Bezeichnungen +Gallenfieber+, +Blackwater fever+, +Fièvre bilieuse
hématurique+ oder auch einfach +perniciöses Fieber+ bekannt. Auch in
Italien, in Griechenland, auf den Antillen, in Java und in New-Guinea
ist es beobachtet worden. In Westafrika scheint es vor etwa 15 Jahren
noch auf Dakar, Lagos und Gabun beschränkt gewesen zu sein, seitdem
aber um sich gegriffen zu haben. In Kamerun sind seit 1890 von 61
(unter 93) gestorbenen Europäern, deren Todesursache bekannt ist
16 = 16% der Krankheit erlegen. Unter 439 von +Plehn+ behandelten
Fieberanfällen bei Weissen handelte es sich einschliesslich der eigenen
Erkrankung, welche ihn nach seiner Rückkehr in Berlin befiel, 39mal um
Schwarzwasserfieber. Neger scheinen im Ganzen selten daran zu erkranken.
Einmaliges Ueberstehen der Krankheit schützt gegen eine neue Infektion
nicht, scheint vielmehr die Empfänglichkeit dafür zu steigern. Häufig
erfolgt die Erkrankung kurze Zeit nach Gemüthsaufregungen oder nach
körperlichen Anstrengungen und Entbehrungen. Die +Inkubationszeit+
lässt sich fast nie bestimmen, da dieselbe in den weitaus meisten
Fällen als +Recidiv unkomplizirter Malaria+ auftritt. Ein +primäres
Schwarzwasserfieber+ ohne vorangegangene unkomplizirte Malaria hat
+Plehn+ nur in drei Fällen gesehen.
Dem eigentlichen Anfalle gehen +Prodromalerscheinungen+ voraus,
bestehend in Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Rücken- und
Gliederschmerzen und in leichten Fieberbewegungen. Der +Anfall+ selbst
setzt gewöhnlich mit intensivem und lange anhaltendem Schüttelfrost
ein; das Sensorium ist häufig leicht getrübt; die quälendsten
Erscheinungen sind Uebelkeit und unstillbares Erbrechen; dazu gesellt
sich ein zunehmendes Oppressionsgefühl auf der Brust, das sich bis
zu hochgradiger Athemnoth steigern kann. Stets tritt +Ikterus+ auf,
der meist rasch zunimmt und in schweren Fällen bereits nach kurzer
Zeit eine tief citronengelbe Färbung annehmen kann. Das +Fieber+ ist
sehr unregelmässig und zeigt einen der Kurve des septischen Fiebers
ähnlichen Verlauf. Der +Puls+ ist meist stark beschleunigt, 120–140,
gespannt und voll; dauert die Krankheit längere Zeit, so wird er
schnell klein und aussetzend. Die +physikalische Untersuchung+ der
Organe ergiebt wenig Charakteristisches; das Abdomen ist nicht selten
in toto empfindlich; Vergrösserung der Milz war nur in der Hälfte der
Fälle nachzuweisen.
Bei der +mikroskopischen Untersuchung des Blutes+ finden sich
ausserordentlich zahlreich Makrocyten vor; ein grosser Theil der rothen
Blutkörperchen ist auffällig blass; bei einigen lässt sich irgendwelche
Färbung überhaupt nicht mehr erkennen. Sehr +charakteristisch+ für die
Krankheit ist das +Verhalten des Urins+. Derselbe ist von Beginn des
Fiebers ab +dunkelschwarzroth+. In schweren Fällen ist häufig bereits
der erste im Fieber gelassene Urin dunkel-schwarzroth, nicht selten so
dunkel, dass sich die rothe Beimischung nur bei durchfallendem Licht im
Tropfen erkennen lässt. Ebenso ist in schweren Fällen die Quantität des
Urins herabgesetzt und seine Entleerung mit starken Urethralschmerzen
verbunden. Beim Kochen zeigt der Urin einen starken +Eiweissgehalt+;
es besteht Nephritis. Gallenfarbstoff und Gallensäure wurde vom Verf.
darin nicht gefunden. In schweren Fällen führt die Krankheit durch
Herzschwäche oder nachfolgende Nephritis zum Tode; zuweilen tritt
Hämoglobinsäure paroxysmatisch und intermittirend auf; in leichten
Erkrankungen fehlt sie manchmal gänzlich.
