trug sie die Druckerlaubnis und zwar hier des
Magisters sacri apostolici Palatii, d. h. des unmittelbar unter dem
Papste stehenden Bücherzensors. Er behandelt den gleichen Blödsinn
wie die vorgenannten Bücher, führt aber als Novum an,. daß die
_Kirche die Lösung einer behexten Ehe_, d. h. einer, in der Mann oder
Weib verhindert sind, den Beischlaf auszuführen, _gestatte und daß
die Betreffenden eine andere Ehe eingehen können_.
Folgende erbauliche Geschichte findet sich in diesem geistreichen
Werke unter anderen ebenbürtigen. Mir hat ein geachteter und
gebildeter Mann erzählt: kurz vor seiner Heirat wurde er von einer
bekannten Hexe so behext, daß er in der Brautnacht und noch lange
nachher die Ehe nicht vollziehen konnte, obwohl er den fleischlichen
Akt früher sehr gut und mit größter Lust vollzogen hatte. Endlich
ließ er einen berühmten Schwarzkünstler aus dem Sabinergebirge
kommen, der gab ihm und seiner Frau einen Trank zu trinken. Auch
befahl er ihnen, sich in der nächsten Nacht mit dem Zeichen des
Kreuzes zu schützen, dann brauchten sie nicht zu fürchten, was
auch geschehe. Gegen 10 Uhr nachts entstand um das Haus herum ein
gewaltiges Unwetter mit Donner, Blitz und Erdbeben; dann drang
eine ganze Schar von Hexen, darunter das Weib eines Nachbarn, in
das Schlafzimmer und vollführte einen Höllenlärm. Der Bräutigam
sah alles, seine Braut deckte er aber mit den Bettdecken zu. Eine
halbe Stunde ungefähr dauerte der Lärm, dann trat plötzlich der
Schwarzkünstler ein und die Hexen verschwanden. Der Schwarzkünstler
rieb den Bräutigam an der Schulter und ging dann auch. Da fühlte der
Bräutigam allmählich eine Wärme seinen Körper durchströmen und er
konnte den ehelichen Akt vollziehen.
Im Jahre 1669 erschienen zu Lyon in der berühmten Druckerei von
Bourgeat mit königlichem Privileg drei starke Quartbände, die sich
ausschließlich mit Hexerei und Teufelei befassen. Der Gesamttitel
dieses Sammelwerkes, das ausschließlich von bedeutenden Theologen und
Kanonisten verfaßt ist, lautet: _Daemonastrix seu adversus Daemones
et Maleficos universi operis ad usum praesertim Exorcistarum_.
Es handelt sich also um ein Handbuch für Exorzisten. Eine dieser
Abhandlungen von Pater _Hieronymus Mengo_ »_Strick für den Teufel_«
(Fustis Daemonorum) betitelt, behandelt die Besessenheit: Die Teufel
verlassen den Menschen teils durch den Mund als Flamme, oder als
kalter Wind, teils durch die Ohren als Ameisen, teils durch den
After als Kot oder als Frösche oder Schlangen, teils als Blutstropfen
aus der Nase.
»Als ich im Jahre 1575 in Reims war, geschah folgendes: eine Witwe
war mit einer schweren Krankheit behext worden. Ich ging mit ihrem
Arzt zu ihr und wir fanden in ihrem Bett ein aus Federn gefertigtes
Bild in Menschengestalt; als das Bild verbrannt war, war die Frau
geheilt.« Die teuflischen Zaubermittel werden meistens in den Betten
versteckt. Ein gutes Mittel dagegen ist, in den vier Ecken des Bettes
Weihrauch, Myrrhe, geweihtes Salz, geweihte Oliven und geweihtes
Wachs niederzulegen.
Den Höhepunkt des Teufelwahns bilden neben dem »Hexenhammer«
die _Disquisitiones magicae_ des Jesuiten _Delrio_[8], eines
Theologieprofessors an den Universitäten von Graz und Salamanca.
