DIE ANFÄNGE SEINER KUNST

Der Beginn der Malerlaufbahn fällt in das Jahr 1845. Im Frühjahr verließ

Böcklin die Schule, im Sommer machte er noch Studien, wie es scheint,

sowohl in den Alpen wie im Jura; im Oktober trat er in die Düsseldorfer

Akademie ein. Vom November sind die ersten Aktzeichnungen datiert.

Er war damals ein schlank gewachsener Mensch mit langem Haar, das fast

bis auf die Schultern herabfiel, und mit stechenden blaugrauen Augen.

Er verfügte über einen ungewöhnlich kräftigen Körper, der durch

systematische Übung gestählt, geschmeidig gemacht und geschmeidig

erhalten wurde. Das war die Grundlage für seine Lebenslust und seinen

Humor, seine Ausdauer und die bewundernswürdige Elastizität, mit der er

nach den schwersten Katastrophen immer wieder emporschnellte. Die Götter

hatten ihm aber mit der Kraft auch die Feinfühligkeit und Verwundbarkeit

der Seele verliehen, ohne die ein genialer Künstler nicht denkbar ist.

Er konnte in lauten Jubel ausbrechen, wenn er an einem schönen Morgen in

die Campagna fuhr, aber er empfand auch tiefer als andere die Schläge

des Schicksals, und es ist ihm ein vollgerüttelt Maß davon zuteil

geworden. Der außergewöhnlichen Empfänglichkeit und Reizbarkeit

entsprach ein erstaunliches Gedächtnis: was entzückt oder verwundet,

wird von dem Menschen festgehalten. Sein Gedächtnis kannte wie seine

Aufnahmefähigkeit keine Grenzen. Er hatte bei aller Zielsicherheit des

Wollens die Vielseitigkeit der Anlagen und Interessen, die an Richard

Wagner und selbst an Goethe erinnern und sagte selbst, daß in seinem

Kopfe vieles Platz habe.

Er war zunächst für alle bildenden Künste veranlagt und weit davon

entfernt, etwa nur ein Kolorist zu sein. Die früheste Leistung, mit

der er in die Öffentlichkeit getreten ist, war nach A. Frey der

Entwurf eines Stadttores für die Eisenbahn von Straßburg nach Basel.

Architektonisches Verständnis verraten auch seine Gemälde. Als Maler ist

er von der Landschaft ausgegangen; er hat aber vereinzelte Bildnisse und

Skulpturen geschaffen, die zu den populärsten des Jahrhunderts gehören

und schließlich in figurenreichen Wand- und Staffeleibildern sein

Höchstes geleistet. Er hat auch Gemmen geschnitten und Möbel entworfen.

Böcklin hat im Laufe der Jahre, ähnlich wie einst Rubens für seine

Zwecke, die gesamte Kunst der Vergangenheit, soweit sie ihm erreichbar

war, studiert. Seine größte Bewunderung galt der Architektur, Plastik

und Malerei der Antike. Die romanische Kunst und die Gotik liebte er

nicht, aber es finden sich in einem Baseler Skizzenbuch zwei Statuen des

Freiburger Münsters und er rühmte dem Verfasser dieser Zeilen die alten

Glasgemälde von Sta. Croce in Florenz. Seine besondere Liebe war lange

Zeit das italienische Quattrocento bis auf den jungen Lionardo; noch

weit mehr, und je länger je mehr, schätzte er aber die Niederländer seit

van Eyck und die alten Deutschen, namentlich Matthias Grünewald. Es

finden sich in seinem Werke ferner Reminiszenzen an Raffael, Tizian und

Rubens. Michelangelo war ihm unsympathisch, aber als das Gespräch

gelegentlich auf diesen kam, konnte er unvorbereitet aus dem Gedächtnis

eine charakteristische Figur dieses Meisters, für alle kenntlich, auf

dem Marmortisch entwerfen. Aus Tizians „Himmlischer und irdischer Liebe“

ist die nackte Figur eines kleinen Bildchens herübergenommen. An die

Amazonenschlacht von Rubens in München lehnt sich die erste seiner

Römerschlachten (Taf. 87) an. Es finden sich aber in seinem Werke auch

die unverkennbaren Zeugnisse, daß er sich selbst einen Michelangelo da

Caravaggio und einen Guido Reni genau angesehen hat. Von diesem hat er

die Gestalt der Venus in Dresden bei seiner eigenen Venus (Taf. 12)

