DIE ZEIT VON 1857-1866

(Basel, Hannover, München, Weimar, Rom)

Im Sommer 1857 siedelte Böcklin nach seiner Vaterstadt über; er hatte

geglaubt, daß es ihm nun im Norden nicht mehr an Verkäufen fehlen werde,

dabei aber mehr noch als auf die Heimat auf den Deutschen Kunstverein

gehofft. Aber seine Mittel wurden durch die mühsame Reise nach dem

Norden aufgezehrt und er erschien den Baslern als der verlorene Sohn,

der bettelarm in das Vaterhaus zurückgekehrt war. Die Ausstellung

eines hübschen und anmutigen Bildchens aus den Albaner Bergen, das

für schweres Geld später von Hand zu Hand ging, soll zu einer wahren

Katastrophe für den Maler geworden sein. Mit Freuden nahm er deshalb den

Vorschlag des Konsuls Wedekind an, ihm in Hannover einen Speisesaal,

wenngleich für kärgliche Bezahlung, auszumalen. Er schuf dort auch

wirklich im Sommer 1858 seine ersten Wandbilder, ein Werk ohnegleichen

in jener Zeit (Taf. 7 und 8), duftige Landschaften von der genuesischen

Küste und aus dem Sabinergebirge, so frisch und überzeugend, als ob er

das Land seiner Sehnsucht vor den Toren von Hannover gehabt hätte. Der

erste Prometheus, das erste Schloß, das von Piraten ausgeraubt wird

(Vorstufen zu den Bildern auf Taf. 69 und 35), sind damals entstanden,

alles sehr schön in den Raum komponiert. Aber er mußte die Bezahlung auf

dem Prozeßwege erst erkämpfen, siedelte im Herbst dann nach München

über, geriet hier erst recht vom Regen in die Traufe, indem er mit

zweien seiner Kinder am Typhus erkrankte, so daß die ganze Familie in

tiefste Not geriet. Es gab aber auch Leute, denen das Unglück zu Herzen

ging. Es hat sich namentlich die Basler Malerin Emilie Linder des

Landsmannes und seiner Familie getreulich angenommen, auch die Mutter

kam zu Hilfe. Die zweite Fassung des „Pan im Schilf“ (Taf. 6) wurde, als

der Künstler eben sich zu erholen anfing, im März des Jahres 1859 im

Münchner Kunstverein ausgestellt und erregte ein Aufsehen, das den

Schöpfer mit einem Schlage und für immer zu einem geachteten Mitgliede

der Künstlerschaft erhob. Eben hatte der Altersgenosse Piloty mit seiner

„Liga“, noch mehr aber 1855 mit seinem „Seni vor Wallensteins Leiche“ in

München einen Umschwung bewirkt durch die Art, wie er jeden Farbenton

naturwahr, aber dennoch harmonisch zum Ganzen zu stimmen wußte; hier war

mit feineren Mitteln mehr erreicht und die Grenze zwischen Tüchtigkeit

und Genie überschritten. Das Gemälde wurde noch im selben Monat für die

Pinakothek angekauft, um dort wie der „Seni“ einen Ehrenplatz

einzunehmen.

Der Verlagsbuchhändler Cotta trat mit einem größeren Auftrage an Böcklin

heran: als Vorlage für den Schmuck einer Schillerausgabe grau in grau in

großem Maßstabe das Bild „Die Götter Griechenlands“ zu malen (Taf. 9).

Eine Photographie dieses Gemäldes, aufgeklebt auf einen Karton mit

Goldrändchen, schmückte dann neben Aufnahmen von Bildern anderer Meister

und neben Holzschnitten die „Prachtausgabe“. Auf dem Titel erscheint der

Künstler als „Böcklen“ neben C. Piloty, F. Piloty, Ramberg und Schwind.

Schack wurde durch Paul Heyse auf Böcklin aufmerksam gemacht und fing an

zu kaufen, und, als durch das alles noch keineswegs alle Verlegenheiten

behoben waren, kam Graf Kalckreuth nach München, um ihm eine Berufung an

die neuzugründende Kunstschule in Weimar anzutragen. Er sollte dort mit

seinem Freunde Begas Herbst 1860 antreten; auch Lenbach wurde berufen

und man hoffte außerdem noch Feuerbach und Franz-Dreber heranziehen zu

können.

