Daß dieser Wahn praktisch die übelsten Folgen haben konnte, lehrt

das Beispiel des _Magister Gerardi_, Bischofs von Cahors. Weil er

auf diese Weise dem Papst nach dem Leben getrachtet haben soll,

wird er nach Avignon zitiert, für schuldig befunden, degradiert und

_verbrannt_. Es ist kein Wunder, daß mancher es versuchte, seinen

Gegner auf so einfache Weise zu beseitigen und verschiedene derartige

Fälle sind aus der politischen Geschichte bekannt. Sicherlich muß

die böse Absicht scharf bestraft werden. Sie wäre so schwer zu

beurteilen, wie etwa ein Mordanschlag mit einem Revolver, dessen

Patrone ohne Wissen des Attentäters entfernt wurde. Wir können es

daher dem Papst gewiß nicht verübeln, daß er ein strenges Gericht

hielt, denn wenn der Bischof Gerardi wirklich solche Absicht gehegt

hatte, war er ein Verbrecher. Wohl aber nehmen wir mit Befremden

Kenntnis vom Irrwahn des Hauptes der Christenheit.

In einer Bulle vom 4. November 1330 spricht _Innozenz_ XXII. von

_schriftlichen Verträgen mit dem Teufel_, von Teufelsanbetung,

sowie von Zauberbildern, durch die der Teufel herbeigerufen werden

könne. Auf dem gleichen Standpunkt steht auch _Eugen_ IV. in einem

Rundschreiben an die Inquisitoren vom Jahre 1437.

Mittelalter! wird man sagen. Gut.

Statt nun aber eine Abnahme des Wahnes zu beobachten, müssen wir

dessen _Steigerung_ konstatieren, ja einem _Innozenz_ VIII. --

welcher Hohn liegt in diesem Namen! -- blieb es vorbehalten, in

den religiösen Teufelsspuk auch noch das _geschlechtliche Moment_

einzuflechten und damit an Blödsinn und Ekelhaftigkeit etwas zu

erzeugen, was länger fortleben sollte, als seine 16 unehelichen

Kinder[1].

Im Jahre 1484 erschien die Hexenbulle, also zu einer Zeit, als

Leonardo da Vinci und Regiomontanus wirkten, Kopernikus schon geboren

war.

Die Hexenbulle (Summis desiderantes), eines der fluchwürdigsten

Erzeugnisse der Menschheitsgeschichte, lautet:

