erwähnt, durch zeckentragende, selbst nicht ganz gesund erscheinende
Rinder. Wie +Smith+ angiebt kriechen die Zecken nach ihrem
Ausschlüpfen aus den Eiern, die auf den Weiden abgelagert worden,
sogleich auf die Rinder, wo sie sich mit Vorliebe auf die Innenfläche
der Schenkel und in der Umgebung des Euters festsetzen. Nach zwei
Häutungen sind sie geschlechtsreif, paaren sich, und nach einiger Zeit
schwillt das Weibchen, öfters schon innerhalb 24 Stunden enorm an, löst
sich los und fällt auf den Boden. Nach einigen Tagen wird eine grosse
Menge Eier abgelegt, aus denen in 2–6 Wochen, je nach der umgebenden
Temperatur, die Zecken herausschlüpfen, um wiederum denselben
parasitischen Lebenslauf durchzumachen. Der Zeitraum zwischen dem
Anheften der jungen Zecke und dem Abfallen der trächtigen ist ungefähr
23 Tage. Das Schwellen der Parasiten wird bedingt durch Aufsaugen einer
verhältnissmässig grossen Menge Blut.
Das Texasfieber wird durch die jungen Zecken 10–15 +Tage nach
ihrem Anheften+ hervorgerufen. Damit steht auch die Thatsache im
Zusammenhange, dass, wenn eine Herde zeckentragender Rinder vom
Seuchengebiete mit empfänglichen Rindern zusammenkommt, bei diesen
die Seuche erst nach 45–60 Tagen zum Ausbruch kommt. Die Krankheit
erscheint erst mit den jungen Zecken und nicht früher. Seuchenartige
Ausbrüche der Krankheit kommen oft dadurch zu Stande, dass infizirte
Rinder auf einer Weide übernachten, auf welcher später empfängliche
Thiere eine Zeit lang bleiben. Da eine reife Zecke ungefähr 2000 Eier
legt, so kann eine einzige Zecke den Boden infiziren. Die lange Dauer
der Gefahr eines so infizirten Bodens ist dadurch erklärt, dass die
jungen Zecken wahrscheinlich monatelang auf dem Boden lebensfähig
bleiben können. +Smith+ hält es für wahrscheinlich, dass die Zecken
sich zunächst mit dem Blute der Rinder des Südens infiziren und die
Mikroparasiten dann auf die junge Zeckengeneration übertragen werden.
Wichtig ist auch noch die Beobachtung, dass Rinder, welche in dem
Seuchengebiete einheimisch sind, die Krankheit als Herdenseuche
nach ausserhalb tragen können, obwohl sie selbst anscheinend ganz
gesund sind. Die Krankheit tritt auf den Weiden des Nordens auf, wenn
Rinder des Südens kurze Zeit auf denselben Weiden gewesen waren. Man
beobachtet die Seuche nur im Sommer und im Herbste. Kälte zerstört
den Krankheitserreger, weshalb die Seuche im kalten Norden nicht zur
Beobachtung kommt.
In welcher Weise und in welchem Entwicklungsstadium die Mikroparasiten
des Texasfiebers von dem Zeckenweibchen auf die Zeckenlarven übertragen
werden, bedarf noch der weiteren Untersuchung.
Hinsichtlich der +Krankheitserscheinungen+ sei erwähnt, dass die
Krankheit in einer akuten und in einer chronischen Form auftritt. Bei
der akuten Form wird Fieber mit Steigerung der Körpertemperatur bis
auf 40,5–42° C. beobachtet. Bei der chronischen Form zeigt sich jedoch
nur Abends eine Temperatursteigerung um 1–2° C. über der Norm. Bei der
+akuten+ Form wird ferner Blutharnen und, wie auch bei der chronischen,
Anämie, ferner Sistiren der Milchsekretion und der Futteraufnahme,
daneben auch Verstopfung oder Durchfall beobachtet. Auf der Höhe des
Fiebers nimmt die Zahl der rothen Blutkörperchen schnell ab, so dass
der Verlust innerhalb einer Woche ⅙ der Gesammtsumme betragen kann.