verwertet. Ganz anders freilich war sein Verhältnis zu den Landschaftern

des 17. Jahrhunderts, die, wie er aus dem Norden kommend, in Italien

ihre zweite Heimat gefunden haben, so vor allem zu Gaspard Dughet und

Poussin. Manche seiner Schöpfungen aus der ersten römischen Zeit sehen

aus, als ob diese beiden neben Tizian seine eigentlichen Lehrmeister

gewesen seien. Vor allem aber war Rubens neben Grünewald für ihn der

Maler aller Maler.

Ablehnend verhielt er sich, in späteren Jahren wenigstens, gegen

Lionardo, Velazquez und Rembrandt, namentlich gegen Rembrandt.

Schon in Düsseldorf fiel er durch seine gründliche literarische

Bildung auf. Damals las er unter anderem Moliere und Voltaire. Seine

Lieblingsdichter waren aber Griechen, Italiener und Deutsche: Homer,

Dante, Ariost, Goethe und Gottfried Keller. Auf den Klippen von Ischia

pflegte Böcklin Homer und Ariost zu lesen. Die Sänger der väterlichen

Familie aber sind Schiller und Peter Hebel, ein Zeitgenosse der großen

Klassiker, der in der Mundart des nahen Wiesentales gedichtet hat,

gewesen.

Er las indessen nicht nur schöne Literatur. Er las auch sonst viel,

es haben ihn namentlich kulturhistorische Werke, Bücher über Reisen,

Ausgrabungen und Erfindungen interessiert. Er war nicht nur Poet,

sondern auch Denker und Grübler, und seine Leidenschaft galt nicht nur

den künstlerischen, sondern auch den technischen Problemen und der

Technik nicht allein in seiner Kunst. Durch das ganze Leben geht neben

dem Bestreben, die Technik der Griechen und die Öltechnik der Brüder van

Eyck wieder zu entdecken, das andere, ein Flugzeug zu erfinden. Eine

Nachricht, die seine Hoffnungen auf diesem Gebiete begrub, scheint der

unmittelbare Anlaß für den ersten Schlaganfall gewesen zu sein. Er

scheint als Konstruktionstechniker Dilettant geblieben zu sein und

geradezu pathologisch konnte sein Mangel an Geldsinn anmuten.

Er war aber nicht nur ein reichbegabter und kräftiger, sondern auch ein

großer und guter Mensch, der unverdorbene Sohn einer anständigen Familie

und einer sittlich wie geistig hochstehenden Mutter. Für die Schönheit

des Weibes war er sehr empfänglich, huldigte aber, wie es scheint, in

keiner Zeit seines Lebens dem bei Künstlern so häufigen Libertinismus.

Dem Weine war er sehr ergeben, er trank viel, aber er vertrug noch mehr.

Böcklin war auch eine grundehrliche Natur. Zwar scheute er sich nie,

einem zudringlichen Frager einen Bären aufzubinden, doch haßte er die

schlimmeren Arten der Lüge, die halben Wahrheiten, die Phrasen; er hat

sich nicht selber belogen, sich nicht künstlich in eine Stimmung

hinaufgesteigert. Er war ehrlich vor allem in seinem Beruf.