»Mit glühendem Verlangen, wie es die oberhirtliche Sorge erfordert,

wünschen wir, daß der katholische Glaube wachse und die ketzerische

Bosheit ausgerottet werde. Deshalb verordnen wir gerne und aufs

neue, was diese unsere Wünsche zum ersehnten Ziele bringt. Nicht

ohne ungeheuren Schmerz ist jüngst zu unserer Kenntnis gekommen, daß

in einigen Teilen Deutschlands, besonders in der Mainzer, Kölner,

Trierer, Salzburger und Bremer Gegend sehr viele Personen beiderlei

Geschlechts, uneingedenk ihres eigenen Heils und abirrend vom

katholischen Glauben, sich _mit Teufeln in Manns- oder Weibsgestalt_

(cum daemonibus incubis et succubis), _geschlechtlich versündigen

und mit ihren Bezauberungen, Liedern, Beschwörungen und anderm

abscheulichen Aberglauben und zauberischen Ausschreitungen, Lastern

und Verbrechen die Niederkünfte der Weiber, die Leibesfrucht der

Tiere, die Früchte der Erde, die Weintrauben und die Baumfrüchte,

wie auch die Männer, die Frauen, die Haustiere und andere Arten

von Tieren, auch die Weinberge, die Obstgärten, die Wiesen, die

Weiden, das Getreide und andere Erdfrüchte verderben und umkommen

machen, auch peinigen sie die Männer, die Weiber, die Zug-, Last-

und Haustiere mit fürchterlichen inneren und äußeren Schmerzen und

verhindern die Männer, daß sie zeugen, die Weiber, daß sie gebären,

und die Männer, daß sie den Weibern, und die Weiber, daß sie den

Männern die eheliche Pflicht leisten können_. Auch verleugnen sie

den Glauben, den sie in der Taufe empfangen haben, mit meineidigem

Munde. Ferner begehen sie überaus viele schändliche Verbrechen,

Sünden und Laster auf Anstiften des Feindes des Menschengeschlechtes,

zum Schaden ihrer Seelen, zur Beleidigung der göttlichen Majestät,

zum Ärgernis vieler. Und das geschieht, obwohl unsere geliebten

Söhne, _Heinrich Institoris_ für die obengenannten Teile Deutschlands

und _Jakob Sprenger_ für gewisse Striche am Rhein, beide Mitglieder

des Predigerordens und Professoren der Theologie, durch apostolische

Briefe zu Inquisitoren bestellt worden sind und noch sind. Dennoch

scheuen sich einige Geistliche und Laien jener Länder nicht, da sie

mehr verstehen wollen, als nötig ist, halsstarrig zu behaupten, weil

in den Bestallungsbriefen (dieser Inquisitoren) einige Diözesen,

Städte und Orte, auch einige Personen und ihre Ausschweifungen und

Laster nicht namentlich genannt sind, diese auch nicht inbegriffen

seien, so daß diese Städte und Orte den genannten Inquisitoren

auch nicht unterständen, so daß sie dort ihr Amt nicht ausüben

und dort ihre Strafen nicht verhängen könnten. So bleiben denn

zum augenfälligen Schaden der Seelen und _zur Gefahr des ewigen

Seelenheils_ in diesen Gegenden solche Verbrechen straflos. Wir aber,

indem wir alle und jede Hindernisse, durch welche die Ausübung des

Inquisitorenamtes auf irgendeine Weise verzögert werden könnte, aus

dem Wege räumen, damit die Seuche der Ketzerei und anderer solcher

Verbrechen ihr Gift zum Verderben der Unschuldigen nicht ausbreiten

könne, wollen, wie es unser Amt erfordert, taugliche Hilfsmittel

anwenden, _da der Glaubenseifer uns dazu antreibt_. Damit sich nun

nicht ereigne, daß die obengenannten Länder ohne das notwendige

Inquisitionsamt seien, so setzen wir aus apostolischer Vollmacht

fest, daß den genannten Inquisitoren gestattet sei, ihr Amt dort

auszuüben, und daß sie die Bestrafung dieser Verbrechen vornehmen

können, als ob diese Länder, Städte, Orte namentlich aufgeführt

wären. Und indem wir aus größerer Sorgfalt diese Bestallung auf die

genannten Länder ausdehnen, gestatten wir den genannten Inquisitoren,

daß sie und jeder von ihnen, unter Zuziehung unseres geliebten

Sohnes _Johann Gremper_, Magister aus der Konstanzer Diözese, in

den genannten Länderstrichen Alle, die sie der genannten Verbrechen

schuldig befunden haben, nach ihren Verbrechen züchtigen, einkerkern

und am Leib und Vermögen strafen können; auch gewähren wir diesen

Inquisitoren freie Vollmacht in allen Kirchen, sooft es ihnen gut

scheint, das Wort Gottes zu predigen und Alles und Jedes, was

dazu nützlich erscheint, zu tun. Wir befahlen durch apostolische

Schreiben dem Bischof von Straßburg, daß er, sooft er von diesen

Inquisitoren ersucht wird, es öffentlich kund tun soll, daß sie in

nichts und von niemand beeinträchtigt und gehindert werden. Alle

aber, die sie hindern, weß Amtes sie auch seien, sollen von ihm

durch Exkommunikation, Suspension und Interdikt und andere noch

schrecklichere Strafen, ohne jede Berufung, gebändigt werden, und,

wenn nötig, soll gegen sie der weltliche Arm angerufen werden:

Keinem Menschen soll es erlaubt sein, dies unser Schriftstück zu

verletzen oder in frevelhaftem Wagnis diesem entgegen zu handeln.

Wenn aber jemand dies versuchen sollte, so wisse er, daß er den

_Zorn des allmächtigen Gottes und der Apostel Petrus und Paulus

auf sich geladen hat_. Gegeben zu Rom bei St. Peter, im Jahre der

Menschwerdung des Herrn 1484, im ersten unseres Pontifikats am 5.

Dezember«[2].

Dieses Schriftstück hat in seinen Konsequenzen wohl mehr Kummer und

Not über die Christenheit gebracht, als irgend ein Krieg oder die

schlimmste Seuche.

