Ein kleiner amöboider, unpigmentirter Körper dringt in ein

Blutkörperchen ein und wächst darin. Er zersetzt das Hämoglobin, nimmt

Pigment in sich auf und theilt sich früher oder später in eine grössere

oder kleinere Zahl von Keimen. Dabei bleibt immer ein Restkörper übrig,

welcher aus Pigment gebildet ist und niemals in den Keim übergeht. Die

Keime führen innerhalb der rothen Blutkörperchen amöboide Bewegungen

aus. Die rothen Blutkörperchen hypertrophiren unter der Einwirkung der

Parasiten und können das 3–4fache ihres normalen Volumens erreichen.

+Golgi+ zeigte, dass bald nach dem Anfall einer typischen Quartana

an den rothen Blutkörperchen ein kleines unpigmentirtes Körnchen

nachgewiesen werden kann, welches 24 Stunden später etwa ein Sechstel

bis ein Fünftel des Blutkörperchens einnimmt. Etwa 48 Stunden später

haben die Parasiten in den sich vergrössernden Blutkörperchen die

Hälfte bis zwei Drittel eingenommen. Sechzig Stunden nach dem Anfall

(12 Stunden vor dem nächsten) ist von dem Blutkörperchen nur noch ein

schwacher Saum erkennbar. Es beginnt nun die Vermehrung des Parasiten,

in der scheibenartigen Form desselben erscheint eine speichenartige

Zeichnung und schliesslich zerfällt das Ganze in nur selten über 10

hinausgehende rundliche, kernhaltige Keime. Der Zerfall erfolgt in der

Regel während des zweiten Fieberanfalles. Die frei gewordenen Keime

legen sich bald wieder anderen Blutkörperchen an und der erwähnte

Entwicklungsgang beginnt von Neuem.

Demnach ist die ganze Entwicklung eine langsame und dauert meistens 72

Stunden. Zur Erklärung der Febris tertiana hat man zwei Generationen

oder zwei Varietäten des Malariaparasiten unterschieden, wobei dann

beim Eintreten einer Febris tertiana der Entwicklungsgang schon in 48

Stunden abgeschlossen ist.

Bei dem regelmässigen +Quartanfieber+, das einer leichteren

Malariainfektion entspricht, wie sie in eigentlichen Malariagegenden

neben der Febris tertiana besonders im Frühling und hauptsächlich

in der heissen Jahreszeit vorkommt, ist ein Parasit die Ursache,

welcher als +Plasmodium malariae quartanae+[219], Amoeba malariae

quartanae[220] oder als Haemamoeba malariae[221] bezeichnet wird[222].

Derselbe vollendet seinen Entwicklungscyklus in drei Tagen.

Eigenthümlichkeiten während der Wachsthumsperiode sind: geringe

Beweglichkeit -- nur die jüngeren Formen entsenden Pseudopodien, die

älteren zeigen leichtere Konturverschiebungen -- frühe und intensive

Ablagerung von verhältnissmässig groben Pigmentkörnchen, schliesslich

der Einfluss auf die Wirthszelle, die eher verkleinert, als vergrössert

wird, und deren Hämoglobingehalt zunimmt.

Auch das +Tertianfieber+ gehört zu den leichteren Infektionen, welche

besonders im Frühjahr in echten Malariaorten vorkommen, und wird durch

+Plasmodium malariae tertianae+ (+Celli+ und +Sanfelice+, +Kruse+)

(+Amoeba febris tertianae+ (+Golgi+), +Haemamoeba vivax Grassi+ und

+Feletti+) hervorgerufen. Der Parasit vollendet seine Entwicklung

in zwei Tagen, füllt im erwachsenen Zustande das Blutkörperchen

völlig aus, bildet dann entweder 14–20 Sporen oder degenerirt.

Charakteristisch sind die lebhaften, amöboiden Bewegungen, die

Feinheit der abgelagerten Pigmentkörnchen, die mässige Entfärbung und

Vergrösserung der Wirthszelle.

Wie bei der Quartana entspricht auch bei der Tertiana die Reifung der

Sporen dem Beginn des Fiebers.