Es umfaßt sechs Bücher auf über 1200 Druckseiten und trägt das
Imprimatur des Jesuitenordens, sowie je eines päpstlichen und
eines bischöflichen Zensors. Die Gutachten sind interessant genug,
um wiedergegeben zu werden. Das des _Oliverius Manaräus_, eines
der bedeutendsten Jesuiten des 16. und 17. Jahrhunderts vom 6.
Juli 1598 betont ausdrücklich, daß die »sechs Bücher zauberischer
Untersuchungen« durch das »Urteil gewichtiger und gelehrter
Theologen« (des Jesuitenordens) gutgeheißen werden.
Die beiden anderen, nicht jesuitischen Zensoren schreiben: »Die zwei
ersten Bücher der zauberischen Untersuchungen, verfaßt von Pater
Martin Delrio, Theologen der Gesellschaft Jesu, halte ich, da sie
_vielseitige Gelehrsamkeit und nichts dem katholischen Glauben
Widersprechendes_ enthalten, für wert, daß sie veröffentlicht
werden. Gegeben zu Löwen, am 8. Februar 1599. _Wilhelm Fabricius_,
Apostolischer und Königlicher Bücherzensor.«
Das andere lautet: »Die drei letzten Bücher der zauberischen
Untersuchungen, verfaßt vom gelehrten Pater Martin Delrio,
Priester der Gesellschaft Jesu halte ich wegen ihrer vielseitigen
Gelehrsamkeit und _wegen der Gediegenheit ihrer Lehre für sehr
nützlich_, besonders in unseren Zeiten. Ich halte dafür, daß sie _zum
großen Vorteil der Kirche_ veröffentlicht werden sollen. Gegeben zu
Antwerpen, am 1. April 1599. _Silvester Pardo_, Licentiat der hl.
Theologie, Domherr der Kathedralkirche und Bücherzensor.«
Das Buch tritt »wissenschaftlich« und »theologisch« im Namen Christi
und seines »Statthalters« für das fernere Abschlachten der »Hexen«
in einer Zeit ein, in der Denker und Forscher wie _Kopernikus_ ([+]
1543), _Kepler_ (1631), _Giordano Bruno_ ([+] 1600), _Montaigne_ ([+]
1592) und andere teils schon gewirkt hatten, teils noch wirkten. Die
_profane_ Wissenschaft, das ist zu betonen sehr wichtig, war also
keineswegs mehr im finsteren Aberglauben des Mittelalters befangen,
vielmehr waren es die Theologen, die diese Dummheit künstlich
aufrecht erhielten durch ihre »Wissenschaft« und das Beweismittel des
Scheiterhaufens.
Delrio ist der Ansicht, daß die Schwarzkunst ständige Begleiterin und
notwendige Folge der »Ketzerei« sei. In Deutschland sei ihr Bollwerk
das Luthertum, in Frankreich, England, Schottland und Belgien aber
sei die Hexerei durch den Kalvinismus rasch ausgebreitet worden.
Die Gründe dafür liegen nach Delrio klar zutage: »Die Teufel haben
in den Ketzern, wie einst in den Götzenbildern, ihre Wohnstätten;
aus den Götzenbildern sind sie vertrieben worden, so haben sie sich
in den Ketzern neue Wohnungen gesucht; auch die Teufel, die Christus
austrieb, fuhren in die Schweine. Wie die Pest der Hungersnot folgt,
so folgt die Hexerei der Ketzerei. Die Teufel bedienen sich der
Ketzer ähnlich wie schöner Huren, um die Menschen zu betrügen.«
Während das I. Buch von der Zauberei im allgemeinen handelt,
beleuchtet das zweite die teuflische Zauberei und ihre Wirksamkeit.
Ihre Grundlage ist der _Vertrag mit dem Teufel_. Daß dieser in
Wirklichkeit existiert, beweist Delrio aus der Übereinstimmung aller
Theologen alter und neuer Zeit.