Meist sterben am 5. oder 6. Krankheitstage 80–90% der erkrankten
Thiere. In anderen Fällen tritt der Tod erst nach 14 Tagen oder noch
später ein. Ebenso tritt die Krankheit bei den genesenden Thieren nach
mehreren Wochen in einer chronischen, milden Form wieder auf.
Von den +anatomischen Veränderungen+ seien folgende erwähnt: Stets ist
eine Schwellung der Milz vorhanden, welche 2–4mal so gross als die
normale ist. Meist ist auch die Leber vergrössert, an der Aussenfläche
erscheint sie bräunlich gelb und ist mit kleinen grauen Fleckchen
besetzt, als Zeichen einer um die Centralvene beginnenden Nekrose
des Lebergewebes. Die Nieren sind im akuten Stadium dunkelbraunroth,
später blass und schlaff. Die Harnblase ist fast ausnahmslos mit
schwarzrothem, undurchsichtigem Harn angefüllt, der nur selten einige
wenige Blutkörperchen enthält. Das Blut ist lackfarben und dickflüssig.
Im Blute der Nieren (80%), des Herzfleisches, der Leber und Milz finden
sich im Innern der rothen Blutkörperchen die beschriebenen runden oder
birnförmigen Parasiten mit amöboider Bewegung. Im Blute der an der
+chronischen+ Form erkrankten Thiere finden sich birnförmig gestaltete
Körper nur ausnahmsweise; dagegen waren 5–50% der rothen Blutkörperchen
mit rundlichen, kokkenähnlichen Gebilden infizirt. Die Körpermuskulatur
erscheint meist schwach getrübt.
Für die +Untersuchung des Blutes vom lebenden Rinde+ wird der
durch Einstich oder Incision aus der Haut gewonnene Blutstropfen
schnell auf ein Deckglas gebracht, ein wenig mit einem Glasstäbchen
verstrichen und dann, wie für Bakterienuntersuchung über einer
Spiritusflamme lufttrocken gemacht. Hierauf färbt man mit wässeriger
Methylenblaulösung. Für +frische Untersuchung+ wird man dem
Blutstropfen etwas physiologische Kochsalzlösung beigeben und dann die
Besichtigung durch das Mikroskop ausführen.
Für +Untersuchung von Organen oder Gewebstheilen geschlachteter
oder gestorbener Thiere+ haben +Weisser+ und +Maassen+ folgendes
Verfahren benutzt. Der stark +bluthaltige Gewebssaft der Niere+ wurde
in möglichst dünner Schicht auf eine grössere Anzahl Deckgläser
ausgestrichen und nach der von +Ehrlich+ angegebenen Methode durch
zweistündiges Erhitzen auf ungefähr 110° fixirt und darauf mit
alkalischer Methylenblau- oder wässeriger Gentianaviolettlösung
gefärbt. Gut gelungene Präparate zeigten dann die rothen Blutkörperchen
als weisse, am Rande ganz zart gefärbte Scheiben, in deren Innerem sich
scharf von dem weissen Grunde abhebend die Mikroorganismen sassen;
nicht selten war auch eine schwache Gelbfärbung der Blutkörperchen
durch noch vorhandenen Blutfarbstoff nachzuweisen.
Die +Färbung der Parasiten in den Schnitten+ gelang mit allen
Kernfarbstoffen. Hämatoxylin, Methylenblau, Gentianaviolett lieferten
recht gute Bilder, doch mussten die beiden letzteren Farbstoffe eine
genügend lange Zeit (in durchscheinenden Lösungen etwa 24 Stunden)
einwirken, damit neben der deutlichen Färbung der Parasiten eine
leichte Anfärbung der Blutkörperchenhülle eintrat. Sehr zahlreich
fanden sich die Parasiten in den Schnitten aus der Niere. Die
Kapillaren waren hier fast durchweg mit infizirten Blutkörperchen
vollgepfropft. In den Kapillaren des Herzmuskels wurden die von dem
Parasiten befallenen Blutkörperchen ebenfalls in grossen Mengen
angetroffen, dagegen enthielten Bugdrüse, Leber und Milz bedeutend mehr
Blutkörperchen, die frei davon waren.