+Aetiologisch+ zählt +Plehn+ das +Schwarzwasserfieber+ zur +Malaria+.
Der Nachweis der Parasiten gelang erst bei der Untersuchung frischen
lebenden Blutes auf konkavem Objektträger. Es fanden sich in den
rothen Blutkörperchen helle, in Methylenblau nicht färbbare Flecke,
+ohne+ Pigmentbildung. Die Parasiten wuchsen nur bis zur Grösse des
vierten Theils eines rothen Blutkörperchen heran, während die bei uns
heimischen Malariaamöben ein solches schliesslich nahezu vollkommen
auszufüllen pflegen. Später zerfielen die Parasiten in 5–6 kleinere,
an dem einen Pol stärker färbbare Gebilde. Dieselben blieben entweder
im Zusammenhang und nahmen dabei eine sternförmige Gestalt an, oder
sie wurden frei und bewegten sich dann schnell in der Blutflüssigkeit
fort. Wie schon erwähnt, +fehlte+ das in heimischen Malariaamöben
stets anzutreffende +Pigment+ in den Schwarzwasserparasiten gänzlich,
ebenso sind die letzteren viel kleiner und besitzen eine gleichmässig
oval-ringförmige Gestalt.
Des Weiteren macht +Plehn+ noch darauf aufmerksam, dass das +Chinin+
-- wie dies ja auch für eine grössere Reihe anderer chemischer
Körper überhaupt nachgewiesen ist -- die Fähigkeit hat, beim relativ
Gesunden +Hämoglobinurie hervorzurufen+, oder ein gewöhnliches Fieber
in ein hämoglobinurisches zu verwandeln und ein hämoglobinurisches
in erheblicher Weise zu verschlimmern. +Plehn+ kommt nach seinen
Erfahrungen über die Wirkung des Chinins bei dem Schwarzwasserfieber
zu dem Ergebniss, dass das Fieber +ungünstig+ beeinflusst wird. Die
Krankheit hat eine ausgesprochene Neigung zur Spontanheilung. Nützlich
erwies sich die von +Kohlstock+ empfohlene Einathmung von komprimirtem
Sauerstoff.
Den Beobachtungen von +Plehn+ gegenüber erklärte dann +Belon+[257],
dass das Schwarzwasserfieber keine besondere, der Gruppe der Malaria
zugehörige Krankheit vorstelle; vielmehr sei die von +Plehn+
beschriebene Erkrankung nichts anderes als Gelbfieber.
Dem gegenüber hält jedoch +Plehn+[258] seine Mittheilungen in vollem
Umfange aufrecht und führt noch zum Beweise für die Richtigkeit seiner
Auffassung folgende +Unterschiede zwischen Schwarzwasserfieber und
Gelbfieber+ an:
1. Gelbfieber ist epidemisch und kontagiös, Schwarzwasserfieber eine
sporadische nur ausnahmsweise in Gruppen von Fällen auftretende,
niemals ansteckende Krankheit.
2. Die Gefahr der Gelbfiebererkrankung ist bei der Ankunft am Fieberort
am grössten und nimmt mit der Dauer des Aufenthalts daselbst ab;
Schwarzwasserfieber befällt meist Personen, die schon längere Zeit an
dem Orte leben. Gelbfieber wiederholt sich selten, Schwarzwasserfieber
häufig bei derselben Person. Das bei Gelbfieber charakteristische
blutige Erbrechen wurde von +Plehn+ bei Schwarzwasserfieber niemals
gesehen. Bei Gelbfieber ist der Ikterus nicht konstant und meist
ein später eintretendes Symptom; beim Schwarzwasserfieber ist die
Gelbfärbung stets und zwar beim Beginne der Krankheit vorhanden;
ebenso verhält es sich mit der Albuminurie. Der Verlauf ist bei
Gelbfieber regelmässig und zerfällt in typische Abschnitte, bei
Schwarzwasserfieber nach Dauer und Intensität wechselnd. Die
Zerfallserscheinungen des Blutes und die Parasiten, welche dem
Schwarzwasserfieber eigenthümlich sind, fehlen beim Gelbfieber.
