Die Hämosporidien sind einzellige Schmarotzer des Blutes, von länglich

gestreckter, gregarinenartiger Gestalt und Struktur; der Keim wächst

in den Blutkörperchen heran, das erwachsene Thier kann eine Zeitlang

frei im Blute leben und dringt vor der Vermehrung von Neuem in Zellen

des Blutes oder der blutbereitenden Organe ein; =innerhalb= derselben

erfolgt der Zerfall in eine Anzahl von Keimen. (+Wasielewski.+)

Für die +Technik der Untersuchung+ wird von +Wasielewski+ folgendes

Verfahren angegeben. Man benutze Froschblut und überzeuge sich an

einem frischen Blutpräparat von der Anwesenheit der Schmarotzer,

versehe das Präparat mit Vaselinrand oder beobachte im hängenden

Tropfen, beziehentlich im Kapillarröhrchen. Sehr empfehlenswerth

ist die Lebendfärbung mit Methylenblau (1 Theil Methylenblau in 100

Theilen physiologischer Kochsalzlösung; die Lösung wird mit einem

Stück Fliesspapier durch das Präparat gesaugt). Um die +Keimbildung+

zu verfolgen, konservirt man die Milz stark infizirter Frösche in

+Flemming+’scher Flüssigkeit und fertigt Schnitt- oder Zupfpräparate

an. Die +Fixirung und Färbung+ der Blutschmarotzer geschieht auf dem

Deckglase. Das lufttrockene Deckglas wird durch die Flamme gezogen und

dann in +Flemming+’scher Lösung fixirt. Die Färbung gelingt am besten

mit Methylenblau -- Eosin. Nach der Methode von +Czenzinski+ mischt

man einen Theil einer konzentrirten wässerigen Methylenblaulösung (2

Theile konzentrirte wässerige Methylenblaulösung und 4 Theile Wasser)

mit zwei Theilen einer Eosinlösung (Eosin 1 Theil und 60% Alkohol

100 Theile) und färbt damit 24 Stunden. Zur Dreifachfärbung dient

ein Gemisch von +Delafield+’schem Hämatoxilin, Säurefuchsin oder

Bengalroth und Aurantia. Damit färben sich die chromatischen Keimtheile

schwarz-violett, die normalen Blutkörperchen und Phagocyteneinschlüsse

orange, die anämischen Blutkörperchen weinhefefarben, die Conturen der

Parasiten, ihre Vakuolen und Granulationen erscheinen lebhaft roth.

=Geschichtliches.= Nach den Angaben in der Litteratur hat wohl +E. Ray

Lankester+ (1871)[197] zuerst auf die im Blute der Frösche vorkommenden

Parasiten aufmerksam gemacht und schon um jene Zeit auf ihre Beziehung

zu den Gregarinen hingewiesen. Er verglich sie mit den Pseudonavicellen

der Gregarinen und bezeichnete sie +Drepanidium ranarum+. Die

Selbständigkeit der Drepaniden wurde jedoch erst später (1885) durch

zahlreiche Arbeiten von +Danilewsky+[198] erwiesen[199]. Später hat

dann +J. Gaule+[200] (1880) durch seine Angaben über eigenthümliche

Gebilde, welche in dem Blute der Frösche, Tritonen und Schildkröten

vorkommen, von Neuem die Aufmerksamkeit auf diese Blutparasiten

gelenkt. Allerdings hat +Gaule+ die parasitäre Natur dieser Gebilde --

von ihm +Blutwürmchen+, +Cystozoen+ genannt -- nicht erkannt, sondern

behauptet, dass sie in allen Zellen als normale Theile des Protoplasmas

vorkämen und gemeine Bestandtheile des thierischen Lebens seien.

Später folgten dann die Beobachtungen von +Laveran+ (1884) über

das Vorkommen eigenthümlicher Gebilde in dem Blute Malariakranker

und schliesslich zahlreiche Angaben über Befunde von Blutparasiten

bei Vögeln, u. a. von +Grassi+ und +Feletti+[201], +Ceand+,

+Sanfelice+[202] und +Kruse+[203].

