Die +Flagellaten+ sind durch den Besitz einer oder mehrerer langer

Geisseln +charakterisirt+, die meist nur an dem Vorderende des in der

Regel von einer Kutikula umgebenen Körpers vorhanden sind. Eigentliche

Wimpern kommen neben den Geisseln nicht vor, dagegen eine der Länge

nach über den Körper verlaufende Membran, deren freier Rand sich in

mehr oder weniger ausgesprochenen Zacken auszieht und dann Wimpern

vortäuscht (+Braun+). Der meist kleine Körper hat oft am vorderen

Ende eine Mundstelle, ein After fehlt. Die +Vermehrung+ erfolgt durch

Theilung; entweder durch Theilung des Körpers in zwei Individuen oder

(selten) nach Encystirung in eine grössere Anzahl von Schwärmern.

Man findet die Flagellaten im süssen und salzigen Wasser, theils

festsitzend (oft an Thieren), theils frei schwimmend; manche scheiden

Gehäuse aus.

Die in +Fäulnisswässern lebenden+ Gruppen enthalten meist noch die

parasitisch lebenden Arten, die man theils im Darm und dessen Anhängen,

theils in den Genitalien oder im Blute antrifft.

Parasitische Flagellaten beim Menschen und bei Thieren.

=Trichomonas.= Rundlicher oder ovaler durchsichtiger Körper mit drei

oder vier oft verklebenden Geisseln am Vorderende. Das Hinterende ist

spitz und ohne Geissel.

1. +Cercomonas hominis+ (+Davaine+ 1854) (+Syn.+: Trichomonas hominis

Dav. 1854; Cercomonas intestinalis +Lambl+ 1875; Megastroma entericum

+Grassi+ 1881; Trichomonas intestinalis +Leuckart+ 1879; Monocercomonas

hominis +Grassi+ 1882.)

[Illustration: Figur 32.

Trichomonas hominis Dav. (Nach +Grassi+.)]

Der Parasit ist birnförmig, mit spitz zulaufendem Hinterleibsende und

3–4 Geisseln am Vorderende. Die Länge beträgt 0,004 bis 0,010 und die

Breite 0,004. Cercomonas intestinalis kommt sehr häufig beim Menschen

vor und ist bei Darmkatarrhen[276] und besonders oft bei Diarrhöen

der Kinder[277] beobachtet worden. Trotzdem ist die +pathogene

Bedeutung+ noch sehr zweifelhaft. Ebenso ist über die Entwicklung

und Infektionsquelle sicheres bisher nicht bekannt. +Epstein+ sah in

seiner Klinik einmal sechs Kinder eines Zimmers fast gleichzeitig

an Trichomonaden-Diarrhöe erkranken, und stellte ausserdem fest,

dass Säuglinge, auch wenn sie neben der Muttermilch noch andere Kost

erhalten und selbst an Diarrhöe erkranken, stets frei von Trichomonaden

gefunden werden.

Jüngst hat +Hensen+[278] eine Mittheilung gemacht über einen Befund von

+Infusorien im Mageninhalt bei Carcinoma ventriculi+.

Bei einem 39jährigen Arbeiter, welcher unter den Erscheinungen

zunehmender Abmagerung, Erbrechen schleimiger Massen und unverdauter

Speisen kurz nach dem Essen ins Krankenhaus kam, wurden im Mageninhalte

Infusorien gefunden. Die Sektion ergab ein grosses zum Theil

zerfallenes Carcinom des Magens, und Verwachsungen desselben mit dem

linken Leberlappen, dem Pankreas und dem Zwerchfell, sowie Metastasen

in der Leber, den retroperitonealen und den am Cardiamagen gelegenen

Lymphdrüsen.

In dem ausgedehnt carcinomatösen Magen, mit seinen zahlreichen

ulcerirten und zerklüfteten Flächen, seinem zersetzten und alkalisch

reagirendem Inhalt, waren zahlreiche Infusorien nachzuweisen,

deren Grösse von 5–15 µ schwankte. Dieselben zeigten zuweilen eine

lebhafte Bewegung und liessen sich mit Methylenblau färben. +Hensen+

möchte dieselben den Monadinen zuzählen, wie solche +Marchand+[279]

gelegendlich im Urin gefunden hat. Im Erbrochenen und im Stuhl waren

sie nicht nachzuweisen.