3. Die Magenschleimhaut wird bei Leichenöffnungen der an Gelbfieber
Verstorbenen stark entzündet, bei Schwarzwasserfieber blass und
blutleer gefunden; die Leber ist bei der ersteren Krankheit
fettig degenerirt, bei der anderen stark hyperämisch und durch
Pigmentablagerung intensiv dunkel gefärbt.
Von +Kückel+[259], welcher nur 4 Fälle von Schwarzwasserfieber
auf einer Seereise nach dem Kongo zu behandeln Gelegenheit hatte,
glaubt, dass das Chinin in grossen Gaben (8–12 Gramm am ersten
Tage gegeben), durchaus günstig wirkt. Gegenüber dieser auf nur
vier Krankenbeobachtungen gegründeten Auffassung +Kückels+ hat
+Plehn+ in einen auf der 67. Naturforscherversammlung in Lübeck
gehaltenen Vortrage sich auf neue, seitens der deutschen Aerzte
in den Reichskolonialgebieten gesammelten Erfahrungen berufen und
nachdrücklich nochmals seine Auffassung vertreten, dass das +Chinin
in der Behandlung des Schwarzwasserfiebers nicht nur nutzlos, sondern
geradezu schädlich sei+.
* * * * *
Hinsichtlich des sog. +biliösen Typhoids+, welches neuerdings überhaupt
nicht mehr zum Typhus gerechnet wird, hatten +Schiess-Bey+ und
+Bitter+[260] Gelegenheit in Alexandrien 4 Fälle zu beobachten. Sie
fanden bei ihren Untersuchungen des Blutes der Lebenden 1–2 µ grosse
Plasmodien sowohl in den rothen Blutkörperchen, wie auch freiliegend
und dann lebhafte amöboide Bewegungen ausführend. Daneben konnten alle
Stadien wie bei Malariaparasiten festgestellt werden. Deshalb kommen
+Bitter+ und +Schiess-Bey+ zu der Ansicht, das biliöse Typhoid den
Malariakrankheiten anzuschliessen.
Anhang.
Es mag noch erwähnt sein, dass +Doehle+[261] in dem frischen Blute,
sowohl in der Blutflüssigkeit wie in den rothen Blutkörperchen von
=Masernkranken= sich langsam aber deutlich bewegende Gebilde von ½-1
µ Durchmesser gefunden hat, die einen hellen Hof und einen dunklen
Kern hatten, auch 1–2 Fortsätze erkennen liessen. +Doehle+ hält diese
Gebilde für die Erreger der Masern.
+Derselbe Autor+ fand auch im Blute von Scharlachkranken
geisseltragende Kugeln, die er für die Erreger des =Scharlachs= hält.
Auch =im Blute Syphilitischer= sowie in dem =Blute und in den
Pockenpusteln Pockenkranker= fand +Doehle+[262] dieselben
eigenthümlichen Gebilde.
Bezüglich der bei =Syphilis= gefundenen Gebilde hat +Doehle+ vor Kurzem
über weitere Versuche berichtet[263].
+Doehle+ gelang es zunächst die fraglichen Gebilde auch im Gewebe
nachzuweisen.
Färbt man mit einer Mischung von Hämatoxylin und Karbolfuchsin,
differenzirt danach durch Behandlung mit Jod oder Chrompräparaten
und Alkohol, so ergiebt sich eine Doppelfärbung. In syphilitischen
Entzündungsprodukten verschiedener Organe (Schanker, Hodengumma,
Hirngumma, Herzgumma, Lungen- und Lebergumma, [bei kongenitaler
Syphilis]) findet man die Kerne in gewöhnlicher Weise mit Hämatoxylin
gefärbt (oder auch bei Anwendung von Chrom fast vollkommen entfärbt);
ausserdem aber intensiv roth gefärbte Körper von verschiedener
Grösse, an denen ebenfalls hin und wieder Fortsätze zu sehen sind.
Die kleinsten Körper sind gewöhnlich rund, die grösseren rund oder
eckig in den verschiedenen Formen, wie wenn sie in verschiedenen
Bewegungszuständen fixirt seien. Die Färbung ist jedoch nicht lange
haltbar. Bei vergleichenden Färbungen an aus anderer Ursache krankhaft
veränderten Geweben fand sich nur einmal eine gleiche Reaktion bei
einem zweifelhaften Sarkom. +Doehle+ hält die im Gewebe gefärbten
Körper für identisch mit den von ihm früher im lebenden Zustande
beobachteten und beschriebenen.