=Verbreitung und Sitz der Hämosporidien.= Die Hämosporidien sind

bisher nur bei +Amphibien+, +Reptilien+ und +Vögeln+ gefunden worden,

dagegen nicht bei Fischen und Säugern. Am häufigsten sind die Frösche

infizirt, dann beherbergen auch Süsswasserschildkröten und Eidechsen

häufig diese Parasiten. Unter den Vögeln hat man die Hämosporidien

bisher nur bei Eulen und Spechten beobachtet, während die meisten

übrigen Blutparasiten der Vögel zu der bereits genannten anderen

Sporozoenordnung, den +Acystosporidien+, oder zu den Flagellaten

gehören. Nach den bisherigen Beobachtungen scheinen die Hämosporidien

der Kaltblüter besonders in Russland, England, Deutschland, Italien

und Frankreich vorzukommen, während die Vögel in Italien und Russland

häufiger infizirt zu sein scheinen, als in anderen Ländern.

Der +Sitz+ der Parasiten ist im Blute, und zwar theils in den zelligen

Bestandtheilen desselben, theils im Serum. Vorwiegend sitzen sie in den

rothen, seltener in den weissen Blutkörperchen. Natürlich gelangen die

Parasiten mit den von ihnen infizirten Blutkörperchen auch in bestimmte

Organe, vorwiegend in das Knochenmark und in die Milz. Von einzelnen

Hämosporidienarten werden die keimbildenden Cysten nur in der Milz oder

im Knochenmark angetroffen. Die infizirten rothen Blutkörperchen werden

blass und grösser (ausgedehnt).

In der +Gestalt+ ähneln die länglich-gestreckten, wurmförmigen, an

beiden Enden spitz auslaufenden oder an einem Ende keulenförmig

angeschwollene Hämosporidien den einkammerigen, mit welchen sie ja

auch ursprünglich verwechselt worden sind. Bei Bewegungen derselben

kommen mannigfaltige Formveränderungen zu Stande, dieselben sind

nicht amöbenförmig, sondern gleichen vollständig den Bewegungen der

Gregarinen. Man kann ferner an denselben das strukturlose Ektoplasma,

das fein granulirte Entoplasma und den runden oder ovalen Kern

unterscheiden. Wie +Labbé+ feststellte, hemmen schwache, galvanische

Ströme die Bewegungen und verursachen bald eine Zerstörung des

Protoplasmas. Durch Kälte wird ihre Bewegungsfähigkeit gelähmt und

bei höheren Graden (unter Null) wird das Protoplasma zerstört. Durch

betäubende Flüssigkeiten (Chloroformwasser, Kokain, hydrochl. Morph.

hydrochlor. 1,0:1000,0; Chloralhydrat 2,0:1000,0) werden die Parasiten

unbeweglich und gelähmt.

=Vermehrung und Entwickelung.= Die Vermehrung der Hämosporidien erfolgt

innerhalb der Wirthsthiere und innerhalb der Wirthszellen im Gegensatze

zu den Gregarinen, welche meist ausserhalb der Wirthe oder frei in

der Leibeshöhle Sporen bilden. Die erwachsene Hämosporidie wandelt

sich zunächst zur Cyste um; die Cysten finden sich vorzugsweise in der

Milz, in der Leber und im Knochenmark, nur selten im lebenden Blut

(+Wasielewski+). In der Cyste beginnt dann durch Theilung des Kernes

die Entwicklung der jungen Hämosporidien. Die Keime (Sporozoiten)

besitzen eine länglich-ovale, zum Theil leicht sichelförmige Gestalt

(+Labbé+). In das Blut gekommen dringen dann die Keime einzeln oder zu

zweien in ein rothes Blutkörperchen hinein, wobei dann die erwachsenen

Hämosporidien oft die Wirthszelle sprengen und eine Zeit lang frei im

Serum leben. Behufs Vermehrung dringen die Hämosporidien dann wieder

in eine neue Wirthszelle um nach ev. vorangegangener Kopulation zweier

Individuen den Entwicklungsgang von Neuem zu beginnen. Durch Einreissen

der dünnen Cystenhülle kann die Entleerung und Ausstreuung der Keime in

die Blutbahn erfolgen.