Unter normalen Verhältnissen dürften sie im Magen leicht zu Grunde

gehn, dagegen meint +Hensen+, könnte ein solcher Befund gelegentlich in

diagnostischer Hinsicht verwerthbar werden.

[Illustration: Figur 33.

Trichomonas vaginalis (nach +Braun+).]

2. +Trichomonas vaginalis+ (+Donné+ 1837). Der kurze oder mehr

langgestreckte Parasit besitzt an seinem vorderen Ende vier Geisseln,

welche so lang oder länger als der Körper sind. Das hintere Ende

verlängert sich in eine gerade oder gebogene Spitze. Trichomonas

vaginalis ist ein sehr häufiger Parasit bei Frauen und gelegentlich

auch beim Manne (im Urin, +Miura+[280]) beobachtet worden. Die

Parasiten leben +in dem sauer reagirenden+ (nicht in normalem)

+Vaginalschleim+ bei Frauen verschiedenen Alters, sowohl bei

menstruirenden wie nicht mehr menstruirenden Personen, Schwangeren

wie Nichtschwangeren, selbst bei Mädchen von 6–7 Jahren, sofern

bei denselben Scheidenkatarrh mit saurer Reaktion des Sekretes

besteht. Bei Injektion alkalischer Flüssigkeiten werden die Parasiten

getödtet (+Braun+). Unbekannt ist bisher, ob die Trichomonaden den

Scheidenkatarrh hervorrufen oder nur Begleiter desselben sind.

[Illustration: Figur 34.

Trichomonas vaginalis, sehr stark vergrössert.

(Nach +Künstler+.)]

Neuerdings hat +Schmidt+[281] in drei Fällen von +Lungenerkrankungen+

Flagellaten beobachtet, welche er Trichomonas pulmonalis benannte,

jedoch möglicherweise für identisch mit Trichomonas vaginalis hält.

In zwei Fällen handelte es sich um eine Aspirationspneumonie und

Lungengangrän, im dritten um Bronchiektasie. Der Fundort der Protozoen

waren in allen drei Fällen ausschliesslich die übelriechenden

+Dittrich+’schen Pfröpfe, die in wechselnder Zahl und Grösse im Auswurf

angetroffen wurden. Zerdrückte man einen solchen frischentleerten

Pfropf zwischen Objektträger und Deckgläschen, so sah man zwischen

den verschiedenen Bakterien die betreffenden Infusorien, welche sich

auf den ersten Blick nicht viel von Leukocyten unterscheiden, bald

an ihrer selbständigen eigenartigen Bewegung. Die durchschnittliche

Grösse ist etwas geringer als die eines Eiterkörperchens; ihre Form

wechselt ausserordentlich. Am häufigsten zeigen sie eine ovuläre oder

unregelmässig längliche Gestalt. An dem einen Pol tragen sie eine

wechselnde Anzahl in lebhafter Bewegung begriffener Geisseln. Ausser

der Geisselbewegung existirt auch noch eine amöboide Bewegung, deren

Effekt eine fortwährende Veränderung der Leibesform ist. Färbungen

von Trockenpräparaten ergaben keine instruktiven Bilder. Am besten

ist es nach +Schmidt+ Methylviolett oder irgend eine andere Farbe am

Deckglasrande des frischen Präparates aufzutupfen und zu warten, bis

durch Diffusion der Farbstoff die im Gesichtsfeld eingestellten Thiere

erreicht. Die Färbung tritt erst dann ein, wenn die Lebensthätigkeit

aufgehört hat. Versuche, die Infusorien zu isoliren, zu züchten,

oder künstlich zu übertragen, gelangen nicht. Interessant ist noch,

dass in einem Falle mit der Besserung des Krankheitsprozesses die

+Dittrich+’schen Pfröpfe und mit ihnen die Trichomonaden aus dem Sputum

verschwanden.

Vor Kurzem hat +Wieting+[282] über das Vorkommen von Trichomonas in der

Lunge eines Schweines bei lobulärer Pneumonie berichtet.