+Doehle+ hat auch Impfungen ausgeführt und benutzte dazu ½ ccm
grosse Stücke von Gummen der Lunge, der Leber oder auch von der
stark veränderten Milz von genitaler Lues. Mit Erfolg wurde auch das
Material von Kindern benutzt, die einige Zeit gelebt hatten. Unter
Berücksichtigung aller Vorsichtsmassregeln wurden die Stückchen dann
unter die Haut am Bauche von Meerschweinchen gebracht. Der weitere
Verlauf ist dann in der Regel folgender:
Die Wunde heilt in wenigen Tagen ohne Eiterung. Das Impfstück ist
zunächst unter der Haut noch verschieblich, dann entwickelt sich darum
eine entzündliche Infiltration, deren Betasten dem Thiere Schmerzen
verursacht; nach ungefähr 4 Wochen ist die Infiltration zurückgebildet
und man fühlt jetzt deutlich wieder das Impfstück. +Ein Geschwür
bildet sich von dem Impfstück+ ausgehend nie. Die Resorption des
implantirten Stückes geht sehr langsam vor sich, so dass man noch nach
3–4 Monaten gelegentlich einen Rest davon fühlen kann. Die geimpften
Thiere sind in den ersten Monaten anscheinend vollkommen gesund, bei
jungen Thieren findet allerdings ein geringeres Wachsthum statt, als
bei den gleichalterigen nicht geimpften. Im 4. oder 5. Monat kann man
den Thieren ansehen, dass sie krank sind. Sie magern ab, die Haare
werden struppig. Dieser Krankheitszustand wird immer stärker, dabei
werden die Thiere schwächer, so dass sie wenig lebhaft sich bewegen,
die Hinterbeine nachschleppen und endlich unter hochgradiger Abmagerung
zu Grunde gehen. Die +Dauer der Krankheit+ von der Impfung bis zum
Tode beträgt durchschnittlich 8–9 Monate. Die +Sektion+ ergiebt an
Organveränderungen nichts als eine vergrösserte Milz mit sehr starker
rostfarbener Pigmentirung, etwas geschwollene Lymphdrüsen, und bei
einzelnen Thieren mikroskopisch nachweisbar eine Vermehrung des
interstitiellen Gewebes der Lunge.
Im +Blute der kranken Thiere+, und ebenso der gestorbenen, wenn
es frisch zur Untersuchung kommt, fanden sich bewegliche Körper,
die theils einfache Kugeln oder Ovale darstellen, theils zu zweien
nebeneinander hingen, in Bewegung waren und öfter eine Geissel erkennen
liessen. Grössere Formen fanden sich nur spärlich. Ausserdem zahlreiche
rothe Blutkörperchen als pigmentlose Scheiben und ungewöhnlich kleine
Blutscheiben in grosser Zahl. Die beweglichen Körper stimmten in ihrem
Verhalten überein mit den von +Doehle+ schon früher bei Syphilis
beschriebenen und zwar hauptsächlich mit den kleineren Formen.
Desgleichen stimmten sie überein mit dem Befunde im Blute bei Roseola
syphilitica.
„Dies würde ein Beweis sein, sagt +Doehle+, dass eine Infektion
stattgefunden hat und Organismen, die Jenen, welche man bei
menschlicher Syphilis findet, ungemein ähnlich, resp. gleich sind,
im Blute der Meerschweinchen sich entwickeln können, ferner, dass
unter dem Einflusse derselben eine erhebliche Veränderung des Blutes
stattfindet, ähnlich der Blutveränderung bei der Syphilis des Menschen.
Aber nicht nur dieser Beweis, sondern hauptsächlich der typische
Krankheitsverlauf nach Implantation von syphilitischem Material ist es,
der zu dem Schlusse zwingt, dass die Syphilis auf Thiere übertragbar
ist, hiermit zu weiteren Untersuchungen auffordert, um endlich diese
Krankheit dem Thierexperiment zugängig zu machen.“
* * * * *
[Illustration: Figur 31.