+Auf welchem Wege+ und in welcher Form die Hämosporidien +ihren

Wirth verlassen+ und andere Thiere infiziren, ist noch nicht völlig

aufgeklärt. Da lebende Parasiten auch im Froschdarm angetroffen

wurden, so mag die Verbreitung vielleicht durch die Nahrung erfolgen.

+Künstliche Infektionen+ sind bisher nur durch Uebertragung von

infizirtem Blut auf Thiere derselben Art gelungen. Ausserhalb des

Wirths können die Keime, denen die schützende Sporenhülle fehlt, wohl

nicht lange existiren.

=Eintheilung.= +Labbé+ unterscheidet drei Gattungen: Drepanidium,

Karyolysus und Danilewskya.

+Die erste Gattung+: Drepanidium Ray Lankester trägt die Merkmale der

Ordnung. Es sind Blutzellschmarotzer von gregarinenartiger, an beiden

Enden zugespitzter Form. Die Entwicklung beginnt intraglobulär, dann

folgt ein freies Stadium im Serum. Die Sporenbildung erfolgt immer

intracellulär, fast immer intraglobulär. Im Sommer und Herbst kommen

meist Cysten mit Mikrosporen, im Winter und Frühling auch Cysten mit

Makrosporen vor. Der Parasit bewegt sich lebhaft im Serum und scheint

auf die Blutkörperchen keine besondere Wirkung auszuüben.

Man unterscheidet davon bisher drei Arten:

a) +Drepanidium princeps Labbé+[204] (Drepanidium ranarum +Lankaster+;)

kommt als kleines 15 µ langes, wurmartiges Gebilde im Blute der Frösche

vor, schraubenförmig zwischen den Blutkörperchen sich bewegend. In

der Mitte des mit einem Kern versehenen Parasiten sind 1–2 Vakuolen

vorhanden. Man sieht die Parasiten bald in den Blutkörperchen, bald

aus denselben heraustretend. Die Schmarotzer findet man ausser in

rothen Blutkörperchen, in Leukocyten, in Zellen der Milz und des

Knochenmarkes, gelegentlich sogar in Zellkernen. D. princeps ist in

ganz Europa verbreitet.

b) +Drepanidium monilis Labbé+. Dieser Parasit wird fast nur in

italienischen Fröschen beobachtet, dagegen nicht im übrigen Europa.

Der Parasit ist von +Labbé+ monilis genannt worden (moniliform =

halsbandförmig), weil bei Bewegungen Anschwellungen auftreten,

welche mit Einschnürungen abwechseln. Der Parasit hat einen grossen,

bläschenförmigen Kern und reichlich gekörntes Protoplasma; Vakuolen

fehlen. D. monilis kommt fast nur in den rothen Blutkörperchen vor,

bisweilen auch in Hämatoblasten, selten in Leukocyten.

c) +Drepanidium avium Danilewsky s+. Pseudovermiculus avium s.

Haemogregarina avium -- +Danilewsky+.

Es sind grosse (10–17 µ lange) gregarinenartige Parasiten, welche

durch ihre wurmförmigen mit transversalen Einschnürungen verbundenen

Bewegungen den anderen Drepaniden gleichen. Die Vermehrung erfolgt

endoglobulär in Cysten. Solche Cysten sind auch mit 5–10 Keimen in der

Milz gefunden worden. Bisher sind dieselben vorwiegend im Blute von

Eulen, Buntspechten und Mandelkrähen beobachtet worden.

Von der zweiten +Gattung, Karyolysus-Labbé+ ist nur eine Art bekannt:

+Karyolysus lacertarum Labbé+ (Haemogregarina lacertarum +Danilewsky+).

Die Parasiten leben im Blute von Eidechsen. (Lacerta viridis, muralis

und ocellata.) Die erwachsenen Formen werden 11–14 µ gross, haben die

Gestalt einer Gregarine und +zerstören durch ihre Anwesenheit die

Blutkörperchen+. Die Sporenbildung erfolgt innerhalb der Blutzellen und

nach Cystenbildung.

+Die dritte Gattung+: +Danilewskya+ enthält +drei Arten+:

+D. Lacazei+, +D. Stepanowii+ und +D. Krusei+.