Die +schweren quotidianen+ oder +unregelmässigen+, intermittirenden,

remittirenden oder kontinuirlichen Fieber, welche in den

Malariagegenden besonders heimisch sind, werden durch +Plasmodium

malariae quotidianae+ oder +irregularis+ (+Celli+ und +Sanfelice+,

+Kruse+) (+Haemamoeba praecox+, +Grassi+ und +Feletti+) hervorgerufen.

Im Fingerblute werden dann kleine, gar nicht oder sehr spärlich

pigmentirte Parasiten in reger amöboider Bewegung oder in Ringform

gefunden. Die grösseren und sporulirenden Parasiten finden sich

meist gar nicht im peripherischen (Finger-) Blute, dagegen in Massen

in den inneren Organen, besonders in der +Milz+, aus welcher sie

durch Punktion schon während des Lebens gewonnen werden können. Die

erwachsenen Formen erreichen jedoch niemals die Grösse der Tertian-

und Quartanparasiten, füllen höchstens den dritten Theil der rothen

Blutkörperchen aus. Das Pigment ist meistens in einem Klümpchen

vereinigt. Die Sporen sind etwas kleiner wie die der Tertiana und

Quartana und werden in der Zahl von 5–10 gebildet. Besonders bei den

+perniciösen+ Malariaerkrankungen findet man während des Lebens das

Blut überschwemmt mit den kleineren Parasiten und nach dem Tode die

Kapillaren der Organe, ganz besonders der Milz, des Gehirns u. s. w.

strotzend mit Parasiten aller Stadien und mit vielen Sporulationsphasen

gefüllt. In weniger akuten Fällen treten, jedoch erst nachdem

die Infektion 5–8 Tage gedauert hat, zu den bisherigen Formen

eigenthümliche Körper, welche schon von +Laveran+ als +Halbmonde+

beschrieben worden sind. Sie ähneln Mondsicheln mit abgestumpften

Enden, die sich gleichmässig oder stärker an den Polen färben und in

der Mitte einen manchmal sehr zierlich kranzförmig angeordneten Haufen

von Pigmentstreifen oder Nadeln enthalten. Ihr Längendurchmesser

überragt die rothen Blutscheiben etwa um die Hälfte. Als Ueberreste der

Wirthszelle, in der die Halbmonde entstanden sind, findet man oft ihre

Pole auf der konkaven Seite durch eine zarte, gebogene Linie verbunden

oder den ganzen Körper durch eine doppelte Kontur eingeschlossen.

Die Halbmonde nehmen zuweilen während der Beobachtung zuerst eine

spindelförmige oder ovale, dann kugelrunde Gestalt an, ihr Pigment

beginnt sich zu vertheilen und der Körper macht schaukelnde Bewegungen

oder entsendet plötzlich lebhaft sich bewegende +Geisseln+. Letztere

werden abgeworfen, und der Mutterkörper zerfällt in mehrere pigmentirte

Kugeln, welche sich noch lange als einzige Reste der +Laveran+’schen

Sicheln erhalten können. Die Geisseln sind, wie im Blute der Vögel,

reproduktionsunfähige, früher oder später der Degeneration verfallende

Elemente. Auch hat die Annahme die meiste Wahrscheinlichkeit, dass

die +Halbmonde unschädliche Residuen des Infektionsprozesses+, eine

abgebrochene Entwicklungsrichtung darstellen. Die Wiederholung der

fieberhaften Perioden wird nicht durch sie, sondern durch die Sporen

vermittelt, obwohl einzelne Autoren die Halbmonde als Dauerformen

ansehen, welche auch Sporen produziren sollen.

Von +Marchiafava+ und +Bignami+[223] wird nun noch ein +schweres

Tertianafieber+ unterschieden, bei welchem die Parasiten grösser (bis

zur Hälfte eines Blutkörperchens) werden, als bei dem eben genannten.

Halbmonde werden dabei ebenfalls beobachtet. Leicht kann eine

Verwechselung mit der Quotidiana eintreten.