Bei einem 4 Monate alten Schwein, das 14 Tage lang die Erscheinungen

einer Lungenaffektion dargeboten hatte, wurde nach der Sektion in

den grösseren und kleineren lobulärpneumonischen Heerden eine der

Trichomonas vaginalis sehr ähnliche Flagellatenart beobachtet. Daneben

war auch der +Fränkel-Weichselbaum+’sche Diplococcus lanceolatus

vorhanden. Die Flagellaten sind danach wahrscheinlich sekundär zur

Ansiedlung gekommen.

=Lamblia.= BLANCHARD 1888.

Die Gattung ist +charakterisirt+ durch eine vordere, saugnapfartige

Vertiefung und durch das Vorhandensein von +Geisseln am Vorderende und

am Hinterende+ des Thieres.

[Illustration: Figur 35.

Das von +Roos+ beobachtete Flagellat.]

+Lamblia intestinalis+ (+Lambl+ 1859). +Syn.+: Cerkomonas intestinalis

+Lambl+ 1859. Hexamita duodenalis +Davaine+ 1875. Dimorphus muris

+Grassi+ 1879. Megastoma entericum +Grassi+ 1881. Megastoma

intestinale. +Blanchard+ 1886.

Die Parasiten sind von birnförmiger Gestalt und die vier Geisselpaare

nach hinten gerichtet. Die Länge beträgt 0,010–0,016 mm, die Breite

0,005–0,0075 mm. Die +Cysten+ sind oval, 0,009–0,012 mm lang und

0,007–0,010 mm breit; sie erscheinen wasserhell, leicht grünlich; der

eingeschlossene Parasit ist oft nur andeutungsweise als dunklerer

S-förmiger Körper zu sehen.

Man hat Lamblia intestinalis beim +Menschen+ sowohl bei Gesunden wie

bei Kranken, bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern gesehen und ist

jetzt zu der Ansicht gekommen, dass der Parasit im Ganzen sehr häufig

beim Menschen vorkommt, jedoch eine besondere pathogene Bedeutung nicht

besitzt.

+Bei Thieren+ ist der Schmarotzer sehr oft festgestellt worden, und

besonders im Darm (vorwiegend im Duodenum und Jejunum) der Mäuse,

Ratten, Katzen, Kaninchen und Schafe beobachtet.

[Illustration: Figur 36.

Lamblia intestinalis von der Fläche, von der Seite, auf Darmepithelien,

abgestorbene und encystirt. (Nach +Grassi+ und +Schewiakoff+.)]

Hinsichtlich der +Infektion des Menschen+ wird angenommen, dass der

Mensch sich die Parasiten durch Aufnahme der Cysten einverleibt, welche

in den meisten Fällen von den Mäusen und Ratten ausgestreut, ins Wasser

oder auch in andere Nahrungsmittel gelangen und so den Weg in den

menschlichen Körper finden.

Neuerdings hat +W. Janowski+[283] in einer sehr fleissigen Arbeit,

welche die gesammte Litteratur berücksichtigt, die +Frage der Bedeutung

der Flagellaten für die Pathologie des Darmkanals+ erörtert und gelangt

dabei auf Grund seiner eigenen 6 Beobachtungen und auf Grund der ganzen

diesbezüglichen Litteratur zu dem Schlusse, dass die +Anwesenheit

der Flagellaten im Darme grösstentheils ganz ohne Einfluss+ auf

die Funktionen desselben ist, dass jedoch in +Ausnahmefällen+, die

Flagellaten durch ihre Anwesenheit den +Darm reizen+ und theils

Diarrhöe hervorrufen, theils dieselbe in die Länge ziehen können.

„Dies schliessen wir, sagt +Janowski+, aus den bis jetzt schon

vorhandenen Daten über gewisse Fälle, in denen Trichomonaden oder

Cerkomonaden im Darme vorhanden waren. Ist dies aber der Fall, so liegt

darin ein Grund mehr für uns, in jedem Diarrhöefall im Krankenhause und

wenigstens bei jeder hartnäckigen Diarrhöe ausserhalb des Hospitals

den frisch abgegebenen Stuhl einer mikroskopischen Untersuchung

zu unterziehen. Auf diese Weise ist doppelter Nutzen zu erzielen.