Auch diese Blutzellenschmarotzer zeigen eine ausgesprochen

gregarinenartige Gestalt, erreichen die doppelte Länge eines

Blutkörperchens und haben im Ganzen nur einen +mechanischen Einfluss+

auf die Blutkörperchen, ohne diese besonders zu alteriren.

+Danilewskya Lacazei+ (+Labbé+) (Haemocytozoon clavatum) lebt im Blut

von Eidechsen. Die erwachsenen, 25–28 µ langen Parasiten haben eine

wurmförmige Gestalt und einen deutlichen Kern an einem Ende.

+Danilewskya Stepanowii+ (Haemogregarina Stepanowii) lebt im Blute der

Schildkröte (Cistudo europaea).

+Danilewskya Krusei+ (+Labbé+) lebt im Blute von Fröschen.

+Kruse+[205] hebt jedoch mit Recht hervor, dass ein genügender Grund,

die weitgehende Trennung in Ordnungen, Gattungen und Arten, wie sie von

+Labbé+ vorgeschlagen ist, bei den Parasiten der Froschblutkörperchen

durchzuführen nicht vorliegt. Man könnte vielmehr entweder einen

Polymorphismus annehmen, z. B. in dem Sinne eines Generationswechsels,

oder aber die verschiedenen Formen als nächstverwandte Varietäten

einer Spezies betrachten. Ohne weiteres dürfte dies klar sein für

die sog. Drepanidien (princeps, monilis magnum). Das am meisten

vom Typus abweichende sog. Dactylosoma ist am einfachsten als eine

Form zu deuten, die vor ihrer Entwickelung zu Blutwürmchen eine

Wachsthumshemmung erfahren hat.

=VI. Ordnung: Acystosporidien= (Syn. +Gymnosporidia Labbé+ 1894).

Die Acystosporidien sind Zellschmarotzer von amöboidem Bau; sie

scheiden vor der intracellulär ablaufenden Keimbildung =nie eine Hülle=

ab; die Vermehrung erfolgt durch Zerfall des abgerundeten Plasmaleibes

in zahlreiche Keime, welche entweder eine ovale, amöboid veränderliche

oder eine sichelartige, beständige Form besitzen. (+Wasielewski.+)

=Verbreitung, Sitz, Gestalt, Bau und Entwicklung.= Die Acystosporidien

kommen nach den bisherigen Beobachtungen nur bei Wirbelthieren vor.

Besonders häufig sind sie bei Vögeln, ferner bei Fröschen, dann auch im

Blute der Rinder und Schafe und ganz besonders im Blute des Menschen

als Erreger der Malaria (1880 von +Laveran+ entdeckt) beobachtet

worden. Meist handelt es sich um +endemisches+ bezw. +enzootisches+

Vorkommen. So ist von den Malariakrankheiten bekannt, dass sie in

bestimmten Gegenden besonders der Tropen und Subtropen vorkommen;

auch als Erreger der sog. Texasseuche der Rinder kommen die Parasiten

nur in gewissen Bezirken vor. Künstlich kann die Krankheit durch

Bluttransfusion von einem Wirth auf einen anderen derselben Art

übertragen werden.

Die Acystosporidien +leben stets in den einmal von ihnen infizirten

Zellen+. Nur die schon völlig reifen Keime wandern kurze Zeit frei

umher, wenn sie geeignete Wirthszellen aufsuchen. +Vorwiegend+

schmarotzen sie, wie die Hämosporidien, mit welchen sie früher

unter dem Namen „Hämatozoen“ oder „Hémozoaires“ zusammengefasst

wurden, in den +rothen Blutkörperchen+, daneben auch in den weissen

Blutkörperchen, in den Milz- und Knochenmarkzellen. Gelegentlich

gelangen wohl auch einzelne Exemplare in die Nieren, in die Leber und

auch in das Darmepithel.