Böcklin hat mit Freuden zugegriffen, aber statt sich nun ganz auf das

Gebiet zu werfen, mit dem er so Großes erreicht hatte, suchte er sich im

Gegenteil auszuweiten. Venedig kannte er mindestens seit dem Jahre 1852,

aber jetzt macht sich, offenbar infolge einer Reise nach Dresden,

vorübergehend ein auffallender Einfluß der Venezianer bemerkbar. Hatte

die menschliche Figur bisher nur eine untergeordnete Rolle in seinen

Bildern gespielt, so malte er jetzt die Venus, die den Amor entsendet

(Taf. 12), und es entstehn eine ganze Reihe Bildnisse zunächst mit

altmeisterlichem, an die Venezianer erinnerndem Kolorit. Er fing an zu

modellieren und beteiligte sich an einer Konkurrenz für ein Denkmal, das

in seiner Vaterstadt den Schweizern erstellt werden sollte, die im Jahre

1444 in der Schlacht bei St. Jakob einen ruhmvollen Tod gefunden hatten.

Endlich beschäftigte er sich mit dem Flugproblem.

Freilich, wenn er in Weimar in Stimmung und mitten im Arbeiten war, dann

konnte es vorkommen, daß hoher Besuch angesagt wurde. Bemerkungen, die

im Café Greco in Rom ein donnerndes Gelächter oder ironische Beistimmung

gefunden hätten, mußte man jetzt ruhig anhören, ohne mit der Wimper

zu zucken, weil sie von hohen, dem Fürsten nahestehenden Leuten

ausgesprochen wurden. Man sollte denken, daß Böcklin solche

Unannehmlichkeiten nicht höher als Not und Tod eingeschätzt hätte,

um so mehr als der Großherzog Karl Alexander ein wirklich bedeutender

Mensch war, der die Künstler mit größter Rücksicht behandelte, und es

auch sonst nicht an geistvollen Menschen im damaligen Weimar fehlte.

Auch Jak. Burckhardt riet dem Freunde zum Ausharren.

Aber Böcklin glaubte die Freiheit des Zigeunerlebens, er glaubte die

italienische Landschaft nicht länger entbehren zu können, deren Anblick

seinen Schaffenstrieb unaufhörlich angeregt und, was vielleicht die

Hauptsache war, seine Phantasie ins goldene Zeitalter entführt hatte.

Herbst 1861 fuhr er mit Begas nach Genua, „um die Nase wieder etwas

in Italien zu stecken“; nun kam ein großer Auftrag seiner Vaterstadt,

dessen Ertrag ihn für einige Zeit über Wasser halten konnte. Als der

erledigt war, verabredete er mit dem Freunde, sich an einem bestimmten

Tage im Oktober des Jahres 1862 vor Porta Salara in einer Osteria ai

Pupacci zum Bocciaspiel zu treffen.

Das letzte Werk der Weimarer Zeit aber war nach all den tastenden

Versuchen ein gewaltiger Schritt über alles Frühere hinaus. Er meinte

einmal, im Norden bringe man mehr zustande, im Süden komme man aber

innerlich besser vorwärts, und er hat wirklich in den fünf Jahren,

seit er Rom verlassen hatte, viel geschaffen, auch Bleibendes, wie uns

scheinen will. Die Darstellung der italienischen Landschaft, die im

„Pan“ so verblüfft hatte, war noch übertroffen worden in dem Bilde der

Schackgalerie, der „Panische Schrecken“ von 1860 (Taf. 10) und dieses

Gemälde sollte nun durch eine „Jagd der Diana“ (Taf. 14) der Basler

Sammlung in den Schatten gestellt werden. Die Vaterstadt war 1861 wegen

eines Auftrages für ein größeres Bild mit ihm in Unterhandlung getreten.