Wir machen hier wiederum die gleiche Erfahrung: weil eine Dummheit
viele Verteidiger hat und sich Jahrhunderte in Kraft erhält, darum
ist sie keine Dummheit. Sie wird aber zur höchsten Weisheit, wenn
sich unter den für sie eintretenden Eideshelfern »Autoritäten«
befinden, oder wenn sie gar durch Bibel und Dogma gestützt wird.
Die feierliche Zeremonie des _Vertrages mit dem Teufel_ besteht,
nach Verleugnung des Glaubens und der Jungfrau Maria, darin, daß
der Teufel die Stirn der Vertragschließer mit seiner Kralle berührt
und sie auf seine Art tauft. Sie erhalten andere Namen; innerhalb
eines auf die Erde gezeichneten Kreises wird ein furchtbarer Eid
geschworen; man verspricht dem Teufel monatlich durch Blutaussagen
ein Kind zu töten; irgendeiner Stelle des Körpers, gewöhnlich
einer geheimen, drückt der Teufel ein Zeichen auf, wodurch dieser
Körperteil unempfindlich wird. Dann wird erzählt von Erregung
von Unwettern, Vernichtung von Viehherden, Hervorrufung von
Heuschreckenschwärmen durch ein teuflisches Pulver, das in die Luft
gestreut wird usw. »_Solche Geschehnisse sind alltäglich, ihre
Wahrheit wird bezeugt durch das Ansehen der Päpste und ihre Bullen
darüber; so die Bullen Innozenz VIII., Julius III., Hadrian VI._«
Auch Ungeheuer bringen die Teufel hervor. Es ist möglich, durch
Vermischung zwischen Mensch und Tier solche Unholde zu erzeugen.
Zehn Seiten widmet Delrio der Frage, ob sich die Teufel mit Menschen
fleischlich vermischen. Die Tatsache bezweifelt er natürlich nicht:
»Es ist dies die gemeinsame Ansicht der h. Väter, der Theologen und
Philosophen, durch die Erfahrung vieler Jahrhunderte bestätigt. Von
_dieser Ansicht abzuweichen, ist ein Zeichen von Starrköpfigkeit und
Verwegenheit_.«
Aus dem geschlechtlichen Umgang zwischen Mensch und Teufel kann
Nachkommenschaft entstehen. Die Schwierigkeit der Erklärung dieser
Tatsache wird behoben, wenn man sich klar macht, daß der Teufel
zwar keinen eigenen Samen hat, wohl aber ihn sich von einem Manne
verschaffen kann. Weil er nun sehr rasch und geschickt ist, so
kann er dem Samen die nötige Wärme erhalten und ihn im geeigneten
Augenblick dem Weibe eingießen. Vater des entstehenden Kindes ist
dann aber nicht der Teufel, sondern der Mann, der den Samen lieferte.
Die Hexen gestehen, daß der Samen, den ihnen der Teufel eingießt,
kalt sei und kein Lustgefühl hervorrufe.
Ketzer, wie _Luther_ und _Melanchthon_ behaupten, daß die
Hexenfahrten nicht wirklich, sondern nur eingebildet seien.
_Die wahre Ansicht ist aber, daß die Hexen auf Ziegenböcken
oder Besenstielen zu ihren Zusammenkünften reiten._ Bei den
Hexenzusammenkünften tanzt jeder Teufel mit dem ihm anvertrauten
Weibe, und zwar lehnen die Tanzenden ihre Rücken gegeneinander. Nach
dem Tanze wird Unzucht getrieben. »Wer behauptet, diese Dinge seien
Träume und Phantasien, _verfehlt sich zweifellos gegen die Ehrfurcht,
die wir unserer Mutter, der Kirche, schulden_. Denn die katholische
Kirche bestraft keine Verbrechen, außer sie seien gewiß und offenbar,
noch auch erklärt sie jemand für einen Ketzer, der nicht wirklich
in Ketzerei verstrickt ist. Seit vielen Jahren hält aber die Kirche
die Hexen für Ketzer und befiehlt, sie durch die Inquisitoren zu
bestrafen und dem weltlichen Arm zu übergeben. _Also entweder irrt
die Kirche, oder ihre Gegner. Wer aber behaupten wollte, die Kirche
irre in einer zum Glauben gehörigen Sache, der sei verflucht._«
Das zweite Buch behandelt dann weiterhin die _Verwandlung der Hexen
mit teuflischer Hilfe in Katzen_, ob die Teufel bewirken können,
daß die Seelen Abgestorbener den Lebenden erscheinen, über die
Gespenster, von denen achtzehn verschiedene Arten unterschieden
werden und führt endlich eine Fülle »Beweismaterial« an, eine
Blütenlese von Blödsinn.