Die +pathologische Wirkung+ entwickelt sich langsam, weil die

Organismen fast immer kleiner sind als die befallenen Wirthszellen und

erst durch die massenhafte Zerstörung von Blutzellen ihre verderblichen

Folgen hervorrufen. Die Parasiten haben grosse Aehnlichkeit mit den

Amöben. Im vollständig entwickelten Zustande besitzen sie entweder

amöboide Fortsätze oder eine länglich gestreckte Gestalt. Im frischen

Zustande erscheinen sie fast völlig hyalin. Das Entoplasma zeigt einen

alveolären Bau und enthält den in den Keimen vorhandenen Chromatinkern

und den bei vollständig entwickelten Exemplaren vorhandenen

bläschenförmigen Kern. Neben dem Kern beherbergt das Protoplasma noch

feinkörniges oder krystallinisches Pigment von schwarzer, ockergelber

oder feuerrother Farbe, entstanden durch Zersetzung des Hämoglobins.

Diese +Pigmenteinschlüsse+ sind für die Acystosporidien, besonders der

Warmblüter +charakteristisch+.

Die +Ortsbewegung+, welche bei jungen Individuen am lebhaftesten

erfolgt, vollzieht sich durch Aussenden und Einziehen kurzer

oder langer Fortsätze. Man kann in den frischen Blutpräparaten

infizirter Thiere intensiv bewegliche Gebilde nachweisen, welche

mit geisselartigen, lebhaft schwingenden Fortsätzen ausgestattet

sind. Man hat dieselben als Polymitusformen beschrieben. +Grassi+,

+Feletti+, +Celli+, +Sanfelice+ und +Labbé+ sind der Ansicht, dass die

Polymitusform eine Degenerationserscheinung ist. Dieselbe zeigt sich

nach +Labbé+ erst im Präparat in Folge der veränderten physikalischen

und chemischen Verhältnisse, in welche das Blut gelangt ist. In

frischen Präparaten löst sich das infizirte Blutkörperchen plötzlich

auf, der Parasit nimmt Kugelform an und an seiner Oberfläche treten

sehr bald 1–10 geisselartige Fortsätze auf, welche sich lebhaft

bewegen. Nach einiger Zeit lösen sich die geisselartigen Fortsätze

los und der übrig gebliebene rundliche Protoplasmakörper geht unter

Vakuolenbildung zu Grunde. +Labbé+ hält nun die geisselführenden

Gebilde für anormale Formen, für ein Stadium der Agonie, welches

dem Untergange vorausgeht; dieselben sind im lebenden Blute nicht

vorhanden. +Die Vermehrung+ der Acystosporidien erfolgt +innerhalb der

Wirthszellen+ meist durch direkten Zerfall des Protoplasmas in eine

grössere oder kleinere Zahl von Keimen. Durch Untergang der befallenen

Blutkörperchen werden die Keime frei. Die freigewordenen Keime machen

zunächst im Serum eine amöboidenartige Bewegung und dringen dann wieder

in Blutzellen ein, wo aufs Neue die Vermehrung erfolgt. Die Zeit für

die Entwicklung neuer Keime beträgt bei einzelnen Arten 2–3 bei anderen

6–7 Tage.

+Eintheilung.+ Von +Wasielewski+ ist vorgeschlagen worden, die

Acystosporidien in zwei Familien einzutheilen: +Acystidae+ mit

sichelförmigen Keimen und +Haemamöbidae+ mit amöboiden Keimen. Ausser

durch die Keimform unterscheiden sich beide Familien noch durch ihren

vorwiegenden Sitz. Während die Acystiden in Epithelzellen schmarotzen,

infiziren die Hämamöbiden vorzugsweise die Blutzellen und die Zellen

der hämopoetischen Organe. Die zu den Acystosporidien gehörigen

+Gattungen+ werden nun in folgender Weise eingereiht:

{ I. Familie: Acystidae, mit sichelförmigen Keimen:

{ Karyophagus,

Acystosporidien { II. Familie: Haemamoebidae mit amöboiden Keimen:

{ { a) einsporig: Proteosoma,

{ { Haemamoeba,

{ Dactylosoma,

{ Cystamoeba.

{ b) zweisporig: Halteridium.

+Anhang+: Apiosoma, Babesia.