Von +Celli+ und +Marchiafava+[224] ist einige Male auch ein +Plasmodium

malariae incolor+ oder +Haemamoeba immaculata+ (+Grassi+ und +Feletti+)

beobachtet worden. Diese Form unterscheidet sich von der quotidianen

Form durch das gänzliche Fehlen des Pigmentes.

Im Uebrigen herrscht noch keine Uebereinstimmung in den Ansichten

der Autoren darüber, ob schliesslich nur +eine+ Parasitenspecies

der Malaria zu Grunde liegt, oder mehrere und endlich wieviele.

Impfversuche, wie solche von +Gualdi+ und +Antolisei+[225], +Antolisei+

und +Angelini+[226], +Calandruccio+[227], +Bein+[228], +Baccelli+[229]

und +Di Mattei+[230] angestellt worden sind, ergaben die genaue

Reproduktion des verimpften Formentypus (Quartana, Tertiana, Quotidiana

mit Halbmonden) in 18 von 20 Versuchen, während in zwei Versuchen

die Injektion von Blut mit Quartanparasiten irreguläres quotidianes

Fieber erzeugte. Mit Recht hebt +Kruse+ dabei hervor, dass bei der

vorliegenden Frage ein einziger positiv nachgewiesener Fall von

Pleomorphismus für die Entscheidung derselben von viel grösserer

Beweiskraft ist, als 20 negative. Es ist sehr wahrscheinlich, dass

die Transformation des Parasiten, wenn sie überhaupt möglich ist,

nur unter ganz bestimmten Bedingungen eintritt. Neuerdings betont

+Ziemann+[231] auf Grund seiner mikroskopischen Befunde, wie häufig die

Malariaparasiten in ein und demselben Falle sich verschieden verhalten.

+Alle Versuche+, sagt er, +allein aus dem verschiedenen morphologischen

Verhalten der Malariaparasiten die Berechtigung zur Aufstellung

verschiedener Schemata herzuleiten, sind daher mit grosser Vorsicht

aufzunehmen+.

Die +ursächliche+ Bedeutung der Plasmodien für die Entstehung der

Malariainfektion ist sicher: man findet sie konstant im Blute der

Kranken, durch das infizirte Blut kann die Krankheit übertragen werden

und bei anderen Krankheiten und Gesunden findet man die Blutparasiten

nicht. Der Ursprung des Fiebers wird auf die Erzeugung giftiger Stoffe

zurückgeführt, welche anscheinend dadurch frei werden, dass sich die

Sporulationsformen in ihre Elemente auflösen (+Kruse+). Oertliche

Symptome werden vielleicht durch Anhäufungen der Parasiten in den

Kapillaren der Organe hervorgerufen.

+Das Ueberstehen einer Infektion+ scheint eine neue Durchseuchung

zu begünstigen, während die natürliche Empfänglichkeit bei den

verschiedenen Menschenrassen eine sehr verschiedene zu sein scheint.

In Sumatra sollen (nach +Martin+[232]) die Europäer am häufigsten und

heftigsten ergriffen werden, während die Malaien, besonders die Tamils

im Allgemeinen seltener als die ersteren und dann an leichteren Formen

(Quartana und Tertiana) erkranken.

Die Bedeutung der Wirkung des +Chinins+ auf die Malariaparasiten des

Menschen kann nicht bestritten werden; +Marchiafava+ und +Celli+[233]

konnten nach Anwendung von Kochsalzlösung und destillirtem Wasser

auf +extravaskuläre Plasmodien+ ebenfalls eine schädigende Wirkung

nachweisen.

Die „Phagocyten“ werden im Kampfe mit den Malariaparasiten den

Heilungsprozess unterstützen können; ob sie jedoch von wesentlicher

Bedeutung in Fällen natürlicher Heilung sind, ist einstweilen noch

nicht sichergestellt.

Die +Inkubationszeit+ ist bei der Malariainfektion sehr wechselnd und

beträgt bei künstlicher Infektion 1–3 Wochen, kann jedoch bei natürlich

entstandenen Infektionen kürzer und länger (1–2 Monate) sein.