Das III. Buch, das u. a. ausführlich vom Liebeszauber handelt,
enthält folgende schöne Geschichte, die sich »kürzlich« in Flandern,
an einem Ort und in einem Orden, die Delrio _bekannt_ sind, die er
aber beide -- wohl aus Schonung -- verschweigt, zutrug: Drei Mönche
eines Klosters lebten sehr ausschweifend. Eines Abends zechten sie
lange, als sie nun endlich genug hatten, sagte der eine: Gott sei
gedankt! Der andere aber sagte: Dem Teufel sei gedankt! Dann legten
sie sich jeder mit einem Mädchen zu Bett. Plötzlich geht die Tür auf
und ein Teufel in Gestalt eines Jägers von schrecklichem Äußeren
kommt herein, begleitet von zwei anderen Teufeln in Gestalt von
Köchen. Mit furchtbarer Stimme fragte er: wo ist der, der mir gedankt
hat? Er zieht den zu Tode Erschrockenen aus dem Bett und befiehlt
seinen Begleitern ihn am Feuer zu rösten. Das geschieht und das
Zimmer wird mit dem Gestank des verbrannten Menschenfleisches erfüllt.
Während das IV. Buch über Wahrsagerei handelt, erörtert Delrio im V.
die _Obliegenheiten des Richters_ und das _Prozeßverfahren den Hexen
gegenüber_.
Die brutale Grausamkeit des Verfahrens, das fast ausnahmslos
mit dem Tode auf dem Scheiterhaufen endete -- die Bußfertigen
wurden vorher erdrosselt -- gehört nicht hierher, wohl aber die
theoretische Begründung: _Wer die Schandtaten der Hexen, besonders
ihre nächtlichen Zusammenkünfte, leugnet, huldigt dem Atheismus und
widersetzt sich der Kirche. Denn das Haupt der Kirche, ihre Zunge
und ihr Mund ist der Papst. Viele römische Päpste haben aber die
Inquisitoren ermahnt, eifrig und streng gegen die Hexen vorzugehen
und diese Pest auszurotten. Offen bekennen die Päpste, daß sie
die Verbrechen der Hexen nicht für Wahnvorstellungen, sondern für
tatsächliche Schandtaten halten._
Das geht nach Delrio nicht nur aus den päpstlichen Bullen hervor,
sondern auch aus dem übereinstimmenden Urteil aller kirchlichen
Gerichtshöfe in Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland. Da die
Kirche definiert hat, Hexen seien als wirkliche Verbrecherinnen zu
bestrafen, so kann kein weltlicher Richter dieses Urteil aufheben
und sagen, eine Hexe, die sich als solche bekannt habe, habe sich
getäuscht, _sondern er hat sie einfach zu verurteilen. Die Kirche,
welche die Säule der Wahrheit ist, und der römische Papst, der die
Zunge und der Mund der Kirche ist, und auf dem das Versprechen ruht:
dein Glaube wird nicht wanken, erklären sich für die Tatsächlichkeit
der von den Hexen begangenen Verbrechen._
Das VI. und letzte Buch handelt vom Amte und Pflichten des
_Beichtvaters_ bei den Hexenprozessen. Seine Aufgabe ist es, sich
genau über den Teufelsvertrag zu erkundigen. Da kann er dann
allerdings mancherlei erfahren: Ein junges Mädchen hat im Jahre 1594
in Südfrankreich ausgesagt: sie sei früh von einem Italiener verführt
worden. Ihr Verführer habe sie am Vorabend des Festes Johannis des
Täufers zur Mitternachtszeit auf das Feld geführt, dort habe er mit
einem Stabe einen Kreis gezogen und gewisse Worte aus einem schwarzen