I. Familie: =Acystiden=.

Die Acystiden sind Epithelschmarotzer, welche ihre Entwicklung

in +einer+ Zelle vollenden, keine Cystenhülle abscheiden und in

Sichelkeime zerfallen; sie schmarotzen vorwiegend in den Darmepithelien

von Salamandern, Tritonen und Fröschen.

II. Familie: =Hämamöbiden=.

Die zu dieser Familie gehörigen Parasiten sind von +hervorragender

pathologischer Bedeutung+, weil dieselben vorwiegend in den Blutzellen

der Vögel, der Säugethiere und des Menschen schmarotzen und schwere

Erkrankungen erzeugen können.

Man theilt dieselbe wie erwähnt gegenwärtig ein in:

a) +zweisporige Hämamöbiden+ mit 1 Gattung: Halteridium,

b) +einsporige Hämamöbiden+ mit 4 Gattungen: Proteosoma,

Haemamoeba, Dactylosoma, Cytamoeba.

Zu +letzterer Gruppe+ wird auch einstweilen der Erreger der

Texasseuche: +Apiosoma bigeminum+ (früher Pyrosoma) +Smith+ und der

Erreger der Hämoglobinurie (+Babes+): +Babesia+ gerechnet.

Von der zu den +zweisporigen+ Hämamöbiden gehörigen Gattung

+Halteridium+ (+Labbé+) ist eine Art: +Halteridium+ von

+Danilewsky-Labbé+ zu nennen, welche im Blute von Fringilla coelebs

(Buchfink), Sturnus vulgaris (Staar), Alauda arvensis (Feldlerche) und

Garrulus glandarius (Eichelhäher) beobachtet ist. Nach +Labbé+ dauert

die Entwicklung einer Parasitengeneration etwa 7 Tage. In der Regel

scheint die Gesundheit der infizirten Vögel durch diese Blutschmarotzer

nicht besonders beeinträchtigt zu werden.

Von den +einsporigen Hämamöbiden+ ist von der Gattung +Proteosoma+ nur

eine Art: +Proteosoma+ von +Grassis-Labbé+ zu nennen, welche im Blute

von Lerchen und Finken lebt. Die infizirten Thiere bekommen Fieber,

versagen das Futter und gehen häufig an der Erkrankung zu Grunde.

Von der Gattung +Haemamoeba+ (Syn. +Haematophyllam Metschnikoff+,

+Oscillaria Laveran+, +Plasmodium Marchiafava-Celli+, +Haematomonas

Osler+) ist die eine Art: +Haemamoeba Laverani+, welche im +Blute des

Menschen+ vorkommt von Interesse, weil dieser Parasit die =Ursache der

Malaria= ist.

Auch bei den Vögeln ist die Frage, ob es sich um verschiedene

Entwicklungszustände desselben Parasiten oder um mehrere Spezies

handelt, ebensowenig wie im Falle der Froschparasiten bis jetzt mit

Sicherheit zu beantworten.

Hinsichtlich der Bedeutung der Hämosporidien der Vögel als

Krankheitserreger sei noch erwähnt, dass hauptsächlich die schneller

sporulirenden Formen pathogen wirken. Das erzeugte Fieber hat nicht den

Typus, wie das der menschlichen Malaria, ist auch nicht durch Chinin zu

beeinflussen; die Sporenbildung geht ungestört vor sich, wenn auch die

amöboiden Bewegungen durch grosse Gaben (0,01–0,02) sistirt werden[206].

[Illustration: Figur 28.

+Die Blutkörperparasiten der Vögel+ (Vergr. 600–1000). Nr. 13 u. 14

nach +Labbé+, 15–28 nach +Danilewsky+, die übrigen nach +Kruse+. 1–12.

Parasiten der Krähe. 1–7. Allmähliches Wachsthum bis zur Sporulation

(?). 8 u. 9. Entwicklung von Geisselträgern aus den erwachsenen

Parasiten im frischen Präparat. 10–12. Würmchen, die sich gleichzeitig

aus den Blutkörperchen frei machen. 13–14. Ein ähnlicher Parasit

aus Fringilla coelebs, der Sporen bildet (Halteridium, +Labbé+).