Parasiten aus +Variolalymphe+ einer Impfstelle der Kornea, nach
+Guarnieri+.
1. Schnittpräparat mit Parasiten innerhalb der Epithelien. Vergr.
c. 600. 2. Stärkere Vergrösserung einer einzelnen Zelle. 3.
Sporulationsstadium (?).]
Bei den =Pocken= hatte +Doehle+ im +Blute+ und +Guarnieri+[264] auf
Schnitten von dem präpustelaren Stadium in den Zellen der Malpighischen
Schicht neben dem Kern färbbare, unregelmässig geformte Körperchen
gefunden. +Guarnieri+ erhielt dann durch Verimpfung von minimalen
Mengen Vaccinalymphe auf die Kornea von Kaninchen an Ort und Stelle
eine Epithelverdickung, dann bildete sich ein kleiner Substanzverlust,
das Knötchen wuchs dabei, und in der Umgebung traten neue, kaum
sichtbare, epitheliale Wucherungen auf. An Epithelfetzen, die frisch
untersucht wurden, liessen sich in zahlreichen Zellen kleine glänzende
Körperchen nachweisen, die den Kern häufig etwas zur Seite gedrängt
hatten und die auf dem geheizten Objekttisch untersucht, langsame
amöboide Bewegungen ausführten. Auf Schnitten lagen die Körperchen
in einer Lücke des Leibes der Epithelzellen, zeigten im fixirten
Zustande eine unregelmässige Form, einen stärker färbbaren Kern und
manchmal Vakuolen. Die grössten Parasiten, welche öfters zu zweien
dicht aneinander lagen und Andeutungen von Karyokinese zeigten,
erreichten etwa die Grösse der Epithelkerne. Zuweilen fand +Guarnieri+
Veränderungen, welche als Sporulationsphasen betrachtet werden
konnten. Dabei zeigten die Fremdkörper eine radiäre Furchung oder
eine Maulbeerform. Bei Wiederholung der Korneaimpfungen konnte neben
einzelnen ungünstigen Ergebnissen manchmal ein dem eben beschriebenen
ganz ähnliches Ergebniss erzielt werden.
Die Befunde von +Guarnieri+ sind später von +L. Pfeiffer+[265],
+E. Pfeiffer+[266], +Sicherer+[267], +Monti+[268], +Ruffer+[269],
+Plimmer+[270], +J. Clarke+[271] u. A. bestätigt worden. +Guarnieri+
war theilweise von Arbeiten ausgegangen, welche früher +van der
Loeff+[272] und +L. Pfeiffer+ unabhängig von einander ausgeführt
hatten, wobei Protozoen im Inhalte der Pockenpustel gefunden und
beschrieben worden waren.
+Guarnieri+ fand die Zellschmarotzer sowohl bei Variola wie auch
bei Vaccina und nannte sie +Cytoryctes variolae+ und +C. vaccinae+.
Die beschriebenen Gebilde fanden sich auch in den Epithelien der
Schleimhautverdickungen am Larynx und Pharynx, wenn auch weniger
deutlich. +Guarnieri+ fixirte für seine Untersuchungen die Hornhaut in
Sublimatessigsäure und fertigte dann Serienschnitte an.
Neuerdings hat nun +v. Wasielewski+[273] weitere Studien über diese
Gebilde angestellt und dabei eine Technik verwerthet, deren Benutzung
nach seiner Ansicht am meisten vor Misserfolgen schützt.
Zur Impfung wurde Glycerinvaccina der Impfinstitute zu +Weimar+ und
+Halle+ sowie frische Rinderlymphe benutzt. Meistens (50) wurden
Kaninchen, seltener (10) Meerschweinchen für die Versuche benutzt.
Als Fixirungsflüssigkeiten wurden Sublimatchromsäure (Sublimat,
konzentrirte wässrige Lösung 200,0 + Aqu. destill. 250,0 + Ac.
chrom. 0,5), Pikrinsublimat (konzentrirte wässrige Pikrinsäurelösung
1000,0 + konzentrirte wässrige Sublimatlösung 1000,0 + Ac. acet.
glac. 50,0 + Aqu. dest. 2000,0), Pikrinessigsäure, +Flemming+’sche
Lösung, Sublimat, Sublimatsalpetersäure (in heisser physiologischer
Kochsalzlösung gesättigte Sublimatlösung + Salpetersäure 3 Proz. a͠a)
angewandt worden.