Buche gelesen. Da sei plötzlich ein großer schwarzer Ziegenbock
erschienen, der gefragt habe, was sie hier wolle. Ihr Verführer
habe geantwortet, sie wolle sich seinen Getreuen anschließen. Darauf
mußte sie den Ziegenbock unter den Schwanz küssen. Später führte
sie der Bock in ein benachbartes Gebüsch und vermischte sich mit
ihr geschlechtlich. Bei diesem Akt habe sie keine Lust, sondern nur
Schrecken gefühlt; die Samenergießung des Bocks habe in ihr eine
eisige Empfindung erregt. Auch eine Messe sei in Gegenwart des Bocks
gelesen worden. _Über solche Einzelheiten des Verkehrs mit dem Teufel
sind die Hexen vom Beichtvater zu befragen!_
Es erfordert schon eine alles Menschliche übersteigende Portion von
Verblendung nicht einzusehen, daß die Antworten durch Suggestion
und Folter aus den Hexen herausgeholt wurden, nachdem die frommen
Glaubensrichter den in ihrem eigenen Gehirn brodelnden Blödsinn _in
die armen Opfer hineingelegt hatten_. Aber jahrhundertelang wollten
die Inquisitoren und mit ihnen ihre Auftraggeberin, die Kirche, das
nicht einsehen, sondern nahmen alles, was den armen Opfern erpreßt
wurde, für bare Münze. Widerriefen aber die »Hexen« in den kurzen
Zwischenpausen der Folter, dann war ihnen das nur ein erneuter Beweis
für ihre Halsstarrigkeit und ihre Verbindung mit dem Satan!
Als Mittel gegen gewisse Zaubereien werden empfohlen: das
vierblätterige Kleeblatt, das Blut eines schwarzen Hundes, das rechte
Auge eines Wolfes, das Herz eines Hasen. Der Magnetstein versöhnt
Mann und Weib usw. Ein natürliches Mittel gegen das durch Zauberei
bewirkte geschlechtliche Unvermögen der Ehegatten ist nach Delrio:
sie sollen vor dem Schlafengehen im Schlafzimmer die Galle eines
Fisches auf glühenden Kohlen verbrennen.
In der Abhandlung »_von den kirchlichen Heilmitteln gegen Behexung_«
entwickelt Delrio, daß sie von Christus, den Aposteln und ihren
Nachfolgern eingesetzt seien, den Teufel peinigten und häufig zum
Bekenntnis der Wahrheit zwängen. In der Jesuitenmission von Peru
wollte sich ein Indianer taufen lassen. Teufel in Gestalt von Vögeln
und niederfallenden Steinen hinderten ihn daran, ja noch in der
Kirche zeigten sich Teufel auf dem Kopfe stehend, die Beine in der
Luft und schreckliche Huhurufe ausstoßend. Als aber die Messe anfing,
hörte das alles auf und nach der Taufe war der Indianer von den
teuflischen Anfechtungen ganz befreit. Solche »wahre« Geschichten
werden in Fülle mitgeteilt.
Der Bischof von Brescia, _Guido von Lacha_, war im Rufe der
Heiligkeit gestorben. Die päpstlichen Inquisitoren erkannten aber
aus gewissen Anzeichen, daß er ein Ketzer gewesen sei. Daher ließen
sie, überfließend vom Geiste wahren Christentums und treu den
Gepflogenheiten ihrer Kirche, _den Leichnam ausgraben, um ihn zu
verbrennen_. Aber vom Scheiterhaufen weg hoben die Teufel -- die
jedoch niemand sehen konnte -- den Körper in die Luft, so daß das
Volk dies als ein Zeichen der Heiligkeit des Verstorbenen auffaßte.