Zur +Diagnostik der Malariainfektion+ ist eine einmalige oder öftere

+Untersuchung des frischen Fingerblutes+ nöthig. Die Bewegungen

der Parasiten bleiben (nach +Kruse+) auch bei Zimmertemperatur

oft stundenlang bestehen. Man kann jedoch auch +Trockenpräparate+

anfertigen und diese nach 5 Minuten langer Fixirung mit Alkohol

(oder einer Mischung von Alkohol und Aether zu gleichen Theilen) mit

Methylenblau färben. Für die Darstellung der Plasmodien im Gewebe wird

(von +Bignami+) die Fixirung kleiner Organstückchen in Sublimat (1% +

0,07% NaCl + 5% Ac. acet.) während mehrerer Stunden, Auswaschung in

jodirtem und absolutem Alkohol und Färbung mit Safranin, Methylenblau

oder Bismarckbraun empfohlen.

Hinsichtlich der +Entstehungsart der Blutinfektion+ scheint zunächst

die Aufnahme der Parasiten vom Magen-Darmkanal nicht die Regel zu

bilden, auch die Beweise für die Annahme, dass die Uebertragung durch

die Einathmung infizirter Luft erfolgt, sind noch nicht erbracht

worden. Dagegen weisen die Experimente auf eine Möglichkeit der

Infektion von der Haut aus hin, und es wäre wohl denkbar, wie +Kruse+

bemerkt, dass die +Infektion auch unter natürlichen Bedingungen von der

Haut aus, etwa durch Insektenstiche+, vermittelt würde. Dann könnte die

Infektion von Person zu Person auch durch Flöhe erfolgen. Diese Art

der Uebertragung würde ihr Analogon in der der Malaria des Menschen

nahestehenden Texasseuche finden, welche erweislich nur durch Stiche

bestimmter Insekten verbreitet und von Thier zu Thier übertragen wird.

Die +Herkunft des Ansteckungsstoffes+ ist bei der Malaria noch nicht

festgestellt. Jedenfalls lehrt die Erfahrung, dass die Gelegenheit zur

Erkrankung an Malaria in Gegenden vorhanden ist, welche von Menschen

bisher nicht betreten worden sind.

Die +Erreger der Malaria+ scheinen nur gelegentliche Schmarotzer des

Menschen zu sein. In welcher Form sie ausserhalb des menschlichen

Organismus leben, ist unbekannt. „Wegen der Eigenart der Plasmodien,

die allen Züchtungsversuchen trotzen, könnte man annehmen, dass sie

nur zu parasitärem Leben geeignet, also obligate Schmarotzer wären.

Nach unserer bisherigen Kenntniss kämen keine anderen Wirthsthiere

als höchstens noch Fische, Reptilien, Vögel (Säugethiere! Sch.)

in Betracht, die Parasiten derselben zeigen aber unter sich zwar

Verwandtschaften, sind jedoch nicht identisch. Danach wäre es also

ausgeschlossen, dass die Malariaparasiten von Fröschen, Reptilien oder

Vögeln mittelbar auf den Menschen übergingen, um so mehr, weil wir

auch bei diesen Thieren keine Anhaltspunkte dafür haben, dass sie ihre

Parasiten in grösseren Mengen und in Form von Dauerzuständen in die

Aussenwelt entleeren“. (+Kruse+.)

Malariaerkrankungen bei Thieren.

Von Malariafällen bei Thieren wird schon seit langer Zeit berichtet.