Das Kunstwerk aber war für ihn nicht bloß ein „Stück Natur im Affekt

gesehen“. Als der Verfasser dieser Zeilen ihm eine Anzahl Lichtdrucke

nach Zeichnungen von Matthias Grünewald vorlegte, geriet er bei den

Entwürfen in Aufregung, während ihn die Studien ganz kalt ließen, obwohl

sich doch schon bei diesen die Subjektivität des Meisters deutlich genug

geäußert hatte. Mit der ganzen vorausgegangenen Generation und auch mit

den Altersgenossen war er darin einig, etwas erzählen und nicht nur

durch Auswahl, Auffassung und Stilisierung etwas Eigenes geben zu

wollen. Er war außerdem persönlich schon zu vielseitig veranlagt und zu

vielseitig gebildet, als daß nicht Musik und Poesie in irgendeiner Weise

in seinen Bildern hätte mitspielen müssen. Ein literarischer Maler war

er sicher und es kann sich bei ihm nur fragen, ob seine Gemälde nur

davon leben, daß sie Geschichten erzählen und an Gefühle anspielen, die

das Publikum liebt, oder ob es gute Werke bildender Kunst sind, die

außer dem Sichtbaren noch anderes bieten. Er war auch ein musikalischer

Maler, zunächst in demselben Sinne wie er ein literarischer war. Aber er

war es noch in einem übertragenen Sinne. Die Musik war nicht nur eine

Anregerin und Begleiterin seiner Kunst. Die Eigenart dieser Kunst wirkte

vielmehr auch auf seinen Willen, das Naturbild umzugestalten, wirkte auf

seinen Stil. Er trachtete, je älter er wurde, je mehr darnach, durch

seine Bilder das Gemüt so zu packen wie die Musik es tut. „Ein Bildwerk

soll etwas erzählen und dem Beschauer zu denken geben, so gut wie eine

Dichtung, und ihm einen Eindruck machen wie ein Tonstück.“ Er fand

deshalb auch: Alles was einem aus dem Kopf von innen heraus gerät, ist

mit samt seinen Zeichenfehlern und anderen Fehlern tausendmal mehr wert,

als eine noch so fleißig und noch so richtig nach der Natur gemachte

Studie.

Die Art, wie er sich in der Malerei ausspricht, nähert sich in der Tat

mehr als bei andern Malern seiner Zeit, der Ausdrucksweise von Musik und

Architektur. Wohl singt er von seinen Leiden, indem er rauschende Bäume

und brandende Wogen darstellt, aber die Elemente der Malerei, Linien

und Linienfolgen, Farben und Farbenfolgen bestimmen fast ebenso wie der

Rhythmus von Säulen und Gebälk, Mauer und Öffnung, von Tonfolgen und

Akkorden den Gesamteindruck. Das war das Neue bei ihm und das Uralte,

das, womit er dem Expressionismus vorgriff und mit Grünewald und Giotto

sich verwandt zeigt.

Fast scheint es aber, als ob er das höchste Glück der Erdenkinder in der

Musik gesehen hätte. Es musizieren auf seinen Bildern Andächtige und

Verliebte, die Götter der Flur und der See, betrunkene Soldaten und die

Seligen im Elysium. Er fand sich auch ohne systematischen Unterricht auf

mehreren Instrumenten zurecht und konnte jede Melodie, die er einmal

gehört hatte, fehlerlos wiedergeben, wenn sie ihm gefallen hatte. Unter

den Komponisten standen ihm außer den frühen Italienern Haydn, Bach,

Mozart, Beethoven und Schubert am nächsten. Gegen Richard Wagner hatte

er einen unüberwindlichen Widerwillen.

Je mehr elegische Stimmung eines seiner Bilder ausströmt, um so

dunkler wird die Stunde gewesen sein, aus deren Gründen heraus es später

sich kristallisierte. Aber in einer Zeit, wo sonst die aufdringliche

psychologische Zergliederung grassierte, versetzt er die eigenen Leiden

und Freuden in altersgraue Vorzeit, in den Bereich der Götter und

Heroen. Denn sicher ist alles Erlebnis, das Verhältnis von Triton und

Najade so gut wie das der Alten in der Gartenlaube, die Tatenlust des

Abenteurers so gut wie die Leiden des Prometheus, die Sehnsucht des

Odysseus wie die „Heimkehr des Landsknechts“. Da aber so viel mit

blutendem Herzen gemalt war, lehnte er jedes Reden über die Stimmung

seiner Werke ab, außer über die lustigen. Die Stilisierung seiner

Erlebnisse ins Heroische erlaubte dem zurückhaltenden Alemannen und

Basler mehr zu sagen, als er sonstwie übers Herz gebracht hätte. Sollen

wir diese Art der Maskerade verdammen? Wäre es besser gewesen, er hätte

geschwiegen?

