Die Sporen der Phytophora infestans gelangen beim Fressen in den Magen

und in die Verdauungsorgane von Thieren. In diesem Sporenstadium

widerstehen sie den Verdauungssäften. Die Sporen keimen aus und unter

den veränderten Verhältnissen in der neuen Nährlösung vermehrt sich der

Pilz in hefeartiger Sprossung, wie solche schon bei Mukor, Brandpilzen,

Bacidiomyceten u. s. w. nachgewiesen ist. Diese Keime bohren sich nun

in die Darmepithelien ein, dringen tiefer, gelangen in die Blutbahn und

werden in die Muskulatur oder in das Bindegewebe transportirt, wo sie

sich festsetzen und weiter proliferiren. Das, was wir da finden, sind

die Schläuche in verschiedenen Stadien des Alters und der Entwicklung.

Der Grund für besondere Prädilektionssitze der Parasiten, kann nach

+Behla+ nur in den jeweiligen besonderen Cirkulationsverhältnissen

liegen. Der Parasit bildet bei seinem Aufenthalt im thierischen Körper

ein Dauerstadium nicht. Die Sicheln in den Cysten sind zum grossen

Theil abgestorben, nur einige hyaline Sicheln und Rundzellen besitzen

noch soviel Leben, dass sie, auf geeignete Nährböden versetzt, sich

vermehren können.

Irrig ist die Ansicht, meint +Behla+, dass der Parasit im Körper

Dauersporen bilden muss zur Erhaltung seiner Art. Sein Parasitismus

im Körper ist nur ein gelegentlicher. Er kann auch seinen Cyklus

ohne den Menschen in der freien Natur durchmachen, ebenso wie der

+Malariaparasit+ ohne den Menschen sein Leben fristet, denn er hat

lange Zeit in Gegenden existirt und seine Art erhalten, ehe der Mensch

dorthin gekommen ist.

„Sein Befund“, schliesst +Behla+ die zweite Mittheilung, „wirft ein

neues Licht auf die Anschauungen von den Protozoen und Sporozoen.

Pflanzenparasiten können auch gelegentlich den Thierkörper befallen.

Dass die dem Wasserleben angepassten Pilze, die Chytridiaceen und

Saprolegniaceen sowie die Peronosporaceen, wenn sie in flüssige

Nährmedien gelangen, cilienbesetzte Schwärmsporen bilden und dass

Mycelpilze unter Umständen hefeartige Sprossung zeigen, sind

bemerkenswerthe Thatsachen. Es wird angezeigt sein, in Zukunft

die Methode zu verfolgen, für einzelne Pilze die ursprünglichen

Nährpflanzen in der freien Natur auszukunden, um den Entwicklungscyklus

klarzulegen, die Pilze zur Sporenbildung zu zwingen und die

betreffenden Blätter oder Früchte als Futter zu verwenden. Es ist

anzunehmen, dass demnächst auch manche andere dunkle Krankheit, wie

die Koccidienkrankheit der Kaninchen, Aktinomykose u. s. w. durch

Füttern von pilzkranken Pflanzen, Blättern, Kartoffeln, Rüben u. s.

w., welche mit Konidien, Oosporen, Perithecien, Pyceiden von Phyko-

und Mykomyceten u. s. w. besetzt sind, Klärung finden wird. +Das

Studium der Pflanzen-, Thier- und Menschenkrankheiten muss nach

meiner Ansicht Hand in Hand gehen+, besonders in den Gebietsstrichen,

wo Seuchen stationär sind. Mit dieser kombinirten Forschungsmethode

liesse sich manches unerwartete Resultat erzielen. Probleme wollen

von verschiedenen Seiten angegriffen sein. Bekanntlich sind bei

verschiedenen Geschwülsten Sprosspilze gezüchtet worden. Die Stimmen

mehren sich. Noch so exakte Untersuchungs- und Färbemethoden an todtem

Material sind nur ein einseitiger Untersuchungsweg. Hoffnungsvoller

ist die Züchtungsmethode. Höchst wahrscheinlich sind die gefundenen

Sprosspilze nur Entwicklungsstadien von Mycelpilzen. Ihr Eindringen

in den Körper geschieht muthmasslich in einem anderen Stadium als

durch das Einverleiben der Sprosspilzkulturen in den Körper. Mir will

scheinen, als wenn es durch die angedeutete Forschungsmethode gelingen

müsste, der Natur auch ihr Geheimniss des Hervorbringens der bösartigen

Geschwülste abzuringen.“

Weitere Versuche werden zwar erst lehren müssen, ob die Anschauungen

+Behla+’s über die Entstehung der Sarkosporidien richtig sind, aber es

kann nicht geleugnet werden, dass die Aetiologie mancher Thier- und

Menschenkrankheiten schneller gefördert würde, wenn Pflanzen-, Thier-

und Menschenpathologen etwas mehr Fühlung zu einander nehmen möchten.