Böcklin hatte erst eine duftige Skizze eines Liebespaares eingeschickt,

der Knabe flötend, das Mädchen lauschend im Grase ausgestreckt; aber

dieses erschien der Kunstkommission zu nackt. Böcklin, obwohl schwer

verärgert, ließ sich schließlich zu etwas anderem bestimmen. Er hatte

in München auf den Zuspruch seines Freundes J. G. Steffan ein kleineres

Bild so fein säuberlich ausgemalt, daß es, wie er dachte, jedem

Mitgliede des Münchner Kunstvereins gefallen müßte. Ein Liebhaber hatte

sich freilich dennoch nicht eingestellt, aber gute Freunde hatten dann

dafür gesorgt, daß es wenigstens in die Verlosung angekauft wurde. Doch

auch der Kunstfreund, dem es zugefallen war, hatte keinen Gefallen daran

gefunden und es dem anerkannten Tiermaler Voltz gegen eine Landschaft

von dessen eigener Hand weitergegeben. Das Bild ist heute eine Zierde

der Nationalgalerie in Berlin und hat schon Schick begeistert (vergl.

die Textabbildung S. 21). Jetzt war Böcklin daran, diese Landschaft

umzuformen, ohne sich einen Zwang anzutun, und mit den Gestalten einer

Hirschjagd der Diana zu bevölkern. Dies Werk wurde auf Grund einer

Federskizze in Basel bestellt. Das Honorar entsprach ungefähr dem, was

Schack für ein halbes Dutzend Bilder zahlte. Der Maler gestaltete die

Baumgruppe diesmal größer, öffnete rechts den Ausblick bis aufs Meer,

setzte vor das üppige Grün, das im blauen Dunst zu schwimmen scheint,

die göttlichen Damen mit den bunten Gewändern, die sich wie schillernde

Edelsteine auf dem Gewände der Natur ausnehmen. Ein Rambergschüler, der

das Gemälde im Atelier gesehen, berichtet, daß er nie in seinem Leben

eine solche Begeisterung empfunden habe. Ähnliches erlebte der Maler

Sandreuter. Jakob Burckhardt schätzte das Bild ebenfalls besonders

hoch. Es ist kein Jugendwerk im gewöhnlichen Sinne mehr. Böcklin war

inzwischen 35 Jahre alt geworden. Raffael hatte in diesem Alter die

Sixtinische Madonna hinter sich, und Tizian hatte im gleichen Alter die

Irdische und Himmlische Liebe geschaffen. Aber man sollte meinen, daß

das Gemälde nicht im kühleren Norden, sondern in dem Lande entstanden

sei, das mit solch strahlender Pracht geschildert ist.

[Illustration:

ENTWURF ZUR „JAGD DER DIANA“ 1862]

Jetzt steuerte Böcklin also wieder hinaus „den Winden und Wogen ein

sicheres Ziel“ und die Ersparnisse gingen im ersten Jahre wieder drauf,

bis er die neuen Eindrücke im Lande der alten Sehnsucht verarbeitet

hatte. Offenbar war es Böcklin wie alten Soldaten ergangen, die nach

gefährlichen und entbehrungsreichen Feldzügen die Ruhe und Sicherheit

des Garnisondienstes nicht mehr ertragen können. Das katastrophenreiche

Leben der letzten Jahre hatte ihn für das stille Weimar mit seiner

lieblichen Umgebung, die doch einem Goethe genügt hatte, verdorben.

Noch ein Jahrzehnt lang war er jetzt wieder, nicht zum Glück, auf

Bestellungen des Grafen Schack angewiesen. Dieser hat etwa die Hälfte

seiner Hauptwerke in dieser ersten Periode seiner Meisterschaft

erworben. Er hat Böcklin wie Feuerbach vielleicht sogar der Nation

überhaupt erhalten. Aber er war, nach einer sarkastischen Bemerkung

Böcklins, der einzige, der seine Galerie nicht gesehen hat. Er hatte

sich durch seine Studien ein schweres Augenübel zugezogen und war auf

fremden Rat angewiesen. Da er selbst ein wirklich bedeutender Dichter

war, so wurde er auch von bedeutenden Menschen beraten, aber nicht

immer gut. Er hat in entscheidenden Fällen versagt, gerade wo Böcklin

und Feuerbach ihre Schwingen am mächtigsten hoben. Er verkannte

die überragende Bedeutung der ersten Villa am Meer, wies den

„Frühlingsreigen“ von 1869 zurück und verurteilte die „Jagd der Diana“.

Er war auch kein verschwenderischer Mäzen, und da er selber nie sein

Brot mit Tränen gegessen, wußte er nicht immer, was er mit seiner

Sparsamkeit anrichtete. Aber es wirft ein eigentümliches Licht auf die

damaligen Verhältnisse, daß ein fast Blinder die Sehenden beschämt hat.