* * * * *
In Europa wurde schon seit längerer Zeit unter den =rumänischen
Rindern und Schafen= eine Seuche beobachtet, die gleichartige
Krankheitserscheinungen, wie die Texasfieberseuche darbietet.
+Babes+[247] fand bei dieser Krankheit Blutparasiten, welche den beim
Texasfieber gefundenen sehr ähnlich sind.
Es handelt sich dabei um eine unter den +Erscheinungen der
Hämoglobinurie+ auftretenden +Erkrankung der Rinder+. Vorwiegend werden
die Ochsen, seltener die Kühe ergriffen. Kälber bleiben verschont.
Es erkranken sowohl die auf der Weide befindlichen, wie auch die im
Stalle gehaltenen Thiere. Die Thiere haben keinen Appetit, hohes
Fieber (40–41,5° C.), zuweilen Kolikerscheinungen, sind sehr anämisch,
hinfällig und haben in den schweren Krankheitsfällen auch regelmässig
+Blutharnen+. Die Krankheit dauert gewöhnlich nur fünf Tage, um dann
entweder tödtlich zu enden, in Genesung überzugehen oder nach einigen
Tagen zu einem zweiten Anfall zu führen, welcher dann meist tödtlich
wird. Durchschnittlich gehen etwa 50% der erkrankten Thiere zu Grunde.
Die +Seuchendauer+ beträgt meist nur wenige Wochen; und die meisten
Erkrankungen finden am Anfange und am Ende des Sommers statt.
Bei der +Obduktion+ finden sich konstant kleine Blutungen und
Geschwüre im Magen und Duodenum. Die Schleimhaut des Dünndarms ist
stets geschwollen und mit einer dicken gelben gelatinösen Masse
bedeckt. Die +Milz+ ist ebenfalls stets geschwollen. Leber gross und
marmorirt. Centrum der Acini nekrotisch, Nieren gross und brüchig,
von dunkelbraunrother Farbe. In der Schleimhaut des Nierenbeckens
Ecchymosen. In der Harnblase ist dunkelrother bis schwarzer Harn,
der in der Regel keine Blutkörperchen enthält. Das +Blut+ ist blass
und lackfarben. Im Blute, besonders der Nieren und Milz, meist
eingeschlossen im Zellleibe der rothen Blutkörperchen finden sich
von einer Kapsel eingeschlossene Diplokokken, die sich nach +Gram+
entfärben, rund oder lanzenförmig sind. Sie sind häufig durch eine
feine Linie verbunden und oft in Theilung begriffen. Durch die Theilung
entstehen zwei gebogene, parallel gestellte Stäbchen, mit je zwei
polaren und einem centralen chromatischen Körperchen. Zu Beginn der
Krankheit sind die Parasiten lanzen- oder birnförmig und häufiger im
kreisenden Blute. +Kulturversuche+ mit diesen Parasiten gelangen nur
selten auf hämoglobinhaltigem Blutserum, wo kaum sichtbare gelbliche
Kolonien entstanden, welche in einem Falle bei einem Rinde und
Kaninchen dieselbe Krankheit erzeugten, wie durch Impfung mit Blut von
gefallenen oder erkrankten Rindern.
Die Kaninchen erkrankten nach intravenöser Injektion von 5 ccm Blut
nach 8 Tagen fieberhaft und gingen gewöhnlich nach wenigen Tagen zu
Grunde. 10 ccm Blut in die Vena jugularis gespritzt, erzeugten durchaus
nicht immer, doch in mehreren Versuchsreihen, bei Ochsen nach 12–15
Tagen die typische Hämoglobinurie, welche manchmal zum Tode führte.
Meist frei im Blute fanden sich in jedem Falle zahlreiche jenen
ähnliche Parasiten. +Wie beim Texasfieber+ erhalten sich auch diese
Parasiten lange in der Körperhöhle der Zecken.