Erstens wird weit rascher, als es bis jetzt der Fall war, ein Material

zusammenkommen, auf Grund dessen die Frage von der Bedeutung der

Flagellaten in der Pathologie des Darmkanals bald ihre vollständige

Lösung finden wird. Zweitens gewinnt der behandelnde Arzt dadurch

eine Handhabe, um im betreffenden Falle von vorne herein die richtige

Prognose zu stellen und sich für eine entsprechende Behandlungsmethode

zu entscheiden. Von allen Fällen, in denen es sich um hartnäckige

Diarrhöe mit Vorhandensein zahlreicher Flagellaten im Stuhle handelt,

kann man sagen, dass die +geeignetste Behandlung derselben die gegen

die Flagellaten selbst gerichtete ist+. Gerade diese +Therapie+ giebt

zuweilen (+Zunker+, +Roos+ u. A.) sehr rasch günstige Resultate,

während jede andere sich erfolglos erweist. Die Behandlungsmethode ist

äusserst einfach: der Kranke erhält mehrere Tage nach einander 3–4mal

täglich 0,1–0,2 Kalomel. Selbstverständlich muss sorgfältig auf

etwaige sich einstellende Vergiftungssymptome geachtet und die Kur

in diesem Falle unterbrochen werden. Gewöhnlich hört nach 3 solchen

Kuren die Diarrhöe auf. Die Intervalle zwischen den einzelnen Kuren

müssen je nachdem, ob und wie bald sich wieder Flagellaten im Stuhl

zeigen und je nachdem der Kranke sich dem Kalomel gegenüber verhält,

von verschiedener Dauer sein. Zuweilen hilft schon 1 solche Kur

und leistet somit bessere Dienste als der jahrelange Gebrauch von

Mineralwasser oder von anderen therapeutischen Mitteln. Ungeachtet der

Seltenheit solcher Fälle, in denen die Flagellaten die wahre Ursache

der Diarrhöe sind, sollte man sie doch in keinem Falle von hartnäckiger

Diarrhöe ausser Acht lassen und eine gegen sie gerichtete Behandlung

einschlagen, sobald man zahlreiche Exemplare derselben in frisch

abgegebenen Entleerungen solcher Individuen findet, bei denen keine

andere Ursache für den Durchfall nachzuweisen ist.“ -- Manche empfehlen

zu diesem Zwecke ausser Kalomel noch Klystiere mit einer schwachen

Sublimatlösung, und in einem Falle glaubt +Janowski+, dass Chinin die

Trichomonaden getödtet hat[284].

* * * * *

+L. Pfeiffer+[285] glaubt, dass bestimmte Arten der =Diphtherie der

Vögel= durch Flagellaten hervorgerufen werden. Bekannt ist in dieser

Hinsicht bisher nur, dass Protozoen, wahrscheinlich Koccidien, solche

Erkrankungen hervorrufen können. +L. Pfeiffer+ fand bei allen kranken

Tauben, bei welchen die Krankheit auf den Schleimhäuten ausgesprochen

war, Flagellaten im Schleim des Maulinnern und der Trachea. Sie

+fehlten+ im Maulschleim +gesunder+ Tauben. Bei akut tödtlichen

Erkrankungen unter Hühnern, Enten, Krähen, Pfauen und Truthähnen

mit diphtherischen Veränderungen in der Trachea und im Darm fanden

sich Millionen dieser Flagellaten. +Verimpfungen+ des Schnabel- oder

Darminhaltes in das Schnabelinnere von gesunden Tauben und Hühnern

bewirkte in zwei Tagen den Tod der Impfthiere und fanden sich dann

Millionen von Flagellaten in der Trachea und im Darmrohr vertheilt.

+Pfeiffer+ zählt die von ihm beobachtete Flagellate zur Gattung

+Trichomonas+. Ein undulirender Saum bewegt sie lebhaft von vorne nach

hinten. Die Zahl der Geisseln beträgt 2, 3–4; in der Mehrzahl der Fälle

3. Ein grosser Kern liegt an der Geisselbasis, ein bis zwei kontraktile

Vakuolen am anderen Pol. Eine typische Gestalt hat jedoch nach

+Pfeiffer+ die Flagellate nicht, Theilungen sind häufig zu bemerken.