In Rom haben Böcklin zunächst die Stanzen Raffaels, besonders der

„Heliodor“, einen gewaltigen Eindruck gemacht. Er hatte sich schon

früher damit beschäftigt, aber er hatte sie jetzt seit mehr als fünf

Jahren nicht mehr gesehen, und seither selber Wandbilder und selber

größere Figuren gemalt. Außerdem hat er Neapel zum ersten Male besucht

und erhielt--nach dem Zeugnisse von Schick, das auf seine Äußerungen

zurückgeht,--einen solchen Eindruck von den Malereien in Pompeji, daß er

ganz aus der bisherigen Bahn getrieben wurde, ein Jahr verlor, bis er

sich wieder gefunden hatte und dann einen ganz neuen Weg einschlug. Im

Jahre 1863 hat er auch die Augustusstatue des Braccio nuovo gesehen, wie

sie noch im vollen Farbenschmuck in ihrem tausendjährigen Grabe gefunden

wurde und die Beobachtungen in Neapel und Pompeji bestärkten ihn in der

Anschauung, daß die antike Plastik nicht einfarbig war und die Augen der

antiken Statuen so gut wie die der Sixtinischen Madonna dunkel waren.

Das gab ihm natürlich auch eine ganz andere Vorstellung von antiker

Kunst als sie bisher üblich und möglich war.

[Illustration:

BILDNIS DER GATTIN DES KÜNSTLERS UM 1863]

Bei Raffael war es hauptsächlich das „Großdekorative“, das ihn anzog,

die Fähigkeit, mit groß wirkenden Gestalten die Wand zu schmücken und

die Phantasie zu beleben. Bei den Griechen reizten ihn die Formen, die

Farben und die Technik. Es gesellt sich nun zu dem Einfluß von seiten

der Schule Poussins und der Venezianer ein dritter, von ihm selbst

bezeugter. Aber während die Landschaften seiner Jugend recht auffallend

denen Dughets und seiner Zeitgenossen gleichen, schließt sich das, was

nun folgt, weder in dem Sinne wie die Malerei eines J. L. David oder

Asmus Carstens, noch so wie die Malerei eines Poussin den Griechen an.

Er malte damals gelegentlich einen Kopf, der mit den Formen einer

griechischen Statue übereinstimmt. Er hatte auch im Leben eine Vorliebe

für die gedrungenen und kräftigeren Gestalten, wie sie im allgemeinen

die Griechen im Gegensatz zu den abendländischen Völkern, namentlich den

Franzosen, bevorzugten. Aber es fiel ihm nicht ein, bekannte Antiken

der römischen Sammlungen in seinen Gemälden perorieren und herumstehen

zu lassen, noch wenigstens den antiken Formenkanon als Ganzes

herüberzunehmen. Ohne das Zeugnis von Rud. Schick würde man den Einfluß

der Griechen gar nicht erkennen können. Die Nachahmung war keine

sklavische. Seine Hauptwerke sind auch vorerst noch Landschaften. Das

erste Bild, in dem sich der neue Stil deutlich ankündigt, die „Frau

Böcklin als Muse“ (in Basel) ist weit davon entfernt, die Gesichtszüge

nach Art etwa der Niobidenköpfe zu verallgemeinern. Es folgt 1864 als

Hauptwerk der neuen Epoche die dunklere der beiden Villen am Meer der

Schackgalerie (Taf. 15), und dann 1865 das hellere Exemplar (Taf. 16)

und die „Altrömische Weinschenke“ (Taf. 18).

Das Neue ist, daß die Darstellung nicht allgemeiner, sondern

ausdrucksvoller geworden ist. Schon auf den ersten Blick gibt jetzt

Farbe und Linienführung die jedesmalige Grundstimmung an. Es ist das

Plötzlich-Deutliche, das mit anderen Mitteln auch im Spätstil Raffaels

zum Ausdruck kommt.

Nichts zeigt das vielleicht so klar, wie die feierlichen, man könnte

fast sagen klagenden Linien, mit denen sich die Bäume und der Palast in

der „Villa am Meer“ von dem dunklen Himmel abheben. Uns will scheinen,

es ist sogar schon in den Linien ausgesprochen, daß es sich um die

Klage einer vornehmen Seele, nicht um den Notschrei eines Proletariers

handelt. Wie viel in den Silhouetten allein schon gegeben ist, erkennt

man, wenn man sie mit denen der „Jagd der Diana“ vergleicht. Man braucht

gar nicht die Vorstufen und Studien zu den Villen am Meer heranzuziehen.