Die meisten Beobachtungen beziehen sich jedoch auf das +Pferd+

(+Ruini+, +Kersting+). In einzelnen der früher in der Litteratur als

Malaria beschriebenen Fälle, besonders beim Rind und Schaf, mögen

auch manchmal nur Milzbranderkrankungen vorgelegen haben. Dagegen ist

es gegenwärtig nicht mehr zweifelhaft, dass Malaria auch bei Thieren

vorkommt. Zunächst ist zu erwähnen, dass künstliche Uebertragungen der

Malaria des Menschen auf Kaninchen und Hunde mit Erfolg ausgeführt

sind. Ferner kommt nach +Dupuy+ in Senegambien die +Malaria bei

Pferden+ nicht selten vor und tritt theils in akuter, theils in

chronischer, mehrere Monate dauernder Form auf. Von +Popow+[234] wird

über das Vorkommen von Malaria in sumpfigen Gegenden des Kaukasus

berichtet. Die Krankheit war hier beim Menschen sehr stark verbreitet

und +Popow+ hatte Gelegenheit das Leiden auch bei sechs Pferden zu

beobachten. Die Krankheitsdauer betrug 6–11 Tage. Neben Fieber war

Puls- und Athembeschleunigung vorhanden. Des Abends war eine Steigerung

der Erscheinungen nachweisbar. Von innerlichen +Mitteln+ wirkten am

besten und am schnellsten Chinin, das in Dosen von 4,0 gr. 3–5mal

gegeben wurde. Je früher mit der Chininbehandlung begonnen wurde, desto

früher trat Heilung ein.

+Pierre+[235] berichtet gleichfalls über Malariaerkrankungen der

Pferde und giebt an, dass in den betreffenden Gegenden die Menschen in

gleicher Weise erkranken wie die Pferde. Durch einfaches Zusammenleben

und Kontakt wird die Krankheit +nicht+ übertragen. Dagegen gelingt

die +künstliche Uebertragung+ durch intravenöse Injektion des Blutes

kranker Thiere auf gesunde; subkutane und intravenöse Injektionen bei

Hunden haben jedoch nur einen zweifelhaften Erfolg. Die Inkubationszeit

beträgt oft 10–12 Tage. Die Krankheit tritt entweder als einfaches

intermittirendes oder dauerndes Fieber ohne Organkrankheiten auf;

oder das Fieber geht mit Organkrankheiten einher. Es wurden Katarrhe

des Athmungsapparates, Hämaturie, Pneumonie und Pleuritis, auch

Erkrankungen des centralen Nervenapparates beobachtet.

Neben der +akuten Form+ zeigte sich auch eine chronische, welche mit

Kachexie und Anämie einhergeht. Das Blut ist dabei quantitativ und

qualitativ verändert. Bei der +Behandlung+ des Leidens war Chinin sehr

wirksam.

+Sander+[236] theilte mit, dass das Wechselfieber nicht selten bei

Pferden und Rindern in Afrika vorkommt. +Burke+[237] erwähnt, dass die

in Indien unter dem Namen „+Surra+“ bekannte, oft seuchenartig unter

den Pferden auftretende Erkrankung eine perniciöse Anämie ist, welche

durch im Blute zirkulirende zu den Hämamöbiden gehörige Parasiten

hervorgerufen wird, wie auch weitere Untersuchungen von +Evans+,

+Crookshank+, +Osler+ u. A. bestätigt zu haben scheinen. Man hat den

Parasiten nach dem Autor +Evans+: +Trypanosoma Evansi+ genannt.

Neuerdings hat nun auch +Danilewsky+[238] die Malariaparasiten im Blute

der Vögel gefunden, bei denen sie akute, fieberhafte 4–6 Tage dauernde

Anfälle erzeugen. +Danilewsky+ fand sowohl in der Struktur wie auch in

den biologischen Eigenschaften eine sehr grosse Aehnlichkeit zwischen

diesen Parasiten und denjenigen des Menschen. Ebenso hat +Labbé+[239]

die +endoglobulären Blutparasiten der Vögel+ einer eingehenden

Untersuchung unterzogen und ebenfalls die grosse Aehnlichkeit mit den

Malariaparasiten des Menschen nachgewiesen. +Labbé+ unterscheidet dabei

zwei Gattungen: +Halteridium+ (Laverania) und +Proteosoma+ (Haemamoeba).

Die jüngsten Formen der Halteridien erscheinen als kleine, helle und

stark lichtbrechende Flecke in den Blutkörperchen, welche später

wachsen und seitlich von den Kernen liegen. Ihre Enden sind etwas

gekrümmt, meistens etwas aufgetrieben und mit Pigmentkörnchen versehen.