Doch die Inquisitoren ließen sich nicht beirren. Man ließt die Messe
zu Ehren der hl. Jungfrau. Bis zur Wandlung schwebt der Leichnam noch
immer in der Luft, da rufen plötzlich die Teufel: O Guido von Lacha,
solange haben wir dich verteidigen können, jetzt ist ein Stärkerer
da als wir. Und sogleich fiel der Körper auf den Scheiterhaufen
zurück und verbrannte ohne weitere Schwierigkeiten.
Zum Schlusse wollen wir noch eine dieser erbaulichen Geschichten
anführen: Im Jesuitenkollegium zu Graz trug sich folgendes zu: Am 22.
März 1600 kam dorthin ein 22jähriger Jüngling, um einem der Patres zu
gestehen, er habe sich vertraglich dem Teufel ergeben. Da er aber den
Vertrag nicht gehalten habe, sei es ihm schlecht ergangen. Der Teufel
erschien ihm darauf in Breslau wieder und versprach ihm 12 Jahre des
größten Genusses, wenn er sich nach Ablauf dieser Zeit ihm mit Leib
und Seele ergeben wolle. Der Jüngling schrieb darauf den Vertrag mit
seinem eigenen Blut, das der Teufel ihm aus den Fingerspitzen preßte.
Später erneuerte er den Vertrag wieder. Der Teufel schärfte dem
Jüngling ein, besonders nie zu den Jesuiten zu gehen und schalt ihn,
als er es doch getan hatte. Er versprach ihm sogar ein Buch, in dem
die Namen aller Teufel eingetragen seien und die Art, jeden einzelnen
herbeizurufen. Vom April bis Mitte Juni dauert nun der schreckliche
Kampf der Jesuiten gegen den Teufel um den Jüngling, ein Kampf, in
dem Erscheinungen und greuliche Unwetter miteinander abwechselten.
Schließlich siegen aber die Jesuiten doch. Auf Befehl des _Erzherzogs
Ferdinand_, nachmaligen Kaiser Ferdinand II. und des _Bischofs von
Sekau_, wird am 18. Juni über die ganze Geschichte eine _Predigt_
gehalten und der mit Blut geschriebene Teufelsvertrag öffentlich in
der Jesuitenkirche verbrannt.
Ein andermal zwingt Maria auf eindringliche Gebete des Bekehrten hin,
dem Teufel einen solchen Vertrag wieder auszuliefern. Er erscheint in
schrecklicher Gestalt und tut es unter Fluchen und Heulen.
Recht instruktiv ist das lange Kapitel, in dem Delrio _gegen
die Gegner des Hexen- und Teufelsglaubens_ vom Leder zieht. Wir
erfahren daraus, daß es zumeist »anmaßende« Ärzte, Philologen und
streitsüchtige Rechtsverdreher sind, die von Theologie keine Ahnung
haben und lügen, wenn sie den Eifer der katholischen Kirche nach
dieser Richtung hin bekritteln. Stützt sich doch dieser Eifer auf
Gottes Gebot und auf das Wort des Apostels. Sie lügen, wenn sie die
kirchlichen Exorzismen abergläubisch nennen.
Der Wert dieser Konstatierung liegt in der einwandfreien
Feststellung, daß auch hier nicht etwa Fachkreise aus sich heraus
eine verhängnisvolle Dummheit ablegten, sondern daß _Outsider,
Naturforscher und Denker, nötig waren, einen Irrwahn zu beseitigen,
der sich ohne diese Hilfe von außen in alter Kraft bis heute erhalten
hätte_. Ist es doch eine Tatsache, daß Delrios Werk nicht minder
als das von Institoris und Sprenger, das eine drei, das andere vier
Jahrhunderte in Geltung sein konnten, in ungezählten Auf lagen neu
gedruckt wurden -- Delrio erlebte deren zwanzig -- _ohne daß die
»heilige apostolische, katholische und römische Kirche« auch nur ein
Wort des Tadels gefunden hätte_.
IV. Kapitel
Der Kampf um die religiöse Dummheit