Für die Pathologie des Menschen und der Thiere glaube ich durch mein

Lehrbuch der vergleichenden Pathologie und Therapie des Menschen und

der Hausthiere (Leipzig 1898) die Wege dazu etwas geebnet zu haben. --

=2. Die Organismen der Tollwuth.=

In einer Arbeit „+Beitrag zur Kenntniss der Aetiologie der

Tollwuth+“[295] berichtet zunächst +Giovanni Memmo+ über seine weiteren

Versuche den Erreger der Tollwuth festzustellen.

Schon früher[296] war es ihm gelungen aus dem Gehirn eines an

experimenteller Rabies gestorbenen Kaninchens einen +Blastomyceten+ in

Reinkultur zu züchten, später auch aus dem Gehirn eines in Folge Bisses

eines tollen Hundes gestorbenen vierjährigen Kindes. Schliesslich

gelang es +Memmo+ auch den Blastomyceten noch aus weiteren 5 an fixem

Virus gestorbenen Kaninchen, sowie aus allen mit den ersten Kulturen

geimpften und nach 40–50 Tagen gestorbenen Thieres zu isoliren. +Der

Blastomycet fand sich im Liquor cerebrospinalis, im Humor aqueus, in

der Parotis und im Speichel.+

Im Liquor cerebrospinalis war die Form der Blastomyceten sehr scharf

und gleichmässig; die Zellen waren von einer dicken, lichtbrechenden,

doppelkonturirten Membran umgeben und manchmal in Knospung begriffen.

Die Kolonien auf Agar und Gelatine waren einander sehr ähnlich, die

oberflächlichen waren ausgebreiteter, wenig erhaben und weissgrau.

Auf saurem Nährboden war die Entwicklung üppiger. Am besten war

das Wachsthum bei einer Temperatur von 35° C. Für Thiere war der

Blastomycet pathogen. Intraabdominal geimpfte Meerschweinchen zeigten

nach 11–20 Tagen Parese der Hinterglieder, welche an Ausdehnung und

Intensität zunahm, und nach 24 Stunden erfolgte der Tod unter einigen

klonischen Krämpfen. Subdural infizirte Kaninchen erkrankten nicht

immer; bei den erkrankten zeigte sich am 6.-8. Tage Paresis des

Hintertheils, später auch Lähmung der Vordergliedmassen, und binnen

1–2 Tagen trat der Tod ein. Subdural oder auch subkutan geimpfte

Hunde magerten nach 30–60 Tagen ab und bei einigen wurde Beisssucht

beobachtet. Die Thiere verweigerten das Futter, erbrachen und zeigten

Schaum vor dem Maule; dann zeigte sich Parese der Gliedmassen, der

Unterkiefer hing herunter und der Tod erfolgte mit zunehmender Lähmung

nach 48 Stunden. Eine Uebertragung von den Hunden auf Kaninchen gelang

nicht. An verendeten Hunden fanden sich weder Organveränderungen,

noch in den Organen irgendwelche Mikroorganismen; +aus dem centralen

Nervensystem liessen sich aber die Blastomyceten öfters in Reinkultur

isoliren+.

Denselben Organismus konnte +Memmo+ auch im weiteren Verlaufe seiner

Untersuchungen[297] immer mit den nämlichen kulturellen Eigenschaften

und dem gleichen pathogenen Vermögen aus anderen an fixem Virus

gestorbenen Kaninchen und aus 4 der Tollwuth verfallenen Hunden

isoliren.

Kulturen mit soliden Nährböden bleiben steril; am besten erweisen sich

+flüssige Nährböden+ aus Bouillon mit Weinsteinsäure und Glykose, wo

die Acidität nur ein ganz wenig stärker ist, als diejenige, welche

die Gehirnsubstanz im normalen Zustande besitzt. Einen höheren Grad

von Acidität vertragen die Blastomyceten nicht. Die Entwicklung der

Mikroorganismen beginnt erst nach einigen Tagen. Auf die geschilderte

Art hat +Memmo+ eine Entwicklung der Blastomyceten in reiner Kultur aus

der +cephalorhachitischen Flüssigkeit+, der Gehirnsubstanz und aus dem

Humor aqueus erhalten. Ebenso waren die Organismen aus dem +Stroma der

Parotis+, +aus dem Speichel+, +aber niemals aus anderen Organen und

aus dem Herzblut zu isoliren+. Es scheint ferner, dass der Organismus,

welcher an ausschliesslich parasitäre Lebensweise gewöhnt ist und sich

an ein besonderes Gewebe angepasst hat, sich schwer dazu bewegen lässt,

saprophytisch auf unseren Nährböden zu leben.