Das in Paraffin eingebettete Material wurde in Serienschnitte
von 5–10 µ Dicke zerlegt. Zur Färbung dienten die gebräuchlichen
Karmin-Hämatoxylin- und Anilinfarben. Um die Cytoryctesformen von der
Umgebung abzuheben, empfiehlt sich, wie schon +E. Pfeiffer+ angab,
die Anwendung der +Heidenhain+’schen Färbung; zur Nachfärbung wurden
Bordeauxroth, Säurefuchsin oder Orange benutzt. Noch bessere Bilder
giebt die Färbung mit Alaunfuchsin, Entfärbung mit Kali chromic.,
Nachfärbung mit +Ehrlich+’schem Hämatoxylin.
Die Paraffinschnitte werden auf dem Objektträger mit Eiweissglycerin
aufgeklebt. Das Paraffin wird mit Xylol entfernt und die Schnitte dann
mit Alkohol absolutus 96 proz. Alk. 70 proz. und Wasser abgespült.
Alsdann erfolgt eine Färbung in Alaunfuchsin (Fuchsin 1, Alumen crudum
3,0 Aqu. dest. 100,0) 24 Stunden lang. Dann erfolgt Entfärben mit Kali
bichromic. unter dem Mikroskop; zu diesem Zwecke wird von einer ½ proz.
Lösung unmittelbar vor dem Gebrauch eine Mischung mit gleichen Theilen
70 proz. Alkohol hergestellt, da sich nach längerem Stehen, besonders
im Sonnenlicht Niederschläge bilden, welche am Präparat leicht haften
bleiben. Die Entfärbung wird so lange fortgesetzt bis das Präparat
mit Ausnahme der leuchtendrothen Zelleinschlüsse blassrosa erscheint,
hierauf Abspülen mit Aqu. destillata und Nachfärben mit +Ehrlich+’schem
Hämatoxylin.
Bei dieser Methode werden die Cytoryctesformen leuchtend roth, während
Zellkern und Protoplasma der Epithelien die Hämatoxylinfärbung annehmen.
Nach +Wasielewski+ scheint die +Entwicklung der Cytoryctes vaccinae+ im
Hornhautepithel des Kaninchens am 2. und 3. Tage nach der Impfung ihren
Höhepunkt zu erreichen. Im +ungefärbten Zustande+ besitzen sie ein viel
stärkeres Lichtbrechungsvermögen als Kern und Protoplasma. Sie fallen
bei der Beobachtung ungefärbter Schnitte in Wasser durch ihren starken
Glanz innerhalb der Epithelzellen auf. Wegen der weiteren Erscheinungen
nach der Färbung muss auf die Arbeit von +Wasielewski+ verwiesen werden.
Schliesslich möge erwähnt sein, dass einzelne Autoren, wie +Unna+,
+Coporaso+, +Léoni+, +Ferroni+ und +Massari+ in den oben genannten
Gebilden nicht die Parasiten der Vaccina bezw. Variola erblicken. Auch
+Salmon+[274] kommt neuerdings zu einer anderen Deutung und meint, es
wären Chromatinklumpen, welche von Wanderzellen abstammten. Trotzdem
auch +Salmon+ Versuche zur Stütze seiner Auffassung anführt, wird man
denselben einstweilen noch nicht zustimmen können, da die färberischen
Eigenthümlichkeiten allein nicht den Ausschlag geben können.
Mikrosporidien.
+Balbiani+ hat in seinen „Leçons sur les Sporozoaires“ (Paris 1884)
die bisher nur bei den Arthropoden bekannten sog. „Pebrinekörperchen“
oder „Psorospermien der Arthropoden“ als eine besondere Gruppe --
Microsporidia -- den Sporozoen eingefügt. +F. Leydig+ hat dieselben
zuerst (1853) bei +Coccus hesperidium+ entdeckt, dann wurden dieselben
bei zahlreichen anderen Arthropoden, ferner einzelnen Cestoden,
Nematoden, Reptilien und Amphibien gefunden. Der +Sitz+ der Parasiten
ist verschieden; in einzelnen Fällen sind nur die Muskulatur bei
anderen Thieren (z. B. bei den Arthropoden) theils diese, theils auch
andere Organe (Darm, Malpighische Gefässe, Genitalien, Tracheen)
infizirt.