+Babes+ fand ähnliche Protozoen auch auf der normalen Schleimhaut der

Vögel und glaubt, dass sie die Ursache der Erkrankung nicht sind.

=II. Ordnung: Ciliaten= (Wimperinfusorien).

=Zoologisches.= Die Ciliaten leben theils frei schwimmend, theils

festsitzend und Kolonien bildend, im süssen, wie salzigen Wasser.

Zahlreiche Arten sind Parasiten bei verschiedenen niederen und

höheren Thieren und einige auch beim Menschen. Die +Wimpern+, deren

verschiedene Anordnung am Körper das Prinzip für die Klassifikation

der Ciliata ist, sind stets Fortsetzungen des Ektosarkes; ihre Gestalt

ist verschieden, haar-, seltener dorn- oder griffel- oder hakenförmig;

auch undulirende Membranen kommen gelegentlich vor (+Braun+). Die

+Vermehrung+ geschieht durch Zweitheilung, seltener, nach Encystirung

oder durch Knospung. Die Theilungen können sich vielfach wiederholen,

sistiren aber schliesslich, um durch Konjugation zweier Individuen

eine Regeneration besonders der Kerne zu ermöglichen. Fast überall ist

ein +Grosskern+ (Makronukleus) und demselben meist dicht anliegend

ein +Kleinkern+ (Mikronukleus) vorhanden. Zahlreiche Untersuchungen

(+Bütschli+, +Hertwig+, +Maupas+) lehrten, dass nachdem sich zwei

Individuen mit gleichnamigen Körperflächen aneinander gelegt haben,

der Mikronukleus sich vom Makronukleus trennt, sich vergrössert und

unter den Erscheinungen der Karyokinese zweimal theilt, so dass in

jedem Paarling (Gamet) 4 Mikronuklei vorhanden sind; drei derselben

gehen zu Grunde und werden resorbirt, der vierte rückt allmählich

nach einer durch Resorption der Kutikula an der Berührungsfläche der

Gameten entstandenen Verbindungsbrücke des Protoplasma und tauscht die

Hälfte seiner Substanz gegen die Hälfte des vierten Mikronukleus des

anderen Gameten aus; dann rekonstruirt sich dieser Mischkleinkern und

theilt sich in jedem Gamet, gewöhnlich zweimal. Von den so entstandenen

Theilstücken wird eines zum neuen Mikronukleus, eines oder mehrere

verschmelzen zum neuen Makronukleus. Der alte Grosskern ist gegen Ende

der Konjugation zerfallen und resorbirt worden. Gewöhnlich trennen

sich die beiden Gameten früher oder später und vermehren sich dann

selbständig durch Theilungen, bis einer Reihe von Theilungen wieder

Konjugation folgt (+Braun+). Encystirung ist unter den Ciliaten

allgemein verbreitet und dient als Schutzmittel beim Eintrocknen der

Gewässer, in welchen die Ciliaten leben. Weil solche Cysten durch den

Wind weit fortgetragen werden können, ist erklärlich, dass die meisten

Arten eine sehr grosse geographische Verbreitung besitzen.

Nach +v. Stein+ werden die Ciliaten in folgender Weise eingetheilt,

wobei die verschiedene Anordnung der Wimpern am Körper zu Grunde gelegt

wird.

1. Ordnung: +Holotricha+, ciliate Infusorien mit Wimpern, welche

gleichmässig über den ganzen Körper vertheilt sind.

2. Ordnung: +Heterotricha+, wie die Holotricha allseitig bewimpert,

aber mit stärkeren Wimpern am Peristom.

3. Ordnung: +Hypotricha+, nur auf der Ventralfläche bewimpert.

4. Ordnung: +Peritricha+, nur mit einer Wimperspirale, meist

festsitzend.

=Beim Menschen= sind parasitische Infusorien aus den Ordnungen

Heterotricha und Peritricha bekannt.

Zu den +Heterotricha+ gehörig ist von Bedeutung:

=Balantidium koli= (Malmsten 1857) (Syn.: Paramaecium koli)[286].