Deutlich geht aus ihm hervor, daß man mit der Inquisition mancherorts

keineswegs einverstanden war, _daß sich also bereits im Volke Kräfte

regten, die diesen Unsinn abschütteln wollten und daß der Papst es

war, der mit seiner ungeheuren Autorität für diese Dummheit eintreten

mußte um zu verhüten, daß die Vernunft damals schon siegte_.

Übrigens war die Erfindung des Mann-Teufels und Weib-Teufels schon

dem grüblerischen Geiste des gefeierten und für seine Zeit auch

gewiß feiernswerten _Thomas von Aquino_ gelungen. Daß das Papsttum

für diese Ausgeburt einer verderbten mönchischen Phantasie die volle

Verantwortung übernahm, geht klar aus obiger Bulle hervor.

Doch fortzeugend sollte sie Böses stiften, praktisch und theoretisch.

Wir können auf eine Schilderung der Greuel des Hexenprozesses, der

unermeßlichen Leiden, die dieser Wahn über die Menschheit brachte,

umso eher hier verzichten, als wir an anderer Stelle[3] die Materie

eingehend behandelten. Zudem war die Art der Verfolgung nichts

weniger als dumm, sondern im Gegenteil sehr raffiniert. Dumm waren

die Voraussetzungen, die zur Hexenverfolgung führten, brutal und

jeder Menschlichkeit Hohn sprechend aber die Art der Durchführung.

Wenden wir uns nunmehr der theoretischen Ausbildung zu, die diese

Lehre unter dem mächtigen Schutz des Papsttums finden sollte.

_Institoris_ und _Sprenger_, »unsere geliebten Söhne«, wie sie der

Papst nennt, die fluchwürdigsten Scheusale und wahnwitzigsten Narren,

wie wir sie heißen möchten, haben ihre Namen für ewige Zeiten mit der

Teufels- und Hexenlehre unlöslich verbunden. Gegen sie müssen ein

Dschingis Chan, ein Timur, ein Alba und Caligula geradezu harmlos

genannt werden, hörte doch mit deren Tode auch ihr Treiben auf,

während dem »Hexenhammer« der Hydra gleich stets neue Köpfe wuchsen.

Die beiden Dominikanermönche könnten selbst uns zum Teufelsglauben

bekehren. Denn die Hochachtung vor der Menschheit sträubt sich

gegen die Annahme, daß ohne höllische Einflüsse ein Werk wie ihr

»_Hexenhammer_« (Malleus maleficarum) das Licht des Tages erblicken

konnte. Fast alles, was seit Erscheinen dieses wahrhaft teuflischen

Buches über die Materie geäußert wurde, geht direkt oder indirekt auf

diese Quelle zurück. Seiner verpestenden Wirkung können sich selbst

Geister wie _Pico della Mirandola_, der in seiner Rede von der Würde

des Menschen so wundervolle Gedanken entwickelt[4], nicht entziehen.

Der Dichter _Fischart_, ein Protestant, gibt das Buch neu heraus,

_Albrecht Dürer_ und _Hans Baldung Grien_ widmen ihre unsterbliche

Kunst diesem Vorstellungskreise. Noch auf den bayerischen Kodex

Maximilianeus von 1751 erstreckt sich die unheilvolle Wirkung dieses

grausigen Werkes.

Betrachten wir den Inhalt, wie ihn Hoensbroech in bisher nicht

erreichter Vollständigkeit übermittelt[5].

Das Buch bejaht die Frage, daß es eine Schwarzkunst gibt, und der

Teufel mit dem Schwarzkünstler zusammen wirke. Daß es sich nicht um

Einbildung handelt, beweist nach der Ansicht der Verfasser die Bulle

Summis desiderantes. Hier ist also mit wünschenswerter Deutlichkeit

der Papst, der ja auch das Werk selbst approbierte, als Quelle und

Eideshelfer angeführt.

Die dritte Frage lautet: _Können durch Inkubi und Sukkubi Menschen

erzeugt werden?_ Hierbei ist erklärend zu bemerken, daß die Daemones

incubi in der bis heute gültigen katholischen Terminologie jene

Teufel sind, die sich in menschlicher Gestalt mit anderen Menschen

fleischlich vergehen, indem sie als Männer mit Frauen (»Drauflieger«)

Unzucht treiben, während die succubi beim Geschlechtsakt die

weibliche Rolle spielen.