Auch diese Hauptwerke sind nämlich Umgestaltungen einer schon

vorhandenen Komposition ins Größere und Wirkungsvollere. Schon für

die alte Kunst war es ein Vorteil, daß sie immer dasselbe darzustellen

hatte. Dadurch wurde das Interesse des Künstlers und des Publikums von

selbst auf die Art gelenkt, wie ein Vorwurf künstlerisch gelöst war.

Auch Böcklin, der immer wieder dasselbe Motiv umgestaltete, ist dadurch

zu so hoher Vollkommenheit gelangt. Eine Vorstufe der Villen ist der

„Mord im Schloßgarten“ (Taf. 11), wo der Überfall einer prachtvollen

Besitzung am Meer durch Seeräuber beim ersten Morgenrot dargestellt ist.

Bei der dunklen Villa ist die Stimmung elegisch geworden. Böcklin dachte

an den letzten Sprossen eines adligen Geschlechts, der in der Ferne

verschollen, von der Geliebten vergebens erwartet wird. Das Gold der

Abendsonne liegt auf dem Palast wie letzte Hoffnung und Erinnerung

an frühere Zeiten. Die ganze Sehnsuchtsromantik dieser und der

vorausgegangenen Jahrzehnte feiert hier einen Höhepunkt. Das Werk ist

ein Seitenstück zu Feuerbachs Iphigenien, die im gleichen Jahrzehnt

(1862 und 1871) entstanden sind. Die Wiederholung gibt die Szenerie

etwas reicher und fast ebenso ergreifend bei grauer Tagesbeleuchtung. Es

folgte dann, wie oft bei Böcklin, ein Gemälde, das den vollen Gegensatz

der Stimmung darstellt, die „Altrömische Weinschenke“ (Taf. 18), wo das

Volk bei Wein und Tanz den Tag genießt--mit ihren munteren Silhouetten

und ihrem heiteren Kolorit.

Jetzt kommt der Künstler bewußter und mit reicherer Kenntnis der Natur

dazu, das wieder stärker zu betonen, was sich schon vor der ersten

Romreise in seinen kleinen Baseler Bildern gezeigt hatte. Freilich

gehen nun Kinder der Freude und der Sehnsucht in buntem Wechsel aus der

Werkstatt hervor. Und was hier wieder aufgenommen wird, steigert sich,

stets genährt durch neue Eindrücke südlicher und nördlicher Natur und

alter Kunst, von Hauptwerk zu Hauptwerk. Es lag auf dem Wege dieser

Entwicklung, daß er ein Jahrzehnt später zu ganz neuen Mitteln griff, um

sich auszusprechen. Stimmung im Sinne einer starken persönlichen Note

hatten auch die „heroischen“ Landschaften der ersten römischen Zeit. Der

Böcklinsche Stil aber beginnt in gewissem Sinne erst jetzt.

Mit dem Aufschwung trat eine Erweiterung des Stoffgebietes ein, Böcklin

ist in der Mitte der sechziger Jahre recht eigentlich zum Figurenmaler

geworden. Es entstehen 1866 noch in Rom „Die Klage des Hirten“ (Daphnis

und Amaryllis, Taf. 21), bei Schack, und die ersten Entwürfe zur Basler

Pietà (Christus und Magdalena, Taf. 22). Eine Komposition, die er

im Auftrage von Schack beginnt, die Wiederholung der „Götter

Griechenlands“, wird jetzt vom Landschaftsbild mit Staffage zum

Figurenbilde. Diese Entwicklung wurde mächtig gefördert, wenn auch nicht

hervorgerufen, durch die großen Aufträge, die er in seiner Vaterstadt

erhielt.

Noch in späteren Jahren redete der Künstler aufatmend von der Wonne,

im großen schaffen zu können, und nun sollte er monumentale Aufträge

erhalten, die auch wirklich zur Ausführung gelangt sind.

[Illustration:

MÄDCHEN UND JÜNGLING BEIM BLUMENPFLÜCKEN UM 1866]

[Illustration:

DIE FRESKEN IM SARASINSCHEN GARTENHAUS IN BASEL 1868]

Arnold Böcklin · 第 11 / 15 题