In Düsseldorf fand Böcklin einen Lehrer, der ihn verstand und der in den

Grundzügen des künstlerischen Wollens mit dem einig war, was ihm dunkel

vorschwebte, in Joh. Wilh. Schirmer, dem Schöpfer von Landschaften mit

biblischer oder heroischer Staffage, die noch in den sechziger und

siebziger Jahren große Bewunderung in ganz Deutschland gefunden haben.

Dieser Lehrer war nur der begabte und feinsinnige Vertreter einer jetzt

längst veralteten Richtung und ist von seinem Schüler nach wenigen

Jahren überholt worden, aber Böcklin ist ihm sein ganzes Leben dankbar

geblieben. Seine eigene Kunst ist von dem ausgegangen, was er bei

Schirmer vorfand; freilich hat er später aus den Quellen geschöpft,

die Riviera, die Campagna, das Poussintal bewundert und die Väter und

Vorväter der deutschen heroischen Landschaft studiert und hat alles

Überkommene selbständig umgestaltet. So gleicht das Ende nicht dem

Anfang; aber ohne plötzlichen Ruck, langsam und stetig wächst er aus

jener Wurzel empor.

Er blieb bis zum Frühjahr 1847 an der Akademie, da er aber auch

den Sommer 1846, wie den von 1845 und 1847, in der Schweiz zu

Studienfahrten benützte, so hat er im ganzen nicht mehr als etwa ein

Jahr systematischen Unterricht genossen.

Seine Malerei ist in dieser Zeit geschickter, die Gesamtwirkung

schlagender, es ist aber namentlich auch die Naturbeobachtung feiner

geworden, so daß es nicht schwer ist, die undatierten Studien dieser

Jahre mit großer Wahrscheinlichkeit chronologisch einzuordnen. Aus

dieser Zeit stammen nun auch einige Kompositionen, die in ihren

Vorwürfen an die Romantik eines Lessing, im Kolorit an Schirmer

erinnern, wie die Burgruine in der Berliner Nationalgalerie und ein

Hünengrab im Basler Museum. Diese Bilder dürften das Endresultat der

Düsseldorfer Lehrjahre vorstellen.

Im März 1847 begab er sich mit dem schweizerischen Tiermaler Rud. Koller

nach Brüssel, der Stadt, die damals das Ziel aller heranwachsenden

Koloristen in Deutschland war, und nach Antwerpen. Die beiden

bewunderten einen Rembrandt, namentlich aber Rubens und van Dyck.

Böcklin suchte indessen vergebens nach Landschaften, die ihm zusagten.

Den Sommer darauf soll er die Alpen von Graubünden bis an den Genfer

See durchstreift haben. Im August war er in der Tat in Evian und Thonon,

und im September in Genf. Es ist auch eine Reihe reizvoller Studien

und Kompositionen erhalten, die die Alpen darstellen und wohl aus

diesem Jahre stammen, weil sie wieder um einen Grad frischer und

naturalistischer als früher datierte sind. Er war auf dem besten Wege,

ein Maler seiner Heimat zu werden, wie Diday und Alexander Calame und

trat auch wirklich noch bei Calame als Schüler ein. Dieser, siebzehn

Jahre älter als Böcklin, stand schon auf der Höhe seines Ansehens und

zog die heranwachsende schweizerische Maljugend an sich. Aber Böcklin

fühlte sich wenig befriedigt, so sehr auch einige seiner Zeichnungen und

Gemälde an Calame erinnern, setzte es durch, nach Paris zu dürfen und

traf dort im Februar 1848 bei seinem Freunde Koller, der vorausgezogen

war, ein.

Es begann jetzt noch einmal ein fleißiges Studium von morgens früh bis

abends spät in einem privaten Aktsaal, im Louvre und wieder im Aktsaal.

Von den Modernen haben nach Kollers Bericht dem jungen Landschafter

Couture’s „Décadence des Romains“ ebenso wie seinem späteren römischen

Genossen Feuerbach gefallen, noch mehr aber die Werke von Corot, Jules

Dupré und dem Orientmaler Prosper Marilhat. Nach dem Zeugnis seines

Schülers Zurhelle hat Böcklin auch Delacroix bewundert.