Natürlich wird die Frage bejaht. »Die Behauptung, durch Inkubi und

Sukkubi können Menschen erzeugt werden, ist _so katholisch, daß ihre

Leugnung den Aussprüchen der Heiligen, der Überlieferung und der

hl. Schrift widerstreitet_«. Und zwar übt der Teufel nicht um der

fleischlichen Ergötzung willen die Unzucht aus, sondern um dadurch

die menschliche Natur in ihren beiden Bestandteilen, Mann und

Weib, am schwersten zu schädigen. Der _hl. Thomas_ lehrt, daß der

männliche Teufel (incubus) unter Gottes Zulassung den nötigen Samen

von einem Manne entnehmen kann, um ihn im Beischlaf zu übertragen!

Gewisse Teufel schrecken wegen der Vornehmheit ihrer Natur vor

gewissen unzüchtigen Handlungen zurück! Vielmehr werden diese von den

untersten Teufeln ausgeführt. Genealogisch gehen diese Teufel auf die

untersten Engel zurück. Der oberste Teufel heißt _Asmodeus_.

In der sechsten Frage, warum die Schwarzkunst bei den Frauen

verbreiteter sei als bei den Männern, wozu bemerkt wird, daß sich

_dieser Gegenstand gut für Predigten an die Frauen eignet_, wird über

die Frauen folgendes Urteil gefällt: »_Was ist denn auch das Weib

anders, als eine Vernichtung der Freundschaft, eine unentfliehbare

Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Versuchung, ein

begehrenswertes Unheil, eine häusliche Gefahr, ein reizvoller

Schädling, ein Naturübel mit schöner Farbe bestrichen?_«

Wurde je niedriger über das Weib geurteilt, als hier von einer

durch die höchste kirchliche Autorität sowie die Approbation der

theologischen Fakultät in Köln gestützten Stelle?

Auf den Blödsinn, der hier über die Minderwertigkeit der Frauen

vorgebracht wird, näher einzugehen, verlohnt sich nicht. Um aber

das Niveau der Beweisführung zu kennzeichnen, sei nur folgender

ethymologischer Scherz angeführt: Das Wort Femina (Frau) ist aus fe

(fides, Glaube, Treue) und minus (weniger) zusammengesetzt, denn

das Weib hat stets weniger Glauben und wahrt weniger die Treue, als

der Mann! Solche Ethymologien finden sich im »Hexenhammer« noch

mehrere. So versichern die Verfasser an anderer Stelle (p. 65), daß

maleficiendo aus male de fide sentiendo herzuleiten sei. Das beweist

natürlich die Synonymik bzw. Idendität des Mannes, der über den

Glauben schlecht urteilt, des Ketzers, mit dem Übeltäter schlechthin!

Es wird dann weiter gefragt und bejaht, daß die Schwarzkünstler

Menschen zu Liebe oder Haß bewegen können, daß sie den ehelichen Akt

verhindern, die Kriterien werden untersucht, aus denen zu entnehmen

ist, ob das geschlechtliche Unvermögen auf Schwarzkunst oder

natürlichen Mangel zurückzuführen ist.

Die neunte Frage: Können Hexen das männliche Glied durch Zauberei so

behandeln, als sei es vom Leibe getrennt? sei auch als Schulbeispiel

der Dummheit in ihrer Beantwortung mitgeteilt: Die Hexen können in

Wirklichkeit und Wahrheit das männliche Glied vom Körper trennen.

Dafür lautet ein Beweis: Die Verwandlung der Frau des Loth in eine

Salzsäule ist mehr, als die Trennung des männlichen Gliedes vom

Körper. Nun ist aber jene wirklich geschehen, also kann auch diese

geschehen. Aber diese wirkliche Trennung ist doch nur subjektiv

wirklich, nicht objektiv, d. h. das Glied bleibt am Körper, aber für

die Sinne (Auge, Hände) ist es nicht mehr vorhanden. Durch Zauberei

kann ein flacher, fleischfarbener Körper vorgeschoben werden, der

für Hand und Auge nur mehr eine Fläche darstellt, ohne Unterbrechung

durch das männliche Glied.