+Aehnliche Beobachtungen+ machte +Piana+[248], welcher eine mit
Hämoglobinurie einhergehende stationäre Rinderseuche in den Bergen von
Brescia beobachtete. Ob jedoch diese Seuche mit der in Deutschland in
einzelnen Gegenden vorkommenden Hämoglobinurie der Rinder identisch
ist, lässt sich zur Zeit noch nicht mit Sicherheit entscheiden.
* * * * *
In allerjüngster Zeit haben +Celli+ und +Santori+[249] über eine in der
Campagna von Rom beobachtete =Rindermalaria= eingehende Mittheilungen
gemacht.
Es ist bekannt, dass schweizerische, schweizerisch-lombardische und
holländische Kühe leicht an Malaria erkranken und sterben, wenn sie in
den Agro Romano versetzt werden. Im Herbst 1896 trat in einer Heerde
von ungefähr 100 Kühen aus der Lombardei, welche im vorhergehenden
Winter in das Gebiet von Cervara versetzt worden waren, eine Seuche
auf, von der alle oder doch beinahe alle grossen Thiere ergriffen
wurden, und welche mit Abmagerung und Verminderung der Milchproduktion
verbunden war. Einige, nämlich 20 Stück, erkrankten schwer mit
fieberhafter, akuter Anämie, welche in elf Fällen mit tödtlichem
Ausgang und Hämoglobinurie verbunden war. Bei einigen der stärker
erkrankten Thiere trat Verstopfung ein, bei anderen Diarrhöe, welche
sogar blutig sein konnte. Die Krankheit dauerte im Allgemeinen 5–6
Tage, in den schwersten Fällen sogar nur 36 Stunden.
Der Tod trat unter Kollaps und einer Temperaturerniedrigung unter die
Norm ein.
Von den jungen Thieren wurde nur ein Kalb von der Krankheit ergriffen.
Von ihr wurden auch nicht einmal die lombardischen Kühe verschont,
welche schon seit langer Zeit sich in jener auch in Bezug auf die
menschliche Malaria höchst ungesunden Gegend aufhielten. +Nicht
ergriffen+ von der Krankheit wurden indessen die einheimischen Rinder.
In dem +frisch untersuchten Blute+ fanden sich zwei Typen von
Blutparasiten: Es fanden sich zunächst +bewegliche Formen mit
Ortsbewegung+ von runder, oblonger, stäbchenförmiger Gestalt, welche
einzeln, zu zweien oder dreien in einem und demselben Blutkörperchen
vorkamen. Hört ihre Bewegung auf, so erscheinen sie ganz rund und
besitzen auch ein centrales Pünktchen. Daneben kommen +bewegliche
Formen mit amöboiden Fortsätzen+ vor, welche 2–3mal grösser als die
vorhergehenden sind und ein so abgeschwächtes Lichtbrechungsvermögen
besitzen, dass man sie innerhalb der rothen Blutkörperchen genau
suchen muss. Die amöboide Bewegung kann lebhaft sein oder auch mehr
träge. In einigen der Bewegungsphasen kommen Formen vor, welche an
die von +Smith+ geschilderten und mit dem Namen +Pyrosoma bigeminum+
belegten erinnern.
Zur +Färbung+ des Blutes wurde dasselbe durch Eintrocknen an der Luft
fixirt und dann 10–20 Minuten lang mit einer Mischung von gleichen
Theilen Alkohol und Aether behandelt, und mit Methylenblau, Hämatoxylin
und Eosin gefärbt. Es zeigen sich dann zwei Substanzen, von denen die
eine mehr, die andere weniger gefärbt ist.
+Kulturen+, welche mit dem kranken Blute vorgenommen wurden, fielen
negativ aus. Ebenso ergebnisslos verliefen Blutübertragungen auf
Meerschweinchen, Kaninchen, Mäuse, Ratten, Katzen und Hunde: nur ein
junges Kalb erkrankte nach einer 9tägigen Inkubationsdauer. Es traten
unregelmässige Temperatursteigerungen ein (40–40,5° C.), doch wurde
Hämoglobinurie nicht beobachtet.