=Zoologisches.= Der eiförmige Parasit besitzt eine Länge von 0,01–0,07

mm und eine Breite von 0,05–0,07. Der Körper ist vollständig mit

Flimmerhaaren besetzt: es verlaufen ferner über den Körper von vorne

nach hinten parallele Streifen. Die Fortpflanzung erfolgt durch

Konjugation und Encystirung. +Leuckart+[287] hat das konstante

Vorkommen der Parasiten im +Cöcum und Colon des Schweines+ zuerst

nachgewiesen und dabei sechs verschiedene Arten Balantidium als

normalen Befund angegeben. Auch in der +Kloake des Frosches+ sind

Balantidien stets zu finden.

+Beim Menschen+ ist nur +eine Art Balantidium+ beobachtet worden

und der Entdecker derselben ist +Leuwenhoek+, der es an sich selbst

gefunden hat. Das Verdienst jedoch diesen Parasiten in der Medizin

bekannt gemacht zu haben, gebührt +Malmsten+[288] (1856), welcher in

zwei Fällen von schwerer Darmerkrankung nach Cholera und Cholerine

denselben in den Stuhlentleerungen der Kranken aufgefunden hat. Später

sind dann noch aus Stockholm und Upsala[289] weitere 13 Fälle gemeldet

worden, über welche +Mitter+[290] neben anderen eine Uebersicht giebt.

Zwei weitere Fälle sind dann noch aus Dorpat, je einer aus Freiburg,

Turin und den Sundainseln, 6 Fälle aus Kochinchina, 2 Fälle aus Amerika

bekannt geworden. Zu diesen 28 Fällen sind dann noch hinzugekommen

ein Fall von +Roos+[291], fünf Fälle von +Lösch+[292] und zwei von

+Dehio+[293], so dass etwa 36 Fälle in der Litteratur mitgetheilt sein

dürften.

[Illustration: Figur 37.

Balantidium coli. _a_) Kern. _b_) Vakuole. _c_) Peristom. _d_)

Nahrungsballen.]

Hinsichtlich der +Aetiologie+ ist die Vermuthung berechtigt, dass

zwar das Schwein der eigentliche Träger des Parasiten ist, der

Mensch sich jedoch gelegentlich durch das Schwein infiziren kann.

+Mitter+ giebt nach seiner Uebersicht an, dass in 13% der Fälle

die Patienten wahrscheinlich, in 13% +sicher+ ihre Balantidien von

den Schweinen bezogen haben. Wie jedoch die Balantidien in den

menschlichen Körper gelangen, ist mit Sicherheit noch nicht zu

entscheiden. Die eingekapselten Balantidien können sowohl mit dem

Winde aufgewirbelt und eingeathmet werden, wie auch mit den damit

verunreinigten Nahrungsmitteln in den Verdauungskanal des Menschen

gelangen. Andererseits ist bemerkenswerth, dass in mehr als der Hälfte

der mitgetheilten Fälle die Durchfälle, welche auf die Anwesenheit

der Balantidien bezogen werden müssen, sekundär bei solchen Kranken

aufgetreten sind, die vorher an sonstigen schweren Erkrankungen des

Verdauungstraktes, wie z. B. Cholera, Typhus, tropischer Ruhr, akuter

Gastritis gelitten haben.

Hinsichtlich der +Symptome und des Krankheitsverlaufes+ ist zu

erwähnen, dass stets die Erscheinungen eines mehr oder weniger heftigen

Darmkatarrhs vorhanden sind, welcher mit vielfachen Verschlimmerungen

und Verbesserungen verlaufen kann und nach den bisherigen Erfahrungen

nur wenig Aussicht auf definitive Heilung giebt. So sind Fälle bekannt,

wo die Dauer 20 Jahre betragen hat; auch erfolgten in einzelnen

Krankheitsfällen die Stuhlentleerungen 10–20mal täglich.

Aus den wenigen Sektionsberichten geht hervor, dass +Geschwüre im

Dickdarm+ auftreten und sich die Balantidien mit Vorliebe im Cöcum,

Wurmfortsatz und im Mastdarm ansiedeln. Manchmal kann, wie ein von

+Dehio+ mitgetheilter Fall lehrt, die Ansiedelung der Balantidien

sehr massenhaft erfolgen und die entstehenden Darmgeschwüre zu

+Darmblutungen+ mit tödtlichem Ausgang führen.