Ferner wird konstatiert, daß die Hexen Menschen in Tierleiber

verwandeln können, daß schwarzkünstlerische Hebammen häufig die

Kinder im Mutterleibe töten, Fehlgeburten verursachen und neugeborene

Kinder dem Teufel opfern.

Ein päpstlicher Inquisitor von Como hat aus diesem Grunde -- in einer

nächtlichen Hexenversammlung soll ein Kind aufgegessen worden sein --

im Jahre 1487 _einundvierzig Hexen verbrennen lassen_.

Diese Proben des theoretischen Teiles dürften wohl genügen. Nunmehr

wollen wir noch einige Beispiele aus dem zweiten Teil des Werkes, in

dem die Äußerungen der Hexerei niedergelegt sind, anführen.

Zunächst wird die Frage beantwortet, wem der Zauberer nicht schaden

kann, und dabei auf Weihwasser, geweihte Kerzen und geweihte

Kräuter, die man verbrennt, als Abwehrmittel verwiesen. Als jemand

in Ravensburg von einem Teufel in Weibsgestalt zur Unzucht angereizt

wurde, fiel ihm ein, in der Predigt gehört zu haben, daß geweihtes

Salz ein gutes Mittel dagegen sei. So nahm er denn beim Eintritt

in die Kammer von dem Salz; das vermeintliche Weib verzerrte das

Gesicht und verschwand plötzlich. Ferner werden die Worte der

Kreuzesaufschrift Christi an den vier Wänden in Form eines Kreuzes

angebracht, empfohlen. Äußerst wirksam ist der _Schutz himmlischer

Geister, die den Gestirnen die Bewegung verleihen_. Das bewährt

sich besonders bei Behexung der Zeugungsfähigkeit. So kam einst ein

Engel zum hl. Serenus, öffnete ihm den Leib und entfernte aus seinen

Eingeweiden ein feuriges Stück Fleisch. Dadurch erlangte der Heilige

eine solche Keuschheit, daß er niemals mehr irgendwelche sinnliche

Regungen, wie sie selbst bei Kindern und Säuglingen vorkommen,

verspürte.

Im I. Hauptstück wird von den Arten erzählt, durch welche die Teufel

Unvorsichtige mittels Behexungen zur Gottlosigkeit verleiten, im

II. von der Hexerei als Beruf. Es gibt drei Arten von Hexen: einige

erregen Hagel, Gewitter, Stürme; bewirken Unfruchtbarkeit bei

Menschen und Tieren; verzehren Kinder und opfern sie dem Teufel;

machen Pferde scheu; fliegen körperlich durch die Luft; töten durch

bloßen Blick. _Allen drei Arten von Hexen ist gemeinsam, daß sie mit

dem Teufel Unzucht treiben._

Die Hexen weihen sich entweder auf feierliche Art dem Teufel, indem

sie ihm, der in Menschengestalt erscheint, Treue in die Hand geloben,

oder auf unfeierliche Art. Sie sehen es besonders auf _ungetaufte

Kinder ab, aus deren Fleisch und Knochen sie eine Salbe bereiten, aus

den flüssigeren Bestandteilen aber ein Getränk_. Wer es trinkt, ist

sofort ein Meister in der teuflischen Kunst. Bei dieser Gelegenheit

verraten die Herren Inquisitoren so ganz nebenbei, daß alle, die

sie einäschern ließen, in bezug auf die Schwarzkunst _unfreiwillig_

waren! Da die »Hexen« unter der Folter natürlich aussagten, was man

ihnen in den Mund legte, so gibt es keine Zeile dieses Buches, die

nicht durch eidliche Aussagen der armen Opfer erhärtet wäre. Z. B.

gestand eine Hexe, die dann natürlich, wie _alle ohne Ausnahme,

eingeäschert_ wurde, sie habe sechs Jahre mit dem Teufel Unzucht

getrieben und zwar im Bett und an der Seite ihres Mannes.

Das III. Hauptstück führt aus, wie die _Hexen von Ort zu Ort

geführt werden_. Bald tut das der Teufel in eigener Person, jedoch

in Pferdegestalt. Auch das wurde natürlich gesehen. Bald geschieht

es auf einem Stück Holz, das mit der aus Kindern gewonnenen Salbe

bestrichen wird.