Hinsichtlich der +Beziehungen zwischen der Malaria des Menschen und
der Rinder+ bemerken +Celli+ und +Santori+, dass bei beiden eine
Zerstörung der rothen Blutkörperchen und daher eine akute Anämie, bei
beiden auch Hämoglobinurie eintreten kann. Die Hämoglobinurie kommt
jedoch nur in schweren Fällen vor. Der Parasit der Rindermalaria bildet
indessen niemals schwarzes Pigment und daher keine Melanämie; er sei
in dieser Beziehung der Sommer-Herbst-Varietät des Parasiten, mit
rapidem Entwicklungscyklus, ohne Pigment bei der bösartigen Malaria
des Menschen vergleichbar. Eine weitere analoge Beziehung besteht
darin, dass auch die Rindermalaria von Thier zu Thier übertragbar
ist, jedoch nur innerhalb derselben Rasse und nicht auf Thiere einer
anderen Rasse oder Species. Auch der anatomisch-pathologische Befund
zeige eine Analogie zwischen der Malaria des Menschen und der Rinder.
+Dionisi+[250] fand in den Nieren, in der Milz und in der Leber analoge
Veränderungen, wie sie +Bastianelli+[251] bei der Malariahämoglobinurie
des Menschen beschrieben hat. Wie beim Menschen haben die Parasiten
nach dem Tode ein mehr gleichmässigeres Aussehen, als diejenigen,
welche während des Lebens gefärbt wurden, sie zeigen indessen keine
besondere Lokalisation in gewissen Organen (Gehirn, Milz, Knochenmark,
Leber) wie bei der menschlichen Malaria. Die rothen Blutkörperchen,
welche Parasiten beherbergen, kleben aneinander, ein Verhalten,
welches an die menschliche Malaria erinnert, indem auch bei dieser die
physikalischen Eigenschaften, besonders die Elastizität der rothen
Blutkörperchen eine bedeutende Veränderung erleiden.
Weitere Analogien bestehen in den örtlichen und zeitlichen Bedingungen,
unter welchen diese beiden Krankheiten auftreten, sowie in der Wirkung
des Chinins, welches auf die Rindermalaria sicher einen günstigen
Einfluss ausübt. +Celli+ und +Santorini+ fassen dann +das Ergebniss
ihrer Untersuchungen zusammen+ und sagen:
„In der römischen Campagna kommt eine Krankheit der Rinder vor, welche
charakterisirt ist durch eine akute Anämie mit Fiebererscheinungen
und von einem endoglobulären Parasiten hervorgerufen wird, welcher
hauptsächlich in zwei Formen auftritt.“ Die eine davon kennzeichnet
sich durch eine Ortsbewegung des Parasiten innerhalb der rothen
Blutkörperchen, die andere durch amöboide Bewegung. Der Parasit kann
auch die Form einer Birne annehmen und zu Doppelwesen vereinigt sein,
daher der Name Pyrosoma bigeminum von +Smith+, ein Name indessen,
welcher nur ein Durchgangsstadium in dem bisher noch nicht aufgeklärten
Entwicklungscyklus des Parasiten andeutet.
In einigen schweren Fällen ist die Krankheit von Hämoglobinurie
begleitet, indessen ist dies keine konstante Begleiterscheinung und
mitunter auch nicht einmal häufig festzustellen, so dass der Name
Hämoglobinurie oder Hämatinurie der Rinder nicht geeignet ist, diese
Krankheit zu charakterisiren.
Eine schnelle und genaue Diagnose wird durch die Untersuchung des
Blutes ermöglicht, und durch sie kann man Fälle konstatiren, welche
sich sonst der Beachtung entziehen würden.