Bei +Impfungen der Hunde+ zeigte sich im Mittel 30–60 Tage nach

derselben Abmagerung, bei einzelnen etwas Beisssucht, Verweigerung der

Nahrung, Erbrechen, Schaumabsonderung, dann Parese der hinteren oder

vorderen Gliedmassen. Unter zunehmender Parese, wobei der Unterkiefer

lediglich seinem eigenen Gewichte nachgiebt, tritt nach ungefähr 48

Stunden der Tod ein.

Die Krankheit kann dann von Hund zu Hund übertragen werden, indem man

zu den folgenden subkutanen Injektionen jedesmal eine Emulsion der

Gehirnsubstanz der gestorbenen Thiere verwendet.

+Memmo+ hält den von ihm gefundenen +Blastomyceten für den Erreger

der Tollwuth+. Demgegenüber berichtet +Grigorjew+[298] in neuester

Zeit über Thatsachen, welche ihn zu der Annahme einer Betheiligung von

=Protozoen an der Aetiologie der Tollwuth= veranlassen. Aus diesem

Grunde ist auch über obige Arbeiten von +Memmo+ hier Mittheilung

gemacht worden.

+Grigorjew+ führte in die +vordere Augenkammer+ eine Emulsion der

Substanz der Medulla oblongata toller Thiere ein. Um eine Verwechselung

der betreffenden Parasiten mit den weissen Blutkörperchen und den

Produkten der Zersetzung des Nervengewebes möglichst zu vermeiden,

wurden an einer Zahl anderer Thiere Kontrollimpfungen mit einer

Emulsion der Gehirnsubstanz gesunder Thiere vorgenommen. Die

Untersuchung erfolgte entweder im frischen Zustande oder unter

geringer Hinzufügung von schwachen wässerigen Anilinlösungen auf einem

+Ranvier+’schen Heiztische bei 37,5° C.

Es wurden Untersuchungen der genannten Art bei 5 Hunden und 10

Kaninchen ausgeführt. Häufiger bei Hunden als bei Kaninchen fanden

sich protoplasmatische Körperchen von verschiedener Grösse und Form,

welche durch ihr eigenartiges Aussehen unter allen anderen Bildungen

auffielen. Die betr. Körperchen hatten unregelmässige, gezackte

Konturen, bestanden aus einer blassen, gallertartigen Masse, die in

den zum Centrum gelegenen Theilen netzartig oder schwammig und in

den peripheren Theilen homogen erschienen. Ihre Grösse betrug 2–4

µ. In einigen dieser Körperchen war ein dem Kern gleiches Gebilde

eingeschlossen, das schwach das Licht brach und eine Grösse von 0,5–1

µ hatte. Diese Körper führten sehr langsame amöboide Bewegungen aus,

indem sie Pseudopodien aussandten, dabei einen beständigen Wechsel

der Körperform aufweisend. Die amöboiden Körper färbten sich nur

sehr schwach bei Anwendung konzentrirter wässeriger Anilinlösungen.

+Kulturversuche+ mit diesen Protozoen auf entsprechenden Nährböden

blieben erfolglos. +Grigorjew+ glaubt jedoch, dass es sich um Koccidien

handeln dürfte.

Einstweilen scheinen jedoch die Versuche von +Memmo+ zu verwerthbareren

Ergebnissen geführt zu haben, als diejenigen von +Grigorjew+.

Litteratur.

Allgemeine Litteratur über Protozoen.

+L. Pfeiffer+, Die Protozoen als Krankheitserreger. 2. Aufl. Jena 1891.

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+L. G. Neumann+, Traité des maladies parasitaires non microbiennes des

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+A. Railliet+, Traité de zoologie médicale et agricole. Paris 1895.

+R. Moniez+, Les parasites de l’homme. Paris 1888.

+A. Kruse+, Systematik der Protozoen. (+Flügge+, Die Mikroorganismen.

Bd. II. Leipzig 1896.)

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die Geschwulstbildungen durch Sporozoen. Jena 1893.

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des Menschen und der Hausthiere. Leipzig 1898. S. 257–268.

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Technik der Untersuchung.

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Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 16 / 20 段