Das IV. Hauptstück handelt von der Art, _in der sich die Hexen den

Teufeln in Mannsgestalt hingeben_. Die Teufel bedienen sich dabei

eines Leibes aus Luft, den sie durch Dämpfe verdichten. Mit diesem

Körper können sie sprechen, sehen, hören, essen und zeugen. Die durch

den Beischlaf mit dem Teufel Gezeugten sind sehr stark und kräftig.

Die Sache geht so vor sich: Ein Teufel in Weibsgestalt (succubus),

der sich mit einem Manne abgegeben hat, nimmt den Samen von diesem

Manne auf, er macht sich dann mit diesem Samen einem Weibe gegenüber

zu einem Teufel in Mannsgestalt (incubus). Die Hexe ist entweder alt

und unfruchtbar oder nicht. Im ersteren Falle gibt sich der Teufel

mit ihr ohne männlichen Samen ab; denn auch der Teufel vermeidet

Überflüssigkeiten. Ist sie aber der Schwangerschaft fähig, dann

vermischt er sich mit ihr, wenn er irgendwoher männlichen Samen

erhalten kann, zum Zwecke der Kindererzeugung. Gewiß ist, daß eine

Ehefrau, wenn sie Hexe ist, und durch ihren Mann schwanger wird,

ihre Schwangerschaft verstärken kann durch anderen Samen, den sie im

Beischlaf mit dem Teufel erhält. Bei solchen Vermischungsakten sind

die Hexen zwar immer sichtbar, die Erfahrung der Verfasser hat aber

ergeben, daß die Teufel es nicht immer sind.

Das V. Hauptstück handelt von der _Art, wie die Hexen ihre Künste

durch die Sakramente der Kirche ausüben_, das VI. von der _Art, wie

sie die Zeugungsfähigkeit_ hindern, das VII. _wie die Hexen das

männliche Glied entfernen_.

Wo gibt es eine gleich höllische Ausgeburt von haarsträubendstem

Blödsinn und abstoßendster ekelhaftester Schweinerei?

Ein Jüngling hatte sein Glied durch Zauberei verloren, »_da ich es

nicht glauben wollte, entblößte er sich, so daß ich die Wahrheit

seiner Aussage sah_. Er hatte eine Hexe in Worms in Verdacht. Ich

trug ihm auf, zu ihr zu gehen. Nach einigen Tagen kam er wieder

zurück, und _ich überzeugte mich durch den Augenschein, daß er sein

Glied wieder hatte_. Die Glieder werden übrigens nicht ausgerissen,

sondern nur verborgen.« Was ist aber darüber zu sagen, daß _einige

Hexen solche männliche Glieder in großer Zahl, bis zu zwanzig und

dreißig, in einem Schranke aufbewahren, und daß die Glieder dort

lebendig zu sein scheinen, wie dies viele gesehen haben_? Es ist

zu sagen, daß dies durch teuflische Vorspiegelungen geschieht. Es

hat uns jemand erzählt, daß er, um sein verlorenes Glied wieder zu

gewinnen, sich an eine Hexe gewandt habe. Sie hieß ihn einen Baum

besteigen, auf dem er ein Nest fand, in dem mehrere männliche Glieder

waren. Als er ein _großes_ nehmen wollte, rief die Hexe: nein, das

nicht, denn _das gehört einem Geistlichen_.«

An der Tatsächlichkeit dieses von den Hexen begangenen Verbrechens

bzw. daran zu zweifeln, daß sie mit Impotenz schlagen können, ist

völlig ausgeschlossen. Haben doch die Provinzialsynoden oder gar

Konzilien von Troyes, Lyon, Mailand, Tours, Bourgos, Narbonne,

Ferrara, St. Malo, Monte Cassino, Orleans und Grenoble, sowie die

Rituale von Autun, Chartres, Perigueux, Evreux, Paris, Angers, Arras,

Chalons, Bologna, Troyes, Bourges, Alet, Beauvais, Meaux, Reims usw.,

sowie die Dekrete unzähliger Bischöfe, die Hexen eben wegen dieses

Deliktes in Bann taten. Wer würde es wagen der Autorität aller dieser

Instanzen zu widersprechen[6]?!