Es handelt sich hier um eine Krankheit, welche im wesentlichen mit
jenen, welche anderwärts bei den Rindern bekannt sind und untersucht
wurden, nämlich mit der Hämoglobinurieseuche in Rumänien (+Babes+),
mit dem Texasfieber (+Smith+, +Kilborne+, +Weisser+, +Maassen+), mit
der Hämoglobinurie in Finnland (+Ali Krogius+, +v. Hellens+), mit der
Hämatinurie in Sardinien (+Sanfelice+, +Loi+) identisch ist.
Zieht man die oben genannten klinischen und von den Parasiten
abgeleiteten Charaktere, den anatomisch-pathologischen Befund, die
Uebertragbarkeit von einem Thier auf das andere, aber innerhalb
derselben Art und Rasse, ferner die Umstände, dass die Krankheit sich
nur in den Malariagegenden und Malariamonaten entwickelt und die
erfolgreiche therapeutische Wirkung des Chinins in Betracht, so kann
man sie geradezu als +Rindermalaria+ bezeichnen.
* * * * *
Wie unter den Rindern, so hat man auch unter =Schafen= auf den
sumpfigen Inseln der unteren Donau in gewissen Jahren eine ähnliche
Krankheit auftreten sehen, welche bis ⅕ der Thiere hinwegraffte.
Man bezeichnete die Krankheit in jenen Gegenden =Carceag=. Wie bei
den Rindern werden auch unter den Schafen nur +erwachsene+ Schafe
von der Krankheit befallen. Die Sterblichkeit beträgt 50–60%. +Die
Krankheitserscheinungen+ bestehen in Anämie, Mattigkeit, Fieber
(40–42° C.) mit Schüttelfrost, Verstopfung mit blutigen Entleerungen
und Kolik. +Blutharnen ist selten.+ Manchmal folgt dem ersten Anfall
nach 1–2 Tagen ein zweiter. Der Tod tritt gewöhnlich 2–4 Tage nach dem
Erscheinen der ersten Krankheitssymptome ein. Bei der +Sektion+ finden
sich in der Unterhaut und besonders im Mediastinum gelbsulzige Oedeme;
in der Schleimhaut des Pylorus und des Duodenums Ecchymosen. Die
Schleimhaut des Mastdarms trägt auf den Falten Hämorrhagien, die Basis
der Falten ist mit bröckeligen, schmutzig-braunen Schorfen bedeckt.
Die Milz ist geringgradig geschwollen. Die Leber und Nieren sind
parenchymatös verändert. In der +Harnblase+ befindet sich ein +blasser+
oder +rothbrauner, hämoglobinhaltiger Urin+. Die +Blutkörperchen+ der
Milz und der hämorrhagischen Oedeme enthalten zu 5–10% meist einzeln,
selten zu zweien gelegene 0,5–1 µ grosse runde Kokken, die eine feine
Theilungslinie in der Mitte erkennen lassen und von einer blassen
Zone umgeben sind. Sie färben sich mit Methylviolett und Methylblau.
Kulturversuche waren bislang erfolglos. Bei +intravenöser+ Injektion
von 8–10 ccm Blut von erkrankten oder gestorbenen Thieren erkranken
Schafe und bekommen nach etwa 8 Tagen Kolik, Fieber und Schüttelfrost.
Im Blute der erkrankten Thiere finden sich dann vereinzelt die
endoglobulären Parasiten. In neuerer Zeit hat dann +Starcovici+[252]
eine +vergleichende Zusammenstellung+ der seuchenhaften Hämoglobinurie
des Rindes, des Texasfiebers und der Carceag der Schafe veröffentlicht,
nach ihrem Vorkommen, nach den Krankheits- und Sektionserscheinungen
und nach den Eigenschaften der Krankheitserreger.
+Starcovici+ kommt dabei zu dem Ergebniss, dass alle drei Krankheiten
durch denselben Krankheitserreger bezw. Varietäten desselben
hervorgerufen werden, welche er unter dem Gattungsnamen +Babesia+
zusammenfasst.
Ueber ähnliche Erkrankungen beim Rinde, wie sie von +Babes+ beobachtet
und beschrieben worden sind, berichten dann auch +Krogius+ und +v.
Hellens+[253], welche das Auftreten einer solchen Seuche in der Zeit
von Juni bis August in Finnland beobachteten.