Aber die Studien wurden kurz nach der Ankunft unterbrochen durch die

Februarrevolution. Die beiden Freunde, von Neugier, nicht von blasser

Furcht geplagt, haben sich die Ereignisse als Maler angesehen, und die

ungewohnten Bilder, die sich ergaben, auch als Maler bewundert. Sie sind

sogar mit einem Volkshaufen in die königlichen Gemächer eingedrungen.

Noch im Alter gedachte Böcklin gerne dieser stürmischen Tage. Aber

später hat er Dinge mitansehen müssen, über die er lieber hinwegzugehen

pflegte. Er ist nämlich nach der Abreise Kollers noch monatelang allein

in einem kleinen Dachstübchen am Luxembourggarten zurückgeblieben und

hat dort die Arbeiterschlacht im Juni miterlebt. Was er in der Zeit nach

Kollers Weggang gemalt hat, wissen wir nicht; über das, was ihm sonst

zugestoßen ist, sind nur einzelne Anekdoten und zum Teil widersprechende

Nachrichten erhalten. Angeekelt und flügellahm kehrte er gegen den

September nach Hause zurück, aber reifer als Mensch und als Künstler.

Er arbeitet nun anderthalb Jahre (bis Februar 1850) in heißem Ringen

mit seiner Kunst und oft der Verzweiflung nahe in Basel und es ist eine

stattliche Reihe von Landschaften, meist düstere, melancholische oder

doch ernste Stimmungsbilder aus diesen Monaten erhalten. Sie sprechen

aber nicht dafür, daß ihm Delacroix oder die Schule von Barbizon neue

Lichter aufgesetzt hätten, erinnern überhaupt nicht an einzelne große

Franzosen, sie zeigen ein Vorwärtsschreiten auf dem bisherigen Wege.

Aber es tritt der dämonische Unterton in seinem Werke auf, eine Note,

die für Böcklin im besonderen charakteristisch ist, und wir spüren die

ersten Funken echter Genialität.

Die „Tannenbewachsene Felsschlucht mit Wasserfall“ (Tafel 1), die schon

als sein frühestes Bild ausgegeben worden ist, gehört in diese Monate

und scheint uns das früheste Bild zu sein, das diesen Funken verrät.

Eine Schwester erinnerte sich noch, daß sie als kleines Mädchen vom

älteren Bruder vor die Arbeit geführt und nach ihrem Eindruck gefragt

wurde. Als sie dann zaghaft mit der Antwort herausrückte, es erscheine

ihr so unheimlich, lächelte der Bruder, denn das hatte er gewollt.

Der Vater soll nochmals versucht haben, den Sohn zu einem Beruf zu

bestimmen, der ihm erlaubte, seine Talente lohnender als im Malerberuf

zu verwenden. Zu der Unzufriedenheit mit seinen Beratern und mit sich

selbst kam aber noch eine Liebe, die tragisch enden sollte. Böcklin

pflegte seine Arbeit mit Flötenspiel zu unterbrechen, dann erschien am

gegenüberliegenden Fenster ein junges und eigenartiges Mädchen, das den

Klängen zuhörte. Sie war auch nicht ganz unbemittelt, aber der Vater

Böcklin war empört, daß der Sohn, der seinen eigenen Unterhalt noch

nicht verdiente, an eine Heirat dachte. Als schließlich eine Verlobung

doch stattgefunden hatte, wollten die Eltern der Braut die Ärmste nicht

mit in die Fremde ziehen lassen. Böcklin strebte damals nach Rom. Als

er dann Abschied genommen hatte, ahnte er, daß er die Braut nicht

wiedersehen werde. Sie starb kurz nachher; er erhielt die Nachricht erst

in Rom und seine Wirtin fand den fremden Pittore mit einem Briefe in der

Hand ohnmächtig am Boden liegen. In den Bildern des Meisters aber, in

frühen und in späten, erscheint oft ein anmutiges Mädchen, das dem

Flötenspiel eines Jünglings oder eines Halbgottes lauscht, und Jakob

Burckhardt hat den Tod des Mädchens besungen.

Arnold Böcklin · 第 9 / 15 题