Das VIII. Hauptstück setzt auseinander, wie _Menschen in Tiere

verwandelt werden_, das IX. wie _sich die Teufel in menschlichen

Leibern aufhalten können_. Dazu wird folgende erbauliche Geschichte

u. a. berichtet: »Ein heiliger Mann erkannte einst durch den Geist

Gottes, daß ein in einer Kirche sehr gut und fromm predigender

Priester der Teufel sei. Nach der Predigt frug er ihn, warum er

predige und erhielt zur Antwort: weil ich weiß, daß die Leute die

Predigt nur hören, aber nicht befolgen, so wird Gott nur noch mehr

beleidigt.«

Das X. Hauptstück führt aus, wie _die Teufel mit Hilfe der Hexen in

den Menschen wohnen_, das XI. wie _die Teufel Krankheiten, besonders

schwere, verursachen können_. Das geschieht z. B. durch verzauberte

Wachs- oder Bleibilder. Durch Verwünschung oder Anhauchen kann die

Hexe aussätzig machen.

Die fallende Krankheit rufen Hexen hervor durch Eier, die sie in

Gräbern vergruben. Auch das XII. Hauptstück behandelt diese Materie.

Das XIII. Hauptstück beantwortet die Frage, wie _Hebammen als Hexen

schweren Schaden zufügen, indem sie Kinder töten oder dem Teufel

opfern_. So hexte eine Person einer frommen Frau alle möglichen Dinge

in den Leib, die furchtbare Schmerzen verursachten. Als sie ein

natürliches Bedürfnis befriedigen mußte, kamen alle zum Vorschein:

Holz, Knochen und handgroße Dornen. Einige Hebammen, die eingeäschert

wurden, haben noch schlimmere Sachen gestanden. Der theologische

Grund, weshalb die Hexen auf Anstiften des Teufels so viele

ungetaufte Kinder töten, ist: _Der Teufel weiß, daß die ungetauften

Kinder nicht in den Himmel eingelassen werden. Das Reich Gottes aber,

nach dessen Beginn er mit noch größerer Pein gestraft wird, bricht

erst an, wenn eine ganz bestimmte Zahl von Menschen in den Himmel

eingelassen ist. Die Erreichung dieser Zahl wird nun durch die Tötung

von ungetauften Kindern hinausgeschoben. Deshalb werden sie vom

Teufel besonders aufs Korn genommen._ Kinder von acht Jahren, die dem

Teufel geweiht worden sind, können schon Gewitter und Hagelschlag

erzeugen.

Das XIV. Hauptstück behandelt die Frage, _wie Hexen den Tieren

schaden können_. Am häufigsten werden die Kühe durch die Hexen der

Milch beraubt und zwar folgendermaßen: Die Hexe stößt ein Messer in

die Wand, ruft ihren Teufel und trägt ihm auf, diese oder jene Kuh

trocken zu machen. Dann fängt sie an dem Messer zu melken an, worauf

die Milch der betreffenden Kuh aus ihm herausfließt. _Solches soll

gepredigt werden, um Abscheu zu erregen._ Man kann durch zauberische

Künste auch vorzügliche Maibutter und Wein machen. Doch begnügen

sich die Hexen oft nicht mit solchem Schabernack, sondern töten auch

Tiere, wie zwei Hexen, die in Ravensburg _eingeäschert_ wurden, von

sich bekannten.

Das XV. Hauptstück beschreibt die _Erzeugung von Gewitter und Hagel_,

das XVI., _wie auf drei Arten Männer Schwarzkunst treiben_. Besonders

die schwarzkünstlerischen Pfeilschützen sind schlimm. Sie durchbohren

am Karfreitag das Bild des Gekreuzigten mit ihren Pfeilen. Sie sind

so sichere Schützen, daß sie einen Pfennig vom Kopf eines Menschen

herabschießen können, ohne ihn zu verletzen. Der Herzog Eberhard

mit dem Barte von Württemberg hatte einen solchen Schützen in

seinem Gefolge. Er konnte täglich mit drei Pfeilschüssen jemand mit

unfehlbarer Sicherheit töten, weil er täglich drei Pfeile in ein

Kruzifix schoß. Auch der Tellschuß auf den Apfel geschah aus Zauberei.

Nunmehr geht das Buch auf die verschiedenen Arten, den Zauber zu

beseitigen ein, um im dritten Teil ausführlich die richterliche

Tätigkeit gegen Ketzer und Hexen zu behandeln.

Aus der Geschichte der menschlichen Dummheit · 第 5 / 19 段