Durch Färbung kann man einen Kern nachweisen, welcher bläschenförmig

ist und einen grossen Nucleolus einschliesst. Später nehmen diese

Körperchen eine beutelförmige Gestalt an, der Kern theilt sich und

rückt den Enden näher. Die verdickten Enden sind nach +Labbé+ die

Sporen, in welchen sich die Kerne weiter theilen. So entstehen zwei

Gruppen von Sporozoiten, die sich trennen und ins Blutserum gelangen.

Ausser diesen Formen beobachtete +Labbé+ auch solche, die mit

geisselartigen Fortsätzen versehen waren. Der Entwicklungsgang des

Parasiten, welcher +Halteridium Danilewsky+ genannt wird, dauert etwa

7–8 Tage.

Die zweite Form -- +Proteosoma+ -- ist in den jüngeren

Entwickelungsstadien dem Halteridium sehr ähnlich. Die älteren

Formen besitzen eine nieren- oder birnförmige Gestalt und einen

bläschenförmigen Kern. Später runden sich die Enden ab und zerfallen

in viele Sporozoiten, welche eine rosettenförmige Anordnung annehmen

und manchmal das ganze Blutkörperchen ausfüllen. Die Entwicklung dauert

4–5 Tage. Die inficirten Blutkörperchen verlieren ihren Farbstoff

und ihre Kerne sind verschoben. +Labbé+ bezeichnet diese Parasiten

als +Proteosoma Grassi+. Es ist nicht unmöglich, dass beide Arten

nur verschiedene Entwicklungsstadien desselben Parasiten darstellen,

worüber noch weitere Untersuchungen Aufschluss bringen müssen.

* * * * *

Von den +weiteren Gattungen+ der einsporigen Hämamöbiden ist noch zu

erwähnen, dass die zu +Dactylosoma+ und +Cytamöba+ gehörigen Arten im

+Blute der Frösche+ beobachtet worden sind.

* * * * *

+Ebenfalls den Hämamöbiden angereiht+ werden +die Erreger der

Texasseuche und einzelner Formen seuchenartig auftretender

Hämoglobinurie der Rinder+.

Was zunächst die =Erreger der Texasseuche= betrifft, früher Pyrosoma

bigeminum jetzt +Apiosoma bigeminum Smith+ genannt, so sind die

Untersuchungen über dieselben von +Smith+[240] angestellt worden.

Das +Texasfieber+ auch Milzfieber (+Texas fever+, +Spanish fever+,

+Southern Cattle Plague of the United States+) ist eine in einzelnen

Bezirken der Vereinigten Staaten vorkommende seuchenartig auftretende

Krankheit der Rinder, welche an bestimmte Gegenden gebunden ist

und besonders am mexikanischen Meerbusen vorkommt. Es liegen seit

1871 Berichte über das Vorkommen der Seuche in den südlichen

Staaten der nordamerikanischen Union vor. Später folgten dann

genauere Darstellungen, neuerdings von +Smith+ und +Kilborne+[241],

+Dinwiddie+[242], +Billings+[243], +Salmon+[244], +Detmers+[245].

Im Jahre 1894 wurde die Krankheit auch bei einigen nach Hamburg

eingeführten amerikanischen Ochsen beobachtet und später von

+Weisser+ und +Massen+[246] näher studirt und als identisch mit der

amerikanischen Seuche festgestellt.

[Illustration: Figur 30.

+Apiosoma bigeminum nach Smith.+

_a_-_d_) intraglobuläre Stadien. Die Punktirung zeigt die relative

Färbbarkeit von erhitzten Präparaten mit alkoholischem Methylenblau an.

_a_) jüngstes Stadium, anscheinend in Zweitheilung begriffen. Aus dem

kreisenden Blute. _b_) spindelförmige Körper aus Herzmuskelblut eines

akut verlaufenden Falles. An den peripheren Enden ist die Färbung

schwach. _c_) birnförmige Körper derselben Herkunft, total gefärbt.

_d_) birnförmige Körper aus dem kreisenden Blute mit peripherer Färbung.

_e_-_k_) verschiedene Stadien aus frischem Blute ungefärbt.