Neuerdings werden nach dem Vorgange von +Thélohann+[275] die
Mikrosporidien zur Familie der +Glugeiden+ und den +Myxosporidien+
zugerechnet.
Die +Glugeiden+ besitzen meist sehr kleine, eiförmige Sporen, welche
am breiten Ende eine +nicht+ färbbare Vakuole, am schmalen Ende
eine frisch meist unsichtbare Polkapsel besitzen. Die Theilung der
Sporenhülle in zwei Schalenhälften ist schwer nachweisbar.
Man theilt die Familie der Glugeiden in drei Gattungen ein: Glugea,
Pleistophora und Thelohannia.
Zur Gattung +Glugea+, deren Arten fast ausschliesslich in Geweben
schmarotzen, gehören nun 1. Glugea mikrospora Thélohann (Nosema anomala
Moniez), lebt im subkutanen Bindegewebe und im Ovarium des Stichlings,
sowie 2. +Glugea bombycis+ (+Thélohann+) (+Microsporidium bombycis
Balbiani+).
Der Schmarotzer lebt in sämmtlichen Geweben des Seidenspinners
(Bombyx mori) und ist der +Erreger+ der sog. +Pebrinekrankheit+ der
Seidenspinnerraupen, durch welche nach den Berechnungen von +M. de
Quatrefages+ die Seidenzüchter Frankreichs allein in dem Zeitraum
von 1854–1867 einen Verlust von wenigstens einer Milliarde Franks
erlitten haben. Auf Anrathen von +Pasteur+ und +Balbiani+ ist dann
durch mikroskopische Untersuchung und Ausscheidung der infizirten Eier
die Einschränkung der Seuche gelungen. Die Sporen, welche man von dem
Parasiten zuerst kannte, besitzen nach +Balbiani+ eine dicke Schale,
die an einem Ende aufspringt und ein kleines nacktes Körperchen, das
amöboide Bewegungen zeigt, austreten lässt. Diese gelangen dann später
in die Darmepithelien, sowie in die Muskularis des Darmes und können
später -- durch Autoinfektion -- auch andere Gewebe infiziren. Sicher
ist, dass selbst die +abgelegten Eier+ der kranken Seidenspinner
bereits infizirt sind, +ohne dass die Entwicklungsfähigkeit derselben
darunter leidet+. Demnach kann hier eine +direkte Vererbung+ der
Krankheit von Generation zu Generation stattfinden. Daneben kann auch
eine Infektion durch mit Sporen infizirtes Futter vorkommen.
III. Klasse: Infusorien (Aufgussthierchen).
=Zoologisches und Geschichtliches.= Wie der Name -- Aufgussthierchen
-- noch erkennen lässt, wurden ursprünglich alle Organismen, welche
in Infusionen auftraten, d. h. in Wasser-Aufgüssen auf irgend welche
organische Substanzen, Infusorien genannt. Gegenwärtig beschränkt man
den Namen Infusoria auf einzellige Organismen von meist bilateralem
Bau und meist konstanter Körpergestalt, die sich vor anderen Protozoen
durch den Besitz lebhaft schwingender Härchen auszeichnen. Sind diese
so lang oder länger als der Körper, so nennt man sie +Geisseln+ oder
+Flagella+; sind sie kürzer als der Körper und in grösser Anzahl
vorhanden, so spricht man von Wimpern oder +Cilia+. Nur eine Gruppe der
Infusorien, die Suctoria besitzen solche Wimpern nur in der Jugend, im
erwachsenen Zustande dagegen Saugröhrchen (+Braun+).
Die Verschiedenheit der Körperanhänge (Flagella, Cilien und
Saugröhrchen) ist die Grundlage für die +Eintheilung+ der +Infusorien+
in +Flagellaten+, +Ciliaten+ und +Suktorien+ gewesen.
=I. Ordnung: Flagellaten= (Geisselthierchen).