Neuerdings theilt auch +A. Bonome+[254] Fälle von einer +parasitären
Iktero-Hämaturie+ der Schafe mit, welche in der Umgebung von Padua
auftrat und jährlich einige Hundert Thiere hinrafft. Die Thiere
zeigen starke Niedergeschlagenheit, verweigern die Nahrungsaufnahme
und gehen unter den Erscheinungen eines schweren Ikterus, begleitet
von Hämaturie und Oedembildung am Halse zu Grunde. Dem Tode geht ein
mehrstündiger Kollaps vorher, während dessen die Temperatur zuweilen
auf 31° sinkt. Ungefärbte Blutpräparate von Thieren, die sich bereits
in vorgeschrittenem Krankheitsstadium befinden, lassen die rothen
Blutkörperchen blasser und in Folge der Anwesenheit von Mikrocyten
grösser erscheinen. Solche Blutkörperchen enthalten in ihrem Innern
oder der Peripherie anhaftend, runde, ovale oder birnförmige, stark
lichtbrechende, farblose Körperchen in der Grösse von 1–3 µ, die
manchmal lebhafte Kontraktionsbewegungen ausführen. Auch im Plasma
beobachtet man zahlreich diese Körperchen, theils isolirt, theils zu
zweien oder dreien vorhanden. Die mit basischen Anilinfarbstoffen
behandelten Präparate liessen diese Parasiten noch deutlicher
erkennen; Geisseln oder Pseudopodien konnten nicht nachgewiesen
werden. Die mikroskopische Untersuchung der Milz, Nieren und Leber
ergab in gefärbten und ungefärbten Zupf- und Schnittpräparaten eine
beträchtliche Menge von Parasiten, die im Gegensatze zu den jungen
Formen im Blute viel entwickeltere und schon in Theilung begriffene
Formen zeigten. Auch in frisch entleertem Harne wurden theils in
Blutkörperchen eingeschlossen, theils freie Parasiten nachgewiesen.
+Bonome+ bezeichnet den Parasiten als +Amöbosporidium+, da die endogene
Vermehrung derjenigen der Sporidien ähnlich ist. Die +Eingangspforte+
derselben ist nach ihm im Verdauungsapparate zu suchen, von wo
dieselben auf dem Wege des Pfortaderkreislaufes oder auch durch
die Gallengänge in die Leber gelangen. Die Leber ist nach +Bonome+
dasjenige Organ, dessen Funktion schwer gestört wird.
Diesen Mittheilungen von +Bonome+ tritt +Babes+[255] in einem Artikel
entgegen, wo er bemerkt, dass die von +Bonome+ beschriebene fieberhafte
Epizootie der Schafe, welche derselbe auf die Wirkung eines Parasiten
zurück führt, sich fast +durch dieselben Symptome+ charakterisire, wie
sie von +Babes+ im Jahre 1892 bei +Carceag+ der Schafe beschrieben
worden sind. Ikterus wie auch Hämaturie sind in mehreren Fällen
von Carceag konstatirt worden. Die von +Bonome+ als Ursache der
Krankheit beschriebenen Parasiten hält +Babes+ für +identisch+ mit den
beschriebenen des Carceag. +Babes+ hält unbedingt an der +Priorität+
seiner Entdeckung der eigenthümlichen Blutparasiten der Rinder- und
Schafseuche (1888) fest.
* * * * *
Vor Kurzem ist auch =beim Menschen= ein den Malariaparasiten
nahestehender Blutzellschmarotzer als Erreger des sog.
+Schwarzwasserfiebers an der Westküste+ Afrikas von +Plehn+ und
als Ursache des +biliösen Typhoids von Schiess-Bey+ und +Bitter+
beschrieben worden.
Was zunächst das +Schwarzwasserfieber an der afrikanischen Küste
betrifft+, so hat +Plehn+[256] als Regierungsarzt in Kamerun
ausgedehnte Gelegenheit gehabt Erfahrungen zu sammeln und
Untersuchungen anzustellen.