15–18. Cysten, die zur Sporulation kommen, aus dem Knochenmark und

der Niere von mit Parasiten behafteten Vögeln. Die jüngere Form in

18 gregarinenartig beweglich. 19–23. Amöboide, schnell sporulirende

Parasiten der Blutkörperchen, bei 23 eine freie Sporulationsform.

24–26. Cysten mit oblongen, spindelförmigen und spirillenartigen

Inhaltskörperchen. 27 u. 28. Die letzteren aus einem Blutkörperchen

ausschwärmend.]

Neuerdings hat +MacCallum+[207] die pathologischen Veränderungen der

Gewebe beschrieben, welche bei den mit Hämosporidien infizirten Vögeln

auftreten und welche häufig eine überraschend +grosse Ausdehnung+

haben im Vergleich zu dem +offenbar guten Wohlbefinden der Thiere+.

Vorwiegend sind Leber und Milz ergriffen.

Haemamoeba Laverani.

=Geschichtliches.= Der Parasit wurde im Jahre 1880 von +Laveran+[208]

im Blute Malariakranker entdeckt. +Golgi+[209] hat dann den

Zusammenhang der Fieberanfälle mit dem Entwicklungsgang des Parasiten

nachgewiesen, während +Marchiafava+ und +Celli+[210] (1888) die

Sporulationsformen bei diesem Parasiten feststellten. Weitere

eingehende Untersuchungen sind dann von +Metschnikoff+[211], +Celli+

u. +Guarnieri+[212], +Sanfelice+[213], +Grassi+ und +Feletti+[214],

+Mannaberg+[215], +Councilman+[216], und von +Laveran+[217] u. A.

angestellt worden.

Bekanntlich wird mit =Malaria= (vom ital. mala aria = böse Luft, =

Intermittens Wechsel- oder kaltes Fieber) eine Krankheit des Menschen

bezeichnet, welche in vielen Gegenden (namentlich in Sumpfgegenden)

endemisch vorkommt und durch ihre regelmässigen in bestimmten

Intervallen auftretenden Anfälle ausgezeichnet ist. Das wichtigste

Symptom besteht in einem meist nur kurz andauernden Fieberanfall,

welcher entweder täglich oder alle 2, 3, 4 oder 5 Tage auftritt. Man

spricht demnach auch von einer Fibris quotidiana, tertiana, quartana,

quintana u. s. w. Ausser Fieber ist auch eine meist erhebliche

Schwellung der Milz während des Anfalles nachzuweisen. Neben diesen

mit einer gewissen Regelmässigkeit auftretenden Fieberanfällen kommen

jedoch auch unregelmässige Formen vor und man spricht dann von einem

perniciösen, remittirenden, larvirten, kontinuirlichen u. s. w.

Wechselfieber. Das Hauptarzneimittel gegen die Malaria ist Chinin. Die

Untersuchungen der letzten Jahre haben nun gelehrt, dass den +einzelnen

Malariatypen auch verschiedene Malariaparasiten entsprechen, welche+

sich in verschieden langer Zeit entwickeln.

Die +Entwicklung+ verläuft nach der Beschreibung von +Labbé+[218] in

folgender Weise.

[Illustration: Figur 29.

_a_-_g_) +Haemamoeba laverani varietas quartana aus dem Blute

malariakranker Menschen+ (nach +Labbé+).

_a_) frisch infizirtes Blutkörperchen. _b_) etwas grössere Keime.

_c_) erwachsener Parasit mit starker Pigmentkörnung, grosse lappige

Fortsätze bildend. _d_) abgerundete Form mit grossem Kern. _e_) Beginn

der Keimbildung. _f_) rosettenförmig um einen Restkörper angeordnete

Keime. _g_) freie Keime nach Zerfall des rothen Blutkörperchens.

_h_-_m_) +Haemamoeba laverani varietas tertiana aus dem Blute

malariakranker Menschen+ (nach +Labbé+).

_h_) amöboide Keime. _i_) erwachsene Amöboidform mit langen zarten

Pseudopodien. _k_) abgerundete erwachsene Form. _l_) Keime morulaartig

angeordnet. _m_) freie Keime nach Zerfall des rothen Blutkörperchens.]

Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen · 第 11 / 20 段