_e_) jüngstes Stadium des intraglobulären Parasiten, am Rande des

Blutkörperchens als eine einzige Vakuole sichtbar. Aus dem kreisenden

Blute eines leicht erkrankten Thieres, mit _a_ vergleichbar. _f_) ein

amöboider Körper im kreisenden Blute, 3 Stunden nach der Blutentnahme.

Wahrscheinlich doppelt, da 2 winzige Körperchen vorhanden sind. _g_)

derselbe Körper, eine Stunde später. Ein Körperchen ist nicht sichtbar,

das andere durch einen stäbchenförmigen Körper ersetzt (_?_). _h_

und _i_) zwei rasch aufeinander folgende Stadien (innerhalb einer

Minute) eines Parasiten von einem anderen Falle, 3 Stunden nach der

Blutentnahme. In diesem Parasiten ist ein winziges Körperchen und

ein Stäbchen vorhanden. _k_) ein paar birnförmige Parasiten aus dem

kreisenden Blute eines genesenden Rindes, mit winzigen Körperchen und

vakuolenartigen ovalen Stellen.]

Die +Ansteckung+ erfolgt auf der Weide durch bestimmte Zecken

(Boophilus bovis von +Cooper Curtice+, Ixodes bovis von +Ridey+

genannt), welche auf den Rindern des Seuchengebietes leben und

die Ursache der Krankheit im Seuchenbezirk, wie auch nach anderen

Gegenden hin verschleppen. +Die nächste Ursache+ der Krankheit

bilden jedoch die genannten +Blutparasiten+. Dieselben sind blasse,

amöboide Plasmakörper, zum Theil mit unregelmässigen Umrissen, zum

Theil birnförmig. Die Länge beträgt 2,5–4 µ, die Breite 1,5–2 µ.

In dem breiten Ende des Parasiten findet sich öfter ein dunkles

winziges Körperchen, welches in seltenen Fällen durch ein grösseres

vakuolenartiges Gebilde ersetzt wird. Beide Gebilde kommen auch

zusammen in demselben birnförmigen Körper vor. Manchmal ist auch eine

doppelte Infektion desselben Blutkörperchens nachzuweisen; dasselbe

beherbergt dann zwei Paar birnförmige Körper.

Im +Beginne+ der Erkrankung finden sich in den Blutkörperchen der

infizirten Rinder äusserst kleine, glänzende Körperchen, welche als

die Keime der Parasiten angesehen werden. Sehr bald erfolgt dann eine

Zweitheilung; jeder Theil wächst nun zunächst in einen spindelförmigen

Körper aus, der zuletzt in Birnform übergeht und sich nur noch schwach

an der Peripherie färbt. Die birnförmigen Gebilde sind mit den spitzen

Enden häufig einander zugekehrt oder durch einen feinen Faden verbunden

und finden sich sehr zahlreich bei den besonders im Sommer vorkommenden

akuten Erkrankungen. Besonders +zahlreich findet man die Parasiten im

Blute der Leber, der Milz, der Nieren und des Herzens+, wo bis 80% der

Blutzellen infizirt sind. Unter der Einwirkung der Parasiten sinkt die

Zahl der rothen Blutzellen in kurzer Zeit ganz erheblich.

Wird das Blut kranker Thiere gesunden unter die Haut oder in die

Venen injizirt, so treten bei den Versuchsthieren schon nach

wenigen Tagen die ersten Krankheitserscheinungen auf. Kaninchen,

Meerschweinchen, Tauben und Schafe zeigen nach der Impfung keine

Krankheitserscheinungen. Dagegen ist die Empfänglichkeit des Rindes

eine grosse. Meerschweinchen bleiben gesund, wenn sie im Verhältniss

zum Körpergewicht die 25–300fache Dosis desselben Blutes eingespritzt

erhielten, welches 3 von 4 geimpften Kühen tödtete. Auch ist die

Thatsache bemerkenswerth, dass das +Blut scheinbar ganz gesunder Rinder

aus dem Seuchengebiete auf Thiere in immunen Gebieten übertragen,

infizirend wirkt+.

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 12 / 20 段