Demnach kann man aussprechen, dass die +Balantidien+ in einzelnen

Fällen +direkte Krankheitsursache+ sind, in anderen bestehende

Darmerkrankungen durch ihr Hinzukommen wesentlich verschlimmern, oder

-- wie +Dehio+ bemerkt -- eine +Balantidien-Kolitis+ hervorrufen

können. Erwähnt sei hier noch, dass +Grassi+ und +Calandruccio+ sich

durch Balantidiencysten aus dem Schwein nicht zu infiziren vermochten.

+Was die Behandlung+ betrifft, so herrscht unter den Autoren darin

Uebereinstimmung, dass innere Mittel (Opiate und Adstringentien)

nicht helfen. Besserungen sind nur durch die +örtliche+ Behandlung

des Dickdarmes mit Klystieren aus Tannin oder Chinin. muriat. erzielt

worden (50 g Essigsäure mit 5 g Acid. tann. auf 2000 ccm Wasser; oder

Chinininfusionen 1:1000,0 Wasser). +Dehio+ beobachtete, dass die

Balantidien nach der innerlichen Verabfolgung von +Felix mas+ sich

sammt und sonders +encystirten+ und den Darm in dieser Form verliessen.

Die Vermuthung liegt nahe, dass dieses Mittel nicht nur auf die

parasitischen Würmer, sondern auch auf niedere Thierorganismen als ein

spezifisches Gift wirken.

=Bei Thieren= ist, wie erwähnt, Balantidium koli nur beim +Schwein+

beobachtet worden. Man hat den Parasiten sowohl in Deutschland, wie

auch in Schweden, Russland, Frankreich und Italien bei Schweinen

gefunden. Derselbe scheint jedoch etwas kleiner zu sein, als

Balantidium koli des Menschen. Bei etwas reichlicher Anwesenheit im

Dickdarm des Schweines sind die Parasiten oft schon mit der Lupe als

kleine, weissliche, mobile Pünktchen zu erkennen (+Kitt+). In halb

vertrockneten Exkrementen des Schweines und in mikroskopischen, mit

Wasser angemachten Präparaten, welche einige Zeit gestanden haben,

verschrumpft der Cilienbesatz, das Balantidium erscheint als ruhende

Blase von 80–100 µ (+Kitt+). Erwähnt ist auch bereits, dass mit dem

Kothe der Schweine zahlreiche, bereits encystirte oder sich bald

encystirende Balantidien entleert werden.

Nach allen bisherigen Erfahrungen scheint +Balantidium koli für das

Schwein+ ohne jede Bedeutung zu sein, da Krankheitserscheinungen trotz

oft massenhafter Anwesenheit der Parasiten nicht beobachtet werden.

Nachtrag.

=1. Ueber die systematische Stellung der Miescher’schen Schläuche und

deren Züchtung.=

+Behla+ hat vor Kurzem zwei „vorläufige Mittheilungen“[294] über seine

Befunde hinsichtlich der systematischen Stellung der Parasiten der

+Miescher+’schen Schläuche und deren Züchtung veröffentlicht, aus

welchen das Nachfolgende hier erwähnt sei.

+Behla+ strich rein entnommenen Cysteninhalt auf frisches mit

aseptischen Instrumenten aufgespaltenes Muskelfleisch derselben

Thierart oder in frisch mit zerzupften Muskelfasern vermengten

Muskelsaft und beobachtete die Entwicklung von Sprosspilzen. Durch

weitere Versuche ist es dann +Behla+ gelungen nachzuweisen, dass

der erzielte Blastomycet mit dem +Kartoffelpilz+, Phytophthora

infestans, zusammenhängt. Nur solche Thiere würden auch von der

Sarkosporidienkrankheit befallen, welche Kartoffeln zu sich nehmen oder

Pflanzenblätter, auf denen der betreffende Pilz vegetirt. Den weiteren

Entwicklungsgang stellt sich nun +Behla+ in folgender Weise vor.

